Geschäfte mit verbilligten SBB-Tickets: SonntagsZeitung berichtet über die Internet-Dealer

von Andreas Hobi am 24. September 2008 · 15 Kommentare

Am Donnerstag habe ich unter dem Titel “Geld verdienen leicht gemacht: Mit Tageskarten, schwarzen Löchern und Affiliate-Links” bereits über die Internet-Dealer von ricardo.ch berichtet.

Deren Geschäft ist es, zu günstigen Preisen bei diversen Gemeinden Tageskarten zu erstehen, welche sie dann mit deutlichen Aufschlägen über das Internet weiterverkaufen. Dabei springen Gewinne von bis zu 45 Prozent heraus. Ein einträgliches Geschäft.

Als ich am letzten Wochenende die SonntagsZeitung aufschlug, war ich zuerst sehr erstaunt. Da schien jemand auf die genau gleiche Sache gestossen zu sein, wie ich. Samuel Hufschmid, Praktikant bei der SZ und Student an der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern schrieb den Artikel “Internet-Dealer: Geschäfte mit verbilligten SBB-Tickets | Einwohner vieler Gemeinden haben das Nachsehen”.

Anfangs dachte ich noch an Zufall, als dann aber auch noch vom gleichen Ricardo-Verkäufer die Rede war, wie schon in meinem Bericht (Quochung), wurde ich stutzig.

Einen Hinweis auf den ursprünglichen Artikel auf schweizweit.net fand ich nicht. Immerhin hat Hufschmid zu seinem Artikel sehr viel Eigenrecherche betrieben, und unter anderem bei ricardo.ch, Gemeinden und der SBB-Medienstelle Meinungen eingeholt. So kann dann schlussendlich von “Abschreiben” keine Rede mehr sein, auch wenn die Inspiration zum SZ-Artikel von schweizweit.net kam. Man müsste eher sagen, er hat meinen Artikel “erweitert”.

Trotzdem interessierte es mich, wie die Sache mit den Quellenangaben gehandhabt wird. Bereits wenige Stunden, nachdem ich mich bei Hufschmid gemeldet habe, antwortete er mir per Mail:

Für Quellenangaben gibt es keine festen Richtlinien. Ich persönlich handhabe es so, dass ich jeweils Quellenangaben für Informationen verwende. So habe ich Sie respektive ihren Blog bei meinem letzten Artikel, der von schweizweit.net inspiriert war, als Quelle genannt. Weil es sich wie gesagt um eine Information handelte, die ich anderswo nicht hätte auftreiben können. Im Fall der Gemeinde-Tageskarte wurde ich ebenfalls durch ihren Blog (übrigens sehr spannend!) inspiriert, es war aber nur ein Teilbereich ihres Beitrags und ich konnte sämtliche Fakten nachrecherchieren. Es ist also tatsächlich “nur” eine Inspiration. Dieses Klauen von Ideen, wenn man es so nennen will, ist tatsächlich überaus weitverbreitet. Das geschieht mir immer und immer wieder, schauen sie sich mal die angehängten pdf’s an. Da hatte ich die Idee, zur Auftakt der bündner Jagd über Murmeltiere zu schreiben und bin dafür extra früh aufgestanden und ins Bündnerland gereist, habe das Rezept nachgefragt usw usw. Einige Tage später im “blick am abend”: genau die gleiche Idee, sogar ähnliche Formulierungen, gleiches Bild… und keine Erwähnung, weder meines Namens noch ein Hinweis auf die SonntagsZeitung…

Ich schätze Blogs als Informationsquelle sehr und werde versuchen, die Quelle wenn immer möglich auch zu nennen. Über konkrete Richtlinien der Tamedia kann ich nichts sagen, ich bin selbst nur als Praktikant angestellt und werde ab nächster Woche wieder am MAZ die Schulbank drücken.

Naja, ich werde trotzdem weiterhin versuchen, hier auf schweizweit.net die Quellen anzugeben, selbst wenn es nur Artikel sind, welche mich inspiriert haben. Beispiele hierfür gibt es genügend auf schweizweit.net, eines davon wäre “Kuriose Adsense-Anzeigen”, in welchem ich am Schluss schrieb: “Nach einer Idee von probloggerworld.de.” Dies, obwohl mein Artikel inhaltlich rein gar nichts mit probloggerworld.de zu tun hat.

So gesehen möchte ich Samuel Hufschmid, die Tamedia (SonntagsZeitung) und alle anderen Medien einfach mal darauf hin weisen:

In der Blogosphäre wird sehr häufig auf andere Blogs und Medien verlinkt, selbst wenn es Konkurrenz-Unternehmen sind. Mir ist kein Blog bekannt, dem dieses Verlinken zu anderen Medien geschadet hat; im Gegenteil. Durch das Verlinken hilft man sich gegenseitig und macht die Leser auf andere interessante Dinge “da draussen” aufmerksam. Ich glaube nicht, dass ich jemals auch nur einen Leser verloren habe, weil ich auf einen anderen Blog verlinkte.

Ihr verliert keine Leser, nur weil ihr gesteht, nicht selbst auf die Idee zu eurem Artikel gekommen zu sein. Es ist ja nicht verboten, sich auch mal durch andere Personen inspirieren zu lassen. Aber ihr könntet Leser verlieren, wenn rauskommt, dass ihr öfters fremde Ideen als eigene Einfälle ausgebt.

So gesehen wird es imho mit Sicherheit auch den Old School-Medien nicht schaden, wenn sie häufiger auf andere interessante Artikel, Zeitschriften und Multimedia-Inhalte hinweisen würden, vorallem wenn die Idee zu einem Artikel von dort stammt.

Passend zum Thema auch gleich der folgende Link: Die Zukunft der abonnierten Zeitungen (Schweizer Radio DRS 4)

Hinweis: Dieser schweizweit.net-Artikel wurde inspiriert durch einen Artikel von Samuel Hufschmid, erschienen in der SonntagsZeitung vom 21. September 2008. :-)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Christian Hauser September 24, 2008 um 15:24

Den Artikel habe ich gelesen und dabei sofort an schweizweit.net gedacht. Auch ich stellte dabei diese verblüffende Ähnlichkeit fest…

Hinweis: Teile meines Blogs wurden inspiriert durch Inhalte von schweizweit.net.
Und dies ist kein Witz! Die Kommentarabofunktion sowie die weiteren Infos zum Kommentar-Verfasser, wenn man über deren Namen fährt, habe ich mir bei dir abgeguckt =)

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Honigbaerli September 24, 2008 um 15:40

Lieber Andreas,
ich halte es mit quellenangaben wie du in meinem blog..und habe damit nur gute erfahrungen gemacht!
und wenn das bei den journis noch angekommen ist das man auch andere medien erwähnen darf, müssen sie sich nicht fragen warum sie an gewicht verlieren!
ich mache in meinen posts auch häufig das ich fremdtexte als zitate verwende und dann meine meinung dazu äussere..ich finde das eine gute sache und fördert sicher auch die meinungsbildung!!

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BloggingTom September 24, 2008 um 16:44

Heisst das also konkret, dass ich nur eine Quelle angeben muss/soll, wenn ich quasi abgeschrieben habe? Ich meinerseits versuche jeweils, die Quelle auch zu nennen, wenn ich nur “durch einen Teilbereich” inspiriert wurde.

Ein Problem haben Printjournis allerdings halt schon: Sie sind in der Artikellänge meist arg limitiert. Da müssen schon mal Teilbereiche wegfallen. Das dann bspw. bei der Quellenangabe zu machen, ist unschön, aber sehr praktikabel, da damit die Aussage des Artikels ja nicht verändert wird.

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Stephan September 24, 2008 um 16:49

Es ist bei Texten in Zeitungen halt auch immer eine Frage des Platzes, in einem kurzen Blogartikel kann man zig Quellen gleich direkt verlinken, ohne dass der Lesefluss gestört wird, bei einer Zeitung ist dies nicht möglich und schweizweit.net wäre weniger Interessant gewesen als die Quellenangaben bezüglich der anderen Kommentare.

Diese Artikel wurde durch Dich und Deinen Blog inspiriert, doch es hätte genausogut ein bekannter sein können, der darauf hinweist, dass er nie Tageskarten erhält, da diese schon weg sind was den Journalisten zum recherchieren brachte. Hätte da nun auch eine Quellenangabe hingehört? Ich stelle es mir ziemlich unangenehm vor in einem längeren Text immer wieder zu lesen von wem nun welcher Abschnitt inspiriert wurde ;-)

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Andreas Hobi September 24, 2008 um 16:56

Durch die unterlassene Quellenangabe könnte es unter Umständen auch ein anderes Problem geben:

Mal angenommen, jemand hat am Wochenende die SonntagsZeitung und den erwähnten Bericht gelesen. Heute stösst er durch puren Zufall auf meinen Blog und so dann auch auf meinen “Tageskarten-Artikel”. Er übersieht jedoch, dass ich meinen Artikel bereits Mitte letzter Woche geschrieben habe.

Nun geht er einfach mal davon aus, ich hätte aus der SonntagsZeitung abgeschrieben. Womöglich erzählt er dies sogar noch herum, schreibt in anderen Blogs oder Foren darüber. Der Image-Schaden für schweizweit.net und so dann auch für mich persönlich wäre nicht von der Hand zu weisen. :-/

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Andreas Hobi September 24, 2008 um 17:01

@ Stephan:
Nun ja, wenn nur ein kleiner Bereich des SZ-Artikels durch eine andere Quelle inspiriert gewesen wäre, dann müsste eine Quellenangabe auch nicht unbedingt sein. Aber in diesem Fall beruht eindeutig der gesamte Artikel auf meiner Idee, so dass dies schon noch “eine Nummer grösser” ist.

Sympathischer ist mir die Tamedia (welche ja hinter der SonntagsZeitung) steckt dadurch überhaupt nicht geworden. Und in Zeiten des grossen Leser-Schwundes wäre es doch ratsam, die Kunden möglichst bei der Stange zu halten, anstatt sie nur noch mehr zu verärgern.

Die SonntagsZeitung habe ich am Wochenende am Kiosk gekauft, also nicht abonniert. In Zukunft überlege ich es mir zweimal, ob ich ein Blatt kaufe, welches aus den kostenlosen Internet-Quellen abschreibt. Da gehe ich dann doch lieber selber ins Internet und hole mir die Infos gleich dort, anstatt dafür zu bezahlen.

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BloggingTom September 24, 2008 um 18:32

Er übersieht jedoch, dass ich meinen Artikel bereits Mitte letzter Woche geschrieben habe. Nun geht er einfach mal davon aus, ich hätte aus der SonntagsZeitung abgeschrieben.

Naja, das liesse sich ja dann doch relativ einfach aufklären. Diesbezüglich würde ich mir keine Gedanken machen. Oder man könnte mit einem Update des Artikels auch darauf hinweisen, dass die SonntagsZeitung nun das Thema auch aufgegriffen habe.

Ich finde es auch falsch, das ganze nun der Tamedia als Konzern “in die Schuhe zu schieben”. Wenn schon, dann ist der Journalist (oder hier eben der Praktikant) dafür verantwortlich, alles andere wäre ja eine Art Sippenhaft.

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Matthias September 25, 2008 um 01:09

Andreas du kannst es auch positiv sehen,

dein Blog ist offensichtlich so gut dass er schon zur Blaupause für Zeitungsredakteure wird. Vielleicht solltest du professioneller Journalist werden. Allerdings würde dir dann der Arbeitsalltag bei der SBB fehlen um uns davon zu berichten.

Gruss, Matthias aus Lausanne

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Andreas Hobi September 25, 2008 um 01:22

@ Matthias:
Ja, man kann es auch so sehen; wie tief sind die Qualitätszeitungen schon gesunken, wenn sie sich bereits von Bloggern inspirieren lassen müssen. ;o) Schliesslich sind es ja genau diese Zeitungen, welche immer wieder über das Niveau der Blogs lästern. :)

Nein, wie BloggingTom schon gesagt hat, man darf ja nicht verallgemeinern. Nur weil ein Praktikant noch am Üben ist, darf man nicht gleich die ganze Zeitung oder den ganzen Verlag in Sippenhaft nehmen.

Apropos Job, hier ein Auszug aus einem Email von gestern:

Aus dem Lästerer ist ein regelmässiger Leser geworden. Wirklich unterhaltend, wenn Sie mal einen neuen Job suchen – als Texter oder so – einfach melden, vielleicht kann man da was machen.

Der Absender ist Inhaber einer mittelgrossen Schweizer Werbeagentur. :)

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fredy September 25, 2008 um 08:23

Das “Abschreiben” und “klauen” von ganzen Artikeln ist doch bei den Medien gang und gebe. Ich denke da auch an die grossen Nachrichtenagenturen wie AP, Reuters oder SDA. Nimm es als Kompliment lieber Andreas.
Noch etwas: die Printmedien befinden sich in einem harten Existenskampf und D

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Stephan September 25, 2008 um 09:20

Schliesslich sind es ja genau diese Zeitungen, welche immer wieder über das Niveau der Blogs lästern.

Wirklich? Ich lese regelmässig Zeitungen und mir ist noch nie ein Artikel aufgefallen wo über einen Blog abgelästert wurde, hingegen nerven sich ständig irgendwelche Blogger im ganzen deutschsprachigen Raum über einzelne, schlecht geschriebene Artikel in der Süddeutschen oder anderen Zeitungen welche ab und an durch keine allzugrosse Medienkompetenz auffallen.

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Christian Hauser September 25, 2008 um 10:46

Das “Abschreiben” und “klauen” von ganzen Artikeln ist doch bei den Medien gang und gebe.

Stimmt. Aber nicht nur bei den Print-Medien! 10vor10 berichtete gestern über einen Film über die RAF. Heute morgen, ich glaube im ZDF-Morgenmagazin, kam ein grosser Teil des Berichts mit dem gleichen Kommentar, zusätzlich schnitt das ZDF aber noch 2 Interviews in den Beitrag…

Oder ob dies gewollt ist? Zum Beispiel, dass das SF dem ZDF den Beitrag “freundlicherweise” zur Verfügung stellt?

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Andreas Hobi September 25, 2008 um 13:07

@ Christian:
Oder umgekehrt, wer weiss… Ich denke, bei diesem RAF-Bericht geht es auch um Spargründe. Anstatt zweimal einen Beitrag über das gleiche Thema zu machen, teilt man sich die Kosten für einen Beitrag. Finde ich sinnvoll, wenn es um Gebührengelder geht.

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Christian Hauser Oktober 8, 2008 um 11:42

Vielleicht wurden einfach nur diese Filmausschnitte zur Verfügung gestellt, mit dem Hinweis, sie müssten so gesendet werden… Das ZDF hat, wie SF übrigens auch, zwischen dem “Trailer” Interviews reingeschnitten…

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Informiert September 17, 2009 um 16:02

Auch wenn die Diskussion schon lange zurück liegt, muss ich halt doch noch meinen “Senf” dazu geben… Wenigstens für den Blog-Betreiber von schweizweit. Ideenklau ist leider sehr weit verbreitet und heute erst recht, weil alle Redaktionen sparen müssen. Was früher an „Freie“ vergeben wurde, macht heute die Redaktion vom Schreibtisch aus selber, um Honorare zu sparen.
Eine ärgerliche Geschichte und dass gerade ein MAZ-Student auch auf dieser Schiene mitmacht, finde ich besonders bedenklich. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ethische Grundsatzfragen in der Journi-Ausbildung (offenbar und leider auch beim MAZ!) und darnach im Redaktions-Alltag leider viel zu wenig diskutiert werden. Grund wohl wie in allen Berufen: Zeitmangel!
Aber etwas gilt es auch zu bedenken: es ist tatsächlich so, dass manchmal gewisse Themen wie “in der Luft liegen” und dann braucht es oft nur noch einen kleinen Anstoss, um sie aufzugreifen.
Weil ich nicht mehr weiter als Gratis-Ideen-Lieferantin für Redaktionen fungieren will, habe ich mich im Moment als “Freie” aus dem Geschäft zurück gezogen. Ich bin es leid, x-Telefonate bei Redaktionen zu machen, mein vorgeschlagenes Thema konkreter beschreiben zu müssen, dann ein “interessant, aber im Moment kein Bedarf. Sie hören wieder von uns” als Antwort zu kriegen und nach einem Monat genau das Thema, das ich vorgeschlagen hatte, in der betr. Zeitung lesen zu müssen. Nein Danke, liebe Redaktionen. Da behalte ich meine Ideen lieber für mich und arbeite in der Zwischenzeit etwas anderes, das mir ebenso Freude macht.
Wenn Du also weiterhin Deine Quellen ehrlich angibst, trägst Du dazu bei, dass wenigstens in diesem Blog Ideengeber offen genannt werden. Kompliment und Dankeschön!

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