SBB-Speisewagen: Keine Billettkontrolle, weil Kunde am Essen ist
Uncategorized April 28th. 2008, 09:11
Manche Fahrgäste werde ich nie verstehen. Zu diesen gehört auch jener Kunde, den ich vor kurzem im Speisewagen antraff. Er sass zusammen mit seiner Begleiterin (Freundin? Ehefrau? Zufallsbekanntschaft?) an einem Zweiertisch im ICN und dinierte. Seine Begleitung zeigte mir sofort ihr GA, während er mich nur schräg anschaute.“Grüezi wohl und än Guäte. Darf ich Ihr Billett auch noch rasch sehen?”, begrüsste ich ihn. “Entschuldigen Sie, sehen Sie nicht, dass ich am Essen bin?”, meinte er nur. “Doch, doch; deswegen habe ich Ihnen ja auch einen guten Appetit gewünscht. Nun müsste ich noch rasch Ihr Billett sehen und dann können Sie ungestört weiteressen.”
“Kommen Sie bitte später wieder.”
Ich dachte, ich habe mich verhört. “Entschuldigung, ich habe noch andere Wagen zu kontrollieren und kann nicht ständig zwischen den einzelnen Wagen hin- und herspringen. So leid es mir tut, Sie müssen Ihr Billett jetzt vorweisen.”
Nach einem weiteren bösen Blick fing er an zu suchen. Er suchte. Und suchte. Und suchte auch nach drei Minuten immer noch. Dann warf er mir wieder einen Blick zu. “Ich habe Zeit.” , sagte ich gelassen. “Aber Ihr Essen wird langsam kalt , vielleicht sollten Sie sich beeilen.”
Nach weiteren geschätzten zwei Minuten fand er dann sein GA endlich und warf es wütend auf den Tisch. (Ehrlich gesagt hätte ich nicht mehr damit gerechnet, dass noch ein Fahrausweis zum Vorschein kommt.)
Ich sagte: “Vielleicht wäre es besser sie würden…” - “Ich brauche keine Ratschläge!!!”, erwiderte er. “…sie würden das GA beim nächsten Mal bereit legen, bevor Sie mit dem Essen beginnen oder bevor Sie bestellen. Dann wird Ihr Essen auch nicht kalt nur weil Sie das GA nicht finden.”
“Machen Sie endlich, dass Sie fortkommen!”, meinte er nur.
Da ich dem nichts mehr beizufügen hatte, tat ich das nun auch. :)
Keine Ahnung, was diesen Herrn geritten hat. Vielleicht ist er einfach nur mit dem falschen Bein aufgestanden. Vielleicht hat er seinen Job verloren. Oder vielleicht hat ihn seine Ehefrau verlassen…
Wobei; bei letzterem würde ich mich nicht wundern, so wie der sich aufführte würde ich ihn auch verlassen… ;o)
© Foto SBB
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April 28th, 2008 at 11:11
lustige geschichte. vor allem finde ich es gut, das du hartnäckig geblieben bist, du machst ja nur deinen job und du wolltest ihm noch einen guten tipp geben.
April 28th, 2008 at 12:09
Unglaublich, einfach unglaublich, was manche Leute meinen, wer sie sind. Ich weiss, es ist wahrscheinlich nur ein Cliché, aber wenn ich mal durch einen 1. Klass-Wagen laufen muss (weil es nun mal nicht anders geht), schauen mich die Leute auch so abweisend an; auch wenn ich mir den Luxus eines 1.Klassenzuschlages leiste, kommen teilweise komische Blicke… (wahrscheinlich aufgrund meines Alters)
@Andi: Hatte der Herr evtl. ein 1. Klasse GA ;)
Auf jeden Fall schlagfertig wie immer!
April 29th, 2008 at 11:03
ohne den fall jetzt zu kennen, aber ich schätze der herr war so gegen ende dreissig bis mitte vierzig… und wenn dann noch eine frau dabei ist, kommt es öfters vor, dass er sich vor der dame profilieren müssen (denken sie)… aber liebe herren, ihr seid nur peinlich mit so einem auftritt… und da hab ich echt lieber besoffene partygänger am samstag morgen, denen kann mans wenigstens verzeihen…
April 29th, 2008 at 14:38
Ich werde mir Deinen Kommentar merken, für die Zeit, in der ich dann auch gegen Ende dreissig bis Mitte vierzig bin… Nicht, dass ich mich dann auch so peinlich verhalte…! ;o)
July 11th, 2008 at 10:57
jaja, die lieben GA-Kunden. Haben das Gefühl, sie seien die, welche der SBB das Überleben finanzieren. So nach dem Motto: “ohne uns wäre die SBB bankrott”.
Speziell die Familien-GAs haben es mir angetan. Da gibt es solche, die bringen alle erforderlichen Belege (Familienbüchlein, Kaufquittungen oder Fotokopie des Basis-GAs, evtl. Wohnsitzbescheinigung bei Junioren zwischen 16 - 25 Jahren) und andere knallen einem ein GA hin und haben nix dabei. Denen darf man dann erklären, was alles mitzubringen gewesen wäre. Beim Einwand: “logisch wohnt unsere 19-jährige Tochter noch daheim”, werfe ich immer ein, dass meine Tochter mit knapp 18 wegen der Lehre in im weit entfernten Engadin ausziehen musste. Also….?
Und das Argument von wegen seit letztem Jahr habe sich nichts an den Familienverhältnissen geändert, zieht bei mir eh nicht. Und dann gibts noch solche, denen sind die Fr.20.00 für die Wohnsitzbescheinigung der Gemeinde noch zu viel, obwohl sie für ihre Kinder für das GA grad mal Fr. 600.- bzw 800.- bezahlen müssen. Ich begreife die Leute manchmal wirklich nicht!