Schlagzeilen, welche gestern in meinem Newsticker erschienen:
00:01 Uhr | Tagesspiegel
DEUTSCHLAND: Umsteigen und sparen
06:25 Uhr | Welt Online
DEUTSCHLAND: Hoher Spritpreis treibt neue Kunden zur Bahn
11:07 Uhr | Basler Zeitung
USA: Der hohe Ölpreis führt in den USA zu ÖV-Boom
14:32 Uhr | Frankfurter Allgemeine
DEUTSCHLAND: Wegen hoher Spritpreise: Autofahrer nehmen den Zug
15:11 Uhr | STERN
DEUTSCHLAND: Bahn meldet Boom
17:30 Uhr | ORF
ÖSTERREICH: Trend zur Schiene
18:55 Uhr | Die Presse.com
ÖSTERREICH: Autofahrer laufen in Scharen zur ÖBB über
20:12 Uhr | punkt.ch
SCHWEIZ: Ölpreis: Die SBB befördert massiv mehr Kunden
22:44 Uhr | Fuldaer Zeitung
DEUTSCHLAND: Deutsche lassen das Auto immer öfters stehen
23:25 Uhr | DERWESTEN
DEUTSCHLAND: Millionen Autofahrer steigen auf die Bahn um
Dass der hohe Spritpreis dem öffentlichen Verkehr (und nicht zuletzt auch der Umwelt) nützt, war natürlich schon lange klar. Dass aber bereits schon jetzt so viele Autofahrer auf den ÖV umsteigen, damit hätte ich nicht gerechnet.
Denn der Gipfel ist noch lange nicht erreicht. Fachleute gehen davon aus, dass der Preis in der Schweiz ohne weiteres bis zur 3-Franken-Grenze steigen kann. Eine Erhöhung von weiteren rund 50% steht uns also eventuell noch bevor. Wenn bereits jetzt so viele Menschen ihr Auto stehen lassen: Wie wird es dann erst aussehen, wenn der Liter 3 Franken kostet?
Für jene Leser, welche nicht die Zeit hatten, die oben stehenden Links alle durchzulesen, folgt hier eine kleine Zusammenfassung:
ÖSTERREICH:
“Der beste Platz für ein Auto ist der Parkplatz am Bahnhof”: Die ÖBB behauptet, bis zu 83 Prozent billiger zu sein als eine Autofahrt -- und verzeichnet satte Zuwächse der Fahrgastzahlen. Einige Linien transportierten im ersten Quartal 2008 bis zu 31% mehr Fahrgäste als im Vergleichsquartal 2007.
DEUTSCHLAND:
Zwischen Januar und April hat die DB im Nah- und Fernverkehr 20 Millionen Reisende mehr transportiert als in den entsprechenden Monaten im 2007. Vorallem die ICE-Verbindungen erfreuen sich einer stark wachsenden Beliebtheit. Weiter sagt der Sprecher, dass sich mit der Bahn bis zu 60% der Kosten gegenüber einem Auto sparen lassen.
Bahn-Vorstandsmitglied Karl- Friedrich Rausch sagte der Bild-Zeitung: “Immer mehr Autofahrer kaufen Tickets, statt zu tanken. Jetzt tun wir alles, um die Neukunden mit einer guten Leistung dauerhaft bei der Bahn zu halten.”
USA:
Im März 2008 sind die Amerikaner elf Milliarden Automeilen (17.7 Milliarden Kilometer) weniger als im Vorjahresmonat gefahren, teilt der Branchenverband der US-Verkehrsbetriebe, APTA, mit. Dies ist ein Minus von 4.3 Prozent. Gleichzeitig erleben die öffentlichen Verkehrsmittel in den USA die höchste Nachfrage seit 50 Jahren.
Die Verkehrsbetriebe fühlen sich vielerorts von der Entwicklung regelrecht überrollt. In Washington arbeitet das U-Bahn-Management an einem Notfallplan für den Fall, das der Benzinpreis auf mehr als fünf Dollar pro Gallone steigt.
SCHWEIZ:
Nicht nur Ölfirmen profitieren von den steigenden Benzinpreisen: Bei der SBB schnellen die Passagierzahlen in die Höhe. “Die Nachfrage der Reisenden hat seit Anfang Jahr markant zugenommen”, sagt Roland Binz, Sprecher der SBB. Und das, nachdem der Kundenzuwachs mit 7,6 Prozent bereits im letzten Jahr weit über den Erwartungen lag.
Interessant ist dabei auch eine nicht repräsentative Umfrage auf 20minuten.ch: Laut ihr nutzen 32 Prozent der befragten Personen wegen den hohen Spritpreisen öfters den öffentlichen Verkehr. Es steigen also immer mehr Leute auf den ÖV um.
Somit wird sich das Problem mit den teilweise gut besetzten Zügen in Zukunft noch verschärfen. (Bis ins Jahr 2030 rechnet man mit einer Zunahme der Fahrgastzahl von rund 50%.) Die SBB sucht bereits nach Lösungen.
Meiner Ansicht nach wird es schwierig sein, eine Lösung zu finden, welche allen Fahrgästen gefallen wird. Marktwirtschaftlich gesehen wäre es einfach: Bei begrenzten Gütern (und Sitzplätze sind begrenzte Güter) gilt theoretisch, dass der Preis steigt, je höher die Nachfrage ist. Dies wird zum Beispiel in der Reisebranche so angewandt, wenn der Preis in der Hochsaison höher ist als in der Nebensaison. Und auch beim Strom, der in unsere Wohnungen fliesst, gibt es einen Hoch- und Niedertarif. Ganz zu schweigen von den Flugtarifen.
Wie man den Medien vor einiger Zeit entnehmen konnte, würde Andreas Meyer liebend gerne auch bei der SBB variable Preise einführen. Dies könnte zum Beispiel heissen, dass beliebte Strecken teurer werden oder dass man zu gewissen Tageszeiten mehr bezahlt.
Noch ist unklar, wie genau man dies umsetzen möchte. Ausserdem bestehen gewisse Hemmungen, das bisherige beliebte Preissystem aufzugeben, bei welchem man mit jedem Ticket in jeden Zug einsteigen konnte; unabhängig von Tageszeit und Art des Zuges (Regio, ICN, IR, etc.)
Meine Meinung zu der Sache ist folgende: Es wird eventuell nicht mehr lange dauern, bis in einigen Zügen und zu bestimmten Zeiten die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt. Preiserhöhungen sind spätestens dann unumgänglich. Doch sollte darauf geachtet werden, dass das zukünftige Preissystem nicht kompliziert wird und von den Fahrgästen leicht verstanden wird. Parallel dazu muss die SBB das Eisenbahnnetz ausbauen und die Züge verlängern. Dies tut sie bereits seit einiger Zeit, doch es geht nicht ohne die Unterstützung der Politik und des Stimmvolkes. (Wie diesem Bericht in der NZZ zu entnehmen ist, investiert die SBB in den nächsten 20 Jahren alleine 18 Milliarden Franken nur für den Kauf von neuen Zügen. Dies entspricht Ausgaben von fast einer Milliarde Franken pro Jahr oder über 2.7 Millionen pro Tag.)
Selbstverständlich sollten die Preise wieder sinken, sobald sich die Sitzplatzproblematik entschärft hat.
Ich bin gespannt, wie die SBB diese Herausforderung zusammen mit der Politik meistern wird.


{ 4 Kommentare… lies sie gleich hier unten oder schreibe einen }
Die ÖV werden schon bald überlastet sein. Kein Wunder, die auto-gläubige Mehrheit der Bürger (sei es in den USA oder hier) haben auch nach der Energiekrise 1974 wenig unternommen, um sich von der Erdöl-Abhängigkeit zu befreien. Noch sehe ich überall SUV (schwere Geländewagen) in den Städten herumkreuzen. Auch werden immer noch Lebensmittel per Lastwagen über hunderte Kilometer in der EU herumgekarrt, bloss, um im Ausland veredelt zu werden. Solange dies noch weiter so geht, soll mir niemand wegen des Ölpreises jammern.
Die Amerikaner haben in den 60-er Jahren ihren Bahnpersonenverkehr kaputt gemacht. Nun kommt der Katzenjammer.
naja, ich bin dagegen, das es unterschiedliche Preise gibtr. Alles was das Bahnfahren verkompliziret, schadet dem System. Bahnfahren muss so einfach sein, wie tanken! Ich werde meine Idee náechstens auf dem Blog veroeffentlichen.
Dann bin ich mal gespannt auf Deine Idee. Falls ich Deinen Blog-Artikel übersehen sollte, darfst Du mir auch gerne den Link dazu senden. Vielleicht passt er ja in meinen Wochenrückblick… ;)
Kannst du, am 4. Juni um 6.00 Uhr wirds veroeffentlicht.
Permalink: http://www.bloggerin.com/archiv/tarifverbund-schweiz