SBB investiert eine Milliarde Franken in Doppelstockzüge von Stadler Rail

von Andreas Hobi am 29. Juni 2008 · 20 Kommentare

SVP-Nationalrat und Stadler Rail-Chef Peter Spuhler hat es geschafft: Er erhielt den SBB-Auftrag in der Höhe von über einer Milliarde Franken und wird für die SBB 50 Doppelstockzüge erbauen. Ausserdem umfasst der Auftrag Optionen für den Bau von weiteren 100 Zügen. Diese erfreuliche Nachricht werden die beiden Unternehmen SBB und Stadler Rail morgen bekannt geben.

Die Züge werden vermutlich ab der Fahrplanperiode 2010/2011 auf dem Schienennetz der Zürcher S-Bahn zum Einsatz kommen. Damit hat sich Spuhler mit Stadler Rail gegen die Konkurrenz von Siemens / Bombardier und Alstom durchgesetzt.

Bereits am 6. Dezember 2007 habe ich im Artikel “Steht Stadler Rail kurz vor dem weltweiten Durchbruch?” gehofft, dass der Schweizer Rollmaterial-Bauer und Schöpfer des weltweit erfolgreichen Regionalzuges FLIRT den Zuschlag erhalten wird.

Stadler Rail wird damit nun zum ersten Mal in seiner Geschichte zweistöckige Züge bauen. Hierfür wird das Werk im schweizerischen Altenrhein für rund 20 Millionen Franken zum Kompetenzzentrum für Doppelstockzüge ausgebaut und es werden neue Stellen geschaffen. Ausserdem werden rund 80 Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz bleiben. Ein Grossteil der Sub-Aufträge geht an Schweizer Lieferanten, wovon dann nicht nur die Wirtschaft im St. Galler Rheintal profitieren wird.

Obwohl Stadler Rail im (günstigeren) Ausland über Produktionshallen verfügt, wird der Auftrag in der (teureren) Schweiz ausgeführt. Grosses Dankeschön hierfür an Peter Spuhler und sein Team! Das Schweizer Stadler-Rail Werk wird nun für 10-12 Jahre ausgelastet sein.

Mit diesem Grossauftrag wurde der Nischenanbieter definitiv in die Liga der Global Players katapultiert und befindet sich nun auf Augenhöhe mit Siemens, Bombardier und Alstom. Dem Auftrag aus der Schweiz werden vermutlich in den nächsten Jahren noch Doppelstock-Aufträge von ausländischen Bahnen folgen.


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Michi Juni 29, 2008 um 23:05

Eine gute Entscheidung der SBB. Ich hoffe Stadler baut die Doppelstockzüge so komfortabel und gut wie die FLIRTs. Es ist immer wieder schön in denen zu reisen.
Dass Stadler in der Schweiz produziert muss man denen hoch anrechnen.

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Andreas Hobi Juni 29, 2008 um 23:12

Nur die Sitze in der ersten Klasse dürften ein bisschen weniger rutschig sein… ;) Ansonsten, so vom Design her, wäre es mit Sicherheit zu begrüssen, wenn Ähnlichkeiten mit dem Flirt vorhanden wären.

Ich hoffe, dass morgen auch bekannt gegeben wird, wie die Züge dann aussehen.

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Adrian Juni 29, 2008 um 23:18

Sind eigentlich mit diesem Auftrag nicht auch die niederflurigen Doppelstockwagen für die DPZ verbunden? Die Stadlerzüge sollen ja kompatibel mit den Siemenszügen sein. Mal gespannt wie dies Stadler bewerkstelligt.
Aber erstaunlich wie viele neue Aufträge Stadler zum Vergleich der grossen Hersteller wie Siemens, Bombardier und Alstom reinholen kann.

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Andreas Hobi Juni 29, 2008 um 23:52

.

Aber erstaunlich wie viele neue Aufträge Stadler zum Vergleich der grossen Hersteller wie Siemens, Bombardier und Alstom reinholen kann.

Hier zahlt sich vermutlich die eher flache Hierarchie und die Flexibilität des Unternehmens aus.

Doch je grösser Stadler Rail wird, desto mehr wird dieser Wettbewerbsvorteil vermutlich verschwinden.

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Michael Juni 29, 2008 um 23:54

Na dann schauen wir mal was Stadler draus macht. Wenigstens können sie hier nicht mehr nur auf Kunststoff als Arbeitsmaterial setzen… ;-)

Persönlich finde ich es zwar himmeltraurig, dass es so kommen musste, aber da ich aus eigener Erfahrung inzwischen ziemlich genau weiss wie eine Fahrzeugbestellung abläuft bzw. über die Tatsache aufgeklärt bin, dass “man” sehr oft die Ausschreibungen absichtlich so gestaltet, dass nur der Anbieter den man haben will in Frage kommt, ist die Entscheidung der SBB für mich nicht weiter verwunderlich. Und hätte sie Stadler nicht gekriegt, so hätte man hier sicher auch so lange geklagt, bis man sie gehabt hätte (diese Sache in Ungarn war dann für mich defintiv der Auslöser um diese Firma in meiner Sympathieliste komplett zu streichen).

@Adrian: Bombardier und Co holen ebenso grosse und grössere Aufträge an Land. Nur liegen diese in der Regel im Ausland (Beispiel: Bombardier/Alstom baut gerade neue S-Bahnen für das Ruhrgebiet).

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Andreas Hobi Juni 29, 2008 um 23:59

Interessantes Zitat, welches ich soeben hier gefunden habe:

Wie gross und komplex der gesamte Auftrag ist, illustriert das Vorgehen
> der internationalen Konzerne Siemens und Bombardier, die ihre Kräfte
> bündeln und gegenüber den SBB als Konsortium auftreten. Nur so seien sie
> in der Lage, dem Kunden < > machen zu können>>. Bei einer solchen Grössenordnung würden < > in der Offertbearbeitung, im Engineering, in der Betriebserprobung und
> im Einkauf ganz besonders ins Gewicht fallen>>, sagt Siemens- Sprecher
> Benno Estermann.

> Die Wahl Stadlers könnte für die SBB ein grosses Risiko sein

> Branchenkenner verhehlen denn auch nicht eine gewisse Skepsis gegenüber
> Spuhlers Ambitionen. Er könne sich < > vorstellen>>, so ein Insider, dass Stadler in der Lage sei, einen derart
> grossen Auftrag < > abzuwickeln. Peter
> Spuhler sieht das selbstverständlich anders. Rund zwei Drittel der
> Herstel- lungsprozesse seien gleich wie beim normalen Flirt, dem
> Standardmodell seiner Firma. Er sei überzeugt, dass die Leichtbauweise
> aus Aluminium das stärkste Argument für Stadler sei, weil dadurch die
> SBB die Energiekosten massiv reduzieren könnten.

Ich hoffe, die kritischen Stimmen können bald davon überzeugt werden, dass Stadler diese Herausforderung genau so gut anpacken wird wie alle anderen bisherigen Projeke. :)

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Andreas Hobi Juni 30, 2008 um 00:06

@ Michael:
Die Ausschreibung kann man im Schweizerischen Handelsamtblatt anschauen: https://www.shab.ch/DOWNLOADPART/N3522486/N2007.00227931.pdf

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Fredy Rom Juni 30, 2008 um 00:58

Ich finde wir sollten uns einfach einmal freuen, dass ein sehr erfolgreicher Unternehmer in der Schweiz diesen Auftrag bekommen hat.
Während die Lokifabrik in Winterthur und die Schindler Waggon fabrik kaputt gingen hat Peter Spuhler grossartige Arbeit geleistet.Die Flirts sind für mich als Passagier optimal.Die Klimaanlagen sind Spitze und der Fahrkomfort auch. Kein Wunder sind dieser bereits zum Exportschlager geworden. Weiter so ! Freude herrscht !

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leu Juni 30, 2008 um 08:28

Ich finde es super können Schweizer Unternehmer solche Erfolge feiern. Peter Spuhler ist der Peter Sauber der Eisenbahn!

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Andreas Hobi Juni 30, 2008 um 09:46

Ich bin gespannt, wie es nun mit der Firma Stadler Rail weiter gehen wird. Beeindruckend sind in einem solchen Zusammenhang die Grafiken:

Mitarbeiterentwicklung Stadler Rail:

Umsatzentwicklung Stadler Rail:


.

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Sandra-Lia Juni 30, 2008 um 10:42

Naja, die Stadlerzüge sind ja schon toll. Dennoch mag ich diesen ganzen Politikfilz nicht!

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Andreas Hobi Juni 30, 2008 um 10:55

Wer mag den schon… ;)

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Gumbo Juni 30, 2008 um 12:27

Sandra-Lia
Spuhler ist ja ein bekannter Exponent der SVP. Eine Partei, die partout dem ÖV das Wasser abgraben will und ständig für noch mehr Autobahnen. Siehe Giezendanner….Wenn es nach der Politik der SVP ginge, hätte Spuhler gar keine Aufträge.
Abgesehen davon sind die Stadler-Züge halt genial. Hoffentlich sind sie dann auch mit weniger Kinderkrankheiten versehen als die Siemens-Züge, die vom Komfort her allerdings auch sehr gut sind, vor allem für Behinderte und Velofahrer. Deren 1. Klass-Komfort ist LOBENSWERT, im Gegensatz zu den Sünderbänkli, die den Namen 1. Kl. nicht verdienen, die Spuhler in den Thurbo und Seetal-Zügen anbietet.

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Andreas Hobi Juni 30, 2008 um 12:39

Apropos Siemens, da sag’ ich nur: Combino-Skandal!!!

Auszug aus der Wikipedia:

Bei den geschraubten Aluminium-Rahmen der Züge lösen sich Verbindungen, einige der Straßenbahnen zeigen Risse in den Verbindungen zwischen Dächern und Seitenwänden. Anfang 2004 lagen große Teile der Combino-Flotte still, weil Siemens Einstürze der Fahrzeug-Dächer oder fortschreitende Beschädigungen an den Seitenwänden nicht ausschließen konnte. Mittlerweile ist bis auf einige stark beschädigte Wagen der allergrößte Teil der Combinos wieder im Einsatz. Als eine der Ursachen wurde inzwischen erkannt, dass die Entwicklungsingenieure bei der Berechnung der Wagenkastenstabilität einzukalkulieren vergessen hatten, dass durch die überwiegend auf dem Dach montierte Ausrüstung und die fehlende Wankmöglichkeit der Wagenteile gegeneinander erhebliche Kräfte auf die Gesamtkonstruktion einwirken.

Solche Probleme wollen wir bei der SBB ja schliesslich nicht. :)

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Pendler Juni 30, 2008 um 15:13

Apropos Siemens, da sag’ ich nur: Combino-Skandal!!!

Auszug aus der Wikipedia:

Bei den geschraubten Aluminium-Rahmen der Züge lösen sich Verbindungen, einige der Straßenbahnen zeigen Risse in den Verbindungen zwischen Dächern und Seitenwänden. Anfang 2004 lagen große Teile der Combino-Flotte still, weil Siemens Einstürze der Fahrzeug-Dächer oder fortschreitende Beschädigungen an den Seitenwänden nicht ausschließen konnte. Mittlerweile ist bis auf einige stark beschädigte Wagen der allergrößte Teil der Combinos wieder im Einsatz. Als eine der Ursachen wurde inzwischen erkannt, dass die Entwicklungsingenieure bei der Berechnung der Wagenkastenstabilität einzukalkulieren vergessen hatten, dass durch die überwiegend auf dem Dach montierte Ausrüstung und die fehlende Wankmöglichkeit der Wagenteile gegeneinander erhebliche Kräfte auf die Gesamtkonstruktion einwirken.

Solche Probleme wollen wir bei der SBB ja schliesslich nicht. :)

Hallo Andi
Auch als Stadler Fan musst du dir bewusst sein das “solche” Probleme auch bei deiner geliebten Stadler Rail vorkommen könnten. Wir werden dann sehen ob dann wirklich alles klappt…

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Andreas Hobi Juni 30, 2008 um 23:18

Probleme können in jeder Firma vorkommen. Aber das “Siemens-Problem” war nun wirklich von der gröberen Sorte und ich hoffe wirklich nicht, dass sich so etwas bei Stadler oder einer anderen Firma zuträgt.

Stadler Rail hat in der letzten Zeit zur Genüge bewiesen, dass sie gute Qualität liefern kann. Siemens muss den Beweis erst noch erbringen.

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Andreas Hobi Juli 1, 2008 um 11:56

Stadler Rail-Chef Peter Spuhler verlässt den Verwaltungsrat der UBS: http://www.nachrichten.ch/detail/313265.htm

Macht ihn gleich noch sympathischer! ;-)

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Gumbo Juli 2, 2008 um 12:26

Andreas
Nun muss er nur noch zur SP übertreten, und dann ist er auch mir sympathisch. Wobei – gegen gewisse Zürcher SVP-Exponenten ist er noch harmlos…Und Erfolg hat er mit seiner Fabrik, das ist unbestritten.

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Andreas Hobi Juli 2, 2008 um 13:27

Neee neee, der soll ruhig in der SVP bleiben. Denn so hat er am ehesten die Möglichkeit, ein paar ÖV-unfreundliche SVPler “auf die richtige Schiene zu bringen”. ;-)

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rootLogin März 10, 2010 um 00:51

Die Stadlerzüge sind einfach wirklich Qualität :) Vorallem der FLIRT ich liebe ihn, leider fährt er nicht immer, aber immer öfter :) Hoffe die Stadler DOSTOs vermitteln dann auch so ein Gefühl von Platz und Grösse wie der FLIRT es tut =)

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