Review: TUTANCHAMUN – Sein Grab und die Schätze | ToniAreal Zürich

von Andreas Hobi am 18. August 2008 · 3 Kommentare

Letzte Woche besuchte ich in Zürich die Ausstellung “Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze”, die Ausstellung also, welche sämtliche Besucherpgrognosen übertroffen hat und deshalb um rund drei Monate verlängert wurde. Nachdem ich mir die Sache mal angeschaut habe, verstehe ich, wieso die Ausstellung von Besuchern regelrecht überrannt wird.

Eine so perfekt gestaltete Ausstellung, welche so umfassend über ein ganz bestimmtes Thema informiert, habe ich selten gesehen. Auch für Nicht-Ägyptologen und Nicht-Geschichtsfans lohnt es sich, die Ausstellung rund um den jungen Pharao zu besuchen und für ein paar Stunden in das alte Ägypten abzutauchen.

Doch alles schön der Reihe nach: Zuerst eine kleine Einführung rund um den Entdecker des Tutanchamun-Grabes, danach mein Erfahrungsbericht zur Ausstellung im ToniAreal.

Um was geht es?

Im zürcher ToniAreal findet man seit dem 8. März 2008 eine originalgetreue Nachbildung der Tutanchamun-Grabkammer, so wie sie im Jahre 1922 von Howard Carter aufgefunden wurde. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es sich NICHT um die echten Fundstücke handelt, sondern um gut gemachte Nachbildungen.

Die Inszenierung der einzelnen Räume der Grabkammer macht jedoch nur einen Teil der Ausstellung aus. Man erfährt auch noch sehr viel über andere Pharaonen und das Alte Ägypten im Allgemeinen.

Die Geschichte des Tutanchamun sehr kurz zusammengefasst

Vier Jahre nach dem Tod seines Vaters Echnaton und neun Jahre nach seiner Geburt wird er als Prinz Tutanchaton zum Pharao gekrönt. Daher wird er in der Fachliteratur auch oft als “der Kindkönig” beschrieben.

Als er den Thron besteigt, nimmt er vorerst den Namen Neb-cheperu-Re an und wird kurz darauf mit seiner Halbschwester Anchesenpaaton vermählt. Wenige Zeit später ändert er seinen Geburtsnamen von Tutanchaton (lebendes Abbild des Aton) in Tutanchamun (lebendes Abbild des Amun) und folglich den Namen seiner Gemahlin von Anchesenpaaton (sie lebt für Aton) in Anchesenamun (sie lebt für Amun). Ein Indiz für die Allgegenwärtigkeit der Götter im Alten Ägypten.

Tutanchamun beendet den Monotheismus (nur einen Gott anerkennende Religion) seines Vaters und führt das Land zurück in den Polytheismus (mehrere Götter anerkennend).

Im Alter von 18 bis 20 Jahren verstirbt der junge Pharao aufgrund eines Oberschenkelbruchs des linken Beins, eines Bruch der rechten Kniescheibe sowie eines Bruchs des unteren rechten Beins. Diese Brüche resultierten sehr wahrscheinlich von einem Jagdunfall.

Der Entdecker des Tutanchamun: Howard Carter

Howard Carter, geboren 1874 in Kensington bei London, gilt als Entdecker des Tutanchamun-Grabes. Er wurde durch sein Zeichentalent bekannt und gelangte so im Alter von 17 Jahren nach Ägypten, wo er durch detailgenaues Kopieren von Fundorten den Einstieg in die Archäologie schaffte.

Im Jahre 1899 wurde er Chefinspektor für die Altertümer Oberägyptens und leitete diverse Ausgrabungen. Aufgrund eines ärgerlichen Zwischenfalls mit französischen Touristen (sie wollten kein Eintritt zahlen, Carter empfahl den einheimischen Wächtern, sich zur Wehr zu setzen) kam es zur Kündigung. Fortan versuchte er sich als Fremdenführer und Reiseleiter.

Als er 1907 den englischen Aristokraten Lord Carnarvon kennenlernt, wächst sein Interesse an Ausgrabungen wieder. Zehn Jahre lang führen sie diverse Ausgrabungen durch.

Die Suche nach dem Grab des Tutanchamun blieb dabei jahrelang erfolglos. Erst im Jahr 1922, kurz bevor man ans Aufgeben dachte, fand man es. Carnarvon befand sich zu diesem Zeitpunkt jedoch wieder in England und Carter wollte es erst öffnen, wenn Carnarvon dabei ist. So wurde das Grab dann ein Jahr später (1923) geöffnet.

Zehn Jahre benötigte Carter und sein Team, um das Grab auszuräumen. Mit äusserster Genauigkeit katalogisierte er dabei den Inhalt des Grabes und vermerkte die Lage der einzelnen Gegenstände peinlichst exakt. Als Folge davon kann man sich im ToniAreal das Grab genau so anschauen, wie es von Carter vorgefunden wurde.

1. Teil der Ausstellung: Vorbereitung auf die Grabkammern

Gleich nach dem Eingang hat man die Möglichkeit, gegen entsprechendes Entgelt einen Audioguide zu mieten. Dieses Gerät übersetzt die verschiedenen Informationen bei den Schautafeln und Ausstellungstücken in diverse Sprachen. Der Audioguide ist auch in deutscher Sprache erhältlich; er ist für den Besuch der Ausstellung jedoch nicht wirklich von Nöten.

Ebenfalls direkt beim Eingang befindet sich die Garderobe, wo man seine Jacken und Taschen für CHF 2.- deponieren kann. Da die Temperatur in der Ausstellung bei etwa 22 Grad Celsius liegt, empfiehlt es sich, die Jacken und Mäntel dort zu hinterlegen.

Für alle jene Besucher, welche vor oder nach dem Besuch der Ausstellung Hunger verspüren, gibt es ein einfaches Selbstbedienungsrestaurant mit Sandwiches und verschiedenen warmen Speisen sowie Getränken. Die Preise sind moderat und familienfreundlich.

Ebenfalls beim Ein- / Ausgang der Ausstellung liegt der Shop mit allen möglichen und unmöglichen Souvenirs rund um Tutanchamun. Von Büchern und Postkarten über Mausmatten bis hin zu Plüsch-Pharaos und Kaffeetassen findet man hier diverse Utensilien. Um einen Besuch kommt man nicht herum, da der einzige Ausgang aus der Ausstellung quer durch den Shop führt.

Nachdem man diesen Eingangsbereich passiert hat, gelangt man zu den Schautafeln, welche dem Besucher die Geschichte des Alten Ägypten näher bringen. Mit vielen Bildern und reichlichem Text wird man 3’000 Jahre zurückversetzt und erfährt einiges über die damalige Zeit und die Lebensbedingungen im Alten Ägypten.

Die Schrift auf den Tafeln ist angenehm gross, so dass durchaus auch mehrere Besucher davor stehen und die Tafeln lesen können, ohne sich gegenseitig zu behindern. Allgemein sind die Räume in der gesamten Ausstellung sehr grosszügig gestaltet.

2. Teil der Ausstellung: Videos auf Grossleinwand

Nachdem man den Einführungsteil durchquert hat, gelangt man in einen Raum mit drei nebeneinander liegenden Videowänden. Alternierend läuft auf jeweils einem der Bildschirme ein Film über einen Pharao und seine Gemahlin:

1. Grossleinwand:
Pharao Amenophis III und seine Gemahlin Teje. Amenophis ist der Vorgänger des Echnaton.

2. Grossleinwand:
Pharao Echnaton und seine Gemahlin Nofrete. Echnaton ist der Vater des Tutanchamun.

3. Grossleinwand:
Pharao Tutanchamun. Er folgte auf Echnaton.

Die Lautstärke des Tons dieser drei Videovorführungen wäre hoch genug, jedoch kommt es immer wieder vor, dass man einige Passagen nicht versteht, weil sich die Besucher rundherum miteinander unterhalten und teilweise auch Babygeschrei zu hören ist. (Hinweis an dieser Stelle: Die Ausstellung rund um Tutanchamun eignet sich NICHT für Kinder unter 11 Jahren!)

Vor jeder Leinwand befindet sich eine kleine Sitzbank. Der Grossteil der Besucher muss jedoch stehen, was aber kein Problem sein sollte, da die Videos nur je drei Minuten dauern.

3. Teil der Ausstellung: Das Video über die Entdeckung des Grabes

Nun wird es interessant. Nachdem das dritte Video auf der Grossleinwand abgespielt wurde, öffnet sich rechts davon eine schwarze Tür. Neugierig durchquert man nun den Türrahmen und gelangt in einen grossen Raum, in welchem sich ganz vorne eine weitere Grossleinwand befindet.

Die vorderen Reihen bestehen aus Sitzgelegenheiten, in den hinteren Reihen gibt es nur noch Stehplätze.

In einem aufwändig und sehr professionell erstellten hochinteressanten und kurzweiligen Video wird die Geschichte von Howard Carter erzählt. Wie gelangte der Entdecker des Tutanchamun-Grabes zur Ägyptologie? Wie fand er das Grab? Welche Hürden stellten sich ihm in den Weg?

Der Film schliesst mit den Worten, die Howard Carter bei der Entdeckung des Grabes sagte:

“Ich sehe wunderbare Dinge!”

Daraufhin öffnet sich links von der Leinwand eine weitere Türe und man gelangt in die Nachbildung des Grabes. Man sieht die “wunderbaren Dinge” also genau so, wie sie Carter angetroffen hat.

4. Teil der Ausstellung: Die Grabkammer

Nun folgt das eigentliche Herz der Ausstellung: Die Grabkammern. Wer jetzt erwartet, dass die Kammern säuberlich aufgeräumt sind und jede Grabbeilage ihren Platz hat, der täuscht sich gewaltig. In den Grabkammern sieht es aus wie in einer Grümpel- oder Besenkammer. (Boris Becker hätte seine Freude daran gehabt.) Alles liegt wild durcheinander und teilweise sind die Gegenstände übereinander gestapelt.

Nichtsdestotrotz ist der Anblick sehr eindrücklich! Kaum zu glauben, zu was unsere Vorfahren vor 3’000 Jahren fähig waren.

Über Lautsprecher und durch einzeln steuerbare Scheinwerfer wird den Besuchern jede einzelne Kammer sehr genau erklärt. Auch hier gilt wieder: Wenn die anderen Besucher sich miteinander unterhalten, versteht man von den Erklärungen nur die Hälfte.

5. Teil der Ausstellung: Die Fundstücke im Einzelnen

Wenn man die Grabkammern hinter sich gelassen hat, gelangt man in den nächsten Teil der Ausstellung. Hier kann man sich die Fundstücke im Einzelnen nochmals ganz genau anschauen und von Info-Schildern erklären lassen. Auch stehen rund ein Dutzend Mitarbeiter zur Verfügung, welche gerne bereit sind, mehr über die Gegenstände zu erzählen.

Jedes noch so kleine oder grosse Fundstück, welches man im vorherigen Teil in den Grabkammern sah, findet man hier nochmals. Vom winzig kleinen Schmuckstück bis hin zum goldenen Streitwagen ist alles vorhanden.

In diesem Teil der Ausstellung verbringt man mit Sicherheit die meiste Zeit. Die Menge an Informationen, die man hier findet, ist schier unglaublich. Man erfährt nicht nur sehr viel über Tutanchamun und sein Umfeld, sondern auch über das Alte Ägypten im Allgemeinen und die Lebensbedingungen und -gewohnheiten zu jener Zeit.

Fazit

Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich auf jeden Fall, wenn man sich ein wenig für das Alte Ägypten interessiert. “TUTANCHAMUN – Sein Grab und die Schätze” eignet sich jedoch NICHT für Kinder unter 11 Jahren, da man die meisten Informationen durch Lesen der Schautafeln aufnimmt.

Ich habe bei meinem Besuch diverse Kinder angetroffen, die lautstark gequengelt haben und ihre Eltern baten, nach Hause gehen zu dürfen. Dies ist nicht nur für die jeweiligen Eltern, sondern auch für andere Besucher äussert nervig und kann einem die Freude am Besuch verderben.

Wenn die Kinder dann noch anfangen, in der Ausstellung zwischen den Gegenständen “Fangis” zu spielen, ist es mit der Ruhe eindeutig vorbei.

Deshalb empfehle ich, die Ausstellung nicht an einem Mittwoch-Nachmittag oder Wochenende zu besuchen.

Anreise

Am besten benutzt man den Zug bis zum Zürcher Hauptbahnhof und fährt dann mit dem Tram 4 (Richtung Werdhölzli), steigt bei der Haltestelle Fischerweg aus und läuft 4 Minuten zum ToniAreal.

Karte

Auf dem Areal gibt es zwei Eingänge. Einer für Besucher “ohne Ticket / mit Voucher” und einer für Besucher “mit Ticket”. Wer sich auf der Website von Eventim.ch ein Ticket ausgedruckt hat, wählt den zweiten Eingang. Alle anderen Besucher (inkl. RailAway-Kunden) müssen den ersten Eingang benutzen.

Wer kein Generalabonnement, Zonenabo oder Streckenabo hat, kauft sich das Ticket am besten via RailAway. Grund: Man erhält 60 Prozent Rabatt auf den Billettpreis! Im Preis inbegriffen ist auch die Fahrt mit dem Tram zum ToniAreal sowie der Eintritt in die Ausstellung.

Wer ein Generalabonnement, Zonenabo oder Streckenabo hat, kauft sich das Ticket am besten via eventim.ch. Grund: Die Besucher werden gestaffelt in die Ausstellung hineingelassen (eine bestimmte Anzahl von Personen pro 90 Minuten). Auf eventim.ch kann man sich bereits aussuchen, zu welcher Zeit man die Ausstellung betreten möchte und erspart sich so das Warten vor Ort. Beispiel: Das Ticket, welches ich erhielt, berechtigte zum Eintritt in die Ausstellung zwischen 14:30 und 16:00 Uhr.

Nachdem man die Ausstellung betreten hat, kann man sich jedoch frei bewegen und sich beliebig lang innerhalb der Räumlichkeiten aufhalten.

Das per eventim.ch gekaufte Ticket kann bequem zu Hause selbst ausgedruckt werden.

Andere Informationen

Preise:

  • Erwachsene ab CHF 22.00
  • AHV / IV / Studenten ab CHF 17.00
  • Jugendliche 14-21 ab CHF 15.00
  • Kinder 6-14 ab CHF 10.00
  • Familien (4 Personen) ab CHF 42.00

Besuchsdauer:
Man benötigt für die Ausstellung rund 1.5 bis 2 Stunden. Wenn man danach noch ins Selbstbedienungsrestaurant geht, muss man entsprechend mehr Zeit einberechnen.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 10:00 bis 18:00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage: 09:00 bis 18:00 Uhr

Die Ausstellung hat noch bis zum 7. September geöffnet.

Website: www.tut-ausstellung.ch



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{ 3 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

Jonas August 18, 2008 um 21:44

Ich habe vor zwei Jahren in Basel die Ausstellung mit der Totenmaske von Tutanchamun gesehen und hat mir damals ebenfalls sehr gefallen.

Antworten

Anonym Februar 12, 2009 um 15:19

Aha aber trotzdem es stimmt nicht alles

Antworten

Andreas Hobi Februar 13, 2009 um 08:03

@ Anonym:
Was stimmt denn so alles nicht?

Antworten

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