

Noch habe ich in den Schweizer Medien nichts davon gelesen, weder in den Printprodukten, noch im Internet. Und auch TV / Radio berichten nicht darüber. Aber die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Der Personenverkehr der SBB plant, in Italien einzusteigen.
Ich spreche hier jetzt nicht von grenzüberschreitendem Personenverkehr à la Cisalpino. Nein, es geht um den inneritalienischen Verkehr! Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszuschliessen, dass die SBB bei der privaten Eisenbahngesellschaft NTV (Nuovo Trasporto Viaggiatori) einsteigt und somit auf den Linien Turin – Mailand sowie Rom – Neapel aktiv wird.
Wer ist die NTV?
Wikipedia weiss:
Der Nuovo Trasporto Viaggiatori (NTV) ist eine private italienische Eisenbahngesellschaft. Sie wurde von vier italienischen Industriellen gegründet, darunter Luca Cordero di Montezemolo, Chef von Ferrari und Fiat SpA, sowie Diego Della Valle, Inhaber der Tod’s Group. Präsident der Gesellschaft ist Giuseppe Sciarrone, zugleich geschäftsführendes Mitglied im Verwaltungsrat der privaten Güterverkehrsgesellschaft Rail Traction Company. Mit im Boot ist die Bank Sanpaolo IMI.
Ziel der Gesellschaft ist es, ab Ende des Jahrzehnts in Konkurrenz zur staatlichen Trenitalia SpA Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen italienischen Großstädten anzubieten. Dafür wurden bei der französischen Alstom inzwischen 25 Exemplare des neuen Hochgeschwindigkeitszuges AGV bestellt. Die Züge sind für jeweils 500 Passagiere ausgelegt und sollen zwischen 2009 und 2011 den Verkehr von Mailand nach Turin und Neapel sowie von Rom nach Venedig und Bari aufnehmen. Zielgruppe sind in erster Linie Geschäftskunden, die Züge sollen entsprechend eine Business-Class-Ausstattung erhalten.
Es stecken also grosse Namen hinter dem Unternehmen.
Die Verhandlungen
Die NTV verhandelt mit diversen europäischen Bahnen – darunter auch mit der SBB – über eine Beteiligung. Denn: Montezemolo und seine Partner haben zwar viel Geld, jedoch kaum Eisenbahn-Knowhow. Hier soll die SBB einspringen und mit ihrem Wissen das Unternehmen zum Erfolg führen.
NTV-Vorstandschef Giuseppe Sciarrone sagte in einem Interview mit der deutschen WELT, sein Unternehmen sei bereit, eine Minderheitsbeteiligung an einen ausländischen Partner aus der Bahnbranche abzugeben.
Lukrativer italienischer Markt
Für die SBB könnte sich eine Beteiligung auszahlen; der italienische Markt gilt als äusserst attraktiv, vorallem wenn man – wie die NTV – nur die Rosinen herauspickt. Sciarrone sagt in der deutschen “Morgenpost”: “Eine Fahrgastkonzentration wie auf dem Korridor Turin-Mailand-Rom gibt es sonst kaum in Europa.”
Die anderen Mitbewerber
Nebst der SBB sollen auch andere europäische Bahnunternehmen an einer NTV-Beteiligung interessiert sein. Allen voran die Deutsche Bahn DB, die zu Hause kaum noch Wachstumschancen hat. Und auch die französische Staatsbahn SNCF wird nicht uninteressiert sein.
Es wird spannend sein zu sehen, wer schlussendlich (im wahrsten Sinne des Wortes) zum Zuge kommt.
Bilder des NTV-Hochgeschwindigkeitszuges…
(Quelle: Der Standard)
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{ 14 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Wenns die DB macht, wäre wenigstens ein Vorteil, dass das Ritarto, das standartmässig auf jedem Italienischen Fahrplan steht, nicht wegfallen müsste ^^ (Können gleich hinschreiben: Wegen einer Ameise auf den Schienen ^^ :))
Nichts gegen die Deutschen, aber die sollen zuerst mal im eigenen Land einen anständigen Service bieten, bevor sie sich ins Ausland getrauen.
(Jaaa, ich weiss, in England fahren die Deutschen auch schon. Trotzdem!) :)
Naja, mein Kommentar war ja wohl auch Sarkastischer Natur ^^
Hmmm… ganz unproblematisch dürfte ein Engangement seitens SBB nicht sein: Mit Trenitalia SpA ist man gut Freund und betreibt zusammen die Cisalpino AG und auf den Paradestrecken würde man in Konkurrenz mit Trenitalia treten… oder aber hinter dem Ganzen steckt Absicht, z. B. indem via Cisalpino die Trenitalia doch mit von der Partie sein wird?
Vermutlich wird es in Zukunft sowieso je länger je öfter vorkommen, dass Bahnunternehmen im Personenverkehr gleichzeitig Partner und Konkurrenten sind. So wie es im Güterverkehr heute schon der Fall ist.
Als erstes ist mir das SBB Logo aufgefallen; das ist ja falsch geschnitten! Nicht das ich dir die Schuld geben möchte, aber da scheint doch einiges an falschen Logos im Umlauf zu sein.
@ Sandra-Lia:
Aber das mit der Ameise merke ich mir! Das nächste Mal, wenn ich eine Störung habe, gibt es eine Durchsage:
“Geschätzte Damen und Herren, wegen einer Ameise auf der Schiene…” :-)
(-: *** Ich bin auch ein Alleinunterhalter *** :-)
@ Silvan:
Dass mir das nicht aufgefallen ist… :-/ Wurde natürlich gleich ausgebessert!
Naja, ich hätte dir hier ein paar tolle Begründungen:
Wegen einem Stellwerkfehler am Industriegleis von Langendorf bei Solothurn bekommt unser Zug eine unbestimmte Verspätung
Weil der Hamster von Herrn Mehdorn das Bein gebrochen hat, bekommt unser Zug ca. 10 Stunden verspätung
Wegen spielenden Polizisten auf den Schienen verspätet sich die Weiterfahrt auf unabsehbare Zeit.
Wegen einem Böschungsbrand auf der Strecke zwischen Leipzig und Dresden fällt heute der Zug zwischen Zürich und Rapperswil aus
Die Reisenden mit einer gültigen Fahrkarte: Wir entschuldigen uns für nichts, und ihre Fahrkarte ist sofort wertlos. Ach ja, Herr Mehdorn bedankt sich, dass sie mit dem Kauf der Fahrkarte seine Lohnerhöhung subventioniert haben.
:) Das sind jedenfalls mal begründungen, die jeder sofort versteht.
Nicht so, wie in Berlin HBF, der aufgrund seiner absoluten Unterdimensionierung schon standartmässig angesagt wird: “Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf…”
Anmerkung, das mit der Ameise will ich ja nur zu gern hören ^^
Wie soll die neue Firma denn mit dem stark organisierten Personal und der schlampigen Einstellung gegenüber dem Betrieb desselben in diesem chaotischen Infrastruktursystem der FS einen halbwegs besseren Service bieten können als die Trenitalia? Auch die neuen Züge würden schlampig gewartet und würden Verspätung haben. Ich sehe schwarz.
Ich denke, man kann die FS nicht mit der neuen NTV vergleichen.
Das Personal streikt nur, wenn es unzufrieden ist. Mit einer geschickten Mitarbeiterführung kann es die NTV schaffen, die Leute bei Laune zu halten.
Was die Infrastruktur betrifft, fahren die NTV-Züge so weit ich gehört habe nur auf Hochgeschwindigkeits-Strecken, welche bestimmt auch dementsprechend sicher ausgebaut sind.
Ob die neuen Züge schlampig gewartet werden, das wird sich noch zeigen. Ich hoffe einfach, die Wartung wird nicht an die FS ausgelagert sondern von der NTV selber durchgeführt. Dann kann es nur noch besser werden. :)
Ich glaube an den Erfolg der NTV und hoffe, die Firma wird mich in dieser Hinsicht nicht enttäuschen.
Betreffend DB und Ausland:
Deutsche Bahn beteiligt sich an Ausschreibung in Schweden
Die armen Schweden… :)
Dann wird endlich wieder richtig Zug gefahren in Italien =)