Neue Doppelstock-Züge für den SBB-Fernverkehr

von Andreas Hobi am 10. August 2008 · 2 Kommentare

Wie heute überraschend bekannt wurde, schreibt die SBB noch in diesem Jahr neue Doppelstock-Züge für den Fernverkehr aus. Dabei handelt es sich um 200 Züge mit einer Länge von 100 und 200 Metern (4 bzw. 8 Wagen). Diese lassen sich dann beliebig zu Zügen von einer Länge zwischen 100 und 400 Meter zusammenstellen (4, 8, 12 oder 16 Wagen).

Im April 2008 kündigte SBB-CEO Andreas Meyer zwar bereits an, dass die SBB bis zum Jahr 2030 insgesamt 19 Milliarden Franken in neue Züge investieren wolle. Damals wies jedoch noch nichts darauf hin, dass die Ausschreibung für die Fernverkehrs-Züge noch dieses Jahr publiziert wird.

Die neuen Doppelstockzüge, welche vor allem auf den Linien zwischen Zürich und St. Gallen sowie zwischen Bern und Lausanne eingesetzt werden, unterscheiden sich in einem Punkt deutlich von den bisherigen Fernverkehrs-Doppelstockzügen: Es handelt sich um Doppelstock-Triebzüge. Sprich: Der Antrieb verteilt sich auf den ganzen Zug (siehe ICN) und konzentriert sich nicht auf eine Lok an der Spitze oder am Ende des Zuges. Dadurch wird die Zugkraft deutlich besser auf das Gleis übertragen und der Zug gewinnt zum Beispiel zwischen Lausanne und Bern zwei Minuten. Weitere vier Minuten gewinnt man, indem man in Kurven schneller fahren kann. Nochmals drei Minuten kann die SBB einsparen, indem sie einige Korrekturen am Trassee durchführt. Insgesamt betragen die Einsparungen also 9 Minuten.

Wer die Fahrzeiten zwischen Bern und Lausanne kennt, dem fällt nun etwas auf: Sie beträgt momentan 66 Minuten und sinkt nach den oben beschriebenen Zeiteinsparungen auf 57 Minuten. Lausanne – Bern wird also in das Knotensystem der Bahn 2000 eingebunden, da die Fahrzeit unter 60 Minuten sinkt.

Gleiches gilt für die Strecke St. Gallen – Zürich HB: Die Eurocity-Züge brauchen momentan 62 Minuten, mit den neuen Doppelstock-Triebzügen sinkt die Fahrzeit auf 57 Minuten.

SBB-Pressesprecher Roland Binz möchte diese Neuigkeiten noch nicht direkt bestätigen. Aber er sagt, man verfolge selbstverständlich laufend neue Entwicklungen und prüfe “wirtschaftlichere, kundenfreundlichere und optimierte Betriebsmöglichkeiten im Interesse der Kunden und Steuerzahler”. Die SBB informiere über einzelne Beschaffungen, wenn diese beschlossen seien und öffentlich ausgeschrieben würden.

Gesprächiger zeigten sich Vincent Ducrot (Leiter Personenfernverkehr) und Werner Wildener (Fahrplanchef). Sie bestätigten gegenüber der NZZ am Sonntag, dass die Doppelstock-Triebzüge noch im Herbst ausgeschrieben werden.

Hier noch ein hervorragender Kommentar zu den neuen Doppstockzügen: “SBB-Chef ohne Scheuklappe”

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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Martin August 10, 2008 um 17:58

Beim ICN erlebe ich regelmässig, dass gemäss Durchsage im Zug Verspätungen durch Antriebsprobleme in einzelnen Wagen entstehen, weshalb man langsamer fahren muss. Ich hoffe, die neuen Züge sind zuverlässiger!

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Andreas Hobi August 12, 2008 um 12:46

Meldung aus den Medien:

bussnang – Stadler Rail von Peter Spuhler hat Interesse am Bau der 200 neuen Doppelstock-Triebzüge der SBB. Die Ausschreibung soll laut «NZZ am Sonntag» im Herbst erfolgen. Tim Büchele, Sprecher von Stadler Rail, hält deshalb den Zeitpunkt für eine Aussage verfrüht. «Aber es ist klar, dass wir eine allfällige Ausschreibung prüfen und uns beteiligen, wenn die Voraussetzungen gegeben sind», sagt Büchele. Die Kapazitäten bei Stadler Rail seien vorhanden. Die 200 Doppelstock-Triebzüge wären die bisher grösste Rollmaterialbeschaffung der SBB. (mst)

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