
Wie man gestern in meinem Wochenrückblick bereits sah, haben nach dem NZZ-Artikel so ziemlich alle Deutschschweizer Medien das Thema Klassendisziplin aufgegriffen; vom Schweizer Fernsehen über das Newsnetz bis hin zu zur Sonntagszeitung und den Gratisblättern haben inzwischen alle Medien berichtet.
Die Artikel selber sind soweit ich gesehen haben nicht wertend geschrieben sondern berichten einfach über die Sache an sich. Anders sieht es in den Kommentaren zu den Artikeln aus.
Manche Kommentare sind witzig, andere ironisch, mache sind pro 1. Klasse, andere pro 2. Klasse. Und einige Kommentare sind einfach absolut daneben und von Leuten geschrieben, die von der Realität keine Ahnung haben. ;)
16 Kommentare bei der Neuen Zürcher Zeitung NZZ
Virginia Bodmer beschwert sich darüber, dass Anstand und Rücksichtsnahme heute ein rares Gut sei und die minimalsten Regeln dem persönlichen Egoismus untergeordnet werden.
Dem kann ich so nur zustimmen; wo früher der Menschenverstand war, müssen heute Regeln und Hausordnungen aufgehängt werden. Zu Zeiten meiner Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern war es einfach klar, dass die Füsse nicht aufs Polster gehören und dass man mit einem Zweitklass-Billett nicht in der ersten Klasse reisen darf. Heute müssen die Leute darauf hingewiesen werden.
So beschwert sich dann auch Urs C. Grassi darüber, dass es akrobatische Leistungen erfordere und viel Zeit benötige, die erste Klasse der Zürcher S-Bahnen zu verlassen. Grund: Zweitklässler blockieren die Treppen und Ausgänge.
Christoph Grottolo appelliert dann auch sogleich an die Vernunft der Zweitklass-Reisenden: Er reise selber regelmässig in der zweiten Klasse und habe bisher grundsätzlich immer einen Sitzplatz gefunden, auch wenn er nicht unbedingt jedes Mal ein ganzes Abteil für sich alleine hatte.
Und so stimmt ihm dann auch gleich ein Rene Wirth zu: Man müsste der Schweizer Bevölkerung mal mehr Disziplin beibringen. Ein Loblied auf die Leistungen der SBB folgt dann auch sogleich von Seiten des Ronald Schmid:
Ich bin sicher die SBB wird Loesungen finden. Wir haben weltweit gesehen Glueck mit unserer Infrastruktur. Auch die Effizienz der Bahn ist unbestritten. Als Auto Enthusiast muss man trotzdem zugegen, unsere Bahn, in Sicherheit bei allem Wetter ist fast unglaublich. Da habe ich weltweit selten so was gesehen. Viel Glueck an die SBB die Probleme zu loesen und weiter Ihren Stand als eine umweltsichere, tranport Methode weiter auszubauen. Die Service Leistung ist so gross, dass man sich gar nicht bewusst ist weil da soviel im Hintergrund ablaufen muss. Ich nehme heute 10 mal lieber die Bahn als jeden Flug wenn es geht.
Remo Meier fordert alsdann, dass die SBB doch bitte endlich Billette einführen möge, die zur Benutzung der Züge ab 9:00 Uhr berechtigen und dafür entsprechend vergünstigt sind. Was er anscheinend nicht weiss: Solche Fahrausweise gibt es schon. Man denke zum Beispiel ans 9-Uhr-Abo des ZVV oder an die 9-Uhr-Tageskarte der SBB. Weitere werden mit Sicherheit noch folgen.
15 Kommentare beim Schweizer Fernsehen
T. Rasovic gibt den Mitreisenden einen guten Tipp: Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen steigen sehr viele Reisenden jeweils in der Mitte des Zuges ein. Am ehesten findet man also an der Spitze und am Ende des Zuges noch freie Sitzplätze.
Meine Erfahrung zeigt, dass vorallem der zweitletzte und der zweitvorderste Wagen nahezu nie voll besetzt sind.
Und P. Jegerlehner nennt dann auch gleich die – seiner Meinung nach – grössten Probleme im öffentlichen Verkehr: Man setzt sich in ein Abteil und belegt die restlichen Sitze im Abteil mit seinem Gepäck und beim Verlassen des Zuges lässt man (Fast-Food-)Abfall, Zeitungen und Verpackungen einfach liegen.
Es würde gleich viel schöner in unseren Zügen aussehen, wenn jeder seinen Dreck mitnehmen oder zumindest in den Abfalleimern entsorgen würde anstatt einfach zu denken: “Nach mir die Sintflut.”
238 Kommentare im Newsnetz
Auf der Online-Plattform von Basler Zeitung, Tages Anzeiger und anderer Blätter wird am eifrigsten diskutiert. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits 238 Kommentare eingetroffen.
Dort will ein “hr” zum Beispiel die SBB gleich verklagen, da sie anscheinend Leistungsversprechen nicht eingehalten hat, die sie ihm gegenüber gemacht hat. Um welche Versprechen es sich handelt, erfährt der geneigte Leser leider nicht. Hätte mich aber doch sehr interessiert! ;)
Ein anderer Bahnfahrer stösst sich daran, dass in der Hauptverkehrszeit am Abend ein Doppelstock-Familienwagen mit Rutschen und Spielbereich verkehrt. Hier kann ich einfach sagen: In der HVZ am Morgen und am Abend sind so viele Wagen wie nur möglich im Einsatz. Somit auch die Familienwagen.
Hans-Konrad Schwinger gehört zu jenen Fahrgästen, welche viel lieber in der zweiten Klasse reisen statt im “Möchtegern-Ghetto”. Wenn er durch die erste Klasse schreiten müssen, halte er sich jedes Mal die Nase zu, da es sehr stark nach Verwesung rieche. Und Graucho Marx möchte das “überteuerte Klassensystem” dann auch gleich mit ein paar Viehwagen optisch aufmotzen. Ich jedoch denke nicht, dass die SBB von dieser Idee wirklich begeistert sein würde…
Für mehr Verständnis plädiert dann Armin Egli: “Die Respektlosigkeit gegenüber den Mitmenschen und Sachgütern ist heute auf einem Niveau, die Massnahmen erfordern. (…) Ich reise viel mit der Bahn, und musste in den letzten Jahren nie stehen. Klar, ich fahre nicht ausgerechnet um 7 Uhr von Zürich nach Bern. Einige Damen und Herren Pendler müssten sich vielleicht auch einmal überlegen, ob die Arbeitszeiten den Umständen angepasst werden könnten, und zwar so, dass es nicht nur der eigenen Bequemlichkeit dient. (…) Im übrigen können die SBB nicht einfach “ein paar Wagen anhängen”. Das ist doch im heutigen dichten Betrieb gar nicht möglich.”
Gleich darauf wiederholt ein Bahnfahrer, was auch ich schon gesagt habe: Wer erste Klasse fährt bezahlt, hat Anrecht auf grösseren Komfort und mehr Ruhe. Zitat: “Ich bezahle 5000.- für das 1.Kl GA, also darf ich auch etwas mehr erwarten!!!”
Ferdinand Soldano doppelt nach und würde sogar noch weiter gehen als von der SBB geplant: Absolut strikte Trennung zwischen den Klassen, wie in den Flugzeugen.
Heiri Müller will herausgefunden haben: Das Problem liegt darin, dass die Leute zwischen den Orten mit niedrigen Steuern für Privatpersonen und den Orten mit niedrigen Steuern für Unternehmen pendeln. Eine einheitliche Steuer würde seiner Meinung nach das Problem entschärfen.
Sidi Barani versteht dann auch nicht, weshalb sich alle so aufregen. Er reise sowieso lieber in der zweiten Klasse, da dort – seiner Meinung nach – die interessanteren und intellektuelleren Leute sitzen.
“pm power” wäre dann auch gleich der Meinung, dass auch GA-Kunden ein Billett lösen sollten. Es könne doch nicht sein, dass jeder sich einfach auf einen x-beliebigen Platz hinsetzen könne. Jeder müsse ein Billett lösen und einen Sitzplatz reservieren, schreibt er.
Deutlich wird dann Andrea Frei: “Ihr wirklich verwöhnten überfaulen Säcke, bewegt mal euren fetten Arsch und bleibt nicht ständig beim Perronanfang, bzw. bei der Treppe stehen und zwängt euch alle doch nicht immer in die gleiche Türe rein. Dann wären die Züge erstens auch mal pünktlicher und ihr würdet feststellen, dass die hintersten & vordersten Wagen meist nur halb gefüllt sind.”
Doch damit nicht genug, schon kommt ihre nächste Aussage: “Die Preise der SBB sind mitunter in ganz Europa im Verhältnis zum Angebot die BILLIGSTEN, ob ihrs glaubt oder nicht. Zudem habt die SBB nur den Auftrag “zur Beförderung” vom Bund erhalten, sie könnte also faktisch alle sitzplätze herausnehmen (ebenfalls ob ihrs glaubt oder nicht).”
Michael Blum (der auch schon auf schweizweit.net kommentierte) bringt dann auch gleich einen Kommentar, den ich so mehr oder weniger 1 zu 1 selber auch schon auf meinem Blog geschrieben habe: “Wenn bei Coop oder Migros das Prix Garantie oder Budget-Produkt ausverkauft ist, kann ich an der Kasse nicht mein Sélection-Produkt hinhalten und den tieferen Preis verlangen. Nur weil das andere Produkt nicht verfügbar war.” Abgeschrieben oder zufälligerweise die gleichen Gedanken gehabt? Egal; auf jeden Fall kann ich ihm voll und ganz zustimmen!
Ins gleiche Horn stösst ein “Mr Big”: “Als 1. Klasse Fahrgast nerve ich mich regelmässig über diejenigen Leute, die durch die 1. Klasse an die Spitzes des Zuges latschen, als würden sie sich auf einem Spaziergang befinden. Meist noch telefonierend oder die Tasche nach sich schleifend. Ebenso rücksichtslos sind diejenigen Menschen, welche die Plattform des 1. Klasse Wagens verstopfen und noch aufmucksen, wenn man als 1. Klasse Ticketinhaber sein Abtei betreten will. Schlechte Kinderstube. Wer den Komfort 1. Klasse will, soll auch bezahlen. Alles andere ist Diebstahl – wie Geld klauen (resp. juristisch korrekt Erschleichen einer Leistung). Ich finde es richtig, wenn die SBB endlich gegen das Schmarotzertum durchgreift. Wenn ich in einer Jugendherberge Ferien buche, schleiche ich mich auch nicht ins Hilton, um dort (fast gratis) zu nächtigen.
Im Übrigen würde es mich interessieren, was diejenigen Personen, welche durch die 1. Klasse latschen, um Zeit zu sparen, dazu sagen würden, wenn ich durch ihren Garten oder Wohnung laufen würde, um meinerseits Zeit zu sparen (z.B. am Morgen auf dem Weg zum Bahnhof). Die Antwort wäre wohl klar. Deshalb ist auch im Zug dieses rücksichtlose Vagabundieren nicht zu dulden.”
Witzig fand ich dann den Kommentar von M. R.: “Einer meiner Nachbarn fährt jeden Tag mit dem Zug von Zürich nach Bern zur Arbeit – lustigerweise kenne ich einen Berner, der jeden Tag mit dem Zug von Bern nach Zürich zur Arbeit kommt. Dass der Berner nach Zürich zieht, und der Zürcher nach Bern, das kommt nicht in Frage. Hallo? Das ist doch einfach krank!”
Ein ironischer Kommentar dann noch von einem anderen Leser: “Also 1. Klasse Wagen sollen völlig separat sein und natürlich abgeschlossen. Ausserdem sollen an der Türe Aufsichten stehen. Denn schon in der Schule mussten Erstklässler von den Zweitklässlern beschützt werden. Die Zweitklässler wussten schon immer mehr und waren schon immer stärker als die Erstklässler. Schaut doch mal in einer Schule vorbei falls Ihr das vergessen habt.” :-)
Eine radikale Idee bringt ein anderer Leser ins Spiel: “SBB abschaffen, alles zubetonieren damit jeder auf die Arbeit fahren kann, Armee kann dann auch abgeschafft werden weil wer will schon eine zubetonierte Wüste. Calmy & Ihre kollegen können sich dann auch gleich abschaffen, eine Wüste braucht keine BR. Am Schluss, wenn alles zu ist, gibts auch keine Arbeit / Vergnügen mehr und dann können wir uns selber abschaffen. Tenor im heutigen Tagi ! Gutes Abschaffen”
“Ay ay” meint dann noch: “Typisch: Die Schweiz hat das bestausgebaute öffentliche Verkehrsnetz der Welt, Züge sind in der Regel sauber und pünktlich, und NUR zu Stosszeiten überfüllt, und trotzdem beklagen sich alle. Liebe Genervte: benützt die Ferien, um öffentliche Verkehrsmittel im Ausland zu benützen. Die Schweiz wird euch als Paradies erscheinen. Wirklich wahr.”
Der Diskussion leid ist ein anderer Leser: “Die Zeit ist vorbei, in der 1. Klasse nur für Reiche war. Zugfahren in der Schweiz ist in Anbetracht der modernen Züge, Pünktlichkeit ect. schon billig genug und vor allem im Vergleich mit dem Ausland. Somit wäre auch der ewige Neid überflüssig. Wer aber im Moment für 1. Klasse zahlt, hat auch ein Anrecht darauf, dass die gekaufte Leistung von der SBB gewährleistet wird. Die ganze Aufstand ist daher eher was für gelangweilte.”
Aus dem Herzen spricht mir auch ein anonymer Kommentator: “Das einzige was ich hier aus dieser Diskussionsrunde heraushöre ist; ICH, ICH UND NOCHMALS ICH! (…) Mir scheint sogar, dass das Wörtchen RÜCKSICHTNAHME in einer neuerlichen Rechtsschreibe – Reform in den Fremdwörter – Duden verschoben wird (wenn nicht gleich komplet gestrichen). Erst kürzlich durfte ich wieder mit ansehen, wie einige RÜCKSICHTSLOSEN Leute (notabene aus allen Schichten) in den Zug stürmten, obwohl ein Service-Mitarbeiter darum gebeten hatte, dass er doch vielleicht erst noch den Rollstuhlfahrer ausladen dürfte… ICH, ICH UND NOCHMALS ICH!! Das einzige wie es scheint, das in der Schweiz noch Wert hat… ICH, ICH UND NOCHMALS ICH!!!“”
Ein “Zürich-Basel-Pendler” relativiert dann auch gleich: “ich finde es immer wieder amüsant wenn sich leute über die kaum vorhandenen plätze aufregen… ich fahre jetzt seit einem Jahr jeden Tag zwischen Zürich und Basel… richtig voll war es nie und seit dem Halbstundentakt schon fast leer. aber dem Schweizer ist der Zug ja schon überfüllt wenn er kei eigenes abteil hat! stellen sie sich vor das heisst ja man kommt in kontakt mit anderen Leuten wie schrecklich ist denn das.”
Soweit die Kommentare. Nun muss ich noch unbedingt etwas los werden:
In den Kommentaren heisst es immer und immer wieder, die Erstklass-Reisenden seien elitär, Proleten, Manager, Multimillionäre oder einfach stinkreiche Leute.
Nun denn, wäre jede Person, die sich ein Erstklass-Billett leisten kann, wirklich ein Bonze, ein Multimillionär oder stinkreich, dann hatten wir am vergangenen Wochenende auf der Blatterwiese (Botellon, Saufparty) in Zürich tausende Multimillionäre, Manager und Bonzen! Denn ein Klassenwechsel für die typische Pendlerstrecke Zürich HB – Bern kostet zum Beispiel nur 15 Franken. Ich könnte wetten, dass jeder Jungalkoholiker, der am Wochenende an einer der zahlreichen Saufpartys war, für seinen Suff ein Vielfaches davon ausgegeben hat.
Natürlich gehören auch alle Drogenabhängigen zur Schweizer Elite, denn ein “Schuss” kostet schnell einmal gleich viel wie mehrere Klassenwechsel.
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Ich finde es immer wieder schön. Man plädiert auf Rücksicht und Disziplin und redet von den tollen alten Zeiten (als Rassismus noch der gute Ton war.)
Als die normalen Arbeiter sich noch knapp etwas zu essen leisten konnten, während die Bonzen ihre Geldbeutel füllten. Ja, das waren noch Zeiten.
Sowas wie Rücksicht und Disziplin existiert scheinbar nur in den Köpfen, den auch zu diesen Zeiten hat man schon über die “heutige Jugend” geschumpfen und davon gesprochen wie Disziplin und Rücksicht verschwinden.
Aber ich wette, in 30 Jahren wird auch die heutige Jugend sich über die zukünftige Jugend mit den gleichen Sprüchen aufregen.
Mal abgesehen davon – Rücksicht können auch die 1. Klässler mal nehmen, den neben Disziplin wäre ein bisschen Mitgefühl auch nicht fehl am Platze. Wenn die 2. Klass Wagen tatsächlich überfüllt sind, könnte man auch mal ein Auge zudrücken wenn Leute im 1. Klasse Wagen stehen. Schliesslich bricht das bestimmt niemandem eine Spitze aus der Krone oder sind wir nicht alle Froh das es Leute gibt die nicht jede Strecke mit ihrem Auto zurücklegen?
Übrigens funktioniert das Zugsystem in Japan wirklich toll, dort lärmt niemand rum und jeder nimmt Rücksicht, nur ist es leider Fakt das Frauen in einem vollen Zug vergewaltigt werden können ohne das irgendjemand etwas unternimmt. Da bin ich schon wieder froh, das wir hier nicht Alle so disziplinierte Wegschauer sind.
Auch wenn wir nicht so weit davon entfernt sind, schliesslich können bei uns Nazis und Hooligans auch schon an überfüllten Bahnhöfen Leute zusammenschlagen ohne das jemand etwas unternimmt. Aber Leute regen sich ja sowieso lieber über Kleinigkeiten auf, denn es könnte ja Gefährlich werden sich einer Gruppe Skinheads entgegenzustellen.
Sorry, aber das ist wieder typisch Hobi! Wie alt bist denn du? Soviel ich weiss, bist du nicht Grossvater… Dass früher alles besser war, wissen wir. Aber bei anderen Erzählungen der Grosseltern kommen dann genau die gleichen Probleme zu Tage wie heute. Ich kenne es…
Kann ja wohl nicht sein, oder? Dieser Vergleich ist total daneben. Der Zug ist öffentlicher Raum.
Aber diese Diskussion zeigt mir sehr schön auf, dass die 1.-Klass-Reisenden oft keine Ahnung haben was in der 2. Klasse alles abläuft. Ich bin Extrem-Pendler und nutze täglich 6 oder 7 verschiedene Züge. Leider ist es sehr oft so, dass in der 1. Klasse fast keine Leute sind… Ich gebe mir jeweils Mühe und schaue durch die Fenster in die Abteile um die Schnarchnasen nicht zu stören. Dies funktioniert aber leider nicht bei allen Bahnhöfen. Ich würde ja so gerne einmal einen kleinen Film drehen…
Es könnte aber auch sein, dass einige 1.-Klass-Reisende einfach nur neidisch sind, weil sich immer mehr Jugendliche und Personen aus “unteren Schichten” ein 1.-Klass-Billett leisten und daher der”gehobene Status” verloren geht.
Cudgeon
Haben früher Bänker 20 Mio. pro Jahr verdient? Nein!
Die Lohnschere ist heute grösser als früher? Ja
Rassismus gibt es noch heute? Ja
Sonst noch fragen? Nein :)
Du hast recht dass sich die heutige Jugend in 30 Jahren über die „neue“ Jugend aufregt.
Wenn es aber so weitergeht braucht es in 30 Jahren auf jeden Zug mindestens 10 Polizisten! Noch 30 Jahre später 20 Polizisten pro Zug u.s.w.!
Ich will mich auch im alter noch ohne Polizeischutz in einen Zug wagen. Du auch?
Übrigens ich bin nicht 60 Jahre alt, sondern gerade mal 18 Jahre alt.
Eine Frage an die Leute, die sich über die 2. Klässler auf den 1. Klasse Plattformen aufregen! Wo sollen die hin, wenn in der 2. Klasse die Plattformen schon übervölkert sind? Soll die SBB die Elektrizität einstellen, mit Dieselloks fahren und diese Menschen aus der 2. Klasse auf das Dach schicken? Ich weiss, in In Indien sieht es gail aus für den Touristen, aber will man das auch in der Schweiz? Mir stösst es auf, dass Leute mit dem 2. Klassebillet wie Dreck behandelt werden soll!
Lia
Du meinst also: Lösung ist, die Tore der 1. Klasse weit auf, damit alle Mühseligen und Beladenen “Unterprivilegierten” in die ja immer leere 1. Klasse strömen und dort einen Platz einnehmen, ohne dafür zu zahlen. Ich gehöre auch zu denen, die oft kaum einsteigen können, weil die Plattform voll ist mit Pendlern, die unbedingt zuhinterst einsteigen wollen. Man erntet dann nur faule Sprüche und Kopfschütteln, wenn man sich seinen Weg zur 1. Kl. bahnen muss. Das Kontrollpersonal getraut sich ja eh nichts zu sagen, denn sonst wird nur aggressiv gemotzt.
Super Idee Lia! Wir stellen auf Dieselbetrieb um, setzen uns auf das Dach und verdrecken die Umwelt mit CO2. Oh nein, falsch, denn könnten wir ja auch unser Privatauto nehmen und die Leute im Zug hätten genügend Platz und der Strom müsste nicht abgestellt werden! Das ist die perfekte Lösung…
Betr. 1. Klasse bezahlen:
Heute wieder einmal, wie oft: Einer steigt trotz Ansage betr. der Perronsektoren dort ein, wo die 1. Kl. ist. Dann latscht er bis nach hinten durch, kommt wieder retour, sieht sich um und setzt sich. Nach einer Weile kommt ein Zugführer. Er schlendert gemütlich durch den Wagen, ohne ein Grusswort oder eine Aufforderung zum Billette vorweisen. Als unser “Mann” ihn erblickt, macht er Anstalten, aufzustehen. Nachdem aber kein Billett verlangt wird, setzt er sich wieder. Dann frage ich den Kondi: Wollen Sie mein Billett nicht sehen? “Ja, schon.”
Ich klaube es heraus. “Ja, gut.”
Unser “Mann” spürt nun, dass es doch noch einen Aufschlag absetzen könnte und haut definitiv nach vorn ab.
Mein Kondi sieht dies, will aber den Mann nicht kontrollieren.
Nun frage ich mich schon, wie bei einer solchen Motivation und dem Personalmangel IRGEND etwas in Richtung “mehr Strenge” überhaupt umgesetzt werden soll.
Ich hatte beim Schreiben meines Kommentares eine Begebenheit vom Einkaufen letzte Woche und Deinen früheren Eintrag im Kopf. Das der Eintrag nun fast gleichlautend herausgekommen ist, ist Zufall. Und zeigt, dass der Vergleich wohl nicht ganz falsch ist.
Um ganz ehrlich zu sein: Wenn die zweite Klasse voll ist, und ich meine WIRKLICH voll, jeder Platz besetzt; dann habe ich auch keine Probleme damit, die Leute auf der Plattform in der ersten Klasse stehen zu lassen. Und ich bin überzeugt, dass sich auch die Reisenden in der ersten Klasse in einem solchen Fall “solidarisch” zeigen würden.
Doch wie ich in einer anderen Stelle schon einmal erwähnt habe: Pro Jahr erlebe ich es etwa zwei Mal, dass in einem Zug die zweite Klasse wirklich voll ist. Viele Leute bevölkern die Plattformen bereits, wenn der Zug zu 75% oder teilweise noch weniger Prozent gefüllt ist.
Zum Vergleich: 75% voll entspricht 3 Personen pro Abteil. Ein Viertel der Plätze wäre also noch frei.
Was ich immer wieder erlebe:
Kunde kommt in die erste Klasse und sagt: “Sie, die zweite Klasse ist völlig überfüllt! Darf ich nun in die erste Klasse wechseln?”
Ich: Ok einverstanden, setzen sie sich hin. Ich werde gleich nachschauen gehen. Wenn ich keinen Platz mehr finde für sie, geht es in Ordnung. Ansonsten komme ich zurück und Sie lösen einen Klassenwechsel zum vollen Preis. (Mindestens 5 Franken)
Kunde: Ach so, ja dann gehe ich nochmals schauen ob ich nicht vielleicht doch noch einen Platz finde…
Bis jetzt ist noch jeder Kunde wieder in die zweite Klasse zurück gegangen.
Deshalb wie gesagt: Sehr selten kommt es vor, dass die zweite Klasse zu 100 Prozent gefüllt ist. Meistens wenn ein Wagen deklassiert wird, dann auf Anweisung “von oben” nach einem Grossanlass oder so.
@ Michael Blum:
Sehe ich genau so. ;-)
Zum Vergleich mit den M-Budget und Selection-Produkten: Meiner Meinung nach hinkt der etwas, und zwar weil man die Zugfahrt, im Gegensatz zu den Sachen in der Migros schon im Voraus bezahlt. Angenommen, ich hätte meine M-Budget Pizza schon – wie auch immer – im Voraus bezahlt, würde ich schon erwarten, dass mir ein teureres Produkt angeboten würde, wenn die M-Budget Pizza nicht mehr verfügbar ist (das ist ja nicht mein Fehler).
Genauso würde ich mich im Zug ohne grosse Gewissensbisse ins Zwischenabteil der 1. Klasse stellen, wenn denn die 2. Klasse wirklich so überfüllt ist, dass da kein Platz ist. Nicht in den Zug einzusteigen käme mir nicht in den Sinn, schliesslich habe ich dafür bezahlt. Zumal ich mir da auch keinen Mehrwert “erschleiche”, der Komfort im Zwischenabteil der 1. Klasse unterscheidet sich ja nicht wirklich von dem der 2. Klasse und ist ganz bestimmt nicht besser als im normalen Bereich der 2. Klasse, mit dem man ja eigentlich rechnet, wenn man ein Billet löst (und an den die Preisgestaltung ja wahrscheinlich angepasst ist).
Allerdings kann ich mich gerade mal an 2 Erlebnisse in den letzten Jahren erinnern, wo im Fernverkehr die Züge wirklich so extrem überfüllt waren, einmal Bellinzona-Arth Goldau an einem schönen Sonntagabend im Frühling – das war wirklich übel, aber ich hatte noch knapp einen Platz im 2.-Klasszwischenabteil, zusammen mit 6 anderen Leuten. Ein anderes mal Olten-Sursee, da bin ich aufs Zwischenabteil der 1. Klasse ausgewichen und bin da ganz fies den Leuten im Weg rumgestanden. :D