Landesweiter Streik bei der SBB?


Was plant die UNIA?

Diese Frage stelle ich mir nach dem gestrigen Tag. Meine Tour führte mich nach Basel, wo ich nach der Pause zu meinem Zug ging. Vor dem Zug standen zwei Mitarbeiter von RailClean, ein Rangier-Mitarbeiter und ein Herr sowie eine Dame mit UNIA-Jacken und -Aktentaschen. Die Gruppe unterhielt sich angeregt.

Naja, in Basel befindet sich der Hauptsitz von SBB Cargo, dachte ich mir. Vielleicht wollen sie hier irgendeine Demo organisieren oder so. Wer weiss.

Doch als ich einige Stunden später in Chur ankam und Feierabend machte, hörte ich, dass auch in Zürich diverse UNIA-Mitarbeiter gesichtet wurden. Ebenfalls bei Rangier-Mitarbeitern. Und bei Lokführern. Und ich will mal nicht ausschliessen, dass sie auch in anderen grossen Bahnhöfen waren.

Da läuft doch was

Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass hier irgendetwas landesweites geplant ist… (Abgesehen von der Gross-Demo in Bern.) Nun, in aller Solidarität mit den Kollegen im Tessin: Eine Blockade von Zügen nördlich der Alpen oder ein Streik in Regionen ausserhalb Bellinzona, Fribourg und Basel wäre kontraproduktiv und würde die Situation nicht verbessern. Im Gegenteil. Damit würden die Streikenden die im Moment teilweise noch vorhandene Unterstützung seitens der Bevölkerung verlieren, da bin ich mir sicher.

Die UNIA sollte also vorsichtig sein in dem, was sie hier anscheinend plant.

19 Kommentare zu “Landesweiter Streik bei der SBB?”

  1. flöschen am 18.03.2008 um 14:50

    Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Gewerkschaft einigermassen überlegt handelt. Doch manchmal überschlagen sich die Ereignisse und Fehler werden gemacht. So müssen beide Seiten sicher immer gut überlegt ans Werk gehen.

    Erstaunlich ist aber etwas anderes an dieser “Cargo-Geschichte”:
    Werden bei einer privaten Firma Stellen in dem Ausmass gestrichen, so gibt es zwar Protest und Streiks (vgl. Swissmetal Dornach), aber es wirft nie so grosse Wellen. Ist das so, weil man auf einem Staatsbetrieb rumhacken darf? Sogar bürgerliche Politiker setzen sich für die Arbeitnehmer ein, etwas, das man sonst eher weniger sieht.

  2. m@rtin am 18.03.2008 um 15:20

    ich bin auch der meinung, das es eher kontraproduktiv ist. ich kann aber auch verstehen, das die sbb cargo mitarbeiter im tessin sich wehren wollen, ich würde vermutlich auch so handeln.

    die leitdragenden sind vermutlich die bahnreisenden und nicht die, welche die ganze aktion treffen sollte.

  3. Ralf am 18.03.2008 um 15:23

    Sollen wir ein paar Kollegen von der GDL rüberschicken? *fg*

  4. Andreas Hobi | schweizweit.net am 18.03.2008 um 17:39

    Was kaum jemand weiss und auch (fast) nie in den Medien erwähnt wird:

    Es kommt zu gar keinen Entlassungen! Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) verbietet Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen. Jedoch ist es so, dass die Mitarbeiter an anderen Orten innerhalb des Unternehmens eingesetzt werden können. Dagegen protestieren sie zurzeit. Im GAV steht:

    Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter kann aus betriebsorganisatorischen Gründen auf eine andere Stelle versetzt werden.

    Die Ankündigung muss rechtzeitig, mindestens 3 Monate im Voraus, erfolgen.

    Im GAV steht jedoch auch:

    Die Vertragsparteien verpflichten sich, während der gesamten Vertragsdauer den absoluten Arbeitsfrieden zu wahren und auf jede arbeitsstörende Massnahme wie Streik, Warnstreik, streikähnliche Massnahmen, Boykott oder Aussperrung zu verzichten.

    Die Mitarbeiter im Tessin haben sich nicht an diesen Teil des Vertrages gehalten. Gut möglich, dass die SBB sich nun auch nicht an ihren Teil halten wird…

  5. Dominik am 18.03.2008 um 19:34

    Also bezüglich deinem letzten Kommentar muss ich jetzt etwas die Gewerkschaften verteidigen:
    - Kündigungsverbot: ja, sie kündigen niemandem direkt, aber einem Tessiner Familienvater anzukündigen, ihn nach Yverdon zu versetzen oder einem Lausanner der nach Fribourg pendelt zu sagen, er müsse in Zukunft ihn Basel arbeiten - das kommt fast einer Kündigung gleich. Es ist entschieden zu weit um zu pendeln. Es ist in einer anderen Sprachregion - womöglich spricht der Tessiner nicht einmal Französisch. Und von einer Familie zu verlangen, so weit umzuziehen, das finde ich nicht zumutbar, nur schon wegen der Sprache. Das ist ein Herausekeln der Mitarbeiter. Schlussendlich werden wohl die meisten von sich aus kündigen - und die SBB haben erreicht, was sie wollten.

    Zum zweiten Punkt argumentieren die Gewerkschaften, die SBB seien auch verpflichtet, mit ihnen zu verhandeln und nicht einfach etwas zu verkünden. Sie seien jedoch nicht informiert worden. Die SBB behaupten nun (erst jetzt), sie hätten die Gewerkschaften sehr wohl früher informiert. Es ist also Aussage gegen Aussage. Und ehrlich gesagt glaube ich in diesem Fall eher den Gewerkschaften. Die SBB haben ihre Behauptung etwas gar spät geäussert und ausserdem auch sonst nicht gerade glücklich reagiert.

    Grundsätzlich bin ich aber auch der Meinung, dass ein Streik das letzte Mittel sein muss und die Gewerkschaften den Streik nicht auf Teufel komm raus fortführen sollen. Wenn die SBB ernsthaft verhandeln wollen, dann sollten sich die Gewerkschaften darauf einlassen. Sie können ja immer noch den Streik wieder starten…

  6. Andreas Hobi | schweizweit.net am 18.03.2008 um 20:03

    Ja, die Wogen gehen wohl auf beiden Seiten ziemlich hoch… :)

  7. Andreas Hobi | schweizweit.net am 18.03.2008 um 20:08

    Etwas vom Dümmsten, was die Gewerkschaften machen könnten, wäre eine Gotthard-Blockade über Ostern… :-/

    Ein paar Links:

    Für die Gewerkschaften könnte es teuer werden: http://lburl.com/9jc3f

    Die morgige Nationalratsdebatte über die SBB Cargo (Beginn ca. 15:00 Uhr) wird übrigens live über das Schweizer Fernsehen SF ausgestrahlt: http://lburl.com/egxfj

  8. Dominik am 18.03.2008 um 20:08

    …und die sollten vielleicht etwas geglättet werden damit die Verhandlungen auch etwas bringen. Wenn “Feinde” verhandeln kommt das selten gut.
    Aussagen wie “es entstehen pro Streiktag kosten von 250000.- und die wollen wir den Gewerkschaften verrechnen” bewirken das Gegenteil und deswegen hören die Gewerkschaften ganz sicher nicht auf mit dem Streik, sie werden ja so eher angestachelt…

    Hier in Montréal fallen dafür Busse einfach so aus, ohne dass gestreikt würde… Das relativiert irgendwie alles wieder ;-)

  9. gerardo am 18.03.2008 um 20:22

    Am Schluss eines SBB Cargo Pressecommuniqués vom 12. Dez. 2007 war angefügt: “Mit diesen Personalentscheiden wurden gute Voraussetzungen geschaffen, damit wir Transparenz schaffen und die nötige Sanierung von SBB Cargo rasch und zielgerichtet vorantreiben können”. Die SBB werden im 1. Quartal 2008 über konkrete Ergebnisse der laufenden Arbeiten informieren.”
    http://www.sbbcargo.com/index/sbbc_heute/sbbc_heute-gl.htm
    Die Ergebnisse sind nun bekannt, nicht aber die „Berichte und Analysen“, welche die Abbaupläne begründen sollen, diese wurden trotz mehrfacher Aufforderung nicht offen gelegt. Die versprochene Transparenz wird nach wie vor verweigert. Warum wohl???

    Auch der SEV (Schweiz. Eisenbahner-Verband) sowie der Kaderverband des öff. Verkehrs (KvöV) stellen fest, dass die obersten Bosse für die Managementfehler zu behaften sind. http://www.presseportal.ch/de/pm/100014673/100556472/kvoev_kaderverband_d_oeffentl_verkehrs

  10. Gringo am 19.03.2008 um 07:55

    @Dominik
    Die Gewerkschaften handeln in diesem Sinne aus meiner Sicht ganz klar kontraproduktiv. Ich kann es mir nicht leisten an meiner Arbeitsstelle das Gespräch zu verweigern und auf stur zu schalten. Dann habe ich die Folgen direkt zu spühren und zu tragen. Mehr dazu in dem
    Post auf meinem BLOG. Ich bin echt froh, das es offensichtlich noch mehr Menschen gibt, die ähnlicher Meinung sind.

    @Andreas
    Danke für den Kommentar auf meinem BLOG

  11. Gringo am 19.03.2008 um 07:58

    Ups, da hat etwas mit der Verlinkung nicht geklappt. Sorry -

    Die Schuld oder Ursache dieser Situation ist beim politischen Entscheid SBB gegen BLS Cargo auszuspielen und den daraus entstandenen Folgen im Management zu suchen.

  12. mds am 19.03.2008 um 11:43

    Jeder SBB-Arbeitsplatz wird mit mehreren 100′000 Franken pro Jahr subventioniert. Irgendwo gibt’s Grenzen …

  13. Andreas Hobi | schweizweit.net am 19.03.2008 um 12:53

    @ mds:
    Naja, man sollte sich dabei aber auch fragen, wie hoch die Kosten für die Allgemeinheit wären, wenn es die SBB und die anderen ÖV-Unternehmen nicht geben würde. Die Bevölkerung hat nun einmal ein gewisses Mobilitätsbedürfnis, das auf irgendeine Art und Weise befriedigt werden muss.

    Für mich ist es selbstverständlich, dass der Staat bei dieser Bedürfnis-Befriedigung mithilft. Sei es nun auf der Schiene oder auch auf der Strasse.

    Interessieren würde es mich bei dieser Gelegenheit auch, wieviele Steuerfranken pro Jahr für einen Autofahrer ausgegeben werden… Auch hier gibt es Grenzen. :)

  14. Gringo am 19.03.2008 um 12:57

    @mds
    So einfach ist es nun auch wieder nicht. Die SBB ist eine AG und hat nach marktwirtschaftlichen Prinzipien zu funktionieren. Der Bund ist Merheitsaktionär - und erteilt der SBB einen Leistungsauftrag. Dazu werden auch Subventionen gesprochen. Tatsache ist, dass der Verlust von CARGO unter anderem auch durch den Gewinn in den Divisionen Infrastruktur und Personenverkehr aufgefangen werden muss/wird.

    Trotzdem sollten die streikenden SBB Mitarbeitenden mit ihrer Aktion, die im GAV festgehaltetenen Errungenschaften, nicht aufs Spiel setzen.

    Den Beamtenstatus gibt es bei der SBB schon lange nicht mehr. Allenfalls gewisse Menschen die sich noch so verhalten.

    Gruss
    GRINGO

  15. Andreas Hobi | schweizweit.net am 19.03.2008 um 13:42

    Allenfalls gewisse Menschen die sich noch so verhalten.

    –> Da musste ich gleich ein wenig schmunzeln! Wie recht Du da hast..! ;)

  16. mds am 19.03.2008 um 14:29

    @Andreas Hobi: Klar darf man das fragen (und gerne diskutieren)! Was den Autoverkehr betrifft, so deckt dieser in der ÖV-freundlichen Darstellung des BAV seine Kosten zu mehr als 100 Prozent.

    @Gringo: Müssten die SBB nach marktwirtschaftlichen Kriterien funktionieren, gäbe es sie längst nicht mehr, denn die SBB erzielen schlicht keinen Gewinn, auch nicht im Personenverkehr … wie man die Subventionen bezeichnet, spielt keine Rolle; es bleibt eine Tatsache, dass die SBB Verkehrsleistungen anbieten, die sich mehrheitlich zu einem Marktpreis nicht verkaufen liessen.

    Was das von Andreas Hobi erwähnte Mobilitätsbedürfnis der Bevölkerung betrifft, stellt sich die Frage, ob dieses Bedürfnis noch im gleichen Ausmass bestehen würde, wenn es nicht zu einem subventionierten Preis befriedigt würde …

  17. Andreas Hobi | schweizweit.net am 19.03.2008 um 16:27

    Naja, die externen Kosten (welche im Strassenverkehr viel höher sind als auf der Schiene) werden in der erwähnten BAV-Statistik meines Wissens nicht miteinberechnet… Somit sind die Kosten nicht zu 100% gedeckt.

  18. Andi am 20.03.2008 um 02:50

    Die Demo in Bern heute war jedenfalls cool (inkl. Video) - ein paar grundsätzliche Gedanken zu Streiks und Demos in meinem Kommentar zum Kommentar im oben verlinkten Post.

    @mds: öV gehört zu den Dingen, die der Staat sinnvollerweise anzubieten und demnach auch zu subventionieren hat. Oder willst Du am liebsten alle Subventionen abschaffen und alles dem Markt überlassen? Viel Spass! Ich bin auch ein Verfechter der freien Marktwirtschaft, aber bestimmte Sachen regelt der Markt einfach nicht.

    Und… wieso konnte man damals Millionen in die Swissair buttern, die ebenfalls unter Managementfehlern zu leiden hatte? Dass die Leute an der Front das Versagen der Teppichetage ausbaden, nimmt man zum Glück heute nicht mehr einfach so hin.

    Ach ja: Du darfst dich ruhig zu erkennen geben statt dich hinter einem Pseudonym ohne Link zu verstecken.

  19. Gringo am 20.03.2008 um 09:06

    @mds
    Da muss ich wiedersprechen. Diese Marktwirtschaft ist sicher nicht so einfach wie Lebensmittel - ich gehe ins COOP oder in die MIGROS. Der Bund und Kanton schreibt Aufträge aus. Wie z.B. den Betrieb der Seelinie (Bodensee). Die Mittelthurgaubahn unterbot das Angebot der SBB und ist jetzt pleite.

    So auch bei den diversen Buslinien, der Auftrag wird von den Kantonen definiert/ausgeschrieben und versch. Unternehmen unterbreiten ein Angebot. Das ist Marktwirtschaft, wenn auch eine etwas komplizierte.

    Indirekt hast Du recht, wenn die SBB nach marktwirtschaftlichen Prinzipien arbeiten würden, hätten wir niemals diese dichte Streckennetz mit diesem dichten Fahrplan. Dann gäbe es in Schwaderloch vielleicht 4 Züge am Morgen Mittag Nachmittag und Abend. Dann würde der Service auf diese Segmente reduziert die rentieren.

    Wenn die SBB von diesem Servie Public entbunden würde, würde das Angebot ganz anders aussehen. In Deutschland z.B. verkümmern X Regionallinien oder werden von den Ländern und Kommunen betrieben weil die Deutsche Bahn AG hauptsächlich in die lukrativen Hauptverkehrslinien investiert.

    So einfach wie Du es darstellst ist es meienr Ansicht nicht.

Schreibe einen Kommentar:

(Beachte bitte die Kommentar-Richtlinien.)
  • About

    schweizweit.net ist DIE Website wenn es um ÖV-Infos aus erster Hand geht! Täglich von Montag bis Freitag finden Sie hier interessante Berichte und Artikel rund um den öffentlichen Verkehr der Schweiz und über die Schweizerische Bundesbahn SBB.

    Alle Artikel können von den Lesern kommentiert und beurteilt werden. So entstand über die Jahre hinweg eine lebendige Community an Personen jeglichen Alters und aus allen Bevölkerungsschichten.

    Täglich werden die Beiträge bis zu 1'600 mal aufgerufen, rund 250 Personen haben die Artikel von schweizweit.net via feedburner.com abonniert. Über 60 Personen haben sich für den kostenlosen täglichen Email-Newsletter eingeschrieben und zu den fast 1'000 bisher geschriebenen Artikeln wurden über 3'900 Kommentare veröffentlicht.

    Nehmen auch Sie teil an den Diskussionen und Gesprächen hier auf schweizweit.net!