Rekord-Lohn für SBB-Chef Andreas Meyer: 1.3 Millionen Franken

von Andreas Hobi am 31. März 2008 · 9 Kommentare

Das gibt mir zu denken:

  • Gewinn SBB-Personenverkehr 2007: CHF 186 Mio
  • Verlust Infrastruktur 2007: CHF 15.5 Mio
  • Verlust SBB Cargo 2007: CHF 191.6 Mio

Wenn man nun noch ein paar andere Zahlen in die Bilanz miteinbezieht, kommt man laut der Zeitung “Sonntag” auf einen SBB-Gewinn von CHF 74.8 Mio Franken. Im Jahr davor waren es noch CHF 259.4 Mio. Rund das dreieinhalbfache.

Trotzdem erhielt SBB-Chef Andreas Meyer im letzten Jahr 1.3 Mio Franken an Lohn (Grundlohn + Bonuszahlungen). Sein Vorgänger Benedikt Weibel bekam damals noch CHF 600,000.

Bonuszahlungen trotz verschlechtertem Betriebsergebnis? Wir sind doch nicht bei der UBS!

Ausserdem hat die SBB (auf SBB-Kosten) Meyers Privathaus in Deutschland (Frankfurt) gekauft; zu Kosten, welche rund CHF 200,000 über dem Marktpreis lagen. Bisher konnte die SBB das Haus noch nicht weiterverkaufen.

Vom 1.3-Millionen-Lohn bestehen 700,000 Franken aus verschiedenen Boni. Da frage ich mich: Bonus für was? Für das verschlechterte Betriebsergebnis? Für die katastrophalen Zahlen von SBB Cargo?

Es gibt an der Front der SBB-Mitarbeiter noch ein paar wenige Personen (zu denen zähle ich auch mich), welche noch ein Stück weit an unsere Führung glauben. Doch wenn die SBB so weitermacht, hat sie es endgültig verspielt. Dann wird sie noch ernsthafte Probleme mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kriegen, da bin ich überzeugt. Demotiviertes und enttäuschtes Personal ist zu sehr vielem fähig…

Ich denke nicht, dass ich Andreas Meyer im Moment wirklich ernst nehmen kann und hoffe für ihn, dass er mir in den nächsten Tagen nicht in einem meiner Züge begegnet. Das soll jetzt keine Drohung sein, aber er kann sich darauf einstellen, dass ich ihn nicht wirklich freundlich anschauen werde.

Damit man mich nicht falsch versteht: Ich bin absolut dafür, dass Andreas Meyer einen Lohn von 1.3 Mio Franken erhält, wenn er seinen Job gut macht und den Gewinn steigert. Ich bin also nicht grundsätzlich gegen Löhne in dieser Grössenordnung. Meyer hat einen nicht immer einfachen Job, steht oft im Kreuzfeuer der Medien und muss sich für vieles vor dutzenden von Kameras und Mikrofonen rechtfertigen.

Wenn der SBB-Gewinn jedoch von einem Jahr auf das andere so drastisch sinkt, wie es von 2006 auf 2007 der Fall war, dann kann ich nicht verstehen, weshalb Meyer trotzdem einen Bonus erhält.

Schliesslich erhalte ich auch nur dann eine Lohnerhöhung (resultiert aus einer guten Personalbeurteilung), wenn ich meinen Job anständig erledige und mich verbessere und weiterbilde.

Bild © (cc) simply Jack (flickr.com)


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leichte relation März 31, 2008 um 15:33
Gumbo März 31, 2008 um 16:41

leichte relation?
Wie immer: Skandale werden aufgedeckt, und die Konzerne dementieren. Das alte Lied.
Aber: Der Ospel-Skandal bewegt sich doch noch in anderen Dimensionen. Verglichen mit jenem schamlosen Abzocker ist Meyer ja geradezu bescheiden…
Gumbo

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leichte relation März 31, 2008 um 16:45

sagte ja “leichte”. :-) vielleicht wäre “schwache” besser gewesen, oder wohl eher gar keine Wertung…

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Ralf März 31, 2008 um 17:22

Der Herr Meyer eifert bestimmt Herrn Mehdorn nach.

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flöschen März 31, 2008 um 20:19

Hoffentlich kommt bald eine 1:20 o. ä. Initiative, die festlegt, dass der tiefste Lohn nicht kleiner als ein 20stel der höchsten Lohnes sein darf.

Aber: Meyer wollte man und er hat zwar Bedingungen gestellt, sich aber im Gegensatz zu manchen anderen nicht den Lohn selber so hoch angesetzt. Da darf man natürlich dem VR danken. ;-)

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Andreas Hobi | schweizweit.net März 31, 2008 um 21:06

Weibel hat ja anno dazumal auf einen Teil des Lohnes verzichtet. Vielleicht sollte dies Meyer in Anbetracht der Situation (SBB Cargo etc) auch tun…

Richtig ist auf alle Fälle: Er hat seinen Lohn nicht selbst festgelegt.

Andererseits wird er bestimmt schon vor dem DB-SBB-Wechsel sich versichert haben, dass er bei uns nicht zu kurz kommt… :)

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Sandra-Lia März 31, 2008 um 23:03

Jaja, Abzockermentalität immer mehr, und immer und überall. Mal sehn, wie langs geht, bis Meier die SBB so runtergewirtschaftet hat, wie dies Mehdorn mit der DB AG schon getan hat. Jedenfalls für mich beides IDIOTEN! Ich will Weibel zurück, der hatte wenigstens noch meine Sympathie.

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Gumbo April 1, 2008 um 13:58

In Deutschland ist der Name Mehdorn ein rotes Tuch. Der hat viel Geschirr zerschlagen. Die Leidtragenden sind die Benutzer des SPNV (Schienen-Personen-Nahverkehr). Wobei dort, wo die Regionen ihren Regio-Verkehr einem privaten Anbieter übertragen haben, der Service schlagartig besser wurde.
Bei uns kann man die Sündenböcke bei den bürgerlichen Politikern und beim Verwaltungsrat finden. Der Präsident nimmt zum Glück nun seinen Hut.
Gumbo

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