Nachdem ich vorgestern Abend bereits erste Infos zum Milliarden-Auftrag der SBB lieferte (“SBB investiert eine Milliarde Franken in Doppelstockzüge von Stadler Rail”), folgt nun die entgültige und detaillierte Version, welche auf der Pressekonferenz der SBB beruht.

Der Grossauftrag der SBB für die Rollmaterialindustrie beläuft sich auf 1.509 Milliarden Franken. Dieses Geld wird zur Beschaffung von 50 Doppelstock-Triebzügen und 121 Niederflur-Doppelstockwagen verwendet.

Die Doppelstock-Triebzüge werden bei Stadler Rail für 1.024 Milliarden Franken bestellt, die Niederflur-Doppelstockwagen hingegen werden von der Bietergemeinschaft Siemens / Bombardier hergestellt. Für diese Wagen gibt die SBB 360 Millionen Franken aus. Acht dieser Wagen werden jedoch direkt an die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn SZU weiterverkauft.

Nachdem die ältesten Fahrzeuge der ersten Doppelstock-Generation bereits fast zwanzigjährig sind, wollte die SBB ihre Regionalverkehrsflotte im Raum Zürich mit neuen Zügen vergrössern. Um die wachsende Nachfrage befriedigen zu können, reichen die Züge der ersten und zweiten Dosto-Generation nicht mehr. Mit den neuen Zügen, welche total Platz für 96′558 Passagiere bieten, soll das Problem entschärft werden.

Facts über die neuen Doppelstock-Triebzüge von Stadler Rail:

Länge: 150 Meter
Passagierkapazität: 1′694 Reisende
Sitzplätze 1. Klasse: 112
Sitzplätze 2. Klasse: 414
Stehplätze: 1′168
Einstiege: Ebenerdig, mit Stehbereichen in Türnähe
Toiletten: 2 (davon eine rollstuhlgängig)
Klimatisierung: ja
Fahrgastinformation: optisch (innen mit TFT-Displays, aussen LED-Matrix) sowie akustisch
Multifunktionsbereiche: 2 (mit grosszügigen Abstellmöglichkeiten für Velos, Kinderwagen, Gepäck, Skiausrüstung oder als Stehbereich)
Gewicht: 296 Tonnen (Aluminiumkasten)
Vmax: 160 km/h
In Betrieb ab: 2011

Diese Doppelstock-Triebzüge sind kompatibel mit den Dosto-Zügen erster und zweiter Generation.

Viele Leute fragten sich im Vorfeld, ob Stadler überhaupt dazu in der Lage sei, diesen Auftrag auszuführen. Dazu antwortete SBB-Chef Andreas Meyer in der Medienkonferenz, dass die Fachkompetenz und Produktionskapazität von Stadler sehr genau durchleuchtet worden seien: “Wir konnten den Auftrag mit gutem Gewissen vergeben.” Stadler habe insgesamt das überzeugendste Angebot gemacht.

Facts über die neuen Niederflur-Zwischenwagen von Bombardier / Siemens:

Sitzplätze: 98
Einstiege: ebenerdig, mit Stehplätzen in Türnähe
Toilette: 1 (rollstuhlgängig)
Klimatisierung: ja
Fahrgastinformation: optisch und akustisch
Gewicht: 52.4 Tonnen (Leichtstahlkasten)
Vmax: 160 km/h
In Betrieb ab: 2011

Im Moment verfügt die Zürcher S-Bahn über 114 DPZ (erste Generation Doppelstock, 1989-1997), 42 DTZ (zweite Generation Doppelstock, 2006-2009) und 36 Wagen der einstöckigen Generation (1963-1974). Bis 2009 werden noch 19 DTZ hinzukommen.

Was mit den “alten” Doppelstock-S-Bahnen geschieht:

Die nun bestellten Niederflur-Zwischenwagen werden in die Dosto-Züge der ersten Generation eingefügt. Die damit frei werdenden DPZ-Wagen werden danach zu neuen lokbespannten Kompositionen zusammengestellt, welche in der Hauptverkehrszeit als Entlastungszüge zur Verwendung kommen.

Viele Zürcher dürften sich mit Sicherheit darüber freuen, dass in Zusammenhang mit den neu bestellten Zügen - wie früher schon angekündigt - die Doppelstock-Wagen der ersten Generation durch Siemens / Bombardier modernisiert und klimatisiert werden. (Dafür war es ja auch höchste Zeit!)

Zurück zu Stadler Rail. Die Firma investiert an ihrem Standort Altenrhein am Bodensee nun rund 45 Millionen Schweizer Franken. Schon bald wird mit dem Bau einer 8′500 Quadratmeter grossen Produktions- und Lagerhalle begonnen. Ausserdem entstehen 300 neue Arbeitsplätze. Momentan beschäftigt Stadler Rail in Altenrhein 400 Personen. In den nächsten Wochen werden mehrheitlich für folgende Berufe Stelleninserate geschaltet: Schweisser, Schlosser, Schreiner, Elektriker und Polymechaniker.