Kürzlich führte ich ein Gespräch mit einer Patrouille der Bahnpolizei. Sie begleiteten meinen Abendzug, und als wir durch alle Wagen waren, setzten wir uns hin.
Das Gespräch drehte sich um den Datenschutz, der in unserem Land oftmals eher ein “Täterschutz” ist. Viele Datenbanken, welche den Sicherheitsorganen ihre Arbeit erleichtern würden, werden von Datenschützern nicht erlaubt und Polizisten dürfen gewisse Dinge nicht an die Behörden weiterleiten. Zum Beispiel ist es der Polizei nicht erlaubt, der Sozialbehörde zu melden, dass ein Drogendealer (der Sozialhilfe bezieht) monatlich 15’000 Franken mit Dealen verdient.
Unter anderem kamen wir dann auf das Thema “Überwachungskameras” zu sprechen. In meinen Augen macht sich jeder verdächtig, der sich negativ über Kameras äussert. Ein ehrlicher und friedliebender Bürger, der nichts zu verstecken hat, braucht sich über die Kameras in Bahnhöfen und Regionalzügen nicht zu ärgern. Die Aufnahmen werden nach kurzer Zeit automatisch gelöscht, falls nichts vorgefallen ist. Wenn jedoch ein Verbrechen geschieht, können die Kameras helfen, es aufzuklären.
Das Gespräch ging weiter, und irgendwann kamen wir auf das Thema “Raserfotos”. Da ich autolos bin, kenne ich mich mit Radarfotos und solchen Dingen kaum aus. Doch anscheinend ist es so, dass einige Kantone inzwischen aufgehört haben, Radarfotos nach Hause zu schicken.
Sprich: Wer geblitzt wird, erhält zwar ein Schreiben, jedoch wird das Beweisfoto nicht mehr beigelegt. Grund dafür ist der Datenschutzbeauftragte. Er fand es anscheinend nicht in Ordnung, dass der Mann in die Radarfalle fährt und die Frau danach den Brief öffnet und das Foto sieht. Denn es könnte ja sein, dass der Mann nicht alleine im Auto war, sondern neben ihm noch seine Affäre sass.
Dies ist aus datenschutzrechtlichen Bestimmungen natürlich äusserst bedenklich. Ein Foto könnte damit ganze Ehen zerstören. Ich kann es mir schon fast bildlich vorstellen, wie die Ehefrau vor dem Foto sitzt:
- Wieso schaut mein Mann so glücklich drein?
- Was macht meine beste Freundin auf dem Beifahrersitz neben meinem Mann?
- Wieso hält sie ihren Kopf zwischen die Beine meines Mannes?
- Habe gar nicht gewusst, dass mein Mann so glücklich ausschauen kann.
Dabei wäre es doch ganz einfach: Wer zu schnell fährt, der muss damit rechnen, geblitzt zu werden. Und wenn nun gerade mal die Gespielin neben einem sitzt, sollte man sich halt mit Vorteil an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Punkt. Wer sich nicht an die Verkehrsregeln hält, ist selber schuld, wenn er dann ein Föteli nach Hause geschickt bekommt.
Ansonsten: Wenn du wieder einmal mit der Affäre unterwegs bist, nimm doch den Zug. Ist vielleicht nicht ganz so sexy, dafür wirst du bei der SBB nicht geblitzt und ein Föteli schicken wir dir auch nicht nach Hause. Ausserdem wundert sich dann auch keine Ehefrau über das fremde Parfüm im Auto und wenn sie dich fragt, wieso dein Hemd nach Rosen duftet, kannst du ganz einfach sagen, dies sei das Parfüm der Dame, welche dir im Abteil gegenüber sass. ;o)
Bild © (cc) tati.ana (flickr.com)
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Mit dem Zug? Dann meldet sich halt eine dritte Freundin die dich im Zug mit der Gespielin gesehen hat. Ausserdem: Wer führt eine Affäre schon im Zug aus… lol!
Datenschutz ist wichtig und wird viel zu oft unterbewertet. Die von dir angegebenen Fälle könnte man ja geradezu für ein SVP Plakat verwenden.
Ausserdem sollte man schon wissen wer sein Auto zu einer bestimmten Zeit gefahren hat. Immerhin sollte ja nicht jeder den du gerade mal 5 Minuten kennst damit rumfahren.
Und wenn’s Probleme gibt kann man das Foto auch über ein Gerichtsverfahren einsehen. Kostet dann halt einiges mehr ;-)
Mir haben sie das Raserfoto auch nicht geschickt und deswegen habe ich ihnen nicht geglaubt. Das kam mich teuer zu stehen. Finds eine verdammte und unsinnige Schweinerei, dass sie einem das Foto nicht mehr schicken. Bezahlen muss man das Foto nämlich trotzdem! Bezüglich dem Rasen, ich gelte nun als charakterloser Raserschweinehund. Die Medien haben viel zu diesem Image begetragen. Spielt dann ja keine Rolle, dass sie mich mitten in der Ferienzeit auf einer einsamen Landstrasse geblitzt haben. PS: Uneinsichtig bin ich auch noch…wollt ihr mich nicht gleich hinrichten?
Naja, auch auf einer Landstrasse sollte man sich an die Verkehrsregeln halten… Du weisst ja nie, ob dir vielleicht nicht doch plötzlich ein Velo entgegenkommt oder ob ein Tier die Fahrbahn überquert.
@Alex: Ich kann dich verstehen.
Wurde einmal mit 56 um 3 Uhr Morgens in einer 50er Zone bei der Autobahneinfahrt in St. Gallen gebüsst. Bezahle aber das gleiche wie jmd. der um 2 Uhr Nachmittags bei Schulschluss mit 59 gebüsst wurde… naja.
Habe echt aufgehört mich zu Nerven,um die Schnellfahrerei, die aus dem grossen Kanton fahren sowiso wie die gesengten Schweine und es passiert nichts, bin ich nur einen Augenblick nicht bei der Sache blitzt es bestimmt. Wer sich mal ausrechnet,jede Übertretung geteilt mit der Busse ergibt noch ca 2 Rappen je nach dem.looool
@Andreas:
ich will ja mal sehen, wie du reagieren würdest, wenn in einem Zug ein Päärchen sitzt und die Frau auf dem Schoss des Mannes “liegt” ;)
*g*¨
(Und ob dann wer das Video davon auf einschlägigen Seiten veröffentlichen würde..? Lücken gibts ja überall) xD
@ greezer:
Ich hatte mal ein Päärchen auf der Toilette, welches “ziemlich laut bei der Sache war”. Und ich kenne zwei Fälle, die mir von anderen Zugbegleitern zugetragen wurden, wo es zwei in einem leeren Wagen trieben.
Insofern keine Seltenheit. :-)
(Nur kann ich es nicht verstehen, wie man es auf der Zugstoilette treiben kann; etwas unhygienischeres gibt es wohl nicht!)
Jeder hat bestimmt schon den Film „Staatsfeind Nr. 1“ mit Will Smith und Gene Hackman gesehen. Er zeigt – wenn auch in typischer Hollywood-Manier – was alles möglich ist, wenn alle Daten „vereint“ sind. Er zeigt aber auch was möglich ist, wenn böse Buben Zugriff auf diese Daten haben.
Jetzt mag man einwenden, dass wir doch in der Schweiz keine bösen Buben haben. Nun, so genannte „Indiskretionen“ kommen selbst beim Bundesrat vor. Und wie war das mit dem Polizeiprotokoll in der Affäre Schmid/Nef? Demzufolge sind nicht einmal physische vorhandene Informationen wirklich vor missbräuchlichem Zugang sicher.
Zudem müssen die bösen Buben nicht immer aus der Schweiz stammen. Was les’ ich da heute: „Unbekannte haben die Internetseite der Stadtpolizei Zürich gehackt.“ Gewiss, es mag nur die relativ ungeschützte Website sein. Trotzdem: Gerade die Polizei mit deren Zugriffe auf unzählige Systeme ist doch interessant für Hacker. Und wenn das nicht hilft, bietet man jemandem eine Million an und er kopiert alle Daten auf eine CD-ROM (wie bei einer Liechtensteiner Bank geschehen).
Folglich liegt das Problem in den Fragen, wer soll worauf zugreifen können dürfen und wie sicher ist es, diesen Personen Zugriff zu geben (das grösste Sicherheitsrisiko ist immer der Mensch).
Ich habe kein Problem damit, wenn eine Polizeibehörde „alles“ über mich weiss – solange sichergestellt ist, dass „alles“ bei dieser bleibt und sie dies nur tut, wenn ein echter Verdachtsmoment besteht. Doch ich habe heute nicht einmal die Garantie, ob die Videoaufnahmen in den Zügen am Ende einer Fahrt wirklich gelöscht werden und – ob das überhaupt auch jemand kontrolliert?
Denn sonst könnte es sein, dass plötzlich Videobilder von mir in der Öffentlichkeit kursieren, nur weil ich jemandem ähnlich sehe, der gesucht wird. So dürfte es dieser Frau wahrscheinlich ergehen, welche auf dem Video sichtbar ist, das ich hinter meinem Namen verlinkt habe. Solche Bilder gehören sehr wohl in die Hände der Polizei. Auch darf und soll die Polizei die Vermutung äussern, wo sich die gesuchte Maddie befinden könnte. Aber solche Bilder gehören meiner Ansicht nach nicht in die Öffentlichkeit (und wenn, dann vielleicht einzelne Standbilder). Denn wenn einmal die „Internet-Lawine“ losgetreten ist, ist sie nicht mehr zu stoppen – mit dem Risiko falscher Anschuldigungen durch jene, die eine Person erkennen (also z. B. gegenüber mir, der ja jemandem ähnlich sehen könnte).
Es ist eine ziemlich heikle Gratwanderung zwischen Verbrechensbekämpfung und gläsernem Bürger…
Sehe ich auch so. Sensible Daten dürfen auf keinen Fall in falsche Hände geraten. Ich denke, es sollte klar geregelt sein, wie solche Daten gelagert und geschützt werden müssen.
Es wird schwer sein, einen 100-prozentigen Schutz gewährleisten zu können, doch mit entsprechenden Vorschriften kann man sicher vieles verhindern.
Apropos Datenschutz, hier noch ein Artikel, wie man sich vor dem Auslesen der RFID-Chips schützen kann: http://www.technovelty.de/rfids-dabei-so-kann-nicht-jeder-mitlesen/
Ich habe vor ein paar Jahren auch kein Foto erhalten, als ich von der Laserpistole geblitzt wurde. Bei Radarfallen mit Laserpistole gibt’s kein Foto. Nicht so schlimm, aber wäre schon noch nett ein Foto zu bekommen wenn das ganze gegen die 2000 Franken kostet :-) Aber man ist schon selber schuld, wenn man zu schnell fährt. Über das Portemonnaie läuft’s halt immer am besten. Ich fahre seit dieser Geschwindigkeitsübertretung nicht mehr so schnell. Weil für 2000 Franken bekommt man eine Digitalkamera mit 20 Megapixeln und kann sich sein Auto/Töff in hoher auflösung selber knipsen :-)
Wenn es nach mir ginge, dürfte es mit den Autos genau gleich laufen wie mit den Zügen: Sobald man eine bestimmte Anzahl Kilometer zu schnell fährt (3-5 km/h) wird das Auto automatisch gestoppt und erst nach völligem Stillstand kann man weiterfahren. :)
Natürlich dürfte das Auto dabei nicht ganz so abrupt abbremsen wie ein Zug, da sonst der Hintermann Probleme bekäme… ;o)
Der ganze Datenschutz-Schischi ist langsam peinlich.
Es ist ja schon ein Durchbruch, wenn überhaupt Kameras im ÖV erlaubt werden. Die Bilder werden ja nicht ins Internet gestellt. Wobei- bei Vandalen müsste man eigentlich genau dies tun. Als “sensible” Daten könnte man sowas ja kaum bezeichnen.
Dafür sammelt der Bund wieder wie zur Cincera-Zeit Daten zur Gesinnung der Bürger. Wie weiland die Firma “Horch und Guck” in der DDR….
“In meinen Augen macht sich jeder verdächtig, der sich negativ über Kameras äussert.”
Genau wegen solchen Aussagen hasse ich Überwachungskameras. Wer nicht für uns ist, ist dagegen. Undemokratischer und naiver gehts nicht.
Wohlgemerkt. Ich bin kein genereller Kameragegner. Aber die Art und Weise, wie viele Firmen und Menschen den Sirenengesängen der hysterieschürenden Sicherheitsindustrie erliegen, ist bedenklich. Kameras verhindern keine Straftaten. Belege dafür gibts genügend.
Allerdings herrscht meist Argumentationsnotstand. Kameragegner beziehen sich auf die Zukunft, während Kamerafans nur knapp über die Nasenspitze hinaus denken.
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Das mag sein. Aber sie helfen bei der Aufklärung. Nicht nur der Fall im Bahnhof Basel SBB hat dies gezeigt. Ich denke, der Typ wäre heute noch in der Schweiz, wäre er nicht von Kameras gefilmt worden.
Und so gesehen kann es dann vielleicht sogar sein, dass sie zukünftige Straftaten des Täters verhindern.
Was aber auf alle Fälle ganz klar gesagt werden kann: Schaden tun die Kameras niemandem.
Kommt drauf an, wer zuguckt…