Mystery Park heisst neu “Two Lake City”
Von 2003 bis 2006 stand in Interlaken der von Erich von Däniken initiierte Mystery Park. In diesem Park konnte man sich in sieben Themenpavillons Gedanken darüber machen, wie es früheren Völkern möglich war, so gigantische Bauwerke wie die Pyramiden in Ägypten zu bauen, flugfähige Objekte zu designen, Kalender zu erstellen und das Sonnensystem zu kennen. Multimediale Inszenierungen versuchten, den Besucher mit diesen Fragen zu konfrontieren und zum Nachdenken zu bewegen.
Weitere Attraktionen waren kleine Flugzeug- und U-Boot-Simulatoren, das nachgestellte Panorama von der Spitze der Cheops-Pyramide, das Goldwasch-Eldorada, die grösste Meteoritenausstellung der Schweiz, ein kleiner Zoo sowie das High Definition Cinema mit Boden- und Frontprojektion.
Ich selbst gehörte zu jenen Menschen, welche den Park mehr als einmal besuchten. Trotzdem war ich immer der Meinung, dass der Mystery Park mehr bieten muss, um vermehrt wiederkehrende Besucher anzuziehen. Dies schrieb ich während meiner kaufmännischen Ausbildung auch in einer sogenannten “Selbständigen Vertiefungsarbeit (SVA)” über die Zukunft des Mystery Parks. Ich war der Meinung, der Park müsse sich mehr hin zu einem Treffpunkt entwickeln und mehr unterhalten, statt nur zu belehren oder Fragen zu stellen. Der Park bot wenig Emotionen, wenig Adrenalin und die Thematik war wohl nicht mehrheitsfähig.
Da es den Verantwortlichen nicht gelang, genügend Besucher anzuziehen, geriet der Park in finanzielle Probleme und wurde schliesslich am 19. November 2006 definitiv geschlossen, was ich sehr schade fand.
Rund ein Jahr später wurde der Park für 14.07 Millionen Franken an Stefan Linder und Peter Stähli, beziehungsweise deren Firma New Inspiration AG verkauft. Ausserdem sind die Casino Kursaal Interlaken AG und die GBU Generalbau-Unternehmung AG am Kauf beteiligt. Linder und Stähli sind die Gründer des Swiss Economic Forum in Thun.

Damals wussten sie noch nicht genau, wie denn nun die Nutzung für das rund 10,000 Quadratmeter grosse Areal aussehen wird. Eines war jedoch gleich von Anfang an klar: Es muss eine starke Verbindung bestehen zwischen dem Park und dem Berner Oberland, beziehungsweise der Schweiz. In einer Medienkonferenz im Hotel Allegro in Bern sagte Stefan Linder: “Die Region ist einmalig und hat auf eingem Raum eine Fülle von grossartigen Angeboten.”
Inzwischen ist klar: Aus dem ehemaligen Mystery Park wird Two Lake City (offizielle Abkürzung: 2LC). Die entsprechenden Domains www.twolakecity.ch /.com /.net und andere Endungen hat Stefan Linder unter seinem Namen (unter unter der Firmenbezeichnung Pi-Events AG) bereits Mitte Dezember 2007 registriert. Noch sind darauf jedoch keine Inhalte zu sehen.

Two Lake City soll im 2009 eröffnet werden und hauptsächlich als Ausgeh-Mekka, Business Center und eigentlicher Freizeit- und Erlebnispark sein Geld verdienen. Dabei wird, wie ich Linder schon zitiert habe, die Swissness in den Vordergrund gestellt. Die berühmte silbrig glänzende Kugel - das Wahrzeichen des Parks - soll eine rote Kappe erhalten und mit Schweizerkreuzen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die beiden Initianten: “Wir wollen Schweizer Klischees emotionalisieren.” Der Park wird so gestaltet sein, dass einzelne Elemente von Zeit zu Zeit erneuert oder ersetzt werden können, um den Besuchern immer wieder neue Attraktionen bieten zu können. Damit soll der Anteil der Zweitbesucher (gegenüber dem Mystery Park) von 4 auf 25 Prozent erhöht werden.
Zu den Attraktionen zählt zum Beispiel eine Eigernordwand-Simulation. Dabei werden zwei Schlüsselstellen (”Hinterstoisserquergang / Götterquergang” und “Weisse Spinne”) 1:1 nachgebaut und mit Wind, Nebel und einem virtuellen Blick in die Tiefe kann sich jeder wie ein Profi-Bergsteiger fühlen. Dazu die Initianten: “Die Besucher werden an die Finger frieren, sie werden Steinschlag erleben, und der Wind wird ihnen um die Ohren pfeifen.” Natürlich darf dann auch das von anderen Freizeitparks bekannte Erinnerungsfoto nicht fehlen und auch T-Shirts mit dem Aufdruck “I’ve done it!” gibt es in den Shops zu kaufen.
Eine weitere Attraktion ist ein Tiefflug vor einer IMAX-Leinwand übers Jungfraujoch. In jenem Pavillon, in welchem zu früheren Zeiten ein Flug über die Wüste von Nazca simuliert wurde, fliegen neu bis zu 60 Personen gleichzeitig über das Berner Oberland. Dabei sitzen sie auf hydraulischen Sesseln und haben vor und unter sich eine Leinwand mit dem Jungfrau-Panorama. Natürlich werden auch Fahrtwind und andere spezielle Effekte wie zum Beispiel Gerüche nicht fehlen. Im Jahr 2010 soll auch ein Flug über das Wallis möglich sein und danach kommt die Westschweiz zum Zuge. Meine Hoffnung ist natürlich, dass auch die Ostschweiz, und am besten gleich das Bündnerland, ebenfalls in der Two Lake City verwirklicht wird. Übrigens: Einen vergleichbaren Simulator findet man in ganz Europa nicht mehr. In den USA jedoch gibt es bereits einige solcher Anlagen.

Interessant auch, was im 360-Grad-Rundpavillon verwirklicht werden soll: Ein Tag im Zeitraffer von zweieinhalb Minuten in der Region Aletsch-Jungfrau; inklusive Blumenduft und Kuhglockengebimmel. Schweiz pur!
Sowieso wird in der 2LC das Thema “Aktivität” gross geschrieben: Die Männer vergnügen sich beim Holz sägen oder Baggern, die Kinder auf der Racing-Bahn und die Grossis deponiert man in der Bio-Showbäckerei, wo man sie wieder abholt, wenn man den Park gesehen hat… Nein, so ist das natürlich nicht; selbstverständlich dürfen sich auch die Grosseltern an der Eigernordwand versuchen, wenn sie möchten. Und auch die anderen Attraktionen stehen ihnen offen. :)
Für die Jugendlichen und Junggebliebenen aus der Region, sowie für die Touristen, wird auch eine Grossdisco mit rund 1,200 Quadratmetern Fläche erstellt. Diese Discothek wird imho ein grosser Anziehungspunkt für den Park sein und dafür sorgen, dass die Two Lake City nicht nur während dem Tag gut läuft.
Weitere Attraktionen sind ein HD-Kino, ein Nachtlokal, eine Messehalle und diverse Restaurants. Ausserdem wird noch eine grosse, stützenfreie Multifunktionshalle mit Platz für 3,000 Personen gebaut, die in der Schweiz einzigartig sein wird. Und auch zwei Hotelkomplexe mit total 200 Zimmern sind geplant.
Noch suchen die Initianten Investoren, welche die hierfür benötigten 20 Millionen Franken (ohne Kosten für die beiden Hotels) bereit stellen. Schade, dass die Verantwortlichen nur nach Investoren mit finanziellen Mitteln von CHF 1 Mio und mehr suchen. Nur zu gerne wäre ich mit von der Partie gewesen, da ich an eine Zukunft dieses Konzepts glaube und mir sicher bin, dass die Rentabilitätsschwelle von jährlich 200,000 Besuchern mittelfristig erreicht und auch bald deutlich übertroffen wird. Beim damaligen Mystery Park war es ja auch für “kleine Leute” möglich, Anteile zu erwerben. Dies tat ich damals nicht, weil ich mir die Zukunft des Parks unsicher vorstellte. Nun sucht die 2LC nach 15-20 Investoren, welche mit einer Million einsteigen, oder 4 Investoren, welche mit 3-4 Millionen dabei sind oder einem Hauptaktionär.
Die beiden Gründer haben in der Analysephase diverse Freizeit- und Wissenschaftsparks in Europa, Südafrika und den USA studiert und teilweise auch selbst besucht und sind sich sicher, mit dieser Vorbereitung genau zu wissen, was die Besucher in der heutigen Zeit von einem Erlebnispark erwarten.
Die Preise für einen Eintritt in die von 10:00 bis 24:00 Uhr offene Two Lake City belaufen sich an der Tageskasse für Erwachsene auf CHF 36.- und für Kinder auf CHF 29.-. Meiner Meinung nach ist der Preis minim zu hoch angesetzt, der Europa-Park kostet zum Vergleich rund CHF 50.- für einen Tag, bietet jedoch deutlich mehr. Die Zukunft wird zeigen, ob der Preis sich rechtfertigt. Es kann davon ausgegangen werden, dass Eintrittstickets, welche an einem Bahnschalter zusammen mit dem Bahnbillett gekauft werden (RailAway) günstiger sind als die CHF 36.- / 29.-. Ein Teil des Parks ist ausserdem kostenlos zugänglich; dazu gehört zum Beispiel der Ausgehbereich mit Restaurants, Kino und Disco. Die Initianten gehen davon aus, dass 78% der Besucher aus der Schweiz kommen werden und 22% aus dem Ausland.

Mit Sicherheit werde ich einer der ersten 2LC-Besucher sein und euch dann hier auf schweizweit.net von meinem Eindruck berichten. In rund einem Jahr wird es voraussichtlich so weit sein.
Was mich besonders freut: Die Two Lake City wird der weltweit erste “CO2-neutrale” Freizeitpark sein. Geheizt wird dank einer Holzschnitzelanlage und der Strom wird durch Wasserkraft produziert. Das CO2, welches von Auto fahrenden Besuchern erzeugt wird, will die 2LC durch Parkgebühren kompensieren, indem sie die Parkeinnahmen in entsprechende CO2-Kompensationsprojekte steckt. Und natürlich wird die Two Lake City eng mit RailAway zusammenarbeiten, damit möglichst viele Besucher mit dem Öffentlichen Verkehr anreisen.
Wie gesagt, ich bin überzeugt von diesem Projekt und glaube daran, dass die Two Lake City profitabel sein wird. Wie seht ihr das? Werdet ihr den Park besuchen? Glaubt ihr an eine Zukunft dieser Idee?

Michael am 09.05.2008 um 17:26
Lange musste man warten… Endlich gibts Neuigkeiten - gute Neuigkeiten! Auch in meinen Augen macht dieses Konzept Sinn. Und der IMAX-Simulator ist natürlich eine ganz hübsche Sache! Absolut top!
Andreas Hobi | schweizweit.net am 09.05.2008 um 17:57
Ich hoffe einfach, sie bringen das Geld zusammen und finden genügend Investoren. Denn die Investorensuche ist der einzige Punkt, an dem das Projekt noch scheitern könnte.
Switzerland’s Chichen Itza to Be Demolished - American Egypt - All About Chichen Itza and Mexico’s Maya Yucatan am 18.05.2008 um 19:34
[...] excellent, and very complete article about the new “Two Lake City” can be found HERE. (WARNING: German [...]