
Das sind ja mal heisse News! Es schaut ganz so danach aus, als hätte die SBB in den Mobilfunkmarkt einsteigen und ein eigenes SBB-Handy auf den Markt bringen wollen. Doch dieses Projekt wurde von der Swisscom gestoppt.
Weshalb ein eigenes SBB-Handy?
Bereits seit einiger Zeit bietet die SBB das MMS-Ticket an. Als eine Art “Erweiterung” dieses Tickets wollte die SBB nun ein Handy auf den Markt bringen, welches noch mehr kann: Das Handy im SBB-Look hätte einen integrierten Fahrplan gehabt, spezielle Klingeltöne und ein eigenes Ticketing-Programm beinhaltet, dank welchem die Kunden sehr rasch und unkompliziert Billette herunterladen hätten können.
Zielgruppe für das SBB-Handy waren einerseits Bahnfans, andererseits jedoch auch Jugendliche. Verkaufskanal wäre der Bahnschalter gewesen.
Wer war der Partner?
Natürlich hat die SBB nicht das Knowhow und die Möglichkeiten, so rasch ein eigenes Handy auf den Markt zu bringen. Als Partner war die Firma Sunrise beteiligt. Die SBB und Sunrise gingen davon aus, dass ein SBB-Handy Potenzial für mehrere 100’000 verkaufte Geräte hätte.
Ob das Potenzial wirklich so gross wäre, kann ich aber nicht beurteilen.
Anyway, eigentlich wollte die SBB bezüglich SBB-Handy ja zuerst mit der Swisscom zusammenarbeiten. Mit dieser Firma hat die SBB auch schon andere Projekte auf die Beine gestellt. Doch die Swisscom winkte ab; sie war nicht daran interessiert, dass die SBB als “Mobile Virtual Network Operator“ (MVNO, analog Tele2 oder Cablecom) ein eigenes Handy ins Leben ruft und verzichtete auf eine Offerte. Daraufhin haben sich die Verantwortlichen bei der SBB umentschieden und sich mit Sunrise zusammengetan.
Doch auch dies passte der Swisscom nicht in den Kram. Sie intervenierte und übte Druck auf die SBB aus. Damit wollte sie erreichen, dass die SBB und Sunrise das Projekt beerdigen. Wie wir heute wissen, war der Druck gross genug.
Zwar wird diese Geschichte im Moment noch von Swisscom als auch SBB abgestritten, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Firmen so reagieren, wenn unbequeme Dinge an die Öffentlichkeit geraten. Es gibt jedoch einen Journalisten bei der SonntagsZeitung, welcher Informationen über einen SBB-internen Mail-Verkehr hat, in welchem es heisst:
Es trifft effektiv zu, dass Swisscom entsprechend Druck ausgeübt hat. Es geht um Investitionsstopp beziehungsweise der W-LAN-Ausrüstung in den Zügen usw.
Was lief hinter den Kulissen?
Anfang August 2008 gab es einen positiven Vorentscheid zugunsten der Sunrise-Lösung. Die Beteiligten waren sich sicher, dass das Projekt nun stehe. Dass “die Sache” noch vor die Geschäftsleitung muss, wurde nur noch als “pro forma” angesehen.
Doch zum Erstaunen aller Beteiligten hiess es nun plötzlich von Seiten der Geschäftsleitung, dass das Projekt abgebrochen werde. Paul Blumenthal, Leiter SBB Personenverkehr, soll die schlechte Nachricht persönlich überbracht haben. Intern wurde der Entscheid damit begründet, dass es Druck von der Swisscom gegeben habe. Dies bestätigten mehrere am Projekt beteiligte Personen gegenüber der SonntagsZeitung.
Ist das iPhone die Lösung?
Vermutlich wird sich die SBB nun wieder darauf konzentrieren (müssen), eine reine Software-Lösung auf die Beine zu stellen, unabhängig von einem bestimmten Mobilfunk-Provider. SBB-Sprecher Roland Binz sagte gegenüber inside-it-ch: “Pro Monat verkaufen wir 7000 bis 8000 Handy-Tickets, was einer Steigerung um 30 Prozent verglichen mit dem Vorjahr entspricht.” Das Potenzial scheint also vorhanden zu sein.
So wäre es vorstellbar, dass es in Zukunft zum Beispiel eine iPhone-App gäbe, mit welcher man das Billett direkt herunterladen könnte. Nachteil bei dieser Lösung: Noch ist der Anteil der iPhones am gesamten Mobiltelefonie-Markt sehr bescheiden.
UPDATE 10.09.2008
Hier noch die Stellungnahme von SBB-Sprecher Roland Binz:
- Die SBB hat niemandem einen Auftrag erteilt im Zusammenhang mit dem “SBB-Handy”.
- Die SBB kam im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zum Schluss, auf das Projekt SBB-Handy zu verzichten.
- Im Vorfeld dieses Entscheides pflegte die SBB mit verschiedenen Partnern Gespräche.
- Auch aufgrund dieser Kontakte kam die SBB zum Schluss, auf eine “stand-alone-Lösung” mit einem einzigen Provider zu verzichten.
- Die SBB strebt eine Provider-übergreifende Lösung an.
- Das strategische Ziel der SBB ist nicht der Verkauf von eigenen Handys, sondern der Verkauf von Fahrausweisen auf innovativen Kanälen und die Möglichkeit des Ticketings via Handy.
- Die SBB fühlte sich in dieser Frage von keiner Seite unter Druck gesetzt.
- Die SBB würde allfälligen Druckversuchen auch nicht statt geben.
Quellen: inside-it.ch; SonntagsZeitung;
© Foto SBB
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{ 14 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Heute Morgen lag im Zug nach Basel an jedem Businessplatz 1 Flayer für ein Handy, irgendwie für das abrufen des Fahrplanes. Habe das ganze zu wenig angeschaut, aber interessant ist es in Kombination mit deinem Bericht :)
Ja genau, BTW, so ruft man den Fahrplan via Handy ab (falls kein mobiler Internetzugang, WAP, WLAN oder so vorhanden):
http://schweizweit.net/2007/08/20/fahrplan-per-sms/
Schade! Ich denke die SBB hätte mit einem eigenen Handy durchaus Potenzial gehabt. Wenn das ganze z.B. in einer Monatsgebühr inbegriffen gewesen wäre, hätte das Angebot sicherlich “eingeschlagen”…!
Ich denke eine Softwarelösung hat mehr Potential. Schliesslich muss das Handy viele Dinge sehr gut können denn sonst ist es nicht konkurrenzfähig.
Die Bahnfans brauchen das Handy für die Tickets nicht. Die haben ein GA. Es wäre bestimmt ein anguckenswertes Gerät geworden, aber kaufen? Ich habe sehr hohe Ansprüche an Handies und nicht nur mir geht das so, zumindest in meiner Altersstufe.
so ein sbb natel hät ich wohl gekauft. Wie damals das legentär grüne M Budget Handy. Das ist in zwischen mehr wert, als ich je bezahlt hab ^^
@Sandra-Lia: Um nicht gerade zu sagen: Es hat schon fast Sammlerwert! M-Budget ist eine Erfolgsgeschichte, aber das ist ein anderes Thema…!
Wenn man schaut, was
PufferküsserBahnfans so alles sammeln, dann wären sie bestimmt auch auf das SBB-Handy heiss gewesen; ganz unabhängig von den tollen Funktionen, einfach nur wegen dem Design und der Einzigartigkeit.Und wenn die SBB das Ding dann nur in limitierter Auflage herausgegeben hätte, wenn möglich noch nummeriert, dann hätte der Ansturm keine Grenzen gekannt. ;-)
UPDATE: Die Stellungnahme von SBB-Sprecher Roland Binz wurde dem Artikel noch hinzugefügt.
jaja, die Standardausreden, nicht wahr :)
Standardausreden? Vielleicht auch nur ein Aufbauschen von irgendwelchen Gerüchten in den Medien. Das wäre ja nichts Neues, oder?
Mich hätte noch interessiert, ob es dann ein SBB-Handy 1. Klasse (1a-Tonqualität) und ein SBB-Handy 2. Klasse (ständiges Rauschen) gegeben hätte und was der Klassenwechsel beim Telefonieren kosten würde… ;-))
Läuft der SBB-Online-Fahrplan auch auf Swisscom-Servern? ;)
Heute Abend erhalte ich ständig folgende Fehlermeldung:
@ mds:
Ja, die Swisscom hostet die SBB-Website: http://schweizweit.net/2008/04/08/wer-hostet-die-ov-websites/
Und uns wollen alle einbläuen, wer sein Mail-Konto bei einem Anbieter habe, mit der Suchmaschine des Anbieters suche, solle nicht auch noch mit dessen Browser surfen.
Und was macht die SBB? Server bei Swisscom, Telefon bei Swisscom, Internet von Swisscom… =)
Von dieser Seite her habe ich mir die Sache noch gar nicht überlegt! Aber du hast natürlich recht. ;)