Kopfgeld für Kondukteure?

Wie auf verschiedenen deutschen Newsportalen (unter anderem live-pr.com) zu lesen war, erhalten deutsche Kondukteure (Schaffner) von der Deutschen Bahn eine Prämie für jeden erwischten Schwarzfahrer.
Ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht, ob ein “Kopfgeld” oder zumindest eine Umsatzbeteiligung bei SBB-Kondukteuren Sinn machen würde, bin dann nach einiger Überlegung jedoch zum Schluss gekommen, dass dies kontraproduktiv wäre.
Klar, einige Kollegen würden dann vielleicht ein wenig genauer kontrollieren und so auf mehr Fälschungen und abgelaufene Abos stossen. Handkehrum besteht bei einer Provision auch die Gefahr, dass versucht wird, möglichst viel Umsatz zu machen.
Und genau dort sehe ich auch das Problem: Wenn man dann als Zweitklass-Reisender bei jeder Zugfahrt gefragt wird, ob man vielleicht nicht lieber in die 1. Klasse wechseln wolle, der Klassenwechsel koste ja nur 5 Franken oder so… Naja, ich weiss nicht. :)
Ausserdem ist es nicht im Sinne eines guten Kundendienstes, wenn man jedes noch so kleine “Vergehen” wie zum Beispiel nicht entwertete Mehrfahrtenkarte gleich bestraft und keine Kulanz mehr gewährt.
Besser ist also das System, wie es zurzeit bei der SBB praktiziert wird: Man zahlt anständige Grundlöhne, gewährt Zuschläge für die Abendstunden und Wochenendtage und verteilt immer mal wieder kleine Incentives an die Mitarbeiter. (So wie zum Beispiel nach der Euro ein paar Reka-Gutscheine.) So hält man nicht nur das Personal, sondern gleichzeitig auch die Kundschaft bei guter Laune. ;o)
Weiterführender Artikel: Bahn-Schaffner erhalten Fangprämie für ertappte Schwarzfahrer…
Wie denkt ihr über dieses “Belohnungssystem bei der Deutschen Bahn? Sinn oder Unsinn?
© Foto SBB

Puppet Master am 25.07.2008 um 14:26
Was du nicht bedacht hast. Ein Kondukteure der in der Region Zürich, Basel od. Bern arbeitet wird alleine wegen dem höheren Passagieraufkommen wegen so einer Regelung dann fast automaitsch auch mehr verdienen können.
Jemand der hauptsächlich in einer Nebenregion, z.B Graubünden arbeitet. Der hätte nicht mal die Chance so viele Schwarzfahrer zu erwischen wie sein Kollege in Zürich.
Rai am 26.07.2008 um 20:47
Das ist nicht viel, was die Zugbegleiter da an Prämie bekommen.
Und vermutlich weil es so wenig ist, verschweigt der verlinkte Artikel die Höhe der Prämie. so sieht es mehr nach einem Skandal aus oder hört sich reisserischer an.
In Wirklichkeit sind es nur 30, 40 EuroCent.
Dies ersetzt für die Schaffner bei weitem nicht, was sie vorher monatlich extra für verkaufte Fahrscheine bekommen haben.
Und ein Ansporn ist es auch keiner.
Es ist nur eine geschaffene Alibiprämie für den Wegfall der vorherigen Einnahmen.
Honigbaerli am 26.07.2008 um 22:05
finde sowas kontraproduktiv..und wenn das die deutsche bahn macht mit ihrem komplizierten tarifsystem finde ich das kundenunfreundlich!
werde mir bei der nächsten fahrt in deutschen landen mal schlau machen wie das so gehändelt wird..aber ist typisch die handschrift mehdorn!!
in der schweiz, kann ich mir das auch nicht vorstellen..und soviele schwarzfahrer gibts ja auch wieder nicht zumindest solche die das bewusst machen oder ihre ich mich da Andreas?
Titus am 27.07.2008 um 00:07
Sollte der Titel nicht “Kopfgeld für Schwarzfahrer” (statt für Kondukteure) lauten?
Wobei - es gibt manchmal schon Züge, vor allem abends, da sollte man ein Kopfgeld erhalten, wenn man einen Kondukteur zu sehen bekommt… ;-)
Spass beiseite: Aus meiner Sicht vermischen sich hier zwei Themen. Es ist ja durchaus legitim, dass man in einem begleiteten Zug noch ein Billet (oder den Klassenwechsel) beim Kondukteur löst und darauf einen Zuschlag zahlt. Das ist dann kein Schwarzfahrer. Anders sieht es aus bei Zügen mit Selbstkontrolle. Dort kommen aber auch nicht die üblichen Zugbegleiter zum Einsatz, sondern eben Kontrolleure. Und diese erteilen dann eher eine Busse (formaljuristisch spricht man glaube ich eher von einem saftigen “Zuschlag”). Kurz: Die zwei Rollen (Zugbegleiter/Kontrolleur) sind ziemlich unterschiedlich und ob es das in dieser Form (inkl. “Selbstkontrolle”) auch in Deutschland gibt, weiss ich nicht.
Andreas Hobi am 27.07.2008 um 01:30
@ Honigbaerli:
Es sind sehr, sehr wenige, die mit Absicht betrügen. Aber heute hatte ich wieder zwei von der Sorte. Sie reisten in einer Gruppe von Jugendlichen und hatten Billette von Sargans bis Bad Ragaz.
Als ich nach Bad Ragaz wieder in den Wagen kam, sassen sie immer noch dort. Schlussendlich stellte es sich heraus, dass sie mit Absicht nur bis Bad Ragaz gelöst hatten, in der Hoffnung, dass ich mir ihre Strecke nicht merke.
Sie machten das noch ziemlich klug, stiegen in Sargans absichtlich genau dort ein, wo ich stand, so dass ich ihre Billette auch sicher gleich anschaute.
Sie gaben dann auch gleich zu, das schon öfters gemacht zu haben (wofür ich sie natürlich nicht büssen kann) und sagten, ich sei der erste, der es merke… :-/
Naja, zumindest für heute hat es 133.40 Franken pro Person gekostet. Ich hoffe, dies ist ihnen eine Lehre.
Andreas Hobi am 27.07.2008 um 01:31
Ich überlegte mir noch, ob ich über diesen Fall von heute einen Artikel schreiben soll. Aber vermutlich ist es besser, wenn ich es lasse; sonst heisst es wieder, ich sei viel zu streng und reite andauernd auf den Paragraphen herum. ;o)
JeriC am 27.07.2008 um 03:54
Hm, ich muss gestehen ich halte nicht viel von diesem Kopfgeld. Ich halte die Bahn hierzulande eh für eine Servicekatastrophe (Ich lebe in Deutschland, meine damit also nicht die SBB ;) ) und ich glaube dass sich das Verhältnis Schaffner / Kunde dadurch nicht verbessern, sondern eher verschlechtern würde..
Titus am 27.07.2008 um 13:27
@ Andreas
Andere Meinungen anzuhören dient auch dazu, seine eigene Meinung zu hinterfragen, diese zu bestätigen oder allenfalls zu ändern. Andere Meinungen sollten jedoch nie dazu führen, dass man gar nicht mehr wagt, etwas in ähnlicher Richtung zu sagen resp. zu schreiben.
Zudem geht’s hier nicht um fünf Franken für eine Abklärung, obwohl Du die Antwort schon kennst (hat der VR-Präsi nun ein GA oder nicht).
Und schliesslich: Ich meine nicht nur für mich zu sprechen wenn ich sage, dass wir deshalb regelmässig bei Deinem Blog vorbeischauen, weil wir solche Geschichten lesen möchten! Wie heisst’s doch immer so schön: Wenn einer eine Reise tut…
N0stradamus am 27.07.2008 um 20:58
Ich finde es ebenfalls sinnfrei, schliesslich ist ja der Leitspruch der SBB, dass die Sicherheit der Fahrgäste im Vordergrund steht und die “Einnahmensicherung” (ausser Stich) an zweiter stelle steht. Dies sollte auch so gewährt bleiben, sonst will ich die armen Kollegen in der SN5 nicht erleben, die sowieso eine Strichliste führen.
Gumbo am 28.07.2008 um 09:55
Absolute Schnapsidee der DB. Die Schaffner haben ihre Arbeit korrekt und im Sinn des Kundenwohls zu machen und werden dafür bezahlt wie jede andere Berufsgattung.
Die Bahn könnte dieses Geld besser in die Verbesserung des Kundendienstes investieren.
Die Schweizer werden vermutlich nie so blöd sein, so eine Regelung einzuführen…