In meinem “Lager” habe ich zurzeit rund 150 Blogbeiträge, an denen ich mal mehr oder weniger stark arbeitete. Manche bestehen aus nur zwei, drei Worten, als Erinnerung oder Idee, über was ich mal noch schreiben könnte. Andere wiederum sind bereits von A bis Z geschrieben, warten jedoch noch auf ihre Veröffentlichung. Meistens hängt das damit zusammen, dass ich mir nicht sicher bin, wie der Artikel “da draussen” ankommen wird. Zu diesen gehört auch der folgende Beitrag. Geschrieben im Frühling, aber bisher nie veröffentlicht.
Es war mein letzter Arbeitstag vor meinen zweiwöchigen Frühlingsferien, als ich in einem Pendlerzug frühmorgens zwischen Pfäffikon SZ und Zürich HB die Fahrausweise kontrollierte. Pendlerzüge sind selten spektakulär: Die meisten Kunden haben ein Abo oder eine Mehrfahrtenkarte, ab und zu verkauft man einen Klassenwechsel oder ein Fahrgast hat sein Abo vergessen.
Doch an diesem Tag, am letzten Tag vor den Ferien, durfte ich ein Erfolgserlebnis verbuchen.
WICHTIGER HINWEIS: In der Vergangenheit habe ich wiederholt festgestellt, dass einige meiner Leser Mühe haben, wenn ich mich darüber “freue”, jemanden beim Schwarzfahren erwischt zu haben. Diese Leser bitte ich, hier nicht mehr weiter zu lesen, da sie sich ansonsten nur wieder ärgern und aufregen werden. ;o)
Der junge Herr (knapp noch nicht volljährig) zeigte mir am 11.04.2008 sein Halbtax und eine Mehrfahrtenkarte. Die MFK war im ersten Feld mit dem Datum vom 10. April entwertet, im zweiten Feld mit jenem vom 11. Soweit, so gut. Doch das zweite Feld irritierte mich leicht. Irgendwas schien da nicht zu stimmen. Ich wusste zwar im ersten Moment nicht genau, was mich daran störte, doch ich wollte es unbedingt genauer anschauen.
Ich bat den Kunden, mir die Karte mal zu geben, was er dann auch tat. Daraufhin stellte ich fest, dass das zweite Feld mit einer speziellen Substanz bearbeitet war, so dass er sie beliebig oft immer und immer wieder entwerten konnte. (Normalerweise kann man jedes Feld nur einmal entwerten.) Ich will hier jetzt nicht sagen, um welche Substanz es sich dabei handelte. Schliesslich will ich ja keinen meiner Leser zum Nachahmen animieren. :) Doch es handelte sich um einen Trick, den wir Zugbegleiter schon seit längerem kennen. Es ist nicht immer ganz leicht, Mehrfahrtenkarten, welche mit diesem Stoff behandelt wurden, von echten zu unterscheiden. Doch hier gelang es mir.
Als ich die Karte daraufhin auch noch mit meiner UV-Lampe untersuchte, bestätigte sich mein Verdacht.
Ich nahm die Personalien des Kunden auf und zog die MFK ein, um sie an unseren Fälschungsspezialisten in Bern zu schicken. Tja, da hat der Junge Pech gehabt, dass er gleich bei seiner (nach eigenen Angaben) ersten Schwarzfahrt erwischt wurde. Da das erste Feld der MFK mit dem Datum vom Vortag entwertet war, glaube ich ihm, dass es sein erster Betrugsversuch war.
Ich hoffe für ihn, es war auch sein letzter Betrug. Er ist noch jung und könnte aus seinem Leben noch weit mehr machen, als sich mit kleinen Betrügereien durchs Leben zu wursteln. Vielleicht war ihm dieses Erwischtwerden eine Lehre.
An dieser Stelle möchte ich auch gleich mal ganz klar sagen: Es ist nicht unbedingt so, dass ich mich jeweils “freue”, wenn ich einen Schwarzfahrer erwische. Doch mein Job basiert darauf, dass Menschen nicht von Grund auf ehrlich sind, sprich, dass manche Personen ohne gültige Fahrausweise reisen. Um diese Personen zu finden, braucht es uns. (Ansonsten würde es ja reichen, einen Zugbegleiter pro Zug zu stellen, welcher dann einfach für Informationen zur Verfügung steht.) So gesehen ist natürlich schon eine gewisse Genugtuung da, meinen Job richtig erledigt zu haben. Ausserdem zeigen solche Vorfälle meinem Chef auch immer, dass ich bei der Sache bin und die Fahrausweise genau unter die Lupe nehme.
Andererseits fnde ich es immer wieder traurig, wenn ich mir vorstelle, was für Schicksale hinter diesen Schwarzfahrern stehen könnten. Es gibt in unserem Land Leute, die täglich schauen müssen, woher sie das Geld für ihr Essen bekommen und wie sie die Kinder durchbringen. Dass diese Leute es dann auch mal mit Schwarzfahren versuchen, ist naheliegend.

{ 12 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
..::: SBB: Kunde mit gefälschtem Billett erwischt :::..
Der Titel sieht so einfach nur sch***** aus. Sieht eher nach 0815-Script Kiddy aus die die erste Website machen oder nach einem Nickname im Windows Live Messenger…
Und bezüglich dem Artikel: Was hat er denn genau mit dieser Substanz gemacht? Schnall ich irgendwie nicht…
Ups, da habe ich den eigentlichen Missbrauch wohl zu wenig genau beschrieben. (Im Teaser auf der Startseite habe ich es erwähnt, im Hauptext jedoch ging es vergessen.) Habe den Text jetzt angepasst: Schlussendlich ging es darum, dass er die Mehrfahrtenkarte so bearbeitete, dass er sie beliebig oft, immer und immer wieder entwerten konnte. (Normalerweise kann man jedes Feld ja nur einmal entwerten.)
Ich verstehe es schon das es Leute gibt die wenig Geld haben, aber die gehen ja auch nicht alle in Shops und klauen da Waren. Schwarzfahren ist für mich auch eine art Diebstahl. Deshalb tut mir eigentlich niemand leid der schwarz fährt und erwischt wird.
Wenn jemand wirklich zu wenig Geld hat um sich das nötigste zu kaufen dann sollte dieser eine unserer sozialen Einrichtungen anfragen ob die ihn unterstützen könnten. Dafür sind die da. Man ist ja nicht gleich ein Sozialschmarotzer nur weil man Hilfe in Anspruch nimmt.
Zum neuen Design habe ich auch noch etwas zu sagen:
Leider verschwindet bei mir (Opera Nutzer) der Scrollbalken nach einer gewissen Zeit. Zudem ist die Seite zu hell. Ich sehe die Felder für Name und Mailadresse gar nicht, auch wenn ich das Display dunkler mache.
Lieber Andreas,
mit solchen “Bschissicheibe” habe ich kein Erbarmen!
Diejenigen, die wirklich besch… dran sind, sind meist ehrlicher, als mancher, der sich noch dies und jenes leisten kann. Ich erlebe dies tagtäglich am Schalter.
Es sind gewisse, gewiefte Männlein, wie Weiblein, alt wie jung, CH oder Ausländer, die das Gefühl haben, noch ein wenig mehr heraus zu holen. Die einen bewegen sich in einer Grauzone ,darum auch gibt’s auch Graufahrer(die welche in einem begleiteten Zug ohne Ticket fahren, in der Hoffnung es käme kein Kontrolleur) oder die bewussten Schwarzfahrer, die sich sagen; mal schauen, wie lange ich ohne Ticket fahren kann, ohne erwischt zu werden.
Ich versuche am Schalter für jeden das günstigste Angebot heraus zu holen, aber Rappenspalter mag ich nicht.
Apropos Betrug; ich habe mal einen internen Bericht gelesen über die Höhe der Beträge, die der SBB jährlich flöten gehen wegen Betrug. Das sind einige Tausend Franken!
War vor einigen Tagen im RegioExpress Thun – Konolfingen unterwegs. Ein junger Mann (ca. 25 Jahre alt) wurde just in einer Kontrolle ohne Ticket erwischt. Ich (mit Ticket..!) sass vis-à -vis von ihm und hörte auch seine Ausrede: Er hätte in Thun zuwenig Zeit gehabt, ein Ticket zu lösen, er käme gerade aus Spiez und der Zug hätte Verspätung gehabt.
Momentmal, dachte ich mir, wieso löst du Löli nicht einfach ein Ticket Spiez – Zielort?
Die Kontrolleure jedenfalls kassierten von ihm die Busse und alles was dazugehört…
Manchmal muss ich mich doch wirklich ab den Leuten fragen..! Es wäre ihn billiger gekommen, wenn er ein Ticket gelöst hätte…
Die typische Ausrede. Zu wenig Zeit, zu grosse Schlange, Automat akzeptierte 200er-Note nicht… Bla bla bla… Auf alle Fälle sind sie selber nie schuld, es ist immer der doofe Automat, die SBB mit ihren zu langen Schlangen oder der letzte Zug, der “immer verspätet” am Umsteigeort ankommt.
Hallo,
nett gescheieben, gerne mehr davon :-)
“ich habe mal einen internen Bericht gelesen über die Höhe der Beträge, die der SBB jährlich flöten gehen wegen Betrug. Das sind einige Tausend Franken!”
Also wenn das nur einige tausend Franken wären… wahrscheinlich sind es einige hunderttausend. Aber was soll die ganze Aufregung um Schwarzfahrer und die völlig hypothetische Debatte, wenn-schwarzfahrer-nicht-schwarz-fahren-würden?
Die Schwarzfahrerei ist ein Problem, welches sämtliche ÖV-Betriebe betrifft. Diese Betriebe verfolgen, wie die SBB, eine Preispolitik. Wenn die Einnahmen nicht stimmen, können die Fahrpreise erhöht werden. So ein Schwarzfahrerproblem taucht ja nicht abrupt auf wie eine Börsenkrise, sondern existiert wahrscheinlich, seit es die SBB gibt. Genug Zeit also, die Preispolitik anzupassen. Ich gehe folglich davon aus, dass wir ehrliche Kunden dafür zahlen, dass einige Menschen halt Schwarz fahren. Wenn sich also jemand aufregen darf, dann der Kunde.
Kein Wunder, dass das viele denken, wenn Du solche Formulierungen gebrauchst:
“Erfolgserlebnis” bedeutet anders gesagt, dass Du geradezu darauf hinfieberst, jemanden zu erwischen. Und das finde ich zumindest nicht gerade eine vorbildliche Einstellung zum Beruf.
Als ich vergangenes Wochenende wieder mal in die Heimat gefahren bin, wollte da ein eher älterer Mann dem Zugbegleiter sein 1/2-Tax nicht zeigen, weil “der Zugbegleiter ihm vertrauen müsse, dass er es habe” Der Zugbegleiter liess sich nicht beeindrucken und behielt dann einfach seinen Fahrausweis. Nach dem nächsten Halt kam er dann mit seinem Kollegen und der Fahrgast wollte immer noch nicht und sagte, er zeige es nur der Polizei. Dann sagte der Kollege, dass er die Polizei sei (was ja nicht falsch ist, weil er ja Bahnpolizeiliche Befugnisse hat) und nun das 1/2-Tax zeigen solle. Das tat er dann nach langem hin und her auch. Es dürfte sich wohl annähernd der halbe Wagen über diesen Fahrgast geärgert haben, weil er nicht unbedingt sehr leise war…
@ Christoph:
Ja, solche Fahrgäste sind eklig. Aber gehört wohl zu unserem Beruf. :)
Ich mache es mir da oft relativ einfach. Hat er ein Retourbillett, ist aber erst auf der Hinfahrt und möchte sein Halbtax nicht zeigen, entwerte ich einfach gleich auch die Retourfahrt. Zweimal einfach 1/2 = einmal einfach 1/1
Bei einer Mehrfahrtenkarte entwerte ich kurzerhand ein weiteres Feld. So erspare ich mir die Diskussionen und kann weiterarbeiten.
So wie die SBB mit Fahrgaesten umgehen, die Fehler bei der Bedienung der unuebersichtlichen Billettautomaten haben, wuensche ich der SBB moeglichst viele unentdeckte Schwarzfahrer!