Wegen Schulden: Keine Kondukteur-Karriere
St. Gallen April 16th. 2008, 09:11(Quelle: Beobachter)

Folgende Geschichte habe ich dem “Beobachter” entnommen:
René Garbin hat sich bei der SBB als Kondukteur (beziehungsweise neu: Reisezugbegleiter) beworben. Die Aufnahmeprüfung hat er nach eigenen Angaben mit Bravour bestanden. Am Vorstellungsgespräch habe er überzeugt. Nach einem Probetag sei die SBB so zufrieden gewesen, dass sie ihn zum Gesundheitscheck aufbot. Auch diese Hürde übersteht er schadlos.
Über solche Mitarbeiter freut sich die SBB natürlich. Und auch wir freuen uns über solche Arbeitskollegen.
Doch dann kam alles anders. Garbin musste den Betreibungsregisterauszug einreichen. Dort hat er Einträge in der Höhe von CHF 25,000. Für die SBB sind Schulden in dieser Höhe inakzeptabel. Sie stellt ihn nicht ein.
Garbin kann das Vorgehen der SBB nicht verstehen; er habe noch nie einen Betreibungsregisterauszug einreichen müssen, nicht einmal bei Banken und Versicherungen.
Für mich jedoch macht die Vorgehensweise der SBB Sinn. Als Kondukteur setzt man monatlich rund CHF 5,000 um und man findet regelmässig liegen gebliebene Wertsachen in den Zügen. Da gibt es vielleicht Menschen, welche der Versuchung nicht widerstehen können und den Inhalt der gefundenen Portemonnaies oder andere Wertsachen einstecken, anstatt sie im Fundbüro abzugeben.
Vermutlich denkt sich die SBB: “Wer Schulden in der Höhe von CHF 25,000 hat, kann nicht mit Geld umgehen und ist demnach ungeeignet für diesen Job.” Oder wie SBB-Sprecher Roland Binz in der Zeitschrift “Beobachter” sagt: “Betreibungsregisterauszüge helfen bei der Einschätzung von Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit.”
Sehe ich genau so. Es freut mich aber natürlich, dass René Garbin kurz darauf bei einer Versicherung eine Stelle gefunden und somit die Möglichkeit hat, seine doch recht hohen Schulden abzubauen. Vielleicht klappt es zu einem späteren Zeitpunkt mit seinem Traumjob bei der Bahn.
Bild © pixelio.de
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April 16th, 2008 at 09:33
Sehe das auch so. Wenn man selber eine “Kasse” anvertraut bekommt, muss man sich schon mit einer solchen Abklärung rechnen. Ich würde ihn auch nicht Anstellen.
Es gab auch in der Vergangenheit hie und da Zugbegleiter, die in dieser Beziehung der Versuchung nicht widerstehen konnten und ihren Job verloren.
Gumbo
April 16th, 2008 at 10:42
Naja, aber es ist ein Vorurteil, das jemand, der eine Betreibung hat, automatisch Klaut. Genau so warscheinlich ist es, das jemand, der keine Betreibungen hat, klaut. Ich finde es schändlich, wie die SBB hier vorgegangen ist. Ich mein, es gibt immer (sic!) ein Risiko. Und, wer Menschen auf grund von Taten aus der Vergangenheit verurteilt, sollte sich fragen, ob er eigentlich des Lebens würdig ist. Und hier sag ich: KEIN MENSCH IST DAS!
April 16th, 2008 at 12:29
Da wurde mal wieder Pauschalisiert!
es ist nicht erwiesen, dass wer schulden hat auch klaut!
oder fändest du es gut, wenn man Dir Lieber Andreas vor der einstellung dein Leben durchleutet deine wohnung besichtig, und wenn man da was findet ( z.B. Dein Sturmgewehr dass du ja als Militärdiensttauglicher zu hause haben musst)sagt wir stellen sie nicht ein sie könnten ja zum Mörder werden??
Meines erachtens sollten die beruflich relevanten Fähigkeiten gewichtet werden wie Kundenorientiertheit Basiswissen, Sprachen!
und da hat die SBB ja noch einiges zu bewerkstelligen..wundere mich oft wie gewisse Kontroleure(Kondukteure oder Reisezugsbegleiter) so arbeiten, teilweise frage ich mich auch..nach welchen kritereien wurde denn der schon wieder eingestellt Kann kaum Deutsch und weiss praktisch nicht s von der SBB und schludrig angezogen ist er auch noch!
Du gehörst ja sicher nicht zu denen du machst gute arbeit..das asistiere ich dir..aber bedenke mal das es auch die anderen gibt!
Und Richtlinien wie und wer man einstellt, wird häufig nicht nach den richtlinien vorgenommen sondern nach menschlichen einschätzungen(der ist mir symphatisch, dem seine nase gefällt mir nicht usw.)
Das ist meine Private Meinung die ich damit kundgetan habe!!
Herzliche Grüsse
(auch) Andreas
April 16th, 2008 at 12:52
Aus “Stadt Basel - Betreibungsregister”
“Das Betreibungsregister gibt Auskunft über die laufenden und abgeschlossenen Betreibungen gegen eine bestimmte Person. Ob die betriebene Forderung tatsächlich besteht, ist dem Betreibungsregister nicht zu entnehmen. *Eine Betreibungsauskunft ist keine Auskunft über die Kreditwürdigkeit einer Person.* ”
Der letzte Satz ist im Original fett gedruckt und sollte völlig ausreichen, um das Vorgehen der SBB in das Licht zu rücken, in das es gehört….
April 16th, 2008 at 13:06
Natürlich ist es nicht erwiesen, dass jemand, der Schulden hat, auch klaut. Aber ich denke, man kann schon sagen, dass jemand ohne Schulden besser mit Geld umgehen kann, als jemand mit mehreren Tausend Franken Schulden.
Die SBB will halt einfach kein Risiko eingehen. Nicht auszudenken, was geschehen könnte (bzw wie die Medien reagieren würden) falls ein Kondukteur einem Kunden das Portemonnaie stehlen würde oder ähnliches.
Mir persönlich ist es ehrlich gesagt auch lieber, die SBB stellt ihre Mitarbeiter nach solchen Kriterien ein (sprich: objektiv messbar) als nach Sympathiepunkten und Bauchgefühl.
Aber wie “Honigbaerli” richtig gesagt hat: Man kann auch mit dem besten Einstellungsverfahren nie ausschliessen, dass Menschen eingestellt werden, die sich danach nicht richtig verhalten oder einen schlechten Blick aufs Unternehmen werfen.
April 16th, 2008 at 13:21
Dazu kann man nur sagen Der Mensch ist nicht “messbar”
und was “objektiv” ist müsste man dann noch festlegen!
Vielleicht komme ich ja mal in den genuss mir “objektiv” vom Kondukteur Andreas Hobi ein bild zu machen..aber das geht nur live!
April 16th, 2008 at 13:23
Ich finde auch, dein Artikel (oder auch die SBB) pauschalisiert hier ein wenig. Abgesehen davon, dass - wie lilalo schreibt - der Auszug nicht zeigt, ob die Forderung nun tatsächlich besteht und ob die Person kreditwürdig ist, ist es auch ohne Weiteres möglich, dass die Schulden nicht direkt vom Betriebenen verschuldet wurden. Ich nehme nur als Beispiel, wenn ein Kind im Haushalt auf Sexnummern anruft, der Vater Rechnungen in Höhe mehrerer tausend Franken erhält und die Gesellschaft nicht kulant ist. Wenn man nicht gerade das Geld auf der Seite hat, ist man schnell in den Schulden, ohne dass man deswegen nicht mit Geld umgehen könnte…
Nur so meine Gedanken dazu ;)
April 16th, 2008 at 13:27
ich denke, man hätte fragen können (ich weiss, geht eigentlich niemanden was an) aber vielleicht sind die schulden ja aus einer notsituation entstanden, oder bereits abbezahlt…
vielleicht wollte man sich auch absichern, weil man im zug meistens alleine arbeitet… und schliesslich lernt man aus erfahrungen… aber da gäbe es noch ganz andere, die man mal genauer unter die lupe nehmen müsste…
April 16th, 2008 at 14:10
Wenn er sich als Putze bei der Bank beworben hat vielleicht. Aber sonst muss man da auch den Strafregisterauszug und einen Betreibungsauszug vorweisen. Mit diesem Satz sinkt die Glaubwürdigkeit dieser Person bei mir noch weiter…
April 16th, 2008 at 14:27
Wir kennen ja nur die Geschichte, wie sie vom Betroffenen selbst erzählt wurde. Ich will mal nicht ausschliessen, dass die SBB ihn auf die Schulden angesprochen hat und ihn fragte, wie sie entstanden sind.
Die SBB habe ich als Unternehmen kennengelernt, welches seinen Mitarbeitern durchaus auch mal entgegenkommt. Ich kenne zum Beispiel einen Mitarbeiter, der aus diversen Gründen in eine finanzielle Schieflage geriet und deshalb kurz vor Monats-Mitte den halben Monatslohn ausbezahlt erhielt.
Dies wäre nicht in jedem Unternehmen möglich.
Vermutlich ist es nicht so, dass die SBB einen Menschen, der bei den Einstufungstests so gut abgeschnitten hat, “nur” wegen dem Betreibungsregisterauszug nicht einstellt. Ich will nicht ausschliessen, dass hinter den Kulissen noch mehr lief.
Vielleicht hat man ihm auch einen anderen Job angeboten, bei welchem er keinen direkten Zugang zu Geld hat und den er dann aber abgelehnt hat. Wer weiss.
April 16th, 2008 at 16:08
Ich sags mal so, Hobi, jeder kann jeden in der Schweiz betreiben, auch ohne, das es dafür einen Grund oder gar einen Anlass gibt. Ich könnte morgen auf das für dich zuständige Betreibungsamt gehen, und dich um 100.000 Franken betreiben. Du kannst dann zwar Rechtsvorschlag machen, aber die Betreibung hättest du dann mal für wenigstens 3 Jahre in deinem Betreibungsauszug! Und dann mal viel glück auf Jobsuche oder Wohnungssuche! Ich finde, der Betreibungsauszug ist genau so objektiv, wie mein Blog!
April 16th, 2008 at 16:46
Wie gesagt: Wären die Betreibungen unrechtmässig erhoben worden, denn hätte René Garbin das im Gespräch mit Sicherheit erwähnt und die SBB wäre der Sache nachgegangen.
Da die SBB ihn trotz sehr guten Test-Ergebnissen nicht einstellte, gehe ich davon aus, dass “mehr im Busch ist”, als er im Artikel zugeben wollte.
April 16th, 2008 at 18:40
Vorab einmal die Frage ob denn die SBB mit Geld haushalten kann und keine Schulden? Dieses unsoziale Vorgehen der SBB trägt dazu bei, Menschen auszugrenzen und vorzuverurteilen. Auch Otto Ineichen legte als Metzger einen Konkurs hin, bis er mit Ottos Warenposten im zweiten Anlauf wieder auf die Beine kam und heute im NR sitzt. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.
Es mag eher die Angst der SBB sein, in die Drittschuldnerfalle zu rauschen. Hier gehörten einfach die entsprechenden Gesetze geändert und angepasst. Das zweite hat ja Sandra - Lia erwähnt.
Trotz blütenweissen Leistungsausweis hat schon mancher Topmanager höhere Schulden hinterlassen und ist am nächsten Tag wieder woamders eingestellt worden ohne an Ansehen zu verlieren.
Zusammenfassend nur Vorurteile, die durch nichts bewiesen sind.Offenbar gehört es heute zum guten Ton einerseits immer mehr Leistungen zu verweigern (Gesundheitsbereich usw.) um dann die Leute im Regen stehen zu lassen. Fairplay bleibt dabei auf der Strecke. Nichts für ungut. Peter
April 16th, 2008 at 19:58
Das stimmt natürlich. Und dagegen sollte man unbedingt einmal etwas unternehmen!
April 16th, 2008 at 22:52
Mich würde die Antwort auf eine Frage sehr interessieren: (Richtet sich an alle Kommentatoren / -innen)
Angenommen, Du bist Personalchef einer grossen Firma. Du hast 1 Stelle zu vergeben und nach Abschluss aller Einstufungstests und medizinischer Untersuchungen bleiben noch zwei Personen übrig, welche sich um diese eine Stelle bewerben.
Beide Personen haben genau die gleichen Ergebnisse in den Tests und beide Personen eignen sich genau gleich gut für den Job.
-> Ein Bewerber hat keine Betreibungen.
-> Ein Bewerber hat Betreibungen in der Höhe von CHF 25,000.-
Wem gibst Du den Job?
Ich denke, genau dies ist bei der SBB geschehen. Niemand hat gesagt, René Garbin könne nicht mit Geld umgehen. Aber es gab einen (oder mehrere Bewerber), welche anscheinend keine Betreibungen offen haben und somit einen solideren Eindruck machten.
April 16th, 2008 at 23:18
Andreas - ich würde den mit Betreibungen nehmen. Denn ein Unternehmen welches mit überwiegend Steuergeldern wirtschaftet hat auch eine soziale Verpflichtung. Mehr als ein privates Unternehmen.
Um die Diskussion ans Ende zu bringen. Zwei gleichwertige (? ) Bewerber . Einer ohne Kinder, der andere mit drei Kindern, davon ein Baby. Wie wird er dies bei seiner Arbeit verkraften wenn er seines Schlafes beraubt wird. Abgesehen ist die Schuldengefahr beim Familienvater grösser (Kindergarten, Schule, Ausbildung, Trendkleidung usw. Die Katze beisst sich in den Schwanz. Ich bin siche rkein Träumer - kenne sowohl Staatsbetrieb wie Privatwirtschaft.
Übrigens - warum keine Frau ?!
April 17th, 2008 at 11:47
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bewerber nur wegen der Betreibung nicht eingestellt wurde. Sandra-Lia, ich kann mir nicht vorstellen, dass Du mich betreiben kannst ohne Begründung. Was willst Du angeben, wieso und was ich dir schulde?
April 17th, 2008 at 12:35
Das mit der Betreibung stimmt: Man kann jeden und jede betreiben, das ist absolut kein Problem. Aber Du kannst die Betreibung natürlich anfechten, wenn Du nicht einverstanden bist.
Wie schon oben gesagt: Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand mit solch guten Test-Ergebnissen nur wegen Schulden nicht eingestellt wurde. Entweder waren seine Einstufungs-Ergebnisse nicht wirklich so gut wie er erzählte, oder es gibt noch andere Probleme. Aber das geht mich ja eigentlich gar nichts an. :)
April 17th, 2008 at 12:36
Übrigens, so läuft eine Betreibung ab: http://www.ch.ch/private/00093/00102/00486/00487/index.html?lang=de
April 17th, 2008 at 16:11
Grisu, es braucht keine Begründung für eine Betreibung.
Ich würde den mit Schulden einstellen, und zwar deswegen, weil vllt. der andere nur darum keine hat, weil er eben klaut. Immerhin hat der mit Schulden ja zugegeben, das er welche hat. Somit ist er in meinen Augen ehrlicher.
April 17th, 2008 at 16:17
Eine seltsam anmutende Begründung. :) Aber ok, ist Deine Meinung…
April 18th, 2008 at 00:12
Wenn doch der Betreibungsregisterauszug für die SBB wirklich so entscheidend ist, verstehe ich nicht, warum dieser Kandidat überhaupt noch die andern Tests durchlaufen musste!
April 18th, 2008 at 04:22
Die Tests kamen zuerst, der Betreibungsregisterauszug erst am Schluss.
Die SBB kann ja nicht gut von jedem, der sich auf eine Stelle bewirbt, einen Auszug verlangen, das wäre wohl zuviel des Guten. :) Deshalb tut sie es wohl erst, wenn sie sich auf jemanden festgelegt hat.
April 21st, 2008 at 09:18
Wie viele von uns, haben ihr Lohnkonto usw. bei der UBS? Und wie toll hat diese gewirtschaftet? Wie viele von uns zahlen Steuern? Und wie viele Schulden hat der Staat? Wie viele Schulden hat die SBB Cargo?
Sorry, aber diese Begründung der SBB ist einfach eine Schweinerei!
April 21st, 2008 at 10:50
Es ist halt nicht das selbe, wenn zwei das gleiche tun. Wenn du, Raff, 1000 Franken schulden machst, dann wirst du geächtet. Wenn Herr Ospel die UBS mit 18 MRD Fr Schulden hinterlässt, wird der dafür noch nicht mal zur Rechenschaft gezogen.
Dazu kenne ich aber noch ein zweites Vergleichsbeispiel. Meine 1300 Franken IV Rente wird mir immer und immer wieder von jegwelchen Leuten abgegönnt. Man ist auf mich eiversüchtig, die SVP hackt auf uns rum. Aber, Herr Ospel, der in 1 Sekunde so viel Geld gestohlen hat, interessiert niemanden!
August 27th, 2008 at 10:03
Hallo alle Zusammen,
ich bin amüsierend überrascht
das hier soviel über meinem
Fall geschrieben und diskutiert wurde.
Ich bin erst jetzt auf dieses Tool zugestossen und werde es
sorgfältig durchlesen und mein Kommentar dazuschreiben.
So in erster Linie ist Andreas Hobi so ziemlich daneben über diese Angelegenheit die ich erleben habe.
Und persönlich werde ich mich absolut für mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt und gegen Bewerbungsdiskriminierung engagiert einsetzen.
August 27th, 2008 at 20:51
Persönlich bin ich auch “für mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt und gegen Bewerbungsdiskriminierung”. Doch wenn die Vorwürfe stimmen, dann bist Du beim Zugpersonal wirklich am falschen Platz.
Dies vorallem dann, wenn das stimmen würde, was ich vor einigen Wochen hörte, als wir beim ZP wieder einmal über den Fall diskutierten… :-/ Ich bezweifle stark, dass Du möchtest, dass auch dies jetzt noch öffentlich wird. Du kannst es aber gern auf eine Diskussion ankommen lassen und dann werde ich auch diese neuen Vorwürfe ins Spiel bringen.
Ich denke, Du weisst, von was ich spreche.