Ulrich Gygi

Gestern hat der Bundesrat entschieden: Der Post-Konzernleiter Ulrich Gygi löst den bisherigen SBB-Verwaltungsratspräsidenten Thierry Lalive d’Epinay ab, welcher Ende 2008 endlich zurücktritt.

Was ist von Gygi zu halten?

Zwar gehört er den Sozialdemokraten (SP) an, andererseits ist er bekannt dafür, dass er sich nicht vor Einsparungen scheut, auch nicht beim Personal.

Im Grossen und Ganzen jedoch ist Ulrich Gygi mit Sicherheit eine gute Wahl. Bereits bei der Post lernte er, einen staatlichen Regiebetrieb in ein eigenwirtschaftliches Unternehmen zu transformieren. Dieses Wissen hilft ihm bei seinem Ämtli Job bei der SBB.

Gygis Hauptaufgabe bei der SBB wird sein, Strategien zu entwickeln und diese mit dem Bundesrat zu besprechen, wie UVEK-Chef Moritz Leuenberger an einer Medienorientierung bekannt gab. Gygi sagte daraufhin, dass er sich als Post-CEO recht gut auf die Aufgaben bei der SBB vorbereitet fühle. Beide Unternehmen stehen vor ähnlichen Herausforderungen.

Nicht erfreut über Gygis Wahl ist die Eisenbahnergewerkschaft SEV. Sie sagt, Gygis Positionen als Postchef hätten den Gewerkschaften häufig Sorgen bereitet. Er habe sich vor allem als Liberalisierer profiliert und dabei mehrfach gegen die Interessen des Personals gehandelt.

Was ich während der Berichterstattung rund um die neue Aufgabe von Ulrich Gygi festgestellt habe: Der Posten als CEO der Post sowie der Job als Verwaltungsratspräsident der SBB scheinen regelrechte “Schoggi-Jobs” zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass Gygi während einiger Zeit beide Jobs gleichzeitig ausführen wird? (Bei der Post verdient er jährlich CHF 732′000 für ein 100%-Pensum, bei der SBB verdient der jetzige VR-Präsident Lalive d’Epinay jährlich CHF 283′000 für sein 60%-Pensum.) In einem Interview mit dem “Blick” teilte Gygi mit, dass er zukünftig zwei Tage pro Woche für die SBB arbeiten werde. Ausserdem war von ihm zu erfahren, dass er weniger verdienen werde als sein Vorgänger.

Die Schweizer Parteien reagieren verschieden auf Gygis Wahl. Für die FDP zum Beispiel kommt die Wahl “überraschend”; sie hätte an der Spitze der SBB einen Spezialisten aus dem Bahnbereich gewünscht. Die SVP ist der Meinung, dass Verkehrsminister Moritz Leuenberger hier einfach einem Parteifreund zu einem lukrativen Posten verholfen hat, während die SP hofft, dass Gygi den Service Public in allen Regionen sicherstellt. Die CVP nimmt die Wahl zur Kenntnis, will sie jedoch nicht kommentieren.

In meinen Augen ist Ulrich Gygi ein Mann, der ganz gut darin ist, sowohl den unternehmerischen als auch den politischen Auftrag eines Service Public-Anbieters zu erfüllen. Er kann in diesem engen Korsett ganz gut bewegen. Auch wenn er noch keine allzu fundierte Kenntnisse bezüglich Verkehrsmärkte und internationaler Erfahrung im Transportmarkt haben sollte: Es wäre falsch, Gygi die Eignung zum SBB-Präsidenten voreilig abzusprechen.

Video:

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