SBB: Strecken- und zeitabhängige Preise geplant

Nachdem der Schweizer Preisüberwacher vor rund einem Jahr erfolgreich verhindert hat, dass die SBB die Sache mit dem Angebot und der Nachfrage besser meistern kann, unternimmt der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) zusammen mit der SBB einen zweiten, durchdachteren Anlauf.
Wie der Sonntagszeitung zu entnehmen ist, will die SBB die Preise weiterhin versuchen so festzulegen, dass die Nachfrage zeitlich besser beeinflusst werden kann. Deshalb soll in einer ersten Phase (bis Ende 2009) die Nachfrage auf den einzelnen Linien in die Preisgestaltung einbezogen werden.
In einem zweiten Schritt soll die unterschiedliche Auslastung zu den verschiedenen Tageszeiten berücksichtigt werden.
Ziel ist es jedoch (in der ersten Phase) nicht, die beliebten Strecken gegenüber den weniger stark frequentierten Linien zu verteuern, sondern die Fahrgäste dazu zu bringen, auf Zeiten und Strecken mit geringerer Nachfrage zu wechseln. (Eine generelle, alle Linien umfassende Preiserhöhung will ich zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht ausschliessen.)
In der zweiten Phase jedoch kann ich mir durchaus vorstellen, dass für das Befahren von stark frequentierten Strecken zur Hauptverkehrszeit ein spezieller Zuschlag vonnöten ist. Noch ist nichts entschieden und die SBB hat diesbezüglich auch noch nichts kommuniziert. Jedoch will ich diese Möglichkeit nicht ausschliessen.
Doch bereits jetzt ist klar: Selbst bei einer Preiserhöhung lässt sich das Verhältnis zwischen Preis und Leistung (im Vergleich zu anderen Bahnen) durchaus sehen. Klar, Preiserhöhungen und Zuschläge sind nie eine tolle Sache und gefallen den wenigsten Kunden. Und es ist kaum vorstellbar, dass der VöV für diese Massnahmen grossen Applaus erhält. Aber vermutlich müssen wir einfach akzeptieren, dass auch für die SBB je länger je mehr die marktwirtschaftlichen Gesetzte gelten, die bei anderen Firmen schon längstens angewendet werden.
Es scheint so, als werde nun umgesetzt, was ich bereits am 18. Juli 2007 (also vor ziemlich genau einem Jahr) im Artikel “Darf die SBB Gewinn erwirtschaften?” geschrieben habe:
Unterschiede bei Kosten, Angebot und Nachfrage müssen einen Einfluss auf den Preis haben.
Bild © (cc) Kecko (flickr.com)

Fredy Rom am 14.07.2008 um 21:15
Der ganze öffentliche Verkehr wird auch in Zukunft immer von der Politik subventioniert werden müssen und das istauch gut so.Darum ist das Erwirtschaften von Gewinn für mich beim öV eine Augenwischerei.
Sandra-Lia am 15.07.2008 um 00:52
Sehe ich wie mein Vorredner. Und ich bin dagegen, dass man ein “Nachfrage-Angebots” Preis macht. Das kann mal wieder nur von einem Deutschen stammen! So etwas kundenunfreundliches und Service-Fremdes kommt doch keinem Menschen mit etwas Service-Mentalität in den Sinn. Die SBB will also ihre Kunden lieber auf der Strasse sehen, denn da ist das Autofahren (mal abgesehen von der längeren Zeit) immer gleich teuer, egal, wann man fährt!
Sandra-Lia am 15.07.2008 um 00:54
Anfügen möcht ich noch: Wann fängt Meier oder wie der Doofe neue Chef der SBB heisst, eigentlich an, wie Mehdorn, statt gute Verbindungen unnötige Glaspaläste mit unnötig langen, verwirrenden Wegen zu bauen, nur, um sich ein Denkmal zu setzen?
Mir wird ganz schlecht, wenn ich dran denke, dass die SBB irgendwann so ein Kundenunfreundliches Unternehmen wie die DB werden könnte!
Ich werde ja hoffentlich bald gewählt, dann werde ich sowas zusammen mit anderen, die auch noch ein wenig normal im Kopf sind, verhindern, den neuen Chef absägen, und jemand da hinstellen, der weiss, worums bei der Bahn geht!
Andreas Hobi am 15.07.2008 um 02:52
Vielleicht müsste ich noch anfügen, dass diesmal die Ideen nicht von Andreas Meyer (SBB-CEO) sondern von Peter Vollmer (VöV-Direktor) kommen. Zumindest erweckte der Sonntagszeitung-Artikel diesen Eindruck.
Sandra-Lia am 15.07.2008 um 12:39
Haja, das is doch auch so ein abgehobener typ, nicht?
Andreas Hobi am 15.07.2008 um 14:07
Ich kenne ihn nicht so gut, um Dir diese Frage beantworten zu können. Aber vielleicht kannst Du Dir nach der Lektüre seines Blogs bei NZZ ein Bild von ihm machen: vollmer-zh.nzzvotum.ch
Heinz am 16.07.2008 um 14:49
Flexible Preise, abhängig von Angebot und Nachfrage sind eine gute Sache und meiner Meinung nach die gerechteste Art und Weise einen Preis festzulegen. Bis zu diesem Punkt stimme ich mit den Absolventen der Hochschule St. Gallen überein.
Leider sind diese Herren (und Damen) bei der praktischen Umsetzung der Ideen kurzfristig nicht mehr erreichbar und das arbeitende Volk darf die guten (theoretischen) Ansätze im Feld auslöffeln. Beim betrachten der Probleme mit dem Gleis 7, welches eigentlich klar geregelt und definiert ist, frage ich mich wie die Transportunternehmen dem Kunden mitteilen wollen, welcher Preis jetzt gerade für diesen Zug gültig ist. Gerechter weise müsste das Wetter auch in die Preisberechnung einfliessen, da an einem verregneten Sonntag weniger leute in die Berge fahren als bei Sonnenschein…
Ich denke, dass der Zugang zum ÖV so einfach wie möglich gestaltet werden muss, damit er auch rege benutzt wird. Wenn es dann halt einige “buchhalterischen Ungerechtigkeiten” gibt, was soll’s?
Ich beneide auf jeden Fall die Kundenberater und Zugbegleiter nicht, welche eine solche Strategie im Alltag umsetzen und für die Verursacher den Blitzableiter spielen müssen.
Ralf Beyeler am 29.07.2008 um 00:12
Ich finde für Bahnfahrten strecken- und zeitabhängige Tarife eine schlechte Idee. Der Vorteil des Schweizer Systems ist, dass man einfach in den Zug einsteigen kann, ohne lange überlegen zu müssen, ob dieses Bilett jetzt auch für diesen Zug gültig ist. Den Standardtarif und dieses System würde ich nicht antasten.
Ich kann jedoch durchaus vorstellen, dass Spezialtarife gibt für Kunden, die den Zug ausserhalb der Stosszeiten nutzen. So gibt es in Zürich bereits den 9-Uhr-Pass. Oder ich kann im Internet spezielle Online-Bilette für einzelne Strecken lösen, die günstiger sind, aber auf genau eine Zugverbindung bezogen sind. In diesem Rahmen finde ich solche Spezialtarife in Ordnung.
Grüsse
Ralf Beyeler
Margo Krieg am 01.10.2008 um 14:07
Ich weiss nicht ob die Herren bei der Bahn flexibele Arbeitszeit haben. Es trifft vor allem die arbeitende Bevölkerung und Schüler. Die haben ja keine Wahl. Wenn Zugfahren für Pendler aber immer teurer wird setzt man ein falsches Signal. Es werden dann wohl wieder einige auf das Auto umsteigen. Unser Umwelt dankt.