Randale im Zug nach Zürich

von Andreas Hobi am 1. Juli 2008

Kaum ist die recht friedliche Euro08 vorbei, gibt es wieder Probleme mit Fussballfans. 63 Fans des FC Basel wurden am Wochenende im Zürcher Hauptbahnhof festgenommen.

Nachdem der FCB in Wil ein Testspiel absolvierte, reisten die Fans im Intercity zurück in Richtung Zürich. Im Zug haben sie andere Passagiere belästigt, das Zugpersonal bedroht, Verpflegung im Bistro entwendet, das Rauchverbot missachtet und eine extrem grosse Unordnung in den Wagen hinterlassen.

Nachdem die Bahnpolizei von den Vorkomnissen erfuhr, wurde umgehend ein “Empfangskommitee” im Zürcher Hauptbahnhof auf die Beine gestellt. Dort entfernte man die negativ aufgefallenen Fans aus dem Zug und brachte sie mit Hilfe von Kantons- und Stadtpolizei in die Haftstrasse der Kapo.

Doch bereits kurz vor Mitternacht wurde der letzte Festgenommene wieder auf freien Fuss gesetzt.

Nun frage ich mich: Wieso geht man in unserem Land so lasch mit Verbrechern um? Die haben Wagen demoliert, Personal bedrängt, Bier gestohlen und was geschieht: Man steckt sie zwei bis drei Stunden in eine Zelle und lässt sie dann wieder laufen. Vermutlich müssen sie noch eine Geldbusse bezahlen, doch dann hat es sich bereits wieder.

Kann man gegen solche Täter nicht härter vorgehen? Wie wäre es zum Beispiel, wenn man sie eine Woche lang in Gewahrsam nimmt? So würde dann auch das Umfeld des Täters (Arbeitgeber, Freunde, Familie, Bekannte, Nachbarn) von seinem Verhalten erfahren und allenfalls die nötigen Konsequenzen ziehen. (Job weg etc.) Solche Strafen wären deutlich nachhaltiger als ein bisschen einsperren und mit Psychologen über die Tat “gspröchlen”.

Vorallem Wiederholungstäter sollten deutlich härter angegangen werden. Ich weiss, dass unser Gesetz dies momentan noch gar nicht zulässt, aber die Hoffnung, dass irgendwann eine Gesetzesänderung kommt, stirbt zuletzt. Oder kennt jemand einen besseren Weg, solche Randale zu verhindern?


Das Video ist zu sehen, wenn dieser Beitrag in einem Internet-Browser angezeigt wird. Im Newsletter sowie in einigen RSS-Readern kann das Video nicht abgespielt werden.
Falls das Video nicht angezeigt wird, auf folgenden Link klicken: Kondukteure fürchten Fussball-Randalierer

Bild © (cc) coyote-agile (flickr.com)

{ 12 Kommentare… lies sie gleich hier unten oder schreibe einen }

Loner 1. Juli 2008 um 17:39

Beim Video am Ende des Beitrags seh ich nur “No Stream Found”…

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Andreas Hobi 1. Juli 2008 um 23:13

Das Problem liegt wohl beim Schweizer Fernsehen, denn im SF Player auf sf.tv kann das Video auch nicht abgespielt werden. Schade, der Beitrag war gar nicht mal so schlecht… :-/

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Titus 2. Juli 2008 um 02:08

Wir alle haben tagtäglich zu unseren Taten zu stehen. Davon sind Randalierer (oder auch Hooligans) nicht ausgenommen.

Ich frage mich deshalb, ob man insbesondere Wiederholungstäter nicht einfach öffentlich anprangern soll. Schliesslich haben sie ihre “Taten” auch in einem quasi öffentlichen Raum verübt, also sollen sie auch dazu stehen, wenn ihr Bild oder gar ihre Taten (Handy-Video) öffentlich gezeigt werden.

Statt einer Geldbusse sollten die Wiederholungstäter
a) die verursachten Schäden selber beheben (allenfalls indem sie beim Arbeitgeber Ferien eingeben müssen und ihren Schaden mit einer gleichwertigen Arbeit in einer SBB-Werkstätte abgelten) und
b) eine Woche lang bei RailClean arbeiten müssen (bei unsauberer Arbeitsweise müssten sie die Woche wiederholen).

Bei “Erst-Tätern”: Berappen des Schadens + Geldbusse + eine Woche bei RailClean.

Das klingt alles etwas drastisch – aber das sind ihre Taten leider auch… Und die Einsicht kommt bei diesen Menschen wohl erst, wenn sie einige Jahre reifer sind :-(

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Gumbo 2. Juli 2008 um 11:36

Ein leidiges Thema. Sie SBB lässt sich irgendwie von diesem Saupack auf der Nase herumtanzen. Das Thema ist nicht neu. Vor vielen Jahren wurden Ambri-Fans von Spielen nach Zürich zurückgekarrt, und alles wurde demoliert. Die Reparatur ging voll zu Lasten der Bahn.
Ich bin für viel härteres Anfassen dieser Volldeppen. Warum sie nicht länger in U-Haft bleiben ist schleierhaft. Die sollten mal sowas in den USA machen…! Titus hat gute Vorschläge oben!
Ich war auch einmal Zeuge von Vandalismus. Die Kapo stieg in Oerlikon zu und überprüfte die Jugendlichen. Statt sie mitzunehmen, liess man sie weiterfahren, obwohl sie in der 1. Klasse waren. Für was haben wir die Polizei eigentlich?
Nach der Abfahrt ging es erst recht los. Das Kleinabteil wurde zerholzt. Ich schloss die Türe ab. Handi und Bahnpolizei gab es damals nicht. In Oberglatt flohen alle durchs Fenster. Die Polizei hatte wenigstens ihre Personalien, aber der Schaden war ja schon geschehen. Die Buben waren von einem Jugendheim im Ausgang gewesen.

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Andreas Hobi 2. Juli 2008 um 11:56

.

alles wurde demoliert. Die Reparatur ging voll zu Lasten der Bahn.

Ein solches Beispiel wurde im Video (das leider nicht abgespielt werden kann…) auch gezeigt. Ausserdem kam ein Basler Kondukteur zu Wort, der noch von einigen weiteren Beispielen erzählen konnte.

Erstaunlich locker nahm SBB-Sprecher Binz die Situation. Wenn ich es richtig im Kopf hatte, sagte er sinngemäss etwa: Solche Dinge sind üblich in der heutigen Zeit und es ist besser, die Randalierer nehmen die alten, bereits abgeschriebenen Wagen auseinander als das neue Rollmaterial.

Es wäre vielleicht von Vorteil, man würde nach Fussball-Spielen präventiv die Personalien der einsteigenden Fans aufnehmen, so dass man ihnen nachträglich eine Rechnung schicken kann, falls etwas zu Bruch ging. Mir ist klar, dass ich mit dieser Forderung ein Tabu breche, aber man sollte spätestens jetzt anfangen, darüber nachzudenken, wie man dieses Problem lösen wird. Ansonsten wird es nur je länger je schlimmer.

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Andreas 2. Juli 2008 um 12:13

Eine Fehlauassage muss relativiert werden.
Gem. Eintrag im Dispotool der SBB zum entsprechenden Vorfall waren die Beschädigungen sehr minim. Dies berichtete der Visiteur, der zum Zug aufgeboten wurde. Wären die Schäden grösser gewesen, hätte der Zug seine Fahrt (mit rund 40 min Verspätung) wohl nicht vortgesetzt.

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Andreas Hobi 2. Juli 2008 um 12:26

Naja, 40 Minuten scheinen mir dann doch eher viel zu sein. Und ausserdem haben die Bilder im 10vor10-Bericht ein ziemlich erschreckendes Bild gezeigt.

Schlussendlich aber geht es auch nicht um die Höhe der Schäden sondern ums Prinzip. Schäden jeglicher Art und Schwere müssen verhindert und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Egal ob eine Scheibe zum Beispiel “nur” mit wasserfestem Stift bemalt oder eingeschlagen wird.

Denn beides stört die nachfolgenden Fahrgäste und wirft kein gutes Licht auf unsere SBB.

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Sandra-Lia 2. Juli 2008 um 12:43

Hm, die SBB könnte doch einfach Wagen nehmen, die mit irgendwelchen Seitenbänken ausgestattet sind, die nicht demolierbar sind, oder fast nicht, und die restlichen fans müssen halt stehn. IRgendwelche alte Schrottlinge kann man dazu sicherlich verwenden. Und wenn die Fenster eingeschlagen werden, siehe Leipzig, werden sie mit einer Metallplatte ausgetauscht, oder wie in Afrika mit Gittern. Dann is schluss mit Fenster, und im Winter is es halt Arschkalt, aber scheiss drauf, wer sich nicht an Regeln hält, hat keinen Anspruch darauf, das die anderen sich gegenüber ihm an regeln halten müssen!

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Peter 2. Juli 2008 um 20:54

Die Wiederholungstäter gibt es wahrscheinlich weniger in Frankreich. Dort schlägt das Empfangskomite die Überltäter als Erstes zusammen.

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Andreas Hobi 2. Juli 2008 um 22:14

Zusammenschlagen finde ich auf eine Art bereits wieder übertrieben. Aber wenn es die einzige Massnahme ist, die nützt…

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Titus 3. Juli 2008 um 03:00

Die Schwierigkeit liegt wohl darin, dass man im Voraus nicht weiss, wer die Randalierer sind. Wüsste man es, müsste man ihnen den Zugang von Anbeginn verwehren. Man kann ja auch nicht “Gefängnis-Waggons” bereitstellen, nur weil einer von Hundert ein Randalierer ist…

Solange die “Täter” auch seitens SBB nicht schärfer angefasst werden, sind die SBB auch selber schuld. Denn dies vermittelt die Botschaft: Ich kann kaputt machen, mir passiert dann ja sowieso nichts.

Vermutlich rechnet aber die SBB auch falsch: Der materielle Schaden an einem alten Wagen mag vielleicht klein sein, zu klein sein um einen juristischen Prozess anzureissen. Doch in dieser Rechnung fehlt der immaterielle Schaden: Der Verlust des Sicherheitsgefühls für die anderen Reisenden, aber auch fürs eigene Personal, der Image-Schaden usw.

Deshalb müsste Massnahme Nr. 1 sein, dass die SBB die Täter konsequent juristisch belangt!

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Gumbo 3. Juli 2008 um 10:34

Für den Zug von Oesterreich zurück wurden die ältesten Wagen verwendet. Aber auch diese sollten intakt bleiben.
Ich bin für Viehwagen. Güterwagen ohne Sitze.
Gumbo

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