Euro08: Tag 3 | Worst Case im Bahnhof
Uncategorized June 10th. 2008, 14:11Seit dem 7. Juni 2008 läuft die Euro08 in der Schweiz und Österreich. Dass ich als Zugbegleiter ganz nah dran bin am Geschehen ist Grund genug, (wenn möglich) täglich hier auf schweizweit.net über meine Euro08-Erlebnisse zu berichten. Heute folgt der Bericht zum gestrigen Tag. Sämtliche Artikel dieser Euro08-Serie sind unter folgendem Link abrufbar: http://schweizweit.net/euro08/
Der Ansturm der orangen Fans, welche ihre niederländische Nationalmannschaft im Spiel gegen Italien unterstützten, übertraf gestern alle Erwartungen. Nun überlegt sich die Stadt Bern, ob sie allenfalls noch eine dritte Public Viewing Area aus dem Boden stampfen soll.
Auch ich merkte in Basel, dass die Oranjes in nicht allzu geringer Zahl in die Schweiz reisen: Kurz vor meiner Retourfahrt erreichte ein ICE aus Amsterdam den Bahnhof, und innert einer Minute war das ganze Perron komplett in Orange getaucht.
Und als ich das bis zum Rand gefüllte Perron sah, fragte ich mich, was wohl wäre, wenn in Zukunft noch mehr Fans aufs Mal sich auf dem Bahnsteig befinden. Klar: Für die Aussteigenden hat es immer genügend Platz auf dem Perron, da besteht keine Gefahr. Doch was ist, wenn plötzlich 1,000 Personen das Perron stürmen, um auf einen Zug zu gehen?
Dann könnte es eng werden. Und eng bedeutet automatisch auch “gefährlich”. Ein kleiner Schubser oder eine Drängelei, und schon landet jemand im schlimmsten Fall auf dem Gleis. Der kann dann nur hoffen, dass in diesem Moment kein Zug einfährt.

Bisher habe ich in den Host City-Bahnhöfen noch keine Gitterabschrankungen gesehen; doch genau diese wird es bei kommenden Spielen vielleicht brauchen. Es würde Sinn machen, wenn die SBB nur eine bestimmte Anzahl an Fans gleichzeitig auf das Perron liesse, um Unfälle zu vermeiden. Denn der Worst Case wäre tatsächlich, wenn es vor den Augen Hunderter von Fans zu einem Personenunfall käme.
Morgen ist zum Beispiel so ein Tag: Die Schweizer Nati gewinnt spielt gegen die türkische Nationalmannschaft. Beide Teams haben in unserem Land enorm viele Fans. Und diese Fans wollen ihre Nationalmannschaft unterstützen; entweder im Stadion oder in den Public Viewing Areas. Der Ansturm auf den Bahnhof Basel SBB dürfte entsprechend gross sein und auch in anderen Bahnhöfen (wie zum Beispiel Zürich) wird es von Fans nur so wimmeln.
Doch der morgige Tag soll mir jetzt noch keine Sorgen machen; heute geniesse ich meinen freien Tag und werde das Spiel zwischen der spanischen und russischen Nationalmannschaft in der Churer UBS-Arena mitverfolgen. (SBB sei Dank erhielt ich noch einen Gratis-Sitzplatz.) :)
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June 10th, 2008 at 15:47
Was ich aber auch nie verstehen werde, ist die Lokführer, die bei solchen Situationen nicht automatisch langsamer einfahren und halt auch mal pfeifen. Sie rauschen immer mit 30 in die Halle, egal, wie gefährlich es am Perron aussieht.
June 10th, 2008 at 16:11
Apropos UBS-Arena ;-) Auf der Website der SBB wird ein UBS-Arena RailTicket beworben, mit dem man für 13.- von 16 Uhr bis Betriebsschluss von einem beliebigen Ort in der Schweiz in eine (gewählte) UBS-Arena reisen kann. Darf ich dieses Ticket eigentlich auch nutzen, wenn ich keine UBS-Arena besuche (sprich keine Tickets dafür habe), dennoch aber gerne von meinem Wohnort z.B. nach Genf reisen möchte? Habe auf der Page keine entsprechende Einschränkung gefunden, dennoch habe ich Zweifel… 13.- für z.B. Scuol - Genf retour ist ja schon nicht unattraktiv!
June 10th, 2008 at 16:21
@ comch:
Endlich einer, der es gemerkt hat… ;o) Ja, es ist tatsächlich so, dass wir im Zug nicht überprüfen müssen, ob wirklich ein Arena-Ticket vorhanden ist. Jedoch brauchst Du ein Halbtax, eine Vorteilscard oder ein Euro-Halbtax. Und natürlich ein Handy. :)
Die Anzahl der UBS-Arena-Railtickets ist jedoch beschränkt. (Ca. 30% des Fassungsvermögens der entsprechenden UBS-Arena.)
Was mich erstaunt: Obwohl das Ticket nahezu geschenkt ist (13 Franken sind nun wirklich nicht alle Welt) habe ich bisher noch niemanden mit diesem Ticket angetroffen…
June 10th, 2008 at 16:24
@ Gumbo:
Doch doch, es gibt einige Lokführer, welche in solchen Situationen pfeifen (in Zürich kommt dies nicht selten vor) oder auch mal langsamer einfahren. Doch das langsame Einfahren wird oftmals durch die sehr knappen Fahrpläne erschwert. Manchmal “liegt es einfach nicht drin” vorsichtig zu fahren. Vorallem dann, wenn der Zug sowieso schon mit Verspätung verkehrt.
June 10th, 2008 at 19:59
Gott sei Dank bin ich waehrend der ganzen EM nicht in der Schweiz…!
June 10th, 2008 at 20:04
@ Thomas Zuberbuehler:
Du verpasst echt was! :)
June 10th, 2008 at 21:21
Bezüglich Zugangsbeschränkung zum Perron: In Dübendorf während dem RollingStones Konzert wurde dies genau gemacht. Ich schätze auch, dass dies auch beim Madonna Konzert der Fall ist. Da aber auch relativ viele Züge innerhalb von kurzer Zeit die Leute wegshuttlelten, war eine Überfüllung auch kein Problem. Beide Gleise wurden zum Teil in die gleiche Richtung mit Zügen belegt. Wer sich das nicht entgehen lassen will muss also Ende August nach Dübendorf kommen.
June 12th, 2008 at 21:33
Zur sicheren Lösung solcher Probleme müssen Bahnsteigtüren oder auf Englisch Platform Screen Doors eingesetzt werden. Ich denke, die wird man zumindest im Nahverkehr in Zukunft häufiger sehen, denn die Bevölkerung wird älter und der Verkehr wird zunehmen.
June 12th, 2008 at 22:32
Bei diesen Platform Screen Doors stellt sich einfach auch die Frage der Sicherheit, wenn sich grosse Menschenmassen in der Nähe befinden. Es könnten dann nämlich zwei Gefahrensituationen entstehen:
1. Es entsteht ein Gedränge, die Türen und Wände halten dem Druck stand, die Menschen direkt an den Türen und Wänden werden erdrückt oder leiden an Atemnot.
2. Es entsteht ein Gedränge, die Türen und Wände halten dem Druck nicht stand, Menschen fallen in den Gleisbereich…
Vermutlich müsste man bereits vorher mit entsprechenden Massnahmen vorgehen: Nur eine erträglich hohe Anzahl an Menschen auf die Perrons lassen und davor nur eine entsprechende Menge an Leuten in jenen Bereich lassen, welcher zu den Perrons führt. (Oder so ähnlich.)
Zurück zum Artikel: Ich denke nicht, dass in einem der Host City-Bahnhöfe etwas ernsthaftes geschehen wird. Es war eher so eine “Was-wäre-wenn…-Überlegung”.
Nicht dass noch der Eindruck entsteht, die SBB sei nicht um die Sicherheit ihrer Fahrgäste bemüht! :)
June 13th, 2008 at 09:43
Diese Türen sind für U-Bahnen eine gute Idee. Aber die SBB wird sowas schon aus Kostengründen kaum wollen. Und die Lokführer könnten eh nicht präzise anhalten. Dazu kommt, dass bei uns verschiedene Wagentypen mit nicht identischen Abständen der Türen verkehren. Ich persönlich stehe bei einfahrendem Zug und einer Menge Leute immer zurück, damit mich niemand schubsen kann.