
Einer meiner Leser (greezer) hat mir eine Frage geschickt, welche sich einige von euch vielleicht auch schon gestellt haben:
Nun, wie wird da eigentlich entschieden, auf welchen Zügen an welchem Tag welcher Kondi drin ist?
Ich meine, z.B. letzten Mittwoch. Ich fuhr mit dem Zug nach Zug (*g*) und wurde 5 Mal kontrolliert.
Das macht ein Mal pro 20min.
Hingegen war ich gestern kurz in Olten (etwa gleiche Distanz/Dauer von mir daheim) und ich wurde
gar nicht kontrolliert.So, ich wünsche dir ein schönes WE!
Grüsse aus dem Toggenburg, greezer
Meine Antwort:
Jedes Jahr kurz vor Fahrplanwechsel erstellt die SBB die Tourenpläne für das Zugpersonal. Da wird entschieden, auf welchen Zügen wie viele Zugbegleiter sind und von welchem Depot die Zugbegleiter für die entsprechenden Züge kommen.
Basierend auf diesen Überlegungen werden die “Tourenpläne” erstellt und an jeden Zugbegleiter verteilt. Für jedes Depot gibt es mindestens zwei Tourenpläne: Einen für die Zugchefs und einen für die Reisezugbegleiter.
Die meisten Zugbegleiter fahren “auf der Linie”. Das heisst: An einem Tag fährt man zum Beispiel Tour Nr. 201, dann 202, dann 203 und so weiter, bis es wieder von vorne beginnt.
So wird das Zugpersonal, vereinfacht gesagt, eingeteilt. Natürlich ist die ganze Geschichte in der Realität ein wenig komplexer. Da am Wochenende zum Beispiel nicht die gleichen Züge verkehren wie an Werktagen und weil am Wochenende viele Züge weniger Wagen haben, gibt es an einem Samstag andere Touren als an einem Werktag. Und für den Sonntag gelten nochmals andere Touren.
Ausserdem müssen immer genügend Zugbegleiter in der Reserve eingeteilt sein, so dass kranke Mitarbeiter und jene, welche in den Ferien oder in Kursen sind, ersetzt werden können. Denn die Züge müssen ja schliesslich fahren! :)
(Übrigens: Hast Du schon einmal erlebt, dass ein Zug wegen fehlendem Zugpersonal ausgefallen ist? Nicht? Da siehst Du, wie gut unser System funktioniert!) :o)
Nun zu Deinem geschilderten Fall: Es ist aus organisatorischen Gründen nicht immer möglich, dass ein Zug von Ausgangs- bis Bestimmungsbahnhof vom gleichen Zugpersonal betreut wird. In einem Zug Chur – Basel kann es zum Beispiel vorkommen, dass das Zugpersonal in Zürich wechselt und Du nach Zürich nochmals kontrolliert wirst. Im Extremfall kann dies natürlich auch mehr als einmal vorkommen.
Am klügsten ist es deshalb, wenn Du Deinen Fahrausweis während der gesamten Reise an einem leicht zu erreichenden Ort aufbewahrst. So hast Du ihn immer griffbereit, wenn ihn jemand sehen will. :)
Momentan treffen pro Woche bei mir bis zu 5 private Fragemails von Lesern ein. Tendenz steigend. Mal schauen, wie lange ich diese Mails noch beantworten kann; ich gebe mir auf alle Fälle Mühe! ;)
© Foto SBB
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{ 6 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Mir ist es auch schon eher negativ aufgefallen, dass man zwischen Basel und Chur zwei mal kontroliert wird… Aber die Hauptsache ist ja, dass man in Zürich nicht umsteigen muss ;)
Wieso ist dies Deiner Meinung nach negativ? Wenn man die Fahrausweise griffbereit hat, sollte die Kontrolle ja keinen unzumutbaren Aufwand für den Fahrgast darstellen, oder? ;)
Mich würde interessieren, auf welchen Strecken die Zugbegleiter vom Depot Chur fahren.
Also ich weiss, dass sie nach Zürich, Basel, St. Gallen und Luzern fahren. Aber fahren sie auch nach Romanshorn, Konstanz, Bern, Schaffhausen oder gar ins Tessin oder durch den LBT?
Fahren die Churer Zugbegleiter auch mit ICE, EN, CNL?
Und noch eine letzte Frage, kann es sein, dass früher manchmal ein Zugbegleiter von der SOB die Strecke St. Gallen-Chur befuhr?
Grundsätzlich fahren wir in der ganzen Deutschschweiz, also Luzern, St. Gallen, Zürich (via SG), Romanshorn (via Zürich, via SG), Schaffhausen, Konstanz, Basel, Bern, Biel (direkt und via Bern), etc…
Selten auch Romandie und Brig.
ICE, Cisalpino, CNL, TGV, Pau Casals: Fahren wir grundsätzlich nicht. ICE und Cis hatte ich trotzdem schon je einmal. Jedoch nicht als Zugchef, da ich nicht instruiert bin.
Kann schon sein, dass früher SOB-Kollegen nach Chur fuhren. Ist jetzt jedoch nicht (mehr) so. Dafür teilen wir uns mit den SOBlern den Voralpenexpress. (Auch dort fuhr ich schon mehrere Male mit.)
Ich habe mich auch schon gefragt, wie ihr das macht, dass immer genau richtig viele Leute auf dem Zug sind. Mit verschlafen, Unfall, Krankheit und anderen ungeplanten, kurzfristigen Ausfällen ist das ja ziemlich schwierig… Und immer zu viele Leute aufbieten, kann es ja auch nicht sein.
Wie macht ihr das mit kurzfristigen Ausfällen? Sorry, schon wieder eine Frage :-)
Ich habe es tatsächlich noch nie erlebt, dass ein SBB-Zug wegen Personalmangel ausfiel (nicht so wie “unsere” Fluggesellschaft).
Das Thema scheint die Leser wirklich zu interessieren… Freut mich! ;)
Also das mit dem Verschlafen ist so eine Sache… Eigentlich liegt das in unserem Job gar nicht drin. Einmal ist ja noch ok, doch bei weiteren Mal muss man (soweit ich weiss) beim Chef antraben und eventuell hat es sogar Konsequenzen. Aber es gibt Möglichkeiten, wie man es fertig bringt, nie zu verschlafen. Momentan arbeite ich gerade an einem Artikel über dieses Thema. In vermutlich etwa 4-6 Wochen wird man mehr darüber hier auf schweizweit.net lesen können. :)
Wie Du vielleicht gesehen hast, schrieb ich vor etwa einer Stunde auf plurk.com diese Nachricht. Was ich damit sagen will: Es gibt beim Zugpersonal Leute, die “in der Reserve” eingeteilt sind. Dazu zähle seit dem Dezember 2007 auch ich. Wir erfahren immer sehr kurzfristig, wie wir genau arbeiten, denn wir springen für Kollegen ein, welche verhindert sind (Kurse, Ferien, Weiterbildung, familiäre Gründe, etc). Ausserdem gibt es an jedem Tag Zugbegleiter, welche Reservetouren erhalten. Diese Zugbegleiter warten im Depot darauf, dass sie vom Einteiler angerufen werden, der ihnen dann mitteilt, welchen Zug sie begleiten werden. Diese Reservetouren sind also dazu da, kurzfristige Ausfälle zu ersetzen. (Zum Beispiel, wenn sich jemand wenige Stunden vor Dienstantritt krank meldet, wenn jemand auf dem Arbeitsweg verunfallt, usw…)
Wie man sieht, funktioniert dieses System ganz gut. :)