
Wieder einmal ein Artikel, auf den ich gleich von mehreren Personen hingewiesen wurde. Manche vermuteten sogar, ich sei der im Bericht erwähnte “böse” Kondukteur gewesen… Tz tz tz… Wie kann man nur auf solche Gedanken kommen! ;)
Nein, so abwegig ist der Gedanke gar nicht; am besagten Ostermontag arbeitete ich nämlich tatsächlich. Jedoch befand ich einem Zug vor dem erwähnten Intercity.
Tina Fassbind, Mitarbeiterin der Pendlerzeitung 20min, schildert die Situation im Zug folgendermassen:
Schon beim Einsteigen in Chur wird klar: Das wird eng werden. Nach dem zweiten Stopp in Landquart rückt man noch näher zusammen. Ab Sargans ist dann kein Durchkommen mehr. (…) In der 1. Klasse sieht es nicht besser aus. Auch dort haben sich Reisende auf der Treppe eingerichtet, weil die Abteile längst voll sind. (Zum Artikel…)
Naja, für das, dass “ab Sargans kein Durchkommen” mehr war, konnte sich Fassbind einen recht guten Überblick über alle die Wagen verschaffen. :) Wie dem auch sei, vermutlich war es in diesem Zug nicht viel anders, als in anderen Zügen auch: Würde jeder Passagier sein Gepäck dort versorgen, wo es hingehört (sprich: Zwischen den Sitzen, bei den Gepäckablagen neben den Türen / Treppen und oberhalb der Sitze), dann hätte es genügend Platz für alle. Wenn jedoch pro Passagier gleich auch noch zwei Sitze mit Gepäck vollgepackt sind, könnte es in Pendler- und Osterzügen eng werden.
Die Reisenden sassen also in der Ersten Klasse auf den Treppen. Und dann geschah das, womit kaum jemand gerechnet hat: Ein Kondukteur erschien. Wie aus dem Nichts. Da im Zug kein Durchkommen mehr war, konnte sich niemand erklären, woher er kam. Teleportation? Geheimgang? Hat Vincent Raven seine Hände im Spiel? Wir werden es nie erfahren…
Nun war er da, der mysteriöse Kondukteur. Und er nahm sich anscheinend sogar die Frechheit, in der Ersten Klasse von den Fahrgästen Klassenwechsel einzukassieren! Jesses, wie kann man nur! Jaja, die Kondukteure sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, oder?
Klassenwechsel auch bei voller 2. Klasse?
Muss man wirklich einen Klassenwechsel zahlen, auch wenn die zweite Klasse voll oder sogar überfüllt ist?
Ich kann und will hier jetzt nicht für alle meine Kollegen sprechen, sondern sage einfach, wie ich persönlich dies handhabe:
Wenn die gesamte zweite Klasse wirklich voll ist, dürfen sich die Reisenden in die erste Klasse setzen. Ohne einen Zuschlag zu bezahlen. Sollte auch die Erste Klasse voll sein (was bei mir erst ein einziges Mal der Fall war), dann haben die Fahrgäste mit 1. Klasse-Billetten natürlich “Vorsitzrecht”, sprich, die Zweitklässler dürfen keinem Erstklässler einen Platz weg nehmen und müssen leider stehen.
Grundsätzlich ist es aber so, dass kaum ein Zug ernsthaft überfüllt ist, oftmals ist es einfach nur in der Mitte des Zuges eher eng, während es an der Spitze und am Ende noch freie Plätze hat. Wenn möglich teile ich dies den Fahrgästen auch so mit, wenn sie auf dem Perron an mir vorbeigehen.
Und so schliesst auch Tina Fassbind ihren Artikel mit dem Satz:
Einfach ganz hinten oder ganz vorne einsteigen, dann sollte es auch mit dem Sitzplatz klappen.
Auf 20min.ch gibt es die Möglichkeit, den oben angesprochenen Artikel zu kommentieren. Rund 70 Personen haben dies bis zum heutigen Tag auch getan; hier ein paar Auszüge mit Pro- und Kontra-Argumenten:
Tim Meier:
Ach wie ich mich über solches Zeugs aufrege. Die Situation ist so was von bekannt und die SBB muss endlich was tun. Sei es zu den Stosszeiten oder bei solchem Verkehr! Die haben die Situation einfach nicht im Griff..
na bo:
ich bin ein pendler und habe nie probleme. komisch! vielleicht, weil ich etwas flexibler und toleranter bin. wir schweizer sind ja weltmeister im rumnürzen und negativsehen!
James:
Die SBB sind Banditen. Nach meiner Beförderungsfeier zum Unteroffizier sass ich (schlafend) in Uniform und mit dem EFF-Sack auf den Knien in der S-Bahn. Der Kondukteur weckte mich, wollte meinen Marschbefehl sehen (den ich leider vergessen hatte). Nun ja, er wollte Bussgeld.
Maja:
Aber bei Stau da regt sich keiner auf, wenn er mal stunden stehen muss. Klassenwechsel bezahlen, wenn man auf der Treppe sitzt, finde ich zwar auch nicht oke, aber denkt mal daran, wie voll (oder eben nicht voll) die züge in den zwischenzeiten sind.
Raphael:
Die S-Bahn ist auch immer ziemlich überfühlt und hat dauernd verspätung. Solange man denn Kunden ausnehmen kann ist alles gut wenn man im aber mal was schenken solllte, ja nicht!
Dude Der:
Wieso sollte jemand mit nem 2.Klass-Billet nicht bezahlen müssen. Ich löhne für mein 1. Klass-GA auch fast doppelt so viel. Ausserdem müsste ich nachher noch was zurückkriegen bei dem vielen Lärm und der engen Atmosphäre…
SwissGrounding-Opfer:
Ich hab schon vieles auf der ganzen Welt erlebt (inkl. Swissairgrounding), aber wie das SBB Personal mit Kunden umgehen kann, hätte ich vor meinem Traumaerlebnis nie gedacht.
1 klass fahrer:
kauft euich doch einfach ein erste kalsse ga ist sicher stressfreier als das auto oder die überfülte pöbel klasse ;-)
Marco Arn:
Die SBB muss dringend ein Verkaufsseminar besuchen!
Rena (Pendlerin):
Nur Gemotze hin und zurück… Lustigerweise habe ich als tägliche Pendlerin (Raum ZH) sowie regelmässige Befahrerin der Strecke Zürich-Bern kaum Probleme. Und wenn’s mal eng wird – jänu, da übe ich halt ein wenig Toleranz. Eigentlich findet sich immer Platz, man muss halt einfach etwas suchen.
Tanja George:
SBB Cargo muss Stellen abbauen??? Die sollen doch einfach Leute anstatt Ware transportieren dann wären alle glücklich.
Tom Bern:
Schon mal im ausland (da meine ich nicht die intern. verbindungen) zug gefahren? Unser verkehrsnetz, egal ob Auto o. Zug ist da echt vorzüglich-also lieber mal froh sein das der Zug gleichwohl meist pünktlich fährt.
Marco:
wenn schon kein platz mehr frei ist sollte man in der 1. klasse platz nehmen können!die zugpreise sind ohnehin schon zu hoch!da ist das autofahren ja günstiger!wenn wir aufs klima cht geben wollen müssen die zugpreise eindeutig runter!so geht es nämlich nicht weiter!
Rossoneri:
Ich bin immer wieder erstaunt das sich diverse Personen über solch Sachen aufregen können. Wer sich im 1.Klass Wagen befindet zahlt 1.Klasse. Wer 1.Klasse zahlt will ruhe und nicht irgendwelche Leute die auf der Treppe miteinander reden. Seit mal mit dem zufrieden was IHR habt.
AntiSBBler:
Für mich ist das was die SBB sich erlaubt legalisierter Diebstahl.
Pendler:
diejenigen die hier am meisten dampf ablassen fahren i.d.R. nicht regelmässig mit den SBB. pendle nun seit 7 jahren zw. bern und ZH und kann das gemotze hier überhaupt nicht teilen. typisch gelegenheits-ÖV-benutzer…
Bonsai:
Da kann man überall lesen, dass auf den öffentlichen Verkehr umgestigen werden soll,aber die sollen doch frph sein, wenn das nicht alle machen. Wie wollen die SBB mit noch mehr Leuten zurecht kommen, wenn es nicht einmal mit ein paar wenigen klappt.
2. Klass GA:
da enervieren sich Leute über 2-3 Minuten Abgangsverspätung. Wohl noch nie im Ausland bahngefahren. Und neben eine unbekannte Person sitzen zu müsse scheint ja auch ganz schrecklich zu sein.
Phil:
Als täglicher Pendler bin ich über die Entwicklung der SBB verärgert. Die Preise steigen, der Komfort nimmt ab.
Dare:
Immer nur jammern sonst nichts!! Typisch Schweiz… geht doch mal ins Ausland Leute, dann seht ihr wie perfekt die SBB ist!! Jammert nicht, überlegt euch einmal was die SBB und der ZVV alles für uns tun!!
Marcel:
Sturheit ist bei der SBB krankhaft. Leider gibt`s noch keinen Impfstoff!! So muss man ja Auto fahren.
Stefan:
Ich erlebte am Ostermontag von Bern nach Zürich mit meiner Pfadigruppe genau das umgekehrte. Unsre 20 reservierten Plätze lagen erstaunlicherweise in einem völlig leeren 1.Klassewagen welcher von den SBB mit einem Zettel und dem Vermerk “Deklassiert 2.Klasse” angeschrieben war! Die Reise war angenehm.
Auffallend ist, dass sich viele Stammkunden eher positiv über die SBB äussern, während sich die Gelegenheitsfahrer mehrheitlich negativ äussern. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, womit das genau zusammenhängt. Vermutlich hat es ein wenig damit zu tun, dass sich die Gelegenheitsfahrer im ÖV leicht unsicher und somit automatisch auch gestresst fühlen.
Jeder von uns weiss, dass man sich im gestressten Zustand oftmals leichter über etwas aufregen kann und weniger tolerant ist. Vielleicht ist dies ansatzweise eine vernünftige Erklärung.
Positiv und negativ: Welche Erfahrungen habt ihr mit der SBB gemacht?
Schon öfters habe ich hier auf schweizweit.net nach eurer Meinung über die SBB gefragt, und auch bei diesem Artikel gibt es (wie immer) die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Ich freue mich auf das Feedback! ;)
© Foto SBB
Wir möchten dir gerne die 10 besten Artikel von schweizweit.net senden! Bestimmt ist dort auch für dich etwas interessantes, spannendes oder amüsantes dabei.


{ 15 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Klar, es ist unangenehm, wenn kein Platz mehr da ist. Das habe ich schon ein paarmal (Anfangs/Ende Skiferien zwischen Chur und Basel) erlebt.
Das grösste Problem sind wirklich die Leute, die ihr Gepäck nicht richtig verstauen oder mit riesigen Koffern, die nirgends hinpassen durch den ganzen Zug laufen.
Allerdings bin ich auch schon zu bester Pendlerzeit von Aarau nach Olten gefahren. Der Zug war zwar voll, aber als Einzelperson kann man sich halt zu irgendjemandem hinsetzen, der gerade seine Füsse auf dem gegenüberliegenden Sitz hat.
Ich finde, die SBB machen das schon richtig. An solchen Spitzentagen gibt es ja auch immer Entlastungszüge.
Wenn man die Leute bei voller zweiter Klasse dann ohne Klassenwechsel in die erste Klasse sitzen lassen will, ist das aber irgendwie auch ein wenig schwierig zu entscheiden. Wann ist die zweite Klasse voll? Sitzauslastung 100% (kommt aber ziemlich selten vor, immer gibts Leute mit Rucksäcken als Sitznachbar), Stehplätze auf Plattform und Gang? Immer eine Frage der Definition.
Ich käme mir wohl als Erstklasskunde gar verschaukelt vor, wenn plötzlich Reisende mit 2. Klass-Fahrkarten ohne Zuschlag reinspazieren dürfen.
Bei den Nörglern handelt es sich meiner Meinung nach wirklich in den meisten Fällen um Gelegenheitsfahrer oder andere Leute mit Sinnkrisen. Klar, man regt sich schnell mal auf – besonders in der Masse – aber im Grunde genommen bezahlt man mit dem Fahrpreis lediglich den Transport. Ob Sitzplatz, Fensterplatz oder was auch immer ist zweitrangig.
Natürlich: je mehr Kundendienst, desto besser die Reise und die Zufriedenheit, aber man kanns nun halt einfach mal nicht allen Leuten dienlich einrichten.
Persönlich reise ich ziemlich ungern in vollen Zügen und schnappe mir je nach Stimmung auch gleich beim Einsteigen einen Vorraumsitz ohne Sitznachbarn (gibts bei bestimmten Zügen glücklicherweise). Doch ab und an leiste ich mir auch einen Klassenwechsel und erwarte dann auch, dass nicht ständig Leute mit 2. Klasse-Billetten durch den Wagen schlurfen und wenns geht noch Türen knallen. Aber eben, loner ist Stammkunde und sieht die Sache auch nicht so eng – jedenfalls meistens ;)
Ich fahre viel die Strecke Zürich-Chur um 16:37 Uhr. Bei mir fällt es auf, dass diese Züge fast immer voll sind. (Dabei vor allem am Freitag, Samstag und Sonntag manchmal auch). Dabei ist meistens nur die 2. Klasse voll und in der 1. Klasse hat es noch genügend Sitzplätze. Dann kann ich nicht verstehen, warum man dann noch den Zuschlag zahlen muss. Man sollte lieber zuerst den Zug füllen, das heisst die leeren Plätze “deklassieren” und dementsprechend keinen Zuschlag zahlen. (Und in den Dostos ist die 1. Klasse eh nicht viel komfortabler).
Dazu kommt noch, dass vor allem Sonntag um 16:37 Uhr das Modul geschlossen ist (meistens)! Das kann ich nun wirklich nicht verstehen. Die Wagen sollte man doch lieber offen lassen. Die Wagen müssen eh nach Chur.
Am letzten Samstag passierte mir auch, dass ich, auf Grund von Platzmangel in der 1. Klasse von Zürich nach Chur fahren musste. So musste ich schon wieder den Preis von 12.50 Fr. zahlen für den Klassenwechsel. (Kam bei mir schon öfters vor und dies eben vor allem am Freitag).
P.S. Am Freitag sind am IC 16:37 Uhr hinter der Lok noch zwei Verstärkungswagen dran. Doch dies ist wenig. Besser wäre auch hier ein Modul.
Ich habe eher das Problem das bei mir die 1 Klasse meistens überfüllt ist und es in der 2 Klasse noch freie platze hat. zumindest zwischen Sursee und Olten… also wen ich in Olten nicht weiter nach Liestal müsste würde ich mir kein 1 Klasse GA kaufen…
Zumindest motzt keiner von der 2en Klasse das ich ihm einen Sitzplatz wegnehme würde *lol*…
Ich bin mit der SBB eigentlich ordentlich zu frieden, jedoch scheint es so, als hätte das Schicksal etwas gegen mich: Mehrfach mussten Ersatzzüge verwendet werden. Klar könnte ich mich darüber aufregen, aber wieso sollte ich? Jeder regt sich auf, da muss ich mich nicht auch noch aufregen. Auf jeden Fall möchte ich euch meine Lieblingsunglücksfälle schildern:
* Ich kaufte mir eines Tages ein 1. Klass-Billet von Sargans nach Bern. Ostschweizer wissen, wie teuer ein solches Billet ist, umso mehr freute ich mich auf die Fahrt. Die Sitze waren bequem, dazwischen konnte man mit Gästen plaudern und gelegentlich bekam man einen Kaffee angeboten. Wäre da bloss nicht die Rückfahrt gewesen: Der IC von Bern nach Zürich fiel aus/oder so ähnlich (ich weiss es nicht mehr); ein IC 2000 Komposition wurde eingesetzt; nur halt etwas kleiner, sehr viel kleiner: Die zweite Klasse war voll, und in der 1. Klasse sassen einige Geschäftsleute mit ihren Laptops und PDAs im Eingang.
* Wie vielleicht einige von euch wissen, bin ich ein Angefressener Bähnler (zwar ohne GA, ein Gleis 7 lag jedoch noch im Portemonnaie). Ich wollte eines Abends wiedermal mit dem ICN fahren, da es diese Zugsgattung in meiner Region nicht gibt und eine solche Fahrt für einen Bähnler wie mich schon etwas besonderes ist. Nun, in Zürich angekommen, wollte ich auf den ICN nach St. Gallen fahren. Nach einigen Minuten Verspätung hörte man, dass ein Ersatzzug vorliegt – leider teilte man uns den Grund nicht mit. Amüsanterweise war jedoch der Ersatzzug kein IC 2000 oder ähnliches, sondern ein 560er Zug. Na dann, Prost. Falls es euch interessiert: Am besagten Abend fuhr ich ab Wil zurück, da ich in einem 560er Zug täglich fahre; zudem holte ich mir eine Grippe.
* Gerade letzten Abend bzw. heute fuhr ich von Sargans nach Zürich Oerlikon und dann via Wipkingertunnel zum ZHB zurück. Von dort aus fragte ich mich, wie wieder nach Walenstadt zu kommen; promt entschied ich mich via den Zug ohne Halt bis Sargans – Buchs SG zu nehmen. Üblicherweise ist dies eine Einheitswagenkomposition mit einer 460er oder einer 420er Lock. Zwischen Sargans und Buchs SG gab es aber an diesem Abend – soweit ich erfahren habe – Unterhaltsarbeiten, so dass es zu einer (ich zitiere) “Kurzfristigen Personaländerung”. Der Herr Zugsbegleiter tat mir umso mehr leid, als er vergeblich nach Bern und andere Auskunftsnummern anrief: Alle Nummern wurden an die selbe Person weitergeleitet. Naja, okay. Kann passieren. Der Ersatzzug war übrigens mit einer Verspätung von 10 min angekommen: eine DPZ-Komposition. Auch hier, Prost. Glücklicherweise kam der Zug auf Gleis 2 in Sargans an, so dass der Umstieg auf den Bus unkompliziert verlief.
Noch ein kleines Erlebniss: Wieder war ich in Zürich und fuhr zurück nach Walenstadt. Scheinbar gabs auch hier Kompositionsfehler: Zwei 1. Klass Wagons und drei 2. Klass Wagons. In Ziegelbrücke kommt der Zug gleichzeitig wie der in die entgegengesetzte Richtung an. Und hört her: Im anderen Zug gabs sogar leere Abteile *grins*.
Aber was solls? In jedem Betrieb macht man Fehler.
Wie bereits in vorderen Kommentaren erwähnt wurde, bezahlen die Fahrgäste nur für den Transport. Sie haben keinen garantierten Sitzplatz zur Verfügung. Ich persönlich finde es für die bezahlende 1. Klass-Kundschaft, zu denen auch ich gehöre, nicht akzeptabel, Reisende, welche nicht den vollen Preis bezahlt haben, aus reiner Bequemlichkeit, in der 1. Klasse zu plazieren.
Mein 1. Klasse Generalabonnement kaufe ich aus mehreren Gründen, z.B.: Damit ich in Ruhe arbeiten kann. In der Regel funktioniert dies auch ganz gut, ausser meistens dann, wenn mal wieder Reisende aus der 2. Klasse das Gefühl haben, dass sie ohne jegliche Berechtigung und ohne Zuschlag in die 1. Klasse wechseln können. In solchen Situationen fühle ich mich als bezahlender 1. Klasse – Kunde total “verarscht”. Wo kann ich meine Reisequalitäts-Minderung geltend machen? … Richtig … nirgends.
Fazit: Egal ob es in der 2. Klasse genügend Sitzplätze zur Verfügung hat oder nicht – Jene Kunden, welche in der 1. Klasse reisen möchten, sollen auch dafür bezahlen.
Was auch ein Problem darstellen kann, wenn wir Fahrgäste von der zweiten in die erste Klasse holen, ohne dass diese einen Klassenwechsel lösen müssen: Es gibt Reisende, die stehen am Bahnhof, denken sich “mmh… heute könnte der Zug ziemlich voll werden”, gehen dann zum Schalter und lösen einen Klassenwechsel.
Theoretisch müssten wir also allen diesen Fahrgästen, welche ein Zusatzbillett gelöst haben, den Preis retour erstatten, sobald wir andere Fahrgäste von der ersten in die zweite Klasse verfrachten…
@ Stefan
Es ist richtig, dass die erste Klasse meistens deutlich weniger stark ausgelastet ist als die 2. Klasse. Und genau dies ist auch einer der USP der ersten Klasse. Einer der Punkte, welche die erste von der zweiten Klasse unterscheidet. Sprich: Man bezahlt zwar rund 60% mehr, erhält dafür aber grössere Sitze, mehr Beinfreiheit und vorallem: Weniger Sitznachbarn. ;) Vielen Leuten ist genau dies etwas wert und sie würden nicht mehr 1. Klasse fahren, wenn einer dieser Vorteile wegfallen würde.
LONER
Ich stimme dir voll zu. Was ich eben schreiben wollte, hast du schon treffend erwähnt. Diejenigen, die in der 2.Klasse “Keine Ruhe” finden, könnten doch ihren Aufpreis ohne murren zahlen. Wie fühlen sie sich denn, wenn sie dann “gratis” in der 1. Klasse sitzen dürfen, weil der Kondi sie nicht verärgern will, und dann einen Nachbarn haben, der so anständig war, seinen Aufpreis ohne Murren zu entrichten.
Wahrscheinlich ist es ihnen egal. Der Schweizer Egomane halt.
Es steht sicher nirgends in einem Tarif geschrieben, dass man in der 2. Klasse einen garantierten Sitzplatz hat. Die Eisenbahn ist schon älter als 150 Jahre, und schon immer gab es Stehplätze.
Gumbo
Kleine Kinder, die trotz Gratisfahrt jedes einen grossen 1.Kl.-Sitz für sich beanspruchen, sind ein Aergernis.
Ich stand schon einmal von Landquart nach Chur in der 1. Klasse, und neben mir machte sich ein Papi mit 3 Kinderlein breit, ohne dass er mir einen Platz angeboten hätte. Die Kinder hätten problemlos zu zweit auf einem Sitz Platz gefunden.
Was am schlimmsten war, war der Kondi. Er sagte kein Wort, wohl um dem Aerger aus dem Weg zu gehen. Früher hätte er den Ego-Papi sicher gebeten, die Gofen ein wenig zusammenzurücken.
Gumbo
Zitat vom Profi:
“Wenn die gesamte zweite Klasse wirklich voll ist, dürfen sich die Reisenden in die erste Klasse setzen. Ohne einen Zuschlag zu bezahlen.”
Das finde ich nicht sooo gut. Warum haben nicht alle die gleiche Linie? So besteht bei den Reisenden weiterhin der Eindruck, es komme nur auf das Personal an, wie Vorschriften eingehalten werden…Logisch werden dann diejenigen, die eine strengere Linie anwenden, als sture Beamte verschrien.
Gumbo
Die meisten Zugbegleiter handeln so und lassen Zweitklass-Reisende in die erste Klasse, sobald die zweite Klasse voll ist.
Nur verstehen viele Fahrgäste den Begriff “voll” ein wenig falsch. “Voll” heisst nicht “In jedem Abteil sitzt mindestens eine Person” sondern “es gibt keinen freien Platz mehr”.
Und diese Züge sind sehr selten.
Ich hab echt kein Verständnis für diese Rumnörgelei, nur weil Herr und Frau Schweizer unfähig sind, sich im Zug vernünftig zu verteilen. Ich fahre selbst regelmässig Zug (mind. 6h jedes Wochenende: Olten -> St.Gallen -> Heerbrugg und back… und 1x pro Woche Gewerbeschule: Olten -> Biel) und habe es bisher 1 mal an der Expo02 erlebt in einem vollen Zug zu stehn. Wenn man sucht findet man immer einen Platz, aber offenbar sind die Leute zu faul um zu Suchen!! Die Züge sind manchmal schon voll aber stehen musste ich bis jetzt noch nie.
Tragisch ist ja, dass wir früher den alten Reisenden oder sogar Frauen Platz machten. Das war einfach so Brauch, und Schulgofen, die das nicht taten, wurden rasch einmal von allen anderen Reisenden zurechtgewiesen.
Heute scheint es vor allem darum zu gehen, dass die vom ewigen Ausgang und vom strengen Sitzen müssens in der Schule totmüden Kinderlein ihren Sitz haben. Da können alte Leute noch so daneben stehen – wer sich nicht wehrt, der bleibt stehen. Leider tut auch hier das Personal nichts in dieser Beziehung, vermutlich auch wiederum, um keinen Aerger mit den Kunden zu bekommen.
Gumbo
Wir sind seit Jahren beruflich und privat mit einem 1.Klass GA unterwegs. Wir bezahlen relativ viel Geld jedes Jahr, um auf der Reise einen erhöhten Komfort und vor allem mehr Ruhe zu haben. Als Vollzahler (die notabene äussertst selten in Genuss eines Spezialangebots kommen) habe ich wenig Verständnis dafür, dass die Kontrolle so kulant ist und den landläufigen Irrglauben zementieren, dass bei vollem 2. Klassabteil in der 1. Klasse gereist werden darf.
Besonders sauer aufgestossen ist mir dieser Umstand, als wir von Freunden begleitet waren, welche vorgängig einen Klassenwechsel für ihr 2. Klass GA gelöst hatten. Als der Zugbegleiter andere Fahrgäste mit 2. Klassbilletten ohne Klassenwechsel fahren lassen wollte, habe ich (zwar höflich aber bestimmt) interveniert.
Die Preisdifferenz zwischen 1. und 2. Klasse ist stolz, aber ich bin bereit sie zu bezahlen. Im Gegenzug erwarte ich aber auch, dass gerade wenn die Züge voll sind, auch in der Leistung eine Differenz da ist. In einem leeren Zug kann ich es mir auch in der 2. Klasse gemütlich einrichten.
Heinz