Ein Kondukteur wird belästigt

von Andreas Hobi am 10. Juli 2008 · 50 Kommentare

Dass Fahrgäste von Kondukteuren zurecht gewiesen werden, das mag ja vorkommen. Dass es umgekehrt läuft, auch das kann mal geschehen. Etwas speziell ist es jedoch, wenn dies geschieht, während ein Kondukteur in zivil unterwegs und in den Augen anderer Fahrgäste ein ganz normaler Jugendlicher ist, der nicht zwischen erster und zweiter Klasse unterscheiden kann. :)

Genau dies ist mir am vergangenen Sonntag passiert. Ich hatte frei und war mit dem Zug unterwegs. Wie immer setzte ich mich in die erste Klasse, für welche ich auch das entsprechende Mitarbeiter-Abo habe.

Ich stand bei einem Zweierabteil direkt am Fenster und legte meine Sachen hin. Im Viererabteil vis-a-vis sass ein älteres Ehepaar. Schon als ich den Wagen betrat, schaute die Dame irgendwie aggressiv drein.

Wie gesagt, ich stand noch und legte meine Sachen hin, da ging es los:

Sie: “Das isch denn imfall erschti Klass.”

Ich hatte einen guten Tag und schenkte ihr ein Lächeln, um ihr zu zeigen, dass ich sie verstanden habe. Daraufhin setzte ich mich.

Sie: “Händ Sie ghört?!”

Ich: “Ja i han Sie verstande. Merci vielmal für dä Hiiwies.”

Sie: “Diä zweit Klass isch witer hinne.”

Ich: “Ja das isch eso.”

Daraufhin nahm ich eine Zeitung aus meiner Tasche und begann zu lesen.

Doch bereits etwa zwei, drei Minuten später sagte die Dame zu ihrem Mann: “Hoffentli chunt bald dä Kondukteur.”

Ich konnte mir ein Schmunzeln nur mit Mühe verkneifen. ;)

Danach war etwa eine zehn Minuten lang Ruhe, bevor die Zugbegleiterin den Wagen betrat. Zufälligerweise war es eine, die ich sehr gut kannte. (Siehe auch: “Sinnlose Gespräche vor dem Feierabend”)

Als sie die vorderen Abteile kontrolliert hatte, war sie bei uns. “Hey Andi!! Häsch guät??”, fragte sie mich, und warf gleichzeitig rasch einen Blick zum Ehepaar hinüber, welches ihr pflichtbewusst die GA’s entgegenstreckte. Sie dankte dem Paar für das Zeigen der Abos und wandte sich wieder mir zu. Die Blicke des Paares waren nun starr auf mich gerichtet.

Eigentlich hätte ich mein Abo nicht zeigen müssen, da die Kollegin weiss, dass ich erste Klasse fahre. Aber dem alten Paar zuliebe zeigte ich es dann doch. Gleichzeitig sagte ich:

“He, han gar nöd gwüsst, dass es bi üs ä Altersbeschränkig für diä ersti Klass git?? I han zwar nur zwei Täg frei gha jetzt, aber anschienend hätt da irgendwas g’ändert… Weisch du, ob irgend ä Wiisig ussecho isch?”

Sie schaute mich einen Sekundenbruchteil ganz verdutzt han, dann huschte ein verwirrtes Lächeln über ihre Lippen, sie runzelte die Stirn und fragte: “Ähm, wiä meinsch das jetzt?”

“Jaaaaa weisch…”, setzte ich fort. “Däs nette Päärli da uf dä andere Siite hätt mir ebbe welle verbiete, in dä erste Klass Platz z’neh.”

Ich schaute meine Kollegin an, sie schaute das Päärchen an, die Dame schaute auf ihren Ehemann und er zum Fenster hinaus.

“Aha.”, meinte meine Kollegin. “Bisch denn kein liäbe gsi zu ihne oder warum wends di los werde?” Sie lachte.

Ich sagte ihr, da müsse sie die Herrschaften schon selbst fragen.

Nun schaute auch die Dame zum Fenster hinaus. War die ganze Sache ihr peinlich?

“Nei, isch scho guät, hätt sich erledigt.”, sagte ich zu der Kollegin. “I wett di nöd vom Schaffe abhalte.” Sie lachte nur (habe ich schon erwähnt, dass sie ein extrem bezauberndes Lachen hat? :-) und setzte ihre Kontrolle fort.

Die Dame sagt zu ihrem Ehemann: “Aha, ERSCHTI Klass. Hätt sicher dä Papi zahlt.”

Ich glaubte, mich verhört zu haben! Schon nahm ich Luft, wollte etwas sagen – liess es dann aber doch sein.

Irgendwann hatte ich die Zeitung zu Ende gelesen und nahm nun mein MacBook hervor, um Mails abzurufen. (Siehe auch: “Mobiles Bloggen”)

“Schalten Sie das Ding bitte ab, dä Larm mag i nid vertliede!”, schallte es nun von der Lady herüber. Ich schaute mich rasch um, auf der Suche nach der versteckten Kamera. Irgendwie fühlte ich mich gerade wie der Hauptprotagonist in einer Verarschungs-TV-Show.

Es gibt wohl kaum ein leiseres Gerät als ein MacBook. Aber ihr Wunsch sei mir Befehl; ich schaltete “das Ding” aus, klappte es zu und nahm es mit Humor. Irgendwie hatte diese Dame auch etwas sympathisches an sich. Wie unzufrieden muss man mit dem eigenen Leben sein, dass man es so nötig hat, andere Leute zu belästigen?

Ich überlegte mir noch, ob ich die Dame darauf ansprechen und fragen sollte, was in ihrem Leben alles schief gelaufen ist. In Gedanken ging ich die Fragen durch: “Ist aus Ihren Kindern nicht das geworden, was Sie gerne gewollt hätten? Hatten Sie überhaupt Kinder? Werden Sie in Ihrem Altenheim nicht genügend versorgt? Wohnen Sie gar nicht in einem Altersheim? Sind Sie beide aus der Psychiatrischen entflohen? Oder sind Sie heute einfach nur mit dem falschen Bein aufgestanden? Sind Sie vielleicht wütend auf Ihren Mann und lassen nun die Wut an anderen aus? Oder ist ihr Mann im Bett einfach nicht mehr das, was er noch nie war? Hat Ihr Mann das Sprechen verlernt oder weshalb hat er bisher noch kein Wort von sich gegeben? Leidet er unter Alzheimer? Oder geht mich das gar nichts an?”

Doch ich stellte die Fragen nicht. Denn ich möchte ja nicht, dass sie sich zu sehr enerviert und ich schlussendlich noch erste Hilfe leisten muss, weil sie mit einem Herzanfall auf dem Boden liegt. (Ob ihr Mann wohl selbst dann weiterhin stur zum Fenster hinaus geschaut hätte…?)

Da kam mir eine Idee: Ich klappte das MacBook wieder auf, tat so, als ob ich ihn einschalte und starrte wie gebannt auf den völlig leeren Bildschirm. (Denn wie gesagt, “das Ding” ist ausgeschaltet.)

Wenige Sekunden später kam, was ich erwartet hatte. In einer noch höheren und fordernderen Stimme sagte, ja nein schrie meine liebreizende Nachbarin: “Jetzt schaltet Sie dä Seich gfälligst us!!!”

Nun konnte ich das Lachen nicht mehr zurück halten. Ich wendete mich ihr zu und sagte ganz ruhig: “Sie, dä Seich ISCH usgschalte und jetzt sind sie bitte ruhig oder i schalte be Ihne au na eswas us! Und wenn Sie dä Unterschied zwüsched ii- und usgschalte eh nöd gsehnd oder ghörend, werd i jetzt an minem “scheiss Ding” wiiterschaffe, ob Ihne das passt oder nöd!”

Die restliche Reise verlief unspektakulär und als ich zu Hause war und mir nochmals alles durch den Kopf gehen liess, musste ich gleichzeitig lachen und den Kopf schütteln. Ich fahre ja bekanntlich viel Zug, aber SO etwas habe ich noch nie erlebt. ;-)

Bild © (cc) Kecko (flickr.com)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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köbi bünzli Juli 10, 2008 um 15:22

super!

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Silvan Juli 10, 2008 um 15:43

Ich bin im Allgemeinen sehr friedfertig und anständig, aber:
Wahrscheinlich wäre ich zum ersten Mal so richtig in der Öffentlichkeit ausgerastet, denn das ist ja der Gipfel der Unverschämtheit. In deiner Situation hätte ich den Namen der Frau ausfindig machen lassen (via Kollegin) und eine Durchsage im ganzen Zug gemacht, dass man diesen Wagen aufgrund einer depremierten Frau unbedingt meiden soll :-)

Wirklich der Hammer… Ich finde es gut und recht, wenn sich Senioren zu Wort melden, aber das geht ja gar nicht.

Toll, dass du nicht die Fassung verloren hast!

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Andreas Hobi Juli 10, 2008 um 15:52

Wie gesagt: Ich war so überrascht von der ganzen Situation, dass ich es schon fast wieder witzig fand. :)

Interessant war ja vor allem, dass immer wieder etwas von ihr kam; es blieb ja nicht nur beim “Das isch denn imfall erschti Klass”. Mich würde es interessieren, wie lange die Dame so gequengelt hätte, wenn die Reise 2-3 Stunden gedauert hätte… *g*

Vermutlich hätte ich dann mit der Zeit den Platz gewechselt. Aber so war es noch amüsant.

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jules Juli 10, 2008 um 16:16

Die scheinbare Altersbeschränkung für die erste Klasse ist mir auch bekannt. Ich bin 20 Jahre alt und habe als login-Angestellter und Hardcore-Pendler ein entsprechendes FVP. So schlimm wars bei mir zwar noch nie, aber Anspielungen darauf, dass sicher bald der Kondukteur vorbeikommt, durfte ich mir auch schon regelmässig anhören.

Die verdutzten Blicke sind es aber immer wieder wert, vor allem wenn sich die betroffenen Personen “nur” ein normales Ticket oder eine Mehrfahrtenkarte leisten konnten… ;)

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Andreas Hobi Juli 10, 2008 um 16:25

Hehe! :)

Das genialste wäre eh gewesen, wenn sich bei der Kontrolle gezeigt hätte, dass eines der GAs dieses Paares abgelaufen ist. *g* War aber nicht der Fall.

Vermutlich hätte ich dann kurz gelacht, aber sonst nichts weiter gesagt. ;)

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Michi Juli 10, 2008 um 18:23

Toller Artikel. Ich musste einige Male ziemlich grinsen. So friedfertig hätte ich aber nicht bleiben können. Ich hätte nach einer gewissen Zeit wohl mein GA gezückt und wäre rübergegangen und hätte es der Person unter die Nase gehalten. Bei den dummen Kommentaren wegen des Mac Books, hätte ich vorgeschlagen sie sollen doch das Abteil wechseln falls es ihnen nicht passt.

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Andreas Hobi Juli 10, 2008 um 18:31

Die Dame hatte Glück, dass ich von Natur aus ein ruhiger Mensch bin. :)

Bei den dummen Kommentaren wegen des Mac Books, hätte ich vorgeschlagen sie sollen doch das Abteil wechseln falls es ihnen nicht passt.

Bei meinem alten Dell-Notebook hätte ich den Einwand verstanden. Denn bei dort hörte man die Ventilatoren ziemlich gut. Aber mein MacBook gibt wirklich kaum Geräusche von sich. Am ehesten störend wäre vielleicht noch das “Klappern” der Tastatur beim Schreiben. Doch ich schaute ja nur auf den Bildschirm, als das MacBook ausgeschaltet war; insofern…

Aber vielleicht treffe ich das Paar mal noch bei meiner Arbeit an. Ich kann es mir direkt vorstellen: Ich gehe auf das Paar zu und sage: “Grüezi mitenand, das isch denn imfall diä erschti Klass. Diä zweit Klass isch witer hinne.” :-)))

Nein, dann würde ich wohl Probleme mit meinem Chef kriegen, also lassen wir dies mal. *g* Werde natürlich schön brav meinen Dienst tun und immer freundlich und zuvorkommend die Kunden bedienen. ;)

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Erika Juli 10, 2008 um 19:48

Na ja, man sagt ja, mit dem Alter wird man “eigen”. Ich hoffe, so werde ich nie, sonst erschlage mich besser!

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Sandra-Lia Juli 10, 2008 um 21:44

Diese Alten Menschen sollen mal schön ruhig sein, immerhin arbeitest du für ihre Rente. Das hätten die von mir gleich gehört, diese alten schrullen, die so was von arrogannt sind. Wohl auch noch SP wähler… was solls. Hoffentlich sterben sie bald!

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Andreas Hobi Juli 10, 2008 um 21:53

Ja beim Thema “Papi zahlt” hätte ich ja erwähnen können, dass ich – im Gegensatz zu ihnen – mein Abo selbst bezahlt habe. (Wenn auch durch die SBB vergünstigt.)

Mit “im Gegensatz zu ihnen” meine ich: Ich und die anderen Erwerbstätigen zahlen diesen Leuten die AHV. Und dies, obwohl es gar nicht sicher ist, dass wir Jungen je einmal von dieser Institution profitieren können.

(Meine BWL-Lehrerin im KV provezeite, dass die AHV in 20-30 Jahren zusammenstürzen werde…)

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Adrian Juli 10, 2008 um 23:02

Ich erlebte da auch mal ein Fall, als ich mein Notebook auspackte und die UMTS Karte reinsteckte. Ein Ehepaar setzte sich neben mich, als ich aber den Krempel schon ausgepackt hatte. Ihr Ehepartner setzte sich neben mich, aber als sie sich beschwerte, dass sie wegen der Karte Kopfweh kriege, mussten sie sich einen anderen Platz aussuchen.
Lustig ist halt nur, dass immer mehr Reisende vor allem zwischen Zürich und Bern ein Notebook dabei haben.

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David Juli 11, 2008 um 00:39

Hallo

Bin erst kürzlich auf das Blogg gestossen. Wirklich eine Super Sache für Bahnintressierte :-) hab mich schon etwas durch alte Beiträge gelesen.

Nun aber zum Thema: Hättest du die Billette der Leute nicht kontrollieren dürfen auch wenn du frei hast? Ich stell mir das jetzt so vor wie bei den Polizisten. Die sind ja sozusagen auch immer im Dienst und dürfen auch in der Freizeit Leute anhalten/kontrollieren etc. wenn sie etwas verbotenes tun.

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Andreas Hobi Juli 11, 2008 um 01:06

Es ist ganz klar, dass ich helfe, wenn es “etwas zu tun gibt”. Zum Beispiel bei einem Personenunfall oder wenn es um Straftaten geht.

In diesem Beispiel oben jedoch tat die Dame ja nichts “gesetzeswidriges”. Sie war einfach nur unhöflich / schlecht drauf.

Im Übrigen kann jeder Fahrgast einschreiten, wenn er etwas strafbares beobachtet; er muss einfach auf den Selbstschutz achten…

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Sylvie Juli 11, 2008 um 10:16

Gottseidank arbeite ich “nur” am Schalter! Auch da darf ich mir einiges von unfreundlichen, frechen und saudummen Kunden bieten lassen. Die Mehrzahl ist aber sehr nett. Aber eben, im Zug hat das Personal, all die anderen zusätzlich am Hals, welche nie oder meist nur 1x im Jahr bei mir am Schalter auftauchen.
Meine Tochter, die als Zugsbegleiterin arbeitet, erzählt mir des öfteren von ihren “unangenehmen” Begegnungen der besonderen Art. Von chronischen Schwazfahrern, von Wochenendsüffels, die das Abteil vollk…, von Gruppen ohne Reservation, von Besserwissern, von Frustrierten,von denen mit einem Flick ab. Die Liste liesse sich unendlich verlängern.
Da bin ich am Schalter hinter meiner Scheibe glücklicher.
Sie hat die Typen hautnah auf der Pelle. Zudem wird man als Frau (und dazu noch klein und zierlich) nicht immer von allen ernst genommen.
Ich wäre ihr schon manchmal gerne beigestanden. Mein Alter und meine Erfahrung haben mir auch schon bei gewissen Situationen geholfen.

Andreas, ich wünsche dir weiterhin viel Humor und Geduld bei deiner, nicht immer leichten Arbeit. toitoitoi

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Andreas Hobi Juli 11, 2008 um 10:27

Ja, am Schalter habe ich während der KVöV-Ausbildung auch mal gearbeitet… Der Unterschied ist halt schon: Pöbelnde Kunden hat man am Schalter selten, die Schwarzfahrer schauen ebenfalls nicht allzu oft am Schalter vorbei und die Betrunkenen haben auch Mühe, den Weg dorthin zu finden. :-)

Trotzdem würde ich momentan nicht wieder zurück an den Schalter wollen. Für das gefällt mir mein Job dann doch zu gut. Und eben: Die Arbeit als Zugbegleiter ist extrem interessant und abwechslungsreich.

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Gringo Juli 11, 2008 um 12:37

Einige Menschen werden im Alter bitterböse und mögen ihrem Umfeld überhaupt nichts gönnen (kein 1. Klasse GA und kein MacBook), denn sie hatten ja im Krieg fast nichts zu essen und mussten konnten sich fast nichts gönnen.

Als sie jung gewesen waren hatte die Jugend noch Anstand. Die Kinder und Jugendlichen mussten zu Hause helfen und konnten nicht per 1. Klasse die Schweiz geschweige das Ausland bereisen.

Ich war mal auf einer Reise, da hat ein älteres Ehepaar wirklich nur und pausenlos gemeckert.

Repsekt vor Deiner Geduld – ich hätte sicher nicht so lange gewartet…

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Andreas Hobi Juli 11, 2008 um 13:18

.

Die Kinder und Jugendlichen mussten zu Hause helfen und konnten nicht per 1. Klasse die Schweiz geschweige das Ausland bereisen.

Sind wir doch mal ehrlich: Das war doch schon immer so. Schon seit jeher hatte die nachfolgende Generation infolge technologischem (und anderem) Fortschritt mehr Möglichkeiten als die frühere. Auch diejenigen, die heute im Pensionsalter sind und meckern hatten in ihrer Jugend mehr Möglichkeiten und Freiheiten als die Jugend aus dem Jahrhundert davor.

Ich jedenfalls hoffe, dass die Welt weiterhin Fortschritte macht, so dass die nachfolgende Generation noch mehr Möglichkeiten hat als meine. (Und ich hoffe, dass wir der nachfolgenden Generation eine möglichst intakte Welt weitergeben und einige Probleme lösen können…)

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Andi Juli 11, 2008 um 17:45

Herrliche Story. Ich wäre wohl ziemlich ausgerastet. Bei einem ähnlichen Ehepaar, das zwischen Göschenen und Zürich kürzlich im Nebenabteil über ALLES motzte, was ihnen in den Sinn kam (mehr Allgemeines; nichts, was im Zug passierte), musste ich nach 20 Minuten auch mal laut sagen “Können Sie bitte einfach mal aufhören, über alles nur herzuziehen und zu motzen? Oder versuchen, Ihren Themen etwas Positives abzugewinnen?” – Die waren völlig verdutzt (“Aber das stimmt doch gar nöd!”); offenbar sind sich viele ältere ZeitgenossInnen nicht bewusst, welch grosse Motzkübel sie geworden sind. Es entwickelte sich dann ein recht lustiges Gespräch, wobei sie später immer wieder rüber schauten und sagten “so, das war jetzt aber was Nettes, gälled si!”

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Ricardo Juli 11, 2008 um 17:45

Schon heftig was dir da vorgefallen ist. Ich wäre ehrlich gesagt längstens ausgerastet…

PS: Netter Blog! Abonniert.

Gruss aus dem Rheintal.

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Andreas Hobi Juli 11, 2008 um 17:56

Neee, von meinem Job her bin ich mir verbale Angriffe gewohnt. Die machen mir nichts aus. (Tun ja nicht weh, und wenn ich mich über solche Dinge aufrege, schade ich am meisten mir selbst.)

Was ich aber gaaaaaar nicht gerne habe, wenn mich jemand “anlangt”. Und sei es nur, dass er oder sie mich am Ärmel zurück hält oder so. Da werde ich rasch mal lauter. :-o

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Andreas Hobi Juli 11, 2008 um 18:03

@ Andi:
Solchen Leuten würde ich mal Webseiten wie 1000 Tipps empfehlen… ;-)

Vorallem dieser Artikel ist ziemlich wertvoll: 14 Blogs zu den Themen Zeitmanagement, Erfolg und Motivation

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Andi Juli 11, 2008 um 20:03

Naja, da halte ich meine Methode für weitaus beruhigender… einen Tag hier, und die Frau wäre wie verwandelt!

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Honigbaerli Juli 12, 2008 um 20:42

ja die unbefriedigten und unzufriedenen älteren leute treffe ich auch oft an die meinen wegen ihres alters hätten sie mehr rechte…so freundlich gehe ich mit dehnen jeweils nicht um!!
es gibt aber auch die anderen..habe gestern während der fahrt nach zürich ein ganz tolles gespräch führen können mit einem älteren ehepaar!!aber die erste sorte ältere leute nimmt zu!!

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Martin Juli 13, 2008 um 12:59

Heute in der SonntagsZeitung: Dein oberster Chef reiste ohne Abonnement und zog sich aus der Affäre, indem er dem Kontrollierenden erklärte, er sei eben der oberste Chef. Schade, die Regeln für Fahrgäste ohne Ticket sollten für alle gelten, auch für den Chef!

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Andreas Hobi Juli 13, 2008 um 15:34

Ja, hab’s (im SoBli) gesehen. Vermutlich schreibe ich in den nächsten Tagen mal noch darüber. ;)

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Titus Juli 13, 2008 um 16:06

@Martin
Habe den SoBli nicht gelesen und nehm mal an, es geht um Andreas Meyer. Grundsätzlich gebe ich Dir aber Recht, dass auch für Chefs die gleichen Regeln gelten. Nur:
a) Welcher SBB-Mitarbeiter kennt seinen obersten Chef nicht? (kennst Du Deinen obersten Chef auch nicht?)
b) Wer bei den SBB weiss nicht, dass der oberste Chef per Definition ein GA hat? (kennst Du die Privilegien, die jeder Mitarbeiter in Deiner Firma hat, auch nicht?)
Das spricht eher gegen den Kondukteur als gegen den obersten Chef.
Die Alternative ist in so einem Fall: Bürokratie. Das heisst: Personalien aufnehmen usw… Das kann’s ja auch nicht sein, oder?

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Andreas Hobi Juli 13, 2008 um 16:32

Nein, es ging um Thierry Lalive d’Epinay, den Noch-Verwaltungsratspräsidenten. Er hatte sein GA vergessen und der (welsche) Kondukteur erkannte ihn nicht.

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Honigbaerli Juli 13, 2008 um 22:57

bei einem so grossen unternehmen wie der sbb ist das sicher möglich und nachvollziehbar das man den obersten chef nicht kennt hat ja wohl nie mit ihm zu tun weder bei der anstellung und auch sonst!!
und für die chefs sollten die gleichen modalitäten gelten wie für jeden anderen kunden der sbb!!

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Titus Juli 13, 2008 um 23:35

Na beim Thierry versteh’ ich das… da hätte ich auch gleich die Bahnpolizei gerufen (allerdings wohl eher aus anderen Gründen…)

Oben gleich noch ein Link aufs Foto des zukünftigen VR-Präsi (so für alle Fälle ;-)

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Sandra-Lia Juli 15, 2008 um 00:45

Haja, raus mit dem, am nächsten Bahnhof, irgendwo in der Pampa. Der soll nicht besser behandelt werden, als der rest der Kunden!

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Pascal Juli 16, 2008 um 20:53

Bleiben wir beim Thema, Andreas:

Sooo, hetts dr Papi zahlt? :D :D :D

Sorry, einfach zu witzig ;)

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Claudia Juli 18, 2008 um 17:54

Hi Andreas

Danke der Artikel hat mir gut getan.Musste über Deine Gedankengänge(Fragen) herzhaft lachen.Bewundere Dich das Du so ruhig geblieben bist.Wüsste nicht wie ich reagiert hätte…….und schliesse mich Erika an*wink*

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Nick Juli 20, 2008 um 22:20

Es wird Zeit, dass endlich die Vergünstigungen des 1. Klasse GA für Jungendliche, Kinder und Pensionierte gestrichen werden. Am Besten sollte der Preis massiv erhöht werden, sodass es sich wirklich nur noch diejenigen leisten können, die es sich verdient haben.

Das Kindergeschrei und das rumgejammere der älteren Generation in der ersten Klasse gehen mir schon seit langem auf den Keks.

Antworten

Daniel Juli 27, 2008 um 17:13

Hi Andreas,
Dein Blog ist einer der geilsten den ich kenne, aber diese Geschichte ist echt der Brüller. :-)

Vielleicht kam das betagte Ehepaar gerade aus einem Orange-Shop, oder sie sind schon seit Jahren Kunden bei Orange, dann musst DU eigentlich nicht lange darüber nachdenken warum man so wird im Alter.

Pass also gut auf Dich auf! *gg*

Gruss Dani

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Tom Oktober 6, 2008 um 18:27

*lach* Hut ab… solche gelassenen Menschen wie dich bräuchte es in jedem Beruf :-D

Ich bin seit kurzem erstklass Pendler und muss sagen dass ich mich in der zweiten Klasse wohler gefühlt habe…

Mein Eindruck ist einfach dass die Stimmung in der ersten Klasse viel unterkühlter ist.

Wenn Blicke töten könnten wäre ich sicherlich auch schon ein paar mal umgefallen… immerhin habe ich keinen Anzug an.. und als Tüpfeli auf dem i sind wir mit der ganzen Familie in der ersten Klasse unterwegs… sowas geht doch nicht ;-)

Antworten

Andreas Hobi Oktober 6, 2008 um 19:45

@ Tom:
Ja, die Stimmung in der zweiten Klasse ist natürlich schon “lebendiger”. Im positiven wie auch im negativen Sinne. ;)

Und die Toleranz gegenüber Familien, Kleinkindern und Störungen ist in der ersten Klasse auch nicht ganz so hoch wie in der zweiten. Trotzdem ziehe ich es (meistens) vor, in der ersten Klasse zu reisen. Vorallem dann, wenn ich mit dem Macbook unterwegs bin. *g*

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BahnFahrer November 12, 2008 um 20:19

Solchen Leuten bin ich (leider) auch schon mehrfach begegnet. Ruhe bewahren und eine gewisse Ignoranz ist eigentlich das Beste, denn sie hoffen ja, dass durch einen Streit ihr trister Alltag bereichert wird. Insofern Hut ab, hat bei dir ja ganz gut geklappt.

Wobei ich mich auch schon dabei ertappt habe, wie ich “uff dä Kondukteur” gewartet habe: z.B. als vier Teenager ihren Zirkus in der 1. veranstaltet (bei denen hätte sich die alte Dame wohl auch kaum getraut, was zu sagen) und noch damit geprahlt haben “dä söll dänn nur cho, mir bliebe eifach sitze!”. Nundenn, er kam dann auch. Ca. 1.90m gross und mit entsprechender Masse. Zuerst wollten sie noch diskutieren, aber ein lautstarkes “Jetzt machet, dass er usse chömet, aber rasch!” mit entsprechener Gestik hat gewirkt. Still und leise ist die Bande abgezogen; etliche Fahrgäste haben sich beim Zugschef (die Bezeichnung hätte nicht passender sein können) bedankt.

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Andreas Hobi November 12, 2008 um 23:08

Na, dann ist ja nochmal alles gut gegangen. ;)

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Manfred November 26, 2008 um 09:32

wirklich zum schmunzeln.denke dieser dame ist wirklich einiges in ihrem leben schief gelauffen.

ich bin auch eisenbahner, lustig was mann da so bei privaten reisen mit der bahn zu gehör bekommt.
nörgeleien über die bahn,(un-)sachverstand über die bahntechnik……….. wirklich zum schmunzeln.

Antworten

Andreas Hobi November 26, 2008 um 11:19

@ Manfred:
Ja, dabei hört man wirklich so einiges. An einer anderen Stelle in diesem Blog habe ich schon einmal erwähnt, wie ein Ehepaar über die Lokführer sprach:

“Weisst du, das ist heute nicht mehr so wie früher. Heute sitzt der Lokführer einfach vorne in der Kabine und überwacht die Anzeigen. Die Lok fährt ganz von alleine und je nach Signalen fährt sie schneller oder langsamer, das ist alles elektronisch und automatisch. Und nur wenn es einen Defekt gibt, muss der Lokführer eingreifen. Sonst hat er nichts zu tun.”

:o)

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honigbaerli November 26, 2008 um 14:40

wenn das so wäre…wenn der lokführer nicht dauernd eingreift würde gar kein zug mehr fahren!
sind aber meistens die leute die so reden die in ihrem leben nie einen computer bedienen mussten also die informatik verweigerer!

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Stefan Dezember 22, 2008 um 13:33

Och, solche Probleme hatte ich bei einer Autofahrt noch nie… :)

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Hermi Mai 28, 2009 um 15:00

Stimmt schon. aber nörgeleien und “fachsimpeleien” über die Bahn hört man nicht ur in der ersten klasse. die gibt es auch in der zweiten.
Aber es simmt schon das die stimmung in der 1.sten viel kühler ist. Ich Fahre grundsätzlich 2.te ausser auf langen strecken, da gönne ich mir ein Upgrade. und es fällt mir immer wieder auf dass in der 1.sten praktisch nicht gesprochen wird. und wenn nur im flüsterton. Zwar wurde ich noch nie so angemacht wie Andreas aber böse blike bekomme ich immer wieder. (Stirb, Stirb, Stirb) :-D

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Sarah April 23, 2010 um 18:11

das isch scho heftig..!
aber hesch super gmacht :D

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Mike Juni 1, 2010 um 22:18

Ich kenne die Situation. In der S-Bahn wollte mir ein Mann älteren Alters mal sagen, dass ich in der 1. Klasse nichts verloren hätte. Ich ging zu dem Mann hin, hielt ihm das Billet unter die Nase und forderte ihn deutlich auf, ruhig zu sein. Der wurde gaanz stil. Mit dem Ehepaar hätte ich es wohl ähnlich gemacht. Bei solch ignoranten Leuten und möchtegernkontrolleuren (das Alter spielt für mich keine Rolle) geht mir der Hut hoch, es geht sie als Fahrgäste nichts an, ob ich ein passendes Billet habe oder nicht. Dafür sind Kontrolleure da. Da bewundere ich deine Gelassenheit, obwohl Du als Kondukteur dich natürlich an ungenehme Fahrgäste gewöhnt hast.

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Steven Juli 6, 2010 um 23:45

Ich habe das auch mehrmals schon erlebt, jedes mal in der S-Bahn. Bei mir tritt dann folgendes Programm in kraft:

Ich lasse die Person (meist 60+) im glauben das es mir scheissegal sei, das das 1.Kl ist. Letztendlich ärgert die Person sich dann schwarz, das ich nicht erwischt wurde (Kontrolleure kommen ja in solchen Situationen leider nie :( ) Oft muss ich in solchen Situationen lachen, was ich auch Knallhart tue ;)

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Andreas Hobi Juli 7, 2010 um 16:33

Das ist natürlich auch eine Möglichkeit! ;-) Aber eigentlich fast schon ein wenig fies… :)

Antworten

Céline August 14, 2010 um 13:50

Hallo Andreas

Super geschrieben, und wirklich amüsant..würde mich auch schrechklich zusammenreissen müssen bei einer so störrischen Dame…gut dass du ihr schlussendlich trotzdem noch deine Meinung gesagt hast!

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Tobias Dezember 10, 2010 um 09:12

Lustige Story, Ich musste ein paar mal schmunzenl. Hast Du echt mit Bravur gemeister, so locker wäre ich nicht geblieben.

Antworten

nachtwanderer73 Dezember 12, 2010 um 08:33

Geil, der Eintrag ist zwar schon etwas älter, aber solche Herrschaften gibt es wohl heute noch…;-)) ist mir kürzlich so gegangen, allerdings fahre ich selten Zug und wenn doch nur 2te, da mein Geschäft nur die 2te berappt. Ich habe Ipod-hörende Jugendliche ausgelassen und mich auch so in ein Abteil mit zwei älteren Damen gesetzt. Auweia, wünschte ich mir doch wenig später, bei den Jugendlichen zu Sitzen…..aber das ist eine lange Geschichte.
Schöner Gruss

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