Führungsgrundsätze eines perfekten Chefs?

von Andreas Hobi am 26. September 2008 · 1 Kommentar

Ich habe schon von guten und von schlechten Chefs gehört. Mit Sicherheit zu den meiner Meinung nach besten Chefs gehört Kevin Roberts.

Nein, Roberts arbeitet leider nicht bei der SBB oder einer anderen Schweizer Firma; er ist Chef von Saatchi & Saatchi und gilt als Ikone der Werbeindustrie. Saatchi & Saatchi hat 7’000 Mitarbeiter.

In der aktuellen BILANZ (15/08) durfte Stefan Barmettler ein Interview mit Kevin Roberts führen, aus welchem ich folgende (für mich beeindruckende) Führungsgrundsätze herausgenommen habe:

“Die alte Befehlsordnung ist passé. Meine Hauptaufgabe ist es, andere zu inspirieren, damit sie ihr Bestes geben.”

“Wir müssen eine Firmenkultur hinkriegen, in der Teamgeist hochgehalten wird und alle auf ein Ziel hinarbeiten.”

Auf die Frage, wie er seine Leute inspiriere, antwortete Roberts:

“Indem ich ihnen Verantwortung gebe, Freude, ein Umfeld, in dem sie sich weiterentwickeln können. Indem ich ihnen meine Empathie zeige.”

“Versuch nie, einem Adler das Fliegen in einer Formation beizubringen. Stattdessen sorge dafür, dass er seine Stärken und Talente ausleben kann.”

“Ich bin ein radikaler Optimist: Ich gehe davon aus, dass die Mitarbeiter gern zur Arbeit kommen und eine Topleistung erbringen wollen.”

“Gerade die jungen Leute waren noch nie so gut ausgebildet wie heute, sie sind kosmopolitisch, ambitioniert. Ihnen muss man Freiraum und Verantwortung übergeben.”

“Intuition ist wichtiger als Intelligenz, Kooperation wichtiger als Befehl und Kontrolle, man muss mit der Aussenwelt in ständigem Kontakt sein.”

Soweit die Aussagen von Kevin Roberts. Ganz schön fortschrittlich, seine Führungsgrundsätze. Oder etwa nicht?

Bei einigen Aussagen konnte ich dann auch durchaus Parallelen zur SBB ziehen. Zum Beispiel beim Thema “alte Befehlsordnung”. Auch bei der SBB wird die streng hierarchische, manchmal fast schon militärische Befehlsordnung nach und nach ausgetauscht durch ein “Miteinander”; man hört auf die Mitarbeiter und deren Wünsche, versucht das Unternehmen zusammen mit den Mitarbeitern an der Front weiter zu bringen.

Teamgeist ist ein weiteres Thema und bei der SBB kein unbekanntes Wort. Nur zusammen kann man ein solch komplexes Unternehmen in der Eisenbahn-Branche rund um die Uhr am Laufen halten. Nur zusammen schafft man es, dass die Züge so pünktlich und zuverlässig fahren, wie sie es bei der SBB tun. Und nur zusammen erreicht man eine so hohe Kundenzufriedenheit, wie sie die SBB vorweisen darf.

Kommen wir noch zu den “jungen Leuten”. Ob wir wirklich noch nie so gut ausgebildet waren wie heute, dass kann ich natürlich nicht sagen, da ich die Situation von früher nicht kenne. Aber Roberts wird schon wissen, wovon er spricht. Ganz klar zustimmen kann ich jedoch der Aussage, dass die jungen Mitarbeiter ambitioniert sind und dass man ihnen Freiraum gewähren soll. Wer diesen Grundsatz nicht beherzigt, der macht aus den jungen Leuten tickende Zeitbomben, die irgendwann hochgehen. Damit ist niemandem geholfen, schon gar nicht dem Unternehmen.

Viel besser ist es, man lässt die jungen Leuten ihre Ideen verwirklichen, so ungewöhnlich diese auch sind. Es bringt nichts, wenn man ihnen versucht vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Denjenigen Lesern von schweizweit.net, welche Englisch-Kenntnisse haben, empfehle ich auch das Anschauen der drei Videos in diesem Beitrag. Dort erfährt man noch mehr über die Ansichten, Ideen und Vorstellungen von Roberts und es gab ein paar Szenen, in welchen ich einfach in die Hände klatschte und dachte “THAT’S IT! Endlich spricht es mal jemand aus! Endlich hat es jemand erkannt!” Der Typ weiss, wovon er spricht und er schafft es, die Begeisterung auch auf das Publikum überspringen zu lassen. Vorallem das zweite Video (10 Minuten) ist sehr zu empfehlen!

Ein weiterer Grund, weshalb Kevin Roberts mir so sympathisch ist: Obwohl er doch schon in einem “höheren Alter” ist, führt er einen Blog! Erstaunlich und sehr lobenswert! Damit zeigt er, dass er trotz seines Alters durchaus auf dem neusten Stand der Dinge ist und mit der Zeit geht:

http://krconnect.blogspot.com/

Fast täglich schreibt er dort neue Artikel rund um Dinge, die ihn bewegen. Ein Besuch seines Blogs lohnt sich, es besteht jedoch die Gefahr, dass man dann – kaum auf dem Blog angekommen – die Zeit vergisst und einen Artikel nach dem anderen regelrecht verschlingt.

Es gibt viele Leute, die bedeutend jünger sind als Roberts und den Sinn und Zweck von Blogs bis heute nicht verstehen. Manche wissen noch nicht einmal, was Blogs überhaupt sind. Aber das war schon damals mit dem Internet so, und heute weiss jeder Mensch in der westlichen Welt, was damit gemeint ist. Mit Blogs wird es nicht anders sein. Davon bin ich überzeugt.

Das ganze Interview mit Kevin Roberts von Saatchi & Saatchi könnt ihr in der BILANZ (15/08) nachlesen, erhältlich an jedem Kiosk für CHF 9.- oder auf bilanz.ch als Download für CHF 4.-.

Dieser Artikel wurde inspiriert durch ein Interview, welches Stefan Barmettler in der Bilanz 15/08 mit Kevin Roberts führte.

Hat dir dieser Artikel gefallen? Falls ja, gebe deine Stimme ab und klicke auf den +1-Button! Ausserdem kannst du einen Kommentar hinterlassen, um uns deine Meinung zu diesem Artikel mitzuteilen.

Das ist ein Artikel von

Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

Andreas hat bereits 1466 Artikel hier auf schweizweit.net geschrieben.

Alle Artikel von → | Twitter: @andreashobi | Facebook

Du möchtest auch gerne einen Artikel schreiben? Kein Problem! Melde dich hier...

{ 1 Kommentar… lies ihn unten oder schreib selbst einen }

GRINGO September 26, 2008 um 15:09

Kann man diesen Herrn nicht klonen? OK, gesagt und geschrieben wird viel – die Praxis sieht oft anders aus – aber wenn nur ein Bruchteil von dem wirklich umgesetzt wird, dann wünsche ich mir zu Weihnachten so einen Mann/Frau als Vorgesetzten.

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Previous post:

Next post: