Der neue Tarifverbund Schweiz

von Andreas Hobi am 27. Juni 2008

Sandra-Lia hat sich, wie man in ihrem Blog lesen kann, schön öfters “über den Libero-Tarifverbund sowie dessen absolut willkürlichen Grenzen” genervt. Doch sie wollte sich nicht nur beklagen, sondern auch Verbesserungsvorschläge liefern. Dies tat sie in ihrem Artikel “Tarifverbund Schweiz”:

Ich finde das wichtigste überhaupt ist, das die Tickets dann wirklich auf allen Verkehrstrágern gilt, und nicht, wie jetzt, wo man zb. mit einem Ticket von Basel nach Langendorf nur mit der Bahn nicht aber mit dem Bus fahren darf.

Ich bin absolut einverstanden damit, dass ein Billett auf möglichst allen Verkehrsträgern gültig sein soll. Nur verstehe ich jetzt nicht ganz, was Basel mit dem Libero-Verbund zu tun haben soll… Vermutlich hat sich Sandra-Lia verschrieben und Amsterdam Süd Bern gemeint.

Anscheinend gibt es innerhalb des Libero-Gebietes ein Busunternehmen, welches nicht am Libero-Tarif beteiligt ist; ich denke, man müsste da mal beim entsprechenden Unternehmen direkt nachfrage, wieso dies so ist. Dem Libero-Verbund jedoch kann man keine Schuld dafür geben, dass man für diesen Bus zusätzlich bezahlen muss, denn der Verbund kann ja niemanden dazu zwingen, mit zu machen. :)

Auch die Kritik an der Zonengrösse kann ich nicht ganz nachvollziehen:

Zudem sollten die jeweilgen Zonen nicht willkürlich gross sein. (Zb ist Zone Bern mehr als 4 mal so gross wie Solothrun, kost aber gleich viel).

Fangen wir mit den Zonen an. Die Zonen sollten eine Groesse von ca. 50 km^2 haben. Falls Zonen aufgrund von Stadtteilungen ausgedehnt werden müssen, darf dies kein Einfluss auf den Preis haben. Eine Zone ist immer gleich teuer.

Es ist richtig, dass die Stadt Bern mehr als 8mal so gross ist wie Solothurn. Doch vergleicht man die beiden Zonen (10 und 70) miteinander, so ist auf der Übersichtskarte kaum ein Unterschied feststellbar. Beide Zonen sind in etwa gleich gross. Dies gilt übrigens auch für die meisten anderen Libero-Zonen. Die Unterschiede in der Grösse sind minim und meistens auf bestimmte geografische oder topografische Besonderheiten zurück zu führen. Es gibt nur wenige Zonen, welche “ein wenig zu gross geraten” sind. Dazu gehören zum Beispiel die Zonen 11 und 71, also genau die Zonen, welche die Städte Bern und Solothurn umschliessen. Insofern ist auch hier Gerechtigkeit gewährleistet. :)

Absolut zustimmen kann ich Sandra-Lia, wenn sie sagt, eine Zone habe immer gleich teuer zu sein. Meines Wissens ist dies in allen Schweizer Tarifverbünden der Fall.

In ihrem Artikel listet Sandra-Lia dann auch noch ein paar gewünschte Rabatte auf. Diese möchte ich hier ebenfalls kurz kommentieren:

Halbtax wie bisher 50% auf den Normalpreis. Neu aber auch auf die Monatskarten.

Ich bin absolut dafür, dass die Besitzer von Halbtax-Abos nur halb so viel zahlen wie die normalen Reisenden. Um dies umzusetzen müsste der Normalpreis vermutlich leicht erhöht werden.

6 Fahrtenkarte = 5 Bezahlen, 6. Fahrt umsonst (Entsprechend bei 12 Fahrten 2 umsonst: entspricht 20% )

Gab es früher bei Mehrfahrtenkarten von A nach B. Hätte nichts dagegen, wenn es wieder kommt. Treue muss belohnt werden!

  • Monatskarte (Anzahl Zonen, mindestens 1)
  • Jahreskarte (Anzahl Zonen, mindestens 1)
  • GA (Alle Zonen)

Gibt es das nicht schon? (Mal abgesehen von der Mindestzonenzahl, welche momentan bei 2 liegt.)

Familienkarte (Karte pro Jahr 20 Franken plus pro Kind 5 Franken, erlaubt den kostenlosen Transport der Kinder in Begleitung einer Verwanten, volljährigen Person)

Zusätzlich zur schweizweit gültigen Juniorkarte auch eine Karte für Familien, welche sich meistens nur innerhalb des Verbundes bewegen. Why not? Wäre ich absolut dafür.


© Grafik | Sandra-Lia Infanger | bloggerin.com |

Danach kommt Sandra-Lia auf ihr eigenes, schweizweites Tarifsystem zu sprechen. Sie hat die Schweiz in lauter gleich grosse sechseckige Zonen eingeteilt und macht folgenden Preis-Vorschlag:

  • Kurzstrecke CHF 2.20 (Radius 2 km) [2 h]
  • 1 Zone CHF 3.40 (Radius ca. 4 km* ) [4 h]
  • je weitere Zone bis zu 6 Zonen CHF 3.10 [12 h / Betriebsschluss]
  • je weitere Zone bis zu 12 Zonen CHF 2.90 [Betriebsschluss]
  • je weitere Zone bis zu 24 Zonen CHF 2.70 [48h]
  • je weitere Zone bis zu 48 Zonen CHF 2.50 [5 Tage]
  • je weitere Zone CHF 2.30 [10 Tage]

Die Strecke Zürich HB – Lausanne (Einfache Fahrt) würde nach ihrer Berechnung ohne Halbtax CHF 89.20 kosten. Der aktuelle Preis auf sbb.ch beträgt zurzeit CHF 67.-. Jedoch sind beim SBB-Preis die beiden Stadtnetze nicht eingeschlossen. (Ich schätze mal, für die Benutzung der Stadtnetze (= Cityticket) müsste man noch rund CHF 10.- dazurechnen.)

Grundsätzlich ist ihre Idee sicher nicht schlecht, jedoch in meinen Augen viel zu kompliziert. (Man merkt, dass Sandra-Lia einen starken Bezug zu Deutschland hat; ihr Tarifsystem erinnert mich stark an die Deutsche Bahn… *g*)

Vielleicht sollte man es doch besser so lassen wie es ist. Preislich kommt es ja plusminus aufs Gleiche an. Dafür gäbe es bei der Kontrolle einige Probleme:

Ich habe bei meiner Ausbildung einige Zeit gebraucht, bis ich alle die verschiedenen Zonen von den Verbunden im Kopf hatte:

  • Tarifverbund Schaffhausen / Flextax
  • Tarifverbund Nordwestschweiz / TNW / U-Abo
  • Tarifverbund Aargau-Olten / A-Welle
  • Zürcher Verkehrsverbund / ZVV
  • Tarifverbund Ostschweiz / Ostwind
  • Tarifverbund Biel-Grenchen-Seeland-Berner Jura / ZigZag
  • Tarifverbund Bern-Solothurn / Libero
  • Tarifverbund Luzern-Obwalden-Nidwalden / Passepartout
  • Tarifverbund Zug / Zugerpass

Mit dem neuen System von Sandra-Lia kämen hunderte, wenn nicht sogar fast ein paar Tausend neue Zonen hinzu (beziehungsweise sie würden die bisherigen Zonen ablösen). Es wäre also eher schwierig, immer alle Zonen im Kopf zu haben und man müsste andauernd mit Kontrolllisten oder ähnlichem arbeiten, um eine saubere Kontrolle durchführen zu können.

Aus Zugbegleiter-Sicht stelle ich mir dies sehr umständlich vor. Vielleicht hat Sandra-Lia ja eine Antwort, wie sie dieses Problem lösen würde. ;)

Schaut euch mal ihr Konzept an und teilt entweder auf ihrem oder auf meinem Blog eure Meinung dazu mit. Ich bin gespannt!

Nachtrag: Inzwischen weiss ich auch, weshalb Sandra-Lia anfangs die Stadt Basel erwähnte: Weil sie ein landesweites Zonensystem im Kopf hatte. Nur leider ist dies dem Leser anfangs nicht ersichtlich…

{ 10 Kommentare… lies sie gleich hier unten oder schreibe einen }

Sandra-Lia 27. Juni 2008 um 17:20

Den Vorschlag, welchen ich erarbeitet hab, hat nichts mit dem jetzigen Libero zu tun. Das war einfach mein Konzept.

Du müsstest dir gar nichts merken. Auch der Kunde nicht. Dahingehend hab ich mich falsch ausgedrückt.

Es gäbe dann ein Bahnbillet von (nehm als Beispiel mich)

Bellach nach Zürich

Dann kann ich entscheiden, ob ich damit mit dem Bus von Bellach nach Solothurn fahr, oder mit dem Regio, und dann in Zürich ist halt nicht am HB schluss, sondern da, wo die Stadt (oder eben die Zone) aufhört.

Auf dem Ticket stände dann eben: Bellach (Z: 5366) -> Zürich (Z: 0110) (nur als Beispiel) somit ist auch klar, das egal in welchem Ort das Ticket gekauft wurde, welcher in Z: 5366 liegt, das Ticket für EINE Richtung auch gilt.

Einzig, sobald du innerhalb von einer Stadt bist, kannst du natürlich auch nur 1 Zone lösen

Was ich mit meinem Beispiel von Basel nach Langendorf meinte, ist genau das, was ich mit meinem Vorschlag verbessern will.

Es soll nur noch 1!!! Ticket geben, egal, von wo nach wo du willst.

Und wenn du in Arth Goldau am Tierpark ins Postauto steigst, und dann in den Zug nach Ariolo, und von da ins Postauto nach Bellinzona, was weiss ich. 1 Ticket! Dann ist das Verkehrsmittel egal.

Das will ich erreichen.

Noch fragen?

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Andreas Hobi 27. Juni 2008 um 20:15

Alles klar! ;) Ja so macht es natürlich Sinn.

Müsste nur noch dafür gesorgt werden, dass alle Transportunternehmen mitmachen. Evtl (beziehungsweise ziemlich sicher) müsste da vom Bund eine neue Gesetzlage geschaffen werden. Sinngemäss: Wer in der Schweiz ein Transportunternehmen führt, muss sich an diesem Tarif beteiligen…

Keine Ahnung, ob dies geht… Aber wäre mit Sicherheit interessant! :)

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Sandra-Lia 28. Juni 2008 um 10:50

Naja, als kleine Ausnahme könnte man irgendwelche Seilbahnen oder zb. die Bahn auf das Jungfraujoch sehen. Sprich, Verbindungen, die nicht Relevant für den Personenverkehr sind. (ich mein, auf dem Jungfrau lebt wohl ja niemand)

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Andreas Hobi 28. Juni 2008 um 16:14

BTW: Dieser Artikel könnte Dich noch interessieren: Richtige Fahrkarte, falscher Zug ;)

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Adrian 28. Juni 2008 um 21:26

Ich denke es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir einen Tarifverbund Schweiz haben. Es gibt im Moment noch Gebiete die nicht durch einen Tarifverbund abgedeckt sind, aber es ist effektiv ein Problem, wenn ich im Vorraus ein Ticket für einen anderen Tarifverbund lösen will. Das Bahnnetz in der Schweiz gleicht eigentlich auch bald einem S-Bahn Netz und so ist eigentlich die Entwicklung nur logisch.

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Sandra-Lia 30. Juni 2008 um 10:45

Ja, dieses Problem würde sich jedoch durch meinen Vorschlag auch lösen, da du dann wirklich von jedem Ort in der Schweiz aus ein Ticket nur brauchst. Und mit den heutigen Display-Automaten ist dies nun wirklich kein Problem, zu bewerkstelligen

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Pascal 30. Juni 2008 um 14:18

Ein Halbtax kaufen um ein anderes Abonnement (Monatskarte) 50% günstiger zu erwerben. Wo bleibt da noch der Sinn des Halbtaxabonnements? Wenn z. Bsp. die Monatskarte CHF 200.- kostet dann wäre ja jeder beschissen der das Halbtax nicht kauft. Vorausgesetzt man fährt mindestens zwei Monate. Ich finde, dass das Halbtax keine Ermässigung auf andere Abonnement gibt ist richtig. Stellt euch einmal vor man würde auch auf die GA’s (auch das GA gibts bekanntlich im Monatsabonnement) 50% Ermässigung kriegen…

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Sandra-Lia 2. Juli 2008 um 12:47

Ja, warum nicht? Du kannst den Spiess doch auch umdrehen, und sagen: GA im Abo kost normal zb. 499.-, mit Halbtax halt nur 249.- pro Monat. Problem gelöst!

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Titus 13. Juli 2008 um 16:11

Apropos nationalem Tarifverbund: Da tut sich tatsächlich etwas, siehe Link hinter meinem Namen.

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Heinz 16. Juli 2008 um 14:23

Grundsätzlich wäre ein “Tarifverbund Schweiz” eine gute Sache. Im Grunde genommen gibt es diesen bereits in Form des GA. Auch die Einzelfahrscheine und MFK decken dank ch-direct beinahe die ganze Schweiz ab. Ein Anfang ist somit bereits gemacht.

Die Probleme liegen aber in den Details. So können sich die Verkehrsbetriebe zum Beispiel nicht einigen, ob eine Tageskarte bis Mitternacht, bis Betriebschluss oder genau 24 Stunden gültig sein soll. Weitere Beispiele kennt jeder, der mit dem ÖV zu tun hat …

Ein weiteres Problem ist die föderalistische Organisation des ÖV. Der Kanton bestimmt in der Regel das Angebot und die entsprechenden Abgeltungen an die Verkehrsbetriebe. Dazu verlangen sie liniengenaue Abrechnungen über Kosten und Erträge, was manchem Buchhalter bei den Verkehrsbetrieben zu kopfschmerzen führt, insbesondere im Stadtverkehr.

Das schlimmste Problem sind jedoch die Politiker, welche in den verschiedenen Kommissionen sitzen, obwohl sie von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Sie verlangen von den Dienstleistern (Transportunternehmen) einen maximalen Service, der aber nichts kosten darf (und natürlich vor allem im eigenen Wahlkreis/Wohnort). Die Folgen sind der höhere Druck auf das Personal und minimalistische Ansätze bei der Wartung und beim Kundendienst.

Wenn man die ganzen Mechanismen, welche zum heutigen Tarifwesen geführt haben, anschaut, können wir froh sein ein so flexibles System zu haben. Verglichen mit anderen Ländern sind wir verwöhnt!

Ein Tarifverbund Schweiz wird meiner Ansicht nach erst möglich, wenn alle Transportunternehmen fusionieren und eine einzige Stelle das Angebot bestimmt. Ob diese Situation hingegen erstrebenswert wäre, lasse ich an dieser Stelle mal offen.

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