Kiva: Web 2.0 trifft Entwicklungshilfe

von Andreas Hobi am 15. Oktober 2008 · 12 Kommentare

Heute ist der weltweite “Blog Action Day”. 8’624 Blogs mit insgesamt über 9.2 Millionen Lesern sind dabei. Und so wie ich bereits letztes Jahr (Thema: Umwelt) teilgenommen habe, werde ich es auch dieses Jahr tun. Diesmal geht es um die Armut.

Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, in welchem niemand hungern muss. Jeder, der sich hier (legal) aufhält, hat Anrecht auf Sozialhilfe von der man gut leben kann; niemand ist gezwungen, auf der Strasse zu leben oder um Geld zu betteln.

Es gibt aber Länder, in denen das Überleben nicht selbstverständlich ist. Diese Länder sind auf die Hilfe der “westlichen Welt” angewiesen. Es gibt tausende von Möglichkeiten, wie man diesen Menschen helfen kann; heute will ich hier eine davon vorstellen: Kiva – loans that change lives

Über die Website von Kiva kann man direkt Geld an Kleinbetriebe und Personen in Entwicklungsländern verleihen. Die Betonung liegt hier auf verleihen, denn es handelt sich um Mikrofinanzierung und ist nur bedingt zu vergleichen mit Spenden.

Ich und die anderen Darlehengeber stellen das Geld zinsfrei zur Verfügung. Dies macht für mich auch Sinn, denn ich fände es ziemlich unethisch, wenn man sich an den Entwicklungsländern bereichern würde.

Die Rückzahlung ist nicht garantiert (“Lending to the working poor through Kiva involves risk of principal loss. Kiva does not guarantee repayment nor do we offer a financial return on your loan.”), doch gemäss Angaben von Kiva werden über 98 Prozent der Darlehen früher oder später retour gezahlt. Ich selber habe bisher auch noch keine “negativen” Erfahrungen diesbezüglich gemacht. Bisher wurden alle Raten pünktlich zurück gezahlt ($175 habe ich verleiht, $51 wurde bisher zurück gezahlt). Und falls dies mal nicht der Fall sein sollte, kann man das Geld ja immer noch als “Spende” abschreiben. ;)

Nun denn, werfen wir einen Blick auf meine bisherigen unterstützten Projekte:

Wie man sieht, gingen alle meine Darlehen bisher in den Mittel- und Südamerikanischen Raum. Die Statistik:

  • Männliche Darlehennehmer: 14.3%
  • Weibliche Darlehennehmer: 85.7%
  • Guatemala: 14.3%
  • Paraguay: 14.3%
  • Peru: 71.4%

Kiva arbeitet sehr stark mit den bekannten Web 2.0-Elementen. Google Maps, RSS, die Kreditnehmer führen Tagebücher (Blogs), man kann die Einträge kommentieren, jeder Darlehengeber erhält eine eigene Lender Page, man kann sich in Teams organsieren (Social Network) und so weiter und so fort.

Damit schafft es Kiva, auch die jungen Leute von der Mikrofinanzierung zu begeistern.

Doch es gibt auch negative Stimmen, was Kiva anbelangt. Experten sind der Meinung, dass Kiva die lokale Finanzwirtschaft schädigt. (Die lokalen Banken in den Entwicklungsländern verlangen um die 33% Zins.) Es ist unklar, ob die Experten dies von sich aus sagen, oder ob sie von globalen Banken (welche bekanntlich Zertifikate auf Mikrokredite anbieten und damit gutes Geld verdienen) bezahlt wurden. Ich persönlich bin jedenfalls von der Idee der Mikrofinanzierung begeistert und werde mit Sicherheit noch lange bei Kiva bleiben!

Habe ich euer Interesse geweckt? Dann meldet euch auch bei Kiva an! Mit 25 Dollar seit ihr bereits dabei.

Extra für diesen Artikel habe ich auch das schweizweit.net Lending Team auf die Beine gestellt. Falls ihr euch bei Kiva anmeldet, dürft ihr dort gerne beitreten. Der Sinn und Zweck dieser Lending Teams ist es, dass die Darlehen der verschiedenen Kiva-Mitglieder zusammengezählt werden; so sieht man dann am Beispiel meines Lending Teams auf einen Blick, wie viele Dollar von schweizweit.net-Lesern bisher ausgeliehen wurden. Die Mitglieder selber bleiben dabei zu jedem Zeitpunkt selbständig und entscheiden selber, wem sie Geld ausleihen möchten.

Noch ist der Stand auf $0, da die Gruppe erst heute online ging. Aber ich bin mir sicher, dass der Betrag bald steigen wird! :-)

Weshalb Kiva?

Nun könnte die Frage auftauchen, weshalb ich mich für Kiva engagiere und nicht für eine andere Organisation, die einfach Spendengelder in die Welt hinaus schickt. Nun: Bei Kiva sehe ich haargenau, wohin mein Geld fliesst und für was es verwendet wird. Ausserdem geht mein ganzes Geld dorthin, wo bei anderen Organisationen immer noch ein beträchtlicher Teil in die Administration fliesst. Durch die Idee der Rückzahlung kann ich “das gleiche Geld” immer und immer wieder ausleihen. Ausserdem macht es langfristig gesehen mehr Sinn, den Leuten den Aufbau eines eigenen Geschäfts mit Darlehen zu ermöglichen, als sie mit Spenden von uns abhängig zu machen. Ziel der Entwicklungshilfe soll es ja sein, dass die Leute dort eines Tages selbständig leben können und nicht mehr auf Unterstützung angewiesen sind.

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Reto Oktober 15, 2008 um 15:09

Huu, Konkurrenz ;-)

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mds Oktober 15, 2008 um 17:45

Wie finanziert Kiva die eigene Administration? Und zu welchen Zinssätzen vergibt Kiva Darlehen?

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Andreas Hobi Oktober 15, 2008 um 17:57

Kiva finanziert sich selber ebenfalls durch Spenden. Und das Geld von den Darlehengebern gibt Kiva ohne “Aufpreis” oder Zinsen an die Mikrofinanz-Organisationen vor Ort weiter, welche das Geld dann den jeweiligen Unternehmern auszahlen.

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Sandra-Lia Oktober 15, 2008 um 18:05

find ich gut, dass du so was machst :)

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Christian Hauser Oktober 15, 2008 um 19:52

Finde ich auch eine tolle Sache!

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Andreas Hobi Oktober 15, 2008 um 19:57

Dann meldet euch doch auch an! :-) Das Geld ist ja nicht “verloren”.

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Sandra-Lia Oktober 15, 2008 um 20:02

stimmt schon, is wohl besser angelegt, als wenn mans in die Kredithayanstalten investiert

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Karsten Oktober 16, 2008 um 23:26

Ich find das Projekt auch klasse. Und die Tatsache, dass der Laden derzeit nahezu täglich “ausverkauft” ist, spricht dafür, dass in der westlichen Welt sehr wohl Bedarf an einem Ausgleich der Lebensstandards besteht.

Ich bin jetzt seit über einem Jahr dabei, und empfehle es, wo ich kann, weiter.

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Sandra-Lia Oktober 17, 2008 um 23:59

naja, wenn mein bescheidenes Einkommen einmal die Möglichkeit bietet, das ich 100 Dollar entberen kann, so werd ichs auf jedenfall tun. Momentan siehts noch nicht danach aus, aber irgendwann :)

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Michael Oktober 21, 2008 um 13:57

Scheint eine gute Sache zu sein. Habe mich gleich auch mal angemeldet. Wenns gut funktioniert werde ich noch ein bisschen mehr Geld “investieren”

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Andreas Hobi Oktober 21, 2008 um 15:20

Freut mich zu hören! Du bist der erste, der von mir “geworben” wurde. Ich hoffe, Kiva gefällt dir. :)

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