Im Zug belauscht

von Andreas Hobi am 1. Oktober 2008 · 3 Kommentare

Im Zug erlebt man halt immer wieder die witzigsten Sachen. Teilweise lustig, teilweise irritierend, manchmal ärgerlich und manchmal einfach nur schräg.

So auch vor einigen Tagen. Ich sass also in Chur im Intercity und erlebte dabei folgendes:

Die Abfahrtszeit ist schon seit rund drei Minuten vorbei. Am gleichen Perron neben unserem Zug fuhr vor etwa einer halben Minute der verspätete RhB-Zug aus St. Moritz ein. Die Leute steigen um; während die einen bereits in unserem Zug sind, steigen die anderen erst jetzt gerade aus dem RhB-Zug aus.

Zugchef (per Lautsprecher): Geschätzte Fahrgäste, wegen Abwarten von Anschlussreisenden verzögert sich unsere Abfahrt um rund vier Minuten.

Eine Dame läuft mit ihrem Mann vom vorderen Erstklasswagen her kommend in meine Richtung. Vermutlich suchen sie die zweite Klasse. Kaum ist die Durchsage zu Ende, höre ich sie sagen:

Dame: Ja gopfertelli, dä söll jetzt endli mal fahre, mir händ scho gnueg Verspötig, mir chönt ja au nünt dafür, dass die z’spat sind!

Sie denkt wohl, der Zugchef habe gesagt, dass wir noch auf einen weiteren Anschlusszug warten. Dabei hat der Zugchef ihren Zug gemeint. :)

Herr: Dä meint imfall üs. Mir sind diä vom verspötete Aschlusszug.

Dame: Äh, ja, so, ja jetzt sind mir ja da, jetzt chan er ja fahre. I weiss nid, was dä Kondukteur so blöd tuet! “Verspöteti Aschlussreisendi”! Als ob mir z’Schuld wärend an dä Verspötig!

Den Rest habe ich dann nicht mehr verstanden, weil sie sich zu weit von mir entfernt hatten. Schade eigentlich, hätte noch gerne ein wenig zugehört. ;o)

Falls ich diese Diskussion nicht falsch verstanden oder falsch interpretiert habe, dann sind dies wieder einmal zwei Exemplare des “Homo Egozentricus”. Menschen, denen es immer nur um sich geht. Ich ich ich. Hauptsache mir geht es gut, den anderen darf es ruhig mies gehen. Ich stehe im Zentrum des Universums! Mir muss es gut gehen!

Ich habe schon mit anderen Menschen (naheliegenderweise vor allem auch mit Zugbegleitern) über solche Leute gesprochen. Sitzen diese Menschen in einem Zug, der mit Verspätung unterwegs ist, ist es für sie selbstverständlich, dass der Anschlusszug wartet und sie mitnimmt. Alles andere wäre eine Frechheit und mal wieder ein Grund, über die SBB zu lästern.

Sitzen sie aber im Zug, der auf den verspäteten Anschlusszug wartet, dann haben sie dafür absolut kein Verständnis, nach dem Motto: Wir können ja auch nichts dafür, dass diese Leute zu spät unterwegs sind! Fährt nun ihr Zug nicht pünktlich ab, weil er noch auf den verspäteten Anschlusszug wartet, dann ist das für sie eine Frechheit und mal wieder ein Grund, über die SBB zu lästern.

Traurig, traurig, und ein wenig schizophren. Dann aber, mit ein wenig Distanz, kann ich über solche Leute nur lachen.

Und lachen kann man auch bei folgenden Beispielen aus den öffentlichen Verkehr; gefunden bei www.belauscht.de:

Wenn ihr auch schon witzige Sachen im öffentlichen Verkehr gehört habt, dann schreibt doch darüber in den Kommentaren zu diesem Artikel! :)

Hat dir dieser Artikel gefallen? Falls ja, gebe deine Stimme ab und klicke auf den +1-Button! Ausserdem kannst du einen Kommentar hinterlassen, um uns deine Meinung zu diesem Artikel mitzuteilen.

Das ist ein Artikel von

Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

Andreas hat bereits 1441 Artikel hier auf schweizweit.net geschrieben.

Alle Artikel von → | Twitter: @andreashobi | Facebook

Du möchtest auch gerne einen Artikel schreiben? Kein Problem! Melde dich hier...

{ 3 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Sandra-Lia Oktober 1, 2008 um 19:03

tja, das nennt man Egoismus, und das ist leider eine Sache, über die ich schon so oft gebloggt habe. Die Menschen ändern sich halt nie.

Antworten

pattex Oktober 1, 2008 um 19:28

es ist immer wieder zum schmunzeln,wie sich ungeübte Reisende über Dinge aufregen, die GA-Besitzer oder Pendler gewohnt sind.Ich freue mich schon wieder auf den Winter, wenn die Autofahrer-Pendler wegen unsicheren Wetterverhältnissen die Sitzplätze belagern und man höflich fragen kann, ob die Tasche auch ein Billet hat…..

Antworten

Philippe Wampfler Oktober 4, 2008 um 14:30

Schönes Beispiel – das zeigt, wie die Wahrnehmung der SBB von ihrer tatsächlichen Leistung abweicht. Eines der besten Unternehmen der Schweiz, das ein sensationelles Preis-Leistunsverhältnis bietet, muss sich von ignoranten Passagieren ständig vorwerfen lassen, zu teuer zu sein, zu unpünktlich, zu überlastet usw.

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Previous post:

Next post: