Harte Zeiten für Schwarzfahrer

von Andreas Hobi am 5. September 2008 · 9 Kommentare

Kein Billett? Und “zufälligerweise” auch gerade kein Geld dabei und die Ausweispapiere zu Hause liegen gelassen? Bei der SBB kein Problem. Wir können nur die vom Schwarzfahrer angegebene Adresse aufnehmen und im Zweifelsfall maximal noch überprüfen, ob eine solche Adresse auch wirklich existiert.

Jemanden aus dem (selbstverständlich stehenden) Zug schmeissen, wenn er kein Billett hat, nicht bezahlt und die Personalien nicht angeben will? Dürfen wir nicht. Wir können ihn höchstens freundlich bitten, den Zug zu verlassen. Ob er das dann auch tut, ist ihm überlassen. Denn wenn er einfach stur sitzen bleibt, dürfen wir ja logischerweise keine physische Gewalt anwenden. (Was ich auch absolut einsehe.) Mit etwas Glück ist einer der nächsten Bahnhöfe ein grösserer Halt, so wie zum Beispiel Zürich, Basel oder Bern. Dort könnten wir eventuell eine Patrouille der Bahnpolizei beiziehen, um die Personalien zu überprüfen.

Anders in Frankreich bei der SNCF. Zumindest könnte man dies denken, nachdem man sich folgendes Video anschaut.

Wie ihr bestimmt bemerkt habt, handelt es sich hierbei nicht um ein offizielles Video der SNCF. Ich bezweifle stark, dass die französische Bahn ihre Zugbegleiter Kaugummi kauend und ungepflegt darstellen würde. Genau so wenig wie dies eine andere Staatsbahn täte.

Aber zwei starke Typen mit der Statur von Türstehern, diese könnte man in manchen Zügen gut gebrauchen.

Andererseits: So übel würde ich es gar nicht finden, wenn über solche Werbespots das Bild von harten, scharfen Zugbegleitern verbreitet würde. Nur müssten diese natürlich freundlicher und adretter daher kommen. Denn zu den anständigen Fahrgästen sind wir ja gaaanz lieb. ;-)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Dominik September 5, 2008 um 23:10

Hm, was machst du mit einem Pendler im Besitz eines GAs der das Portemonnaie daheim vergessen hat? Soll ja mal vorkommen, und ohne Portemonnaie hat ja kaum jemand noch einen Ausweis dabei. Willst du die auch rauswerfen? Wäre ja noch schöner…

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Sandra-Lia September 6, 2008 um 01:59

Naja, ob du ein GA hast, kann ja schon überprüft werden, mit diesem tollen Computer (zumindestens hat mir das ein Schaffner erzählt :)

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Andreas Hobi September 6, 2008 um 08:39

Neee, ich spreche da schon eher von den “wirklichen” Schwarzfahrern. Bei den GA-Besitzern gibt es noch andere Möglichkeiten, wie man im Zweifelsfall prüfen kann, ob er wirklich die angegebene Person ist… ;)

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Gumbo September 8, 2008 um 11:38

Die Schweiz ist da sehr grosszügig. Andernorts wird man aus dem Zug gewiesen. Fahren auf Pump wird nicht akzeptiert.
Bei uns muss man nicht einmal einen Ausweis auf sich tragen.
Im Ausland wird man ohne Ausweis der Polizei übergeben…
Hier kann einer von Genf nach Basel fahren, irgendeinen Namen angeben und erhält dann eine Rechnung. Frage ist, ob er die überhaupt erhält, und – ob er sie überhaupt bezahlt….

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Andreas Hobi September 8, 2008 um 13:28

Genau so ist es leider. In solchen Fällen können wir nur hoffen, dass wir zufälligerweise die Bahnpolizei auf dem Zug haben.

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Titus September 8, 2008 um 23:26

…und was die SNCF wohl machen, wenn jemand in der falschen Klasse sitzt? ;-))

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Bernard April 19, 2009 um 19:35

Raubritter und Wegelagerer….
… nannte man sie frueher, heute haben wir dafuer den Verkehrsverbund Basel.

Die Menuefuehrung der Billettautomaten ist so verwirrend, dass ich mehrere Anlaeufe benoetige, und wenn ich dann den Automaten dazu bringe, ein Billett von Basel nach Zwingen auszudrucken, dann wird das vom Schaffner nicht akzeptiert und ich muss 80 SFr. als Strafe dafuer bezahlen dass isch die unverstaendliche Menuefuehrung des Automaten nicht verstehe. Ich erwarte die Rueckkehr zum Fahrscheinverkauf am Schalter wo ich einen Fahrschein kaufen kann, der dann auch gueltig ist. Die vorhandenen Methoden sind Betrug – erst Fahrscheinautomaten so umstaendlich zu gestalten, dass es unmoeglich erscheint, einen gueltigen Fahrschein auszudrucken, und dann 80 SFr dafuer abzuzocken wenn man das nicht versteht.

Basel – Nein Danke!
Schweiz – Nein Danke!

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Sandra-Lia April 22, 2009 um 13:23

tja, kannsch ja strafanzeige wegen Betrug einreichen, oder uns mithelfen die Initiative “Mehr Service – Weniger Automaten” zu realisieren. Übrigens, im gleichen Atemzug erwähne ich hier nicht nicht, dass ich auch die Initiative “Preise gehören ans Produkt” lancieren will.

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Andreas Hobi April 22, 2009 um 14:30

@ Sandra-Lia:
Lanciert ihr auch mal eine Initiative “Schweizer Gebührengelder für Blogger!”, analog diesem Beispiel?: http://carta.info/8105/richard-collins-ard-zdf-rundfunkgebuehr-zeitungen-blogger/ ;-)

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