Der Rheinfall in der Nähe Schaffhausens (genauer: zwischen Neuhausen am Rheinfall und Laufen-Uhwiesen) ist der grösste Wasserfall Europas und schon seit vielen Jahren ein Touristenmagnet.

Es gibt zwar noch Wasserfälle, welche höher oder breiter sind, doch mit einer durchschnittlichen Wassermenge von 373 Kubikmetern (ca. 2,487 Badewannen) pro Sekunde ist der Rheinfall der grösste von allen.

Die Menschen wollten den Rheinfall schon immer wirtschaftlich nutzen. 1887 stellte das Eisenbergwerk Laufen einen Antrag, um 20-50% des Wassers für die Energiegewinnung abzuzweigen. 26 Jahre später, im 1913, wurde ein internationaler Wettbewerb zur Planung eines Schifffahrtswegs von Basel bis zum Bodensee ausgeschrieben und 1919 wollten die Nordschweizerischen Kraftwerke ein Rheinfall-Kraftwerk errichten. Diese Bewilligung erhielten sie dann 1944, der Baubeginn war auf 1952 geplant. Wegen einer Petition kam es dann jedoch nie zum Bau des Kraftwerks und zur Schiffbarmachung des Rheins zwischen Basel und Bodensee.

Danach wurde der Fokus auf den Tourismus gelegt, und der Rheinfall wurde rege besucht. Doch trotz gut ausgebauten Wegen und Aussichtsplattformen: Die Besucherzahlen gehen inzwischen zurück. In den letzten 30 Jahren reduzierte sich die Zahl der Besucher um rund 30%.

Dem will der Kanton Zürich (am Südufer) nicht mehr länger zuschauen. Er investiert viel Geld in den Ausbau und will den Besuch des Rheinfalls zu einem Erlebnis machen.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird unter anderem das Schloss Laufen saniert, das Besucherzentrum modernisiert und ein Lift mit gläsernen Kabinen installiert. Ein Spielplatz wird erstellt und die Wege sollen rollstuhlgängig werden.

Für das gesamte Projekt will der bevölkerungsreichste Schweizer Kanton über 12 Millionen Franken investieren. Damit will man die durchschnittliche Besuchszeit erhöhen. Weg vom kurzzeitigen Husch-Husch-Erlebnis, hin zum zeitintensiveren Bildungs-Rundgang. Die Besucher sollen länger verweilen, und somit auch mehr Geld ausgeben.

Wird das neue Konzpt besser funktionieren? Ich denke schon. Bestimmt wird es nicht allen gefallen, doch meiner Meinung nach muss man in der heutigen Zeit einfach mehr bieten als “nur” den Rheinfall himself, ein paar Boote, einen Weg den Felsen hinauf und ein paar Souvenir-Shops und Restaurants. Bei solchen Natur-Attraktionen muss auch das Rahmenprogramm stimmen, damit die Besucher kommen und verweilen. Touristen werden nicht anspruchsloser, im Gegenteil. Um mit anderen touristischen Angeboten in der Schweiz mithalten zu können, muss der Rheinfall aufrüsten.

Um die Rentabilität zu erhöhen, werden in Zukunft alle dem Kanton Zürich gehörenden Rheinfall-Liegenschaften von einer einzigen Betreibergesellschaft verwaltet. Ausnahme bildet einzig die Jugendherberge, welche wie bis anhin weitergeführt wird. Ausserdem wird der Eintritt auf fünf Franken erhöht. Bisher waren die Parkplätze teilweise gratis und der Zugang zum Schloss laufen kostet im Moment noch einen Franken.

Persönlich begrüsse ich den Ausbau des Angebots am Rheinfall und habe auch nichts gegen die erhöhten Eintrittspreise einzuwenden. Fünf Franken sind nicht zuviel verlangt für das “Erlebnis Rheinfall”, so wie es geplant ist.

Der Rheinfall hat in den Augen vieler junger Menschen ein eher angestaubtes Image; schön, wenn nun etwas dagegen unternommen wird.

Mit dem Ausbau bewegt sich der Rheinfall weg von einer Attraktion, die man auf der Durchreise mal kurz anschaut oder “wenn man gerade mal in der Gegend ist”, hin zu einem Tourismus-Ziel, welches für einen Tagesausflug geeignet ist.

Auf dem Holzsteg, welcher geplant ist, sollen verschiedene Installationen die Besucher zum innehalten und aktiv werden bewegen. So fangen unterschiedlich lange Hörrohre die verschiedenen Frequenzen des Rheinfall-Rauschens ein. Das Hörspiel wird ergänzt durch Horchposten und ein Wasser-Xylophon.

Ausserdem wird im Schloss Laufen ein Museum zur Geschichte des Schlosses und des Rheinfalls eingerichtet.

Bereits im nächsten Jahr wird der Ausbau grösstenteils realisiert sein. Einzig auf den Glaslift muss man sich noch gedulden; dieser wird erst im 2010 in Betrieb sein.

Ich hoffe, dass auch die offizielle Rheinfall-Internetpräsenz (www.rheinfall.ch) bei Gelegenheit einmal auf den neusten Stand der Dinge gebracht wird. Ist ja scheusslich, das Ding! Zuviel Google-Werbung, keine klare Linie beim Design, zu wenig übersichtlich und die Navigation ist der Horror. Das muss besser werden.

Live-Bild vom Rheinfall: