Sandra-Lia hat sich, wie man in ihrem Blog lesen kann, schön öfters “über den Libero-Tarifverbund sowie dessen absolut willkürlichen Grenzen” genervt. Doch sie wollte sich nicht nur beklagen, sondern auch Verbesserungsvorschläge liefern. Dies tat sie in ihrem Artikel “Tarifverbund Schweiz”:

Ich finde das wichtigste überhaupt ist, das die Tickets dann wirklich auf allen Verkehrstrágern gilt, und nicht, wie jetzt, wo man zb. mit einem Ticket von Basel nach Langendorf nur mit der Bahn nicht aber mit dem Bus fahren darf.

Ich bin absolut einverstanden damit, dass ein Billett auf möglichst allen Verkehrsträgern gültig sein soll. Nur verstehe ich jetzt nicht ganz, was Basel mit dem Libero-Verbund zu tun haben soll… Vermutlich hat sich Sandra-Lia verschrieben und Amsterdam Süd Bern gemeint.

Anscheinend gibt es innerhalb des Libero-Gebietes ein Busunternehmen, welches nicht am Libero-Tarif beteiligt ist; ich denke, man müsste da mal beim entsprechenden Unternehmen direkt nachfrage, wieso dies so ist. Dem Libero-Verbund jedoch kann man keine Schuld dafür geben, dass man für diesen Bus zusätzlich bezahlen muss, denn der Verbund kann ja niemanden dazu zwingen, mit zu machen. :)

Auch die Kritik an der Zonengrösse kann ich nicht ganz nachvollziehen:

Zudem sollten die jeweilgen Zonen nicht willkürlich gross sein. (Zb ist Zone Bern mehr als 4 mal so gross wie Solothrun, kost aber gleich viel).

Fangen wir mit den Zonen an. Die Zonen sollten eine Groesse von ca. 50 km^2 haben. Falls Zonen aufgrund von Stadtteilungen ausgedehnt werden müssen, darf dies kein Einfluss auf den Preis haben. Eine Zone ist immer gleich teuer.

Es ist richtig, dass die Stadt Bern mehr als 8mal so gross ist wie Solothurn. Doch vergleicht man die beiden Zonen (10 und 70) miteinander, so ist auf der Übersichtskarte kaum ein Unterschied feststellbar. Beide Zonen sind in etwa gleich gross. Dies gilt übrigens auch für die meisten anderen Libero-Zonen. Die Unterschiede in der Grösse sind minim und meistens auf bestimmte geografische oder topografische Besonderheiten zurück zu führen. Es gibt nur wenige Zonen, welche “ein wenig zu gross geraten” sind. Dazu gehören zum Beispiel die Zonen 11 und 71, also genau die Zonen, welche die Städte Bern und Solothurn umschliessen. Insofern ist auch hier Gerechtigkeit gewährleistet. :)

Absolut zustimmen kann ich Sandra-Lia, wenn sie sagt, eine Zone habe immer gleich teuer zu sein. Meines Wissens ist dies in allen Schweizer Tarifverbünden der Fall.

In ihrem Artikel listet Sandra-Lia dann auch noch ein paar gewünschte Rabatte auf. Diese möchte ich hier ebenfalls kurz kommentieren:

Halbtax wie bisher 50% auf den Normalpreis. Neu aber auch auf die Monatskarten.

Ich bin absolut dafür, dass die Besitzer von Halbtax-Abos nur halb so viel zahlen wie die normalen Reisenden. Um dies umzusetzen müsste der Normalpreis vermutlich leicht erhöht werden.

6 Fahrtenkarte = 5 Bezahlen, 6. Fahrt umsonst (Entsprechend bei 12 Fahrten 2 umsonst: entspricht 20% )

Gab es früher bei Mehrfahrtenkarten von A nach B. Hätte nichts dagegen, wenn es wieder kommt. Treue muss belohnt werden!

  • Monatskarte (Anzahl Zonen, mindestens 1)
  • Jahreskarte (Anzahl Zonen, mindestens 1)
  • GA (Alle Zonen)

Gibt es das nicht schon? (Mal abgesehen von der Mindestzonenzahl, welche momentan bei 2 liegt.)

Familienkarte (Karte pro Jahr 20 Franken plus pro Kind 5 Franken, erlaubt den kostenlosen Transport der Kinder in Begleitung einer Verwanten, volljährigen Person)

Zusätzlich zur schweizweit gültigen Juniorkarte auch eine Karte für Familien, welche sich meistens nur innerhalb des Verbundes bewegen. Why not? Wäre ich absolut dafür.


© Grafik | Sandra-Lia Infanger | bloggerin.com |

Danach kommt Sandra-Lia auf ihr eigenes, schweizweites Tarifsystem zu sprechen. Sie hat die Schweiz in lauter gleich grosse sechseckige Zonen eingeteilt und macht folgenden Preis-Vorschlag:

  • Kurzstrecke CHF 2.20 (Radius 2 km) [2 h]
  • 1 Zone CHF 3.40 (Radius ca. 4 km* ) [4 h]
  • je weitere Zone bis zu 6 Zonen CHF 3.10 [12 h / Betriebsschluss]
  • je weitere Zone bis zu 12 Zonen CHF 2.90 [Betriebsschluss]
  • je weitere Zone bis zu 24 Zonen CHF 2.70 [48h]
  • je weitere Zone bis zu 48 Zonen CHF 2.50 [5 Tage]
  • je weitere Zone CHF 2.30 [10 Tage]

Die Strecke Zürich HB - Lausanne (Einfache Fahrt) würde nach ihrer Berechnung ohne Halbtax CHF 89.20 kosten. Der aktuelle Preis auf sbb.ch beträgt zurzeit CHF 67.-. Jedoch sind beim SBB-Preis die beiden Stadtnetze nicht eingeschlossen. (Ich schätze mal, für die Benutzung der Stadtnetze (= Cityticket) müsste man noch rund CHF 10.- dazurechnen.)

Grundsätzlich ist ihre Idee sicher nicht schlecht, jedoch in meinen Augen viel zu kompliziert. (Man merkt, dass Sandra-Lia einen starken Bezug zu Deutschland hat; ihr Tarifsystem erinnert mich stark an die Deutsche Bahn… *g*)

Vielleicht sollte man es doch besser so lassen wie es ist. Preislich kommt es ja plusminus aufs Gleiche an. Dafür gäbe es bei der Kontrolle einige Probleme:

Ich habe bei meiner Ausbildung einige Zeit gebraucht, bis ich alle die verschiedenen Zonen von den Verbunden im Kopf hatte:

  • Tarifverbund Schaffhausen / Flextax
  • Tarifverbund Nordwestschweiz / TNW / U-Abo
  • Tarifverbund Aargau-Olten / A-Welle
  • Zürcher Verkehrsverbund / ZVV
  • Tarifverbund Ostschweiz / Ostwind
  • Tarifverbund Biel-Grenchen-Seeland-Berner Jura / ZigZag
  • Tarifverbund Bern-Solothurn / Libero
  • Tarifverbund Luzern-Obwalden-Nidwalden / Passepartout
  • Tarifverbund Zug / Zugerpass

Mit dem neuen System von Sandra-Lia kämen hunderte, wenn nicht sogar fast ein paar Tausend neue Zonen hinzu (beziehungsweise sie würden die bisherigen Zonen ablösen). Es wäre also eher schwierig, immer alle Zonen im Kopf zu haben und man müsste andauernd mit Kontrolllisten oder ähnlichem arbeiten, um eine saubere Kontrolle durchführen zu können.

Aus Zugbegleiter-Sicht stelle ich mir dies sehr umständlich vor. Vielleicht hat Sandra-Lia ja eine Antwort, wie sie dieses Problem lösen würde. ;)

Schaut euch mal ihr Konzept an und teilt entweder auf ihrem oder auf meinem Blog eure Meinung dazu mit. Ich bin gespannt!

Nachtrag: Inzwischen weiss ich auch, weshalb Sandra-Lia anfangs die Stadt Basel erwähnte: Weil sie ein landesweites Zonensystem im Kopf hatte. Nur leider ist dies dem Leser anfangs nicht ersichtlich…