PR-Instrumente der Zukunft: Blogs ganz vorne

von Andreas Hobi am 10. Oktober 2008 · 8 Kommentare

Am Montag hat die Bernet PR AG auf ihrem Blog über eine Diplomarbeit zur wirtschaftlichen Bedeutung neuer PR-Instrumente für PR-Agenturen geschrieben. Laut dieser Arbeit sind Blogs, Communities und Direct Mailings (Online Mailings, Newsletter, Email) die PR-Instrumente der Zukunft.

Geschrieben hat die Diplomarbeit eine Aleksandra Eric, durchgeführt wurde sie im Februar dieses Jahres, vollendet im Juni.

Und wie es so ist: Blogger schreiben am liebsten – na, was denkst du? – natürlich über sich selbst! Und da bin ich keine Ausnahme. ;-) Deshalb dieser Artikel.

Ich habe mir die Arbeit mal angeschaut und mir sind folgende Aussagen ins Auge gestochen:

Laut Eric wird es für die Nutzer immer einfacher, den Inhalt (Content) im Internet mitzugestalten und die Verbreitung zu beeinflussen. Damit entstand eine starke Bindung an das Internet als Informationsquelle, Kommunikations- und Vernetzungsmittel.

Doch nur wenige Firmen und PR-Agenturen wissen diese neuen Möglichkeiten zu nutzen. Es sind vor allem die kreativen Unternehmen, welche in diesem Bereich aktiv sind. So hebt Eric in erster Linie die Modebranche hervor, welche das Internet nutzt, um Modeschauen direkt über das weltweite Netz zu senden und die Vorschläge der Designer per Blogs an die Kunden zu bringen. Diese Interaktivität werde von den Dialoggruppen geschätzt.

Die Diplomarbeit geht auf viele verschiedene neue PR-Instrumente ein. Unter anderem Websites, Web-Portale, Wikis, Online-Events, E-Cards etc. In meinem Artikel will ich jedoch nur auf die Weblogs und ein Stück weit auf die Communities eingehen.

Bei der Frage, wie oft die PR-Agenturen Blogs als PR-Instrumente einsetzten, antworteten 15 Prozent mit “häufig”, 26 Prozent mit “gelegentlich”, 28 Prozent mit “selten” und die restlichen 31 Prozent mit “nie”. Sprich: 41% der Agenturen setzen Blogs regelmässig ein. Dem gegenüber steht die Kundennachfrage: 56 Prozent der Kunden fragen gelegentlich bis häufig von sich aus nach dem Einsatz neuer PR-Instrumente. Es scheint also so, als seien die Kunden neuen PR-Massnahmen gegenüber aufgeschlossener als die PR-Agenturen.

Immerhin sind 44 Prozent der Agenturen der Meinung, dass Weblogs zukünftig stark an Bedeutung gewinnen werden. Damit dürften sie imho ziemlich richtig liegen.

Erwähnenswert finde ich die Schlussworte von Eric:

Vor zehn Jahren war es den Unternehmen noch wichtig, den Kunden durch ein gutes  Produkt und einen guten Kundenservice an sich zu binden. Heute stehen Markenidentität, Emotionalisierung und immer häufiger auch Communities, Subkulturen sowie soziale Netzwerke im Vordergrund.
(Aleksanra Eric, Wirtschaftliche Bedeutung neuer PR-Instrumente, 2008)

Diesen Trend bestätigt auch folgende Grafik von ihr:

Noch werden Weblogs nur wenig eingesetzt (Quadrat “tief”), doch das Entwicklungspotential wird als gross angesehen (Quadrat “hoch”). Noch besser steht es für die Communities; deren Entwicklungspotential ist laut den PR-Agenturen deutlich grösser.

Meine Meinung: Vielleicht sollte man Weblogs und Communities nicht so stark voneinander getrennt anschauen sondern diese miteinander verknüpfen. Ein Blog kann durchaus auch eine Community darstellen. Vielleicht weniger im Sinne von Facebook & Co, sondern vielmehr im Sinne von “Fans der entsprechenden Marke”. Auf diese Weise könnte manche Firma die Kunden besser an sich binden und deren Bedürfnisse deutlicher erkennen.

Blogs böten den Firmen die Möglichkeit, die neuen Produkte und Angebote direkt den Kunden vorstellen zu können; ohne teure Umwege über PR- und Werbeagenturen. Ausserdem können Unternehmen in ihren Blogs auf etwaige Gewinnspiele und Verlosungen auf der Firmen-Website aufmerksam machen oder ihr Stellenangebot publizieren, um so zu einer noch grösseren Auswahl an potentiellen Kanditaten gelangen zu können.

Desweiteren bieten Blogs den Firmen die Möglichkeit, ihre Sichtweisen und Meinungen ungefiltert (sprich: Nicht durch Medien zensiert / verändert / gefiltert) an den Mann oder die Frau zu bringen. In voller Länge. So ausführlich und detailliert wie nötig. Ein zusätzliches Betätigungsfeld für die Mediensprecher täte sich hier auf.

Die Technik ist vorhanden. Man muss sie nur nutzen. Und zuvor die Hemmschwelle überschreiten und ein wenig Mut zeigen. :)

Die Idee dieses Artikels beruht auf einer Frage, die mir gestern von einer Journalistin (SBB-Zeitung) gestellt wurde: “Wie schätzt Du die Zukunft von Weblogs ein?”
Hat dir dieser Artikel gefallen? Falls ja, gebe deine Stimme ab und klicke auf den +1-Button! Ausserdem kannst du einen Kommentar hinterlassen, um uns deine Meinung zu diesem Artikel mitzuteilen.

Das ist ein Artikel von

Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

Andreas hat bereits 1466 Artikel hier auf schweizweit.net geschrieben.

Alle Artikel von → | Twitter: @andreashobi | Facebook

Du möchtest auch gerne einen Artikel schreiben? Kein Problem! Melde dich hier...

{ 8 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Moritz Oktober 10, 2008 um 16:32

Ich haette dem Typ fuer die Arbeit kein Diplom gegeben. Im Schlusswort macht er eine Anreihung von Schluesselwoertern ohne jeglichen logischen Z’hang.

Unternehmen haben das Ziel Geld zu machen und nicht Kunden an sich zu binden. Oder macht heute eine Firma schlechte Produkte und kompensiert das mit einer Webcommunity?

Also ich verstehe nicht was der Schlusssatz genau sagen will.

Geht es um Werbung? oder geht es um neue Unternehmenskonzepte?

Sorry. Ich weiss, wahrscheinlich bin ich zu bloed.

Antworten

Andreas Hobi Oktober 10, 2008 um 16:46

Die “Anreihung von Schlüsselwörtern ohne jeglichen Zusammenhang” nennt man Literaturverzeichnis. ;)

Klar ist es das Ziel von Unternehmen, Umsatz zu machen. Wenn man es jedoch schafft, möglichst viele Kunden stark an das eigene Unternehmen zu binden, verbessert sich das Image, erhöht sich der Umsatz und die Kunden bleiben der Firma treu.

Es geht weniger um Werbung oder neue Geschäftsideen / Unternehmenskonzepte, sondern viel eher um Public Relation; um eine Beziehung zwischen Unternehmen und Kunde.

Antworten

Moritz Oktober 10, 2008 um 16:56

Frueher war zuerst das Produkt und das Marketing versuchte es mit Werbung zu verkaufen.

Jetzt geht das Marketing viel weiter. Es definiert das Produkt und verwendet neue Verkaufsmethoden wie eben Kundenbindung und so weiter…

Antworten

honigbaerli Oktober 10, 2008 um 22:03

ich finde blogs werden noch zu wenig für solche sachen eingesetzt…ich habe schon oft in letzter zeit infos aus blogs erfahren und dann ein paar tage danach las ich die info erst in der normalen printpresse!
da ist sicher noch potenzial da..diesen kanal der blogs auch zu nutzen!

Antworten

FLOG Oktober 11, 2008 um 08:48

in diesem Umfeld ist auch das “seeding” anzusiedeln. Spezialisierte Agenturen erhalten von den Firmen den Auftrag, quasi undercover ein Video oder eine Story im Netz gezielt zu steuern, damit daraus ein “Buzz” entsteht – funktioniert nicht immer. Aber gerade Apple und andere Gadgets Firmen verstehen es sehr gut, sogenannte illegale Fotos von noch nicht lieferbaren Prototypen ins Internet zu stellen und dann zu behaupten, dass komme nicht von ihnen.

Antworten

Andreas Hobi Oktober 11, 2008 um 10:22
Martin Oktober 13, 2008 um 23:01

Das ist aber eine etwas dürftige Diplomarbeit.

Aber noch viel schlimmer: Wer interessiert sich für Blogs als PR-Massnahme? Klar, Blogs haben ein wirtschaftliches Potenzial: Einerseits können sie stärker in Communities eingebunden werden, andererseits können beliebte Blogs als zielgruppenspezifische Werbeplattformen genutzt werden.

Aber wer interessiert sich für “Corporate Blogs”? Blogs sollen eine gewisse journalistische Qualität beinhalten (Schaffen leider nur die wenigsten Blogger) und regelmässig mit interessanten Artikeln aktualisiert werden. Es gibt bereits Blogs, die zu PR-Zwecken eingesetzt werden (Marken-Blogs, Politiker-Blogs..), und die Inhalte sind vielfach einseitig und leicht als Werbemassnahme zu durchschauen.

Wie ein leidenschaftlicher Blogger wie du die Instrumentalisierung seines eigenen journalistischen Mediums zu rein kommerziellen Zwecken so enthusiastisch befürworten kann, ist mir schleierhaft.

Antworten

Andreas Hobi Oktober 13, 2008 um 23:56

Danke für das Kompliment für den leidenschaftlichen Blogger. ;-) Nun, in meinen Augen wird, darf und soll es alle verschiedenen Arten von Blogs geben, von den angesprochenen “leidenschaftlichen” Blogs über Politiker-Blogs bis hin zu Corporate Blogs.

Selbstverständlich muss dabei immer volle Transparenz und Offenheit herrschen! Die Leser müssen wissen, welcher Politiker oder welche Partei hinter dem Politik-Blog steckt, die Leser sollen erfahren, wenn eine Firma einen Blog sponsert, sonstwie unterstützt oder gar selber betreibt.

An Corporate Blogs bin ich grundsätzlich nicht uninteressiert (so lese ich zum Beispiel ein paar Google-Blogs), bedauere es aber, dass es in unseren Breitengraden kaum Firmen gibt, mit denen ich zu tun habe und die gleichzeitig bloggen. So hätte ich die Möglichkeit, etwas sehr rasch und sehr klar von einer Firma zu erfahren, was die Medien entweder nicht oder nur teilweise gebracht oder völlig aus dem Zusammenhang gerissen wiedergeben hätten. (Für eine gute Story verdrehen einige Journis die Tatsachen auch gerne mal…)

Natürlich ist ganz klar (wie von dir schon gesagt): Die Blogs müssen textlich überzeugen und eine gewisse Qualität haben. Marketinggeschwafel und Lobhudelei will niemand. Authentizität ist das Stichwort. Regelmässige Einträge sind toll, in Zeiten von Feedreader und Email-Abo imho jedoch kein Muss.

Betreffend der Instrumentalisierung des eigenen Mediums zu rein kommerziellen Zwecken: Für Blogs gilt schlussendlich das Gleiche wie für die Printmedien. Es gibt ja nicht nur eine Art von Printmedium, sondern unter anderem Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Sonntagszeitungen, Magazine, Regionalzeitungen, Gratiszeitungen, Anzeigenblätter, usw. Genau gibt es auch verschiedene Arten von Blogs: Es gibt die Tagebücher pubertierender Teenager, Politikerblogs, Mitarbeiterblogs, Firmenblogs, Techblogs, usw. So gesehen darf ein Blog auch “kommerziell” sein.

Was jedoch nicht geschehen sollte: Dass ein Blog je nach Lust und Laune von einer in die andere Sparte wechselt. Man sollte seiner Linie schon treu bleiben, das ist klar.

PS: Über die Qualität der Diplomarbeit will ich mal nicht urteilen, im Vergleich zu meiner Abschlussarbeit über die Zukunft des Mystery Parks jedoch kommt sie nicht schlecht weg. ;-)

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Previous post:

Next post: