Soeben bin ich auf diesen lesenwerten Artikel von Joachim Kemnitz gestossen: Die Schweiz - “Nur” ein S-Bahn-System?

Ein Zitat aus dem etwas älteren Bericht:

Benedikt Weibel, Vorsitzender der Geschäftsleitung der SBB (Schweizerische Bundesbahnen), spricht von der “S-Bahn-Schweiz”. Der Begriff wird in der Schweiz ganz anders verstanden als in Deutschland, insbesondere bei den Bahn-Offiziellen, und ist Anlass für Missverständnisse. Während bei uns “S-Bahn” als simpler und zweitrangiger Bahnbetrieb missverstanden wird, ist mit “S-Bahn Schweiz” der Anspruch des Fahrgasts auf flächendeckende, regelmässige und schnelle Verbindungen gemeint.

In seinem Artikel lobt Kemnitz unser Bahnsystem. Unter anderem am Beispiel des Zürcher Hauptbahnhofs sehe man, wie geschickt die SBB mit Zugsverspätungen umgehe und Züge teilweise auf andere Gleise lenke, damit sich die Verspätung nicht auf andere Züge auswirkt.

Erste Vermutungen kommen auf, dass die Schweizer wohl doch eine Meisterschaft im Betriebsablauf entwickelt haben.
(Joachim Kemnitz)

In der Schweiz werden die grossen Bahnhöfe nicht “so schnell wie möglich miteinander verbunden, sondern “so schnell wie nötig. Sprich: Auch die Regionen zwischen den grossen Städten haben hervorragende Bahnverbindungen und deshalb ist der ÖV Schweiz auch so beliebt.

Ein solch eng verknüpftes ÖV-Netz wecke natürlich Assoziationen zu einer S-Bahn, meint Kemnitz weiter. So etwas müsse auch in Deutschland möglich sein und er bemängelt die strikte Trennung des Fern- und Regionalverkehrs in Deutschland: Der Fernverkehr werde eigenwirtschaftlich betrieben, der Regioverkehr von den Bundesländern bestellt. Dabei werde zuwenig Rücksicht auf die Fahrpläne des jeweils anderen genommen, weshalb die Verbindungen lange nicht so komfortabel seien wie in der Schweiz.

Den kompletten Artikel von Joachim Kemnitz kann man hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen: “Die Schweiz - “Nur” ein S-Bahn-System?”


Mindestens ebenso interessant wie der Artikel von Kemnitz ist dieses Referat von Ex-SBB-CEO Benedikt Weibel: “Ein Vierteljahrhundert öffentlicher Verkehr Schweiz und Europa - Bilanz und Ausblick”Darin erklärt Weibel, wie dicht der Fahrplan der SBB bereits im Jahr 2006 war. (Inzwischen ist er noch deutlich dichter geworden.) Während in Frankreich zwischen den Städten Toulouse (etwas so gross wie Zürich) und Tau (wie Bern) täglich 9 Verbindungen bestehen, sehe es in der Schweiz so aus:

Wil - St. Gallen: 56 Verbindungen
Luzern - Zürich: 71 Verbindungen

Kein Land Europas hat das Verhältnis zwischen Politik und Bahnunternehmung besser geregelt als die Schweiz. Wenn ich meinen Kolleginnen und Kollegen von unseren Finanzierungsinstrumenten für die Bahninfrastruktur erzähle, so kriegen die Augenwasser. Und wenn ich anfüge, dass der Zahlungsrahmen für jeweils vier Jahre praktisch ohne Gegenstimme vom Parlament verabschiedet wird, dann fallen Tränen.
(Benedikt Weibel)

In seinem Referat geht Weibel auch auf die überdurchschnittlich vielen Stammkunden und das hohe Qualitätsbewusstsein der SBB (pünktlich - sauber - sicher) ein. Er zeigt auf, wie deutlich die Anzahl der Stammkunden gesteigert werden konnte: Die Anzahl der Generalabonnemente konnte innerhalb von 20 Jahren rund um das 15fache gesteigert werden; eine reife Leistung, die nicht von ungefähr kommt.

Doch Weibel weiss auch, wo sich die SBB noch verbessern muss: Bei der Kundeninformation und beim Platzangebot.

Und er kommt noch auf die SBB Cargo zu sprechen. Ein Thema, das gerade heute wieder aktuell ist. Es ist interessant, seine damals (im Jahr 2006) gemachten Aussagen bezüglich der Nord-Süd-Strategie zu lesen…

Das Referat von Benedikt Weibel kann man hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen: “Ein Vierteljahrhundert öffentlicher Verkehr Schweiz und Europa - Bilanz und Ausblick”


Wie denkt ihr über den Artikel und das Referat? Ich freue mich auf eure Antworten in den Kommentaren!

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