Interessanter Artikel über Corporate Blogs

Corporate Blogs - Ein Thema, welches mich nach wie vor fasziniert. Soeben bin ich wieder auf einen äusserst interessanten Beitrag gestossen: “Corporate Blogs - zuerst vertrauen, dann werben”
Philipp Sauber schreibt in dem Artikel über den seiner Meinung nach bevorstehenden Wandel in der Online-Kommunikation. Das Web 2.0 habe eine neue Generation von Kunden erschaffen und damit auch gleich neue Rahmenbedingungen für die Unternehmens-Kommunikation definiert.
Aus passiven Konsumenten werden aktive Produzenten, die sich vor einer Auftragvergabe oder ihrem Kaufentscheid online über ein Unternehmen sowie dessen Produkte und Dienstleistungen informieren und ihre gesammelten Erfahrungen dann gleich noch weiter geben.
Philipp Sauber, Website-Marketing.ch
Um was geht es?
Wir leben in einer Welt, in welcher Online-Aktivitäten einen immer grösseren Stellenwert einnehmen. Facebook, Youtube, Blogs, Friendfeed, Virales Marketing, Social Networks, Word of Mouth-Marketing. Das alles ist erst der Anfang.
Lange Zeit brauchte man für die Online-Aktivitäten einen Computer, ein Laptop oder ein anderes sperriges Gerät. Heute kann man alles auch über wenige Gramm schwere mobile Geräte erledigen. iPhones, PDAs, und seit neustem das G1 von Google und T-Mobile.
Mit diesem Fortschritt auf der Seite der Hardware hält die Online-Welt nun definitiv Einzug selbst im hintersten Winkel unseres Lebens. Es wird Zeit, dass sich die Unternehmen auf diese Tatsache einstellen.
Die Geschichte wiederholt sich
Als das Internet den Weg aus dem CERN fand, konnte es erstmals nur wenige Leute begeistern. Viele wussten nicht, wozu “das Ding” gut sein soll. Auch ich hatte anfangs meine Berührungsängste mit dieser virtuellen Welt, und dies, obwohl ich schon immer gerne mit Computern herumspielte.
Ich hatte die Möglichkeiten des WWW eindeutig unterschätzt. “Dies wird kein zweites Mal passieren!”, schwor ich mir danach. Von nun an werde ich immer auf dem neusten Stand der Dinge sein, wenn sich etwas in unserer Welt verändert. Egal, ob in der On- oder Offline-Welt.
Im den Jahren zwischen 1990 und 1995 konnte sich kaum ein Unternehmen vorstellen, wie ihm das Internet nützen könnte. Heute kann sich kaum ein Unternehmen vorstellen, keine eigene Web-Präsenz zu besitzen.
Ich bin überzeugt, dass sich die Geschichte jetzt mit dem sogenannten Web 2.0 wiederholt. Unter “Web 2.0″ versteht man die Möglichkeit, nicht mehr einfach nur Konsument (engl.: Consumer) zu sein, sondern auch Produzent (engl.: Producer). Daraus entsteht das Kunstwort “Prosument” beziehungsweise “Prosumer“.
Alvin Toffler benutzte diesen Begriff bereits im Jahre 1980 in seinem Buch “The Third Wave” (Die dritte Welle) und meinte damit Personen, die sowohl Verbraucher (=Konsumenten) als auch Hersteller (=Produzenten) des von ihnen Verwendeten sind. Ob Toffler damals für möglich hielt, dass seine Vision einst Realität wird?
Doch zurück zum eigentlichen Thema; wie gesagt, ich bin überzeugt, dass sich die Geschichte wiederholt. Viele Unternehmen wissen nicht, wie ihnen das Web 2.0 helfen könnte. Lieber distanzieren sie sich “von solchen Dingen” so weit wie nur irgendmöglich. Youtube und Facebook werden auf den internen Netzwerken gesperrt und mit Blogs will man rein gar nichts zu tun haben.
Diese Einstellung gegenüber der sich ändernden Welt ist verheerend! (Für Privatpersonen vielleicht ein bisschen weniger als für Unternehmen.)
Wie man mit dem Web 2.0 umgehen sollte
Nehmen wir das Beispiel mit den Blogs. Es gibt immer mehr Leute, welche selber einen Blog erstellen oder auf Gemeinschaftsblogs mitschreiben. Verhindern kann das niemand. Wenn nicht die eigenen Mitarbeiter über die Firma bloggen, dann tun es bestimmt ein paar Kunden. Doch letztere sind dem Unternehmen selten so gut gesinnt wie die eigenen Mitarbeiter. Ausnahmen wie Apple bestätigen die Regel.
Anstatt also die Blogs in enge Schranken verweisen oder gar verbieten zu wollen, ist es klüger, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Und anstatt die Blogs von Kunden mit Klagen einzudecken, sollte man besser das Gespräch suchen.
Schnell wird klar, die Kommunikation im Netz nimmt zu und ein professionelles Reputationsmanagement wird immer wichtiger.
Philipp Sauber, Website-Marketing.ch
Auf diese Ort erhält man in der Online-Welt ein gutes Image und wird dann von der Community auch entsprechend weiterempfohlen. Wer sich jedoch gegen die Entwicklung sperrt, riskiert einen Image-Schaden.
Gleiches gilt auch für Foreneinträge oder Twitter-Posts. Ich kann jedem Unternehmen nur raten, diese Dinge im Auge zu behalten und aktives Reputationsmanagement zu betreiben. Dies ist wichtiger denn je.
Wie man das Web 2.0 für sich nutzen kann
In einigen Jahren werden alle grösseren Firmen Blogs betreiben; davon bin ich felsenfest überzeugt. Am meisten profitieren jedoch die Early Adopters, also jene Firmen, welche sich bereits heute auf das Experiment Web 2.0 eingelassen haben.
Diese Firmen bauen sich im weltweiten Netz momentan ohne grosse Konkurrenz eine gigantische Fangemeinde auf. Wenn nun in ein paar Monaten oder Jahren ein weiteres Unternehmen aus der gleichen Branche sich mit Web 2.0-Elementen betätigt, wird dieser Spätzünder deutlich weniger “Fans” haben. Die Letzten werden die Ersten sein - Dieser Bibelspruch zählt hier für einmal nicht.
In den Kommentaren auf Website-Marketing.ch schreibt es eine “Ladina” richtig:
Ich denke Corporate Blogs sind ein wunderbares Kommunikations-Instrument für den Austausch mit den eigenen Kunden und sonstigen Interessensgruppen. Ein Unternehmen kann seiner Kundschaft via Corporate Blog Informationen über das eigene Business zur Verfügung stellen und dann anhand des Feedbacks abwägen, wie die Kunden zu den Ideen, Projekten, neuen Produkten etc. stehen. Entscheidend ist jedoch, dass der Austausch ehrlich, transparent und stimmig ist.
Und Martin Hunkeler setzt gleich nach:
Ein Firmenblog wird das Kommunikationsinstrument der Zukunft sein. Was sage ich auch - der Gegenwart. Nur haben es leider noch nicht viele Firmen gemerkt. Stattdessen werden in den Printmedien teure Publireportagen gebucht oder wird rumgemeckert, dass die eigene Reputation den Bach runter geht, nur weil die Presse einen schlechten Artikel geschrieben hat. Wieso das Heft nicht selber in die Hand nehmen? Es war noch nie einfacher als heute im Web 2.0.
Auch die restlichen Kommentare zum Artikel sind äusserst lesenswert. Hier der Link dazu.
Deutschsprachige Corporate-Blogs
Im deutschsprachigen Raum gibt es zwar einige Corporate Blogs, doch die meisten gehören zu sehr kleinen Firmen. Nur wenige grosse Unternehmen gehen mit der Zeit und stellen einen Corporate Blog ins weltweite Netz.
Der grösste dürfte dabei derjenige der Daimler AG sein. (Schade, dass es ausgerechnet ein Automobil-Blog sein muss…) Dort erzählen die Mitarbeiter unter dem Titel “Daimler-Blog - Einblicke in einen Konzern” von ihrer Arbeit. Vom Lehrling bis zum leitenden Angestellten machen alle mit, und die Artikel sind meistens wirklich sehr gut geschrieben.
Gemäss Google verlinken weltweit 1′490 Webseiten auf www.daimler.com und 498 Webseiten auf blog.daimler.de. Der Daimler-Blog erhält also rund ein Drittel so viel Zuspruch wie die eigentliche Konzern-Website. Eine erstaunliche Zahl! Und ein Zeichen dafür, dass Corporate Blogs bei den Kunden ankommen.
Bild ganz oben © pixelio.de
![3Monkeys [ 神厩 / 日光東照宮 ]](http://farm1.static.flickr.com/142/347638513_393b5488d4.jpg)



Sandra-Lia am 03.10.2008 um 15:54
Naja, ich bin da etwas weniger Optimistisch. Ich denke, mit der Zeit wirds einige qualitativ hochwertige Blogs auch von Firmen geben. So wie zb. den von Namics. Allerdings denke ich, das ganze ist wohl eher ein Phänomen. Denn die Firmen müssen erst lernen, mit Krittik umzugehen, und dass können die meisten nicht.
Andreas Hobi am 03.10.2008 um 18:58
Ich bin und bleibe Optimist. ;-)
uknaus am 03.10.2008 um 21:41
…schön, dass das Daimler-Blog auch in der Schweiz Beachtung findet :-)
FLOG am 06.10.2008 um 17:33
bin ja gespannt, in welche Richtung das Thema bei den SBB entwickelt.
off topic: Redesign gefällt mir sehr gut, v.a. die Teaser auf der Startseite! congratulations!
Andreas Hobi am 06.10.2008 um 17:43
Danke für die Blumen! Bin auch froh, dass es so gut geklappt hat. :)