Wieder einmal ein Artikel, auf den ich gleich von mehreren Personen hingewiesen wurde. Manche vermuteten sogar, ich sei der im Bericht erwähnte “böse” Kondukteur gewesen… Tz tz tz… Wie kann man nur auf solche Gedanken kommen! ;)

Nein, so abwegig ist der Gedanke gar nicht; am besagten Ostermontag arbeitete ich nämlich tatsächlich. Jedoch befand ich einem Zug vor dem erwähnten Intercity.

Tina Fassbind, Mitarbeiterin der Pendlerzeitung 20min, schildert die Situation im Zug folgendermassen:

Schon beim Einsteigen in Chur wird klar: Das wird eng werden. Nach dem zweiten Stopp in Landquart rückt man noch näher zusammen. Ab Sargans ist dann kein Durchkommen mehr. (…) In der 1. Klasse sieht es nicht besser aus. Auch dort haben sich Reisende auf der Treppe eingerichtet, weil die Abteile längst voll sind. (Zum Artikel…)

Naja, für das, dass “ab Sargans kein Durchkommen” mehr war, konnte sich Fassbind einen recht guten Überblick über alle die Wagen verschaffen. :) Wie dem auch sei, vermutlich war es in diesem Zug nicht viel anders, als in anderen Zügen auch: Würde jeder Passagier sein Gepäck dort versorgen, wo es hingehört (sprich: Zwischen den Sitzen, bei den Gepäckablagen neben den Türen / Treppen und oberhalb der Sitze), dann hätte es genügend Platz für alle. Wenn jedoch pro Passagier gleich auch noch zwei Sitze mit Gepäck vollgepackt sind, könnte es in Pendler- und Osterzügen eng werden.

Die Reisenden sassen also in der Ersten Klasse auf den Treppen. Und dann geschah das, womit kaum jemand gerechnet hat: Ein Kondukteur erschien. Wie aus dem Nichts. Da im Zug kein Durchkommen mehr war, konnte sich niemand erklären, woher er kam. Teleportation? Geheimgang? Hat Vincent Raven seine Hände im Spiel? Wir werden es nie erfahren…

Nun war er da, der mysteriöse Kondukteur. Und er nahm sich anscheinend sogar die Frechheit, in der Ersten Klasse von den Fahrgästen Klassenwechsel einzukassieren! Jesses, wie kann man nur! Jaja, die Kondukteure sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, oder?

Klassenwechsel auch bei voller 2. Klasse?

Muss man wirklich einen Klassenwechsel zahlen, auch wenn die zweite Klasse voll oder sogar überfüllt ist?

Ich kann und will hier jetzt nicht für alle meine Kollegen sprechen, sondern sage einfach, wie ich persönlich dies handhabe:

Wenn die gesamte zweite Klasse wirklich voll ist, dürfen sich die Reisenden in die erste Klasse setzen. Ohne einen Zuschlag zu bezahlen. Sollte auch die Erste Klasse voll sein (was bei mir erst ein einziges Mal der Fall war), dann haben die Fahrgäste mit 1. Klasse-Billetten natürlich “Vorsitzrecht”, sprich, die Zweitklässler dürfen keinem Erstklässler einen Platz weg nehmen und müssen leider stehen.

Grundsätzlich ist es aber so, dass kaum ein Zug ernsthaft überfüllt ist, oftmals ist es einfach nur in der Mitte des Zuges eher eng, während es an der Spitze und am Ende noch freie Plätze hat. Wenn möglich teile ich dies den Fahrgästen auch so mit, wenn sie auf dem Perron an mir vorbeigehen.

Und so schliesst auch Tina Fassbind ihren Artikel mit dem Satz:

Einfach ganz hinten oder ganz vorne einsteigen, dann sollte es auch mit dem Sitzplatz klappen.

Auf 20min.ch gibt es die Möglichkeit, den oben angesprochenen Artikel zu kommentieren. Rund 70 Personen haben dies bis zum heutigen Tag auch getan; hier ein paar Auszüge mit Pro- und Kontra-Argumenten:

Tim Meier:
Ach wie ich mich über solches Zeugs aufrege. Die Situation ist so was von bekannt und die SBB muss endlich was tun. Sei es zu den Stosszeiten oder bei solchem Verkehr! Die haben die Situation einfach nicht im Griff..

na bo:
ich bin ein pendler und habe nie probleme. komisch! vielleicht, weil ich etwas flexibler und toleranter bin. wir schweizer sind ja weltmeister im rumnürzen und negativsehen!

James:
Die SBB sind Banditen. Nach meiner Beförderungsfeier zum Unteroffizier sass ich (schlafend) in Uniform und mit dem EFF-Sack auf den Knien in der S-Bahn. Der Kondukteur weckte mich, wollte meinen Marschbefehl sehen (den ich leider vergessen hatte). Nun ja, er wollte Bussgeld.

Maja:
Aber bei Stau da regt sich keiner auf, wenn er mal stunden stehen muss. Klassenwechsel bezahlen, wenn man auf der Treppe sitzt, finde ich zwar auch nicht oke, aber denkt mal daran, wie voll (oder eben nicht voll) die züge in den zwischenzeiten sind.

Raphael:
Die S-Bahn ist auch immer ziemlich überfühlt und hat dauernd verspätung. Solange man denn Kunden ausnehmen kann ist alles gut wenn man im aber mal was schenken solllte, ja nicht!

Dude Der:
Wieso sollte jemand mit nem 2.Klass-Billet nicht bezahlen müssen. Ich löhne für mein 1. Klass-GA auch fast doppelt so viel. Ausserdem müsste ich nachher noch was zurückkriegen bei dem vielen Lärm und der engen Atmosphäre…

SwissGrounding-Opfer:
Ich hab schon vieles auf der ganzen Welt erlebt (inkl. Swissairgrounding), aber wie das SBB Personal mit Kunden umgehen kann, hätte ich vor meinem Traumaerlebnis nie gedacht.

1 klass fahrer:
kauft euich doch einfach ein erste kalsse ga ist sicher stressfreier als das auto oder die überfülte pöbel klasse ;-)

Marco Arn:
Die SBB muss dringend ein Verkaufsseminar besuchen!

Rena (Pendlerin):
Nur Gemotze hin und zurück… Lustigerweise habe ich als tägliche Pendlerin (Raum ZH) sowie regelmässige Befahrerin der Strecke Zürich-Bern kaum Probleme. Und wenn’s mal eng wird - jänu, da übe ich halt ein wenig Toleranz. Eigentlich findet sich immer Platz, man muss halt einfach etwas suchen.

Tanja George:
SBB Cargo muss Stellen abbauen??? Die sollen doch einfach Leute anstatt Ware transportieren dann wären alle glücklich.

Tom Bern:
Schon mal im ausland (da meine ich nicht die intern. verbindungen) zug gefahren? Unser verkehrsnetz, egal ob Auto o. Zug ist da echt vorzüglich-also lieber mal froh sein das der Zug gleichwohl meist pünktlich fährt.

Marco:
wenn schon kein platz mehr frei ist sollte man in der 1. klasse platz nehmen können!die zugpreise sind ohnehin schon zu hoch!da ist das autofahren ja günstiger!wenn wir aufs klima cht geben wollen müssen die zugpreise eindeutig runter!so geht es nämlich nicht weiter!

Rossoneri:
Ich bin immer wieder erstaunt das sich diverse Personen über solch Sachen aufregen können. Wer sich im 1.Klass Wagen befindet zahlt 1.Klasse. Wer 1.Klasse zahlt will ruhe und nicht irgendwelche Leute die auf der Treppe miteinander reden. Seit mal mit dem zufrieden was IHR habt.

AntiSBBler:
Für mich ist das was die SBB sich erlaubt legalisierter Diebstahl.

Pendler:
diejenigen die hier am meisten dampf ablassen fahren i.d.R. nicht regelmässig mit den SBB. pendle nun seit 7 jahren zw. bern und ZH und kann das gemotze hier überhaupt nicht teilen. typisch gelegenheits-ÖV-benutzer…

Bonsai:
Da kann man überall lesen, dass auf den öffentlichen Verkehr umgestigen werden soll,aber die sollen doch frph sein, wenn das nicht alle machen. Wie wollen die SBB mit noch mehr Leuten zurecht kommen, wenn es nicht einmal mit ein paar wenigen klappt.

2. Klass GA:
da enervieren sich Leute über 2-3 Minuten Abgangsverspätung. Wohl noch nie im Ausland bahngefahren. Und neben eine unbekannte Person sitzen zu müsse scheint ja auch ganz schrecklich zu sein.

Phil:
Als täglicher Pendler bin ich über die Entwicklung der SBB verärgert. Die Preise steigen, der Komfort nimmt ab.

Dare:
Immer nur jammern sonst nichts!! Typisch Schweiz… geht doch mal ins Ausland Leute, dann seht ihr wie perfekt die SBB ist!! Jammert nicht, überlegt euch einmal was die SBB und der ZVV alles für uns tun!!

Marcel:
Sturheit ist bei der SBB krankhaft. Leider gibt`s noch keinen Impfstoff!! So muss man ja Auto fahren.

Stefan:
Ich erlebte am Ostermontag von Bern nach Zürich mit meiner Pfadigruppe genau das umgekehrte. Unsre 20 reservierten Plätze lagen erstaunlicherweise in einem völlig leeren 1.Klassewagen welcher von den SBB mit einem Zettel und dem Vermerk “Deklassiert 2.Klasse” angeschrieben war! Die Reise war angenehm.

Auffallend ist, dass sich viele Stammkunden eher positiv über die SBB äussern, während sich die Gelegenheitsfahrer mehrheitlich negativ äussern. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, womit das genau zusammenhängt. Vermutlich hat es ein wenig damit zu tun, dass sich die Gelegenheitsfahrer im ÖV leicht unsicher und somit automatisch auch gestresst fühlen.

Jeder von uns weiss, dass man sich im gestressten Zustand oftmals leichter über etwas aufregen kann und weniger tolerant ist. Vielleicht ist dies ansatzweise eine vernünftige Erklärung.

Positiv und negativ: Welche Erfahrungen habt ihr mit der SBB gemacht?

Schon öfters habe ich hier auf schweizweit.net nach eurer Meinung über die SBB gefragt, und auch bei diesem Artikel gibt es (wie immer) die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Ich freue mich auf das Feedback! ;)

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