UPDATE: Ursprünglich gab es in diesem Artikel keine durchgestrichenen Passagen. Nachträglich habe ich mich jedoch dazu entschlossen, einige Wörter und Teile dieses Berichts durchzustreichen. Die Gründe hierfür findest Du im Kommentar mit der Nummer 26.

Er sei sich nicht bewusst gewesen, dass er etwas illegales tue und ich solle auf keinen Fall die Polizei rufen, dies sagte ein dunkelhäutiger Asylbewerber, welchen ich nicht nur beim Schwarzfahren, nein, sogar beim Missbrauch eines Fahrausweises erwischte.

Nichts Böses ahnend zeigte er mir im Zug zwischen Ziegelbrücke und Sargans sein persönliches Ostwind-Abonnement. Zumindest ging ich davon aus, dass es seines ist.

Zu jedem persönlichen Abo gehört auch eine Grundkarte. Dies kann ein Halbtax sein oder eine speziell am Billettschalter ausgestellte Karte mit Foto und Name / Adresse. Er behauptete jedoch, am Schalter weder ein Halbtax noch eine Grundkarte erhalten zu haben. Er hätte diese noch nie zeigen müssen.

Es sei kein Problem, sagte ich, wenn er mir keine Grundkarte vorweisen könne. In diesem Fall würde ich das Abo einfach mal einziehen und dann könne er mit einem Ausweis am Bahnschalter vorbei schauen und es sich wieder abholen. Bis dahin müsse er einfach immer schön brav Billette zum vollen Preis lösen.

Er meinte, dies sei nicht fair und ich solle ihn so fahren lassen. Nun kam der Punkt, an welchem ich ihn mit meiner Vermutung konfrontierte: “Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Abonnement nicht ihnen gehört. Entweder haben sie es von einem Freund “ausgeliehen” oder es ist gestohlen.”

Sowas würde er nie tun, meinte er.

Da ich immer noch keine Grundkarte sah, steckte ich das Abo ein und ging wortlos weiter. Er lief mir nach und fragte, ob ich wenigstens sein Gleis 7 akzeptieren würde. “Selbstverständlich”, sagte ich ihm. Ein Gleis 7 gilt für mich auch als Grundkarte.

Er zeigte es mir. Und siehe da: Die Kundennummer auf dem Abo stimmte nicht mit der auf dem G7 überein. Voilà! Voll ins Schwarze getroffen! Im wahrsten Sinne des Wortes.

“Jetzt haben Sie ein Problem.”, sagte ich ihm, steckte sein Gleis 7 gleich ebenfalls ein und verlangte einen Ausweis.

“Why? Why?! Why do you do this?!?”, gab er sich ganz erschrocken. Ich erklärte ihm, dass ich nun den Beweis habe, dass meine Vermutung stimmt. Er habe mir ein Abo vorgewiesen, das nicht ihm gehöre. Deshalb sei es nun eingezogen. Sein Gleis 7 sei ein Beweismittel und deshalb ebenfalls eingezogen. Und nun müsse er mir noch einen Ausweis zeigen, damit ich die Personalien erfassen könne.

Wenn er dies tue, könne er in den nächsten Tagen an einem Bahnschalter vorbei gehen und sein Gleis 7 zurück verlangen. Das Abo hingegen werde in die Zentrale geschickt und dort werde abgeklärt, wem es gehöre. Wenn er mir keinen Ausweis zeige, müsse ich die Polizei beiziehen, setzte ich ihn unter Druck. Dies wollte er natürlich nicht. (Aus welchen Gründen auch immer…)

Er gab mir seine Personalien an und ich schrieb eine Busse (CHF 100.- wegen Missbrauch; CHF 30.- Bearbeitungsgebühr; + Billettpreis Ziegelbrücke - Sargans). Und im Depot im Chur schrieb ich dann auch noch eine Meldung über den Vorfall, so dass der Herr entsprechend registriert ist.

Viel Aufwand für einen Idioten aus Eritrea, aber das gehört einfach zu meinem Job.