Bitte nicht einsteigen, der Zug ist zu voll


Ich hoffe, dass dies bei der SBB nie geschehen wird:

Vergangener Freitagabend am Linzer Hauptbahnhof. Noch bevor der Zug nach Wien einfährt erschallt eine Lautsprecherdurchsage und informiert Bahnreisende darüber, dass der Zug bereits voll ist und niemand mehr einsteigen darf. Eine Woche davor, Freitag, es ist 13.30 Uhr: Menschenmassen stürmen den IC nach Wien. Eine Lautsprecherdurchsage verkündet, dass der Zug wegen Überfüllung nicht weiterfahren wird, bis wieder Leute aussteigen.
(nachrichten.at, 26.02.2008)

Klar, auch bei uns sind die Züge teilweise ziemlich voll. Aber gleich so, dass wirklich niemand mehr Platz findet, das gab es bei mir eigentlich noch nie. Irgendwo gibt es immer Gepäckstücke, die sich noch auf den Sitzen statt in den Ablagen befinden und Abteile, in welchen nur zwei oder drei Personen sitzen. Und in Zeiten, wo mit einem übermässigen Ansturm gerechnet wird, setzt die SBB Extrazüge ein oder führt Züge doppelt.

In Österreich scheint dies nicht ganz so gut zu klappen. Obwohl man dort mehr für die Fahrt bezahlt als bei uns, erscheint mir das ÖBB-Kader alles andere als kundenfreundlich. Zum Beispiel war ich sehr erstaunt, als ich von folgender Situation hörte:

Ein Geschäftsmann wollte mit der ÖBB von Linz nach Wien fahren. Ticket und Sitzplatz hatte er reserviert. Doch dummerweise gab es das Abteil, welches er reserviert hatte, in dem Zug gar nicht. Man bat ihn, auszusteigen und mit dem Auto nach Wien zu fahren. Josef Halbmayr, Vorstand des ÖBB-Personenverkehrs sagte dazu: “In solchen Fällen kommen wir selbstverständlich für die Unkosten auf.”

Ja - gopfertami - und wenn der Geschäftsmann kein Auto hat? Muss er dann zu Fuss nach Wien oder mit dem Fahrrad? Sorry, aber das kann’s jetzt wohl nicht sein. Mit solchen Aussagen zeigt Halbmayr, dass er völlig am falschen Platz ist. Wer so über die eigene Kundschaft denkt wie er, der gehört an eine Position, wo er weder Kundenkontakt noch Entscheidungsgewalt hat. So ein Mann hat im Kader eines Dienstleistungs-Unternehmens definitiv nichts zu suchen.Wenn aus Sicherheitsgründen niemand mehr einsteigen darf, habe ich natürlich Verständnis dafür. Doch liegt es dann am Bahnunternehmen, umgehend einen Ersatzzug zu stellen oder zusätzliche Wagen anzuhängen, so wie es die SBB tut. Wenn ein Halbmayr in einer solchen Situation die Leute aufs Auto (= zur Konkurrenz!) schickt, dann ist dies das gleiche, wie wenn man mir in der Migros sagt: “Sorry Herr Hobi, wir haben keine Milch mehr. Gehen Sie bitte in den Coop, zwei Strassen weiter.” Ja, ich würde zum Coop gehen, aber nicht nur dieses eine Mal. Coop würde ich in diesem Fall auch bei meinen weiteren Einkäufen aufsuchen. Und die Migros würde ich in Zukunft links liegen lassen.

Genau dies könnte auch der ÖBB passieren. Wer zu oft auf einen Zug wartete, in welchen er dann wegen Überfüllung nicht einsteigen konnte, der wird in Zukunft immer gleich von vornherein das Auto nehmen, weil es ihm schlicht und einfach zu doof wird.

Ich bin gespannt, ob und wie die ÖBB mit dieser Kunden-Einstellung die Euro08 bewältigen wird…

Bild © (cc) dugspr (flickr.com). Bearbeitung durch Andreas Hobi / schweizweit.net

19 Kommentare zu “Bitte nicht einsteigen, der Zug ist zu voll”

  1. m@rtin am 17.03.2008 um 14:22

    gibt es denn in österreich überhaupt eine alternative zur öbb? dein vergleich mit migros und coop stimmt nur dann, wenn es eine alternative dazu gibt.

    ich fahre regelmässig von olten nach solothurn und um 17.03 uhr von olten aus, ist der zug regelmässig extrem voll, vor allem am freitag abend. ich habe mich schon oft gefragt, wieso dann kein entlastungszug in betracht gezogen wird.

  2. Andreas Hobi | schweizweit.net am 17.03.2008 um 15:34

    Naja, von Olten aus gibt es zwischen 16:40 und 17:40 insgesamt vier Direktverbindungen nach Solothurn. Sind denn diese Züge alle so voll?

  3. m@rtin am 17.03.2008 um 16:20

    @Andreas
    der 17.03 uhr ist immer extrem voll, der 17.40 Uhr je nach dem, manchmal gehts ohne probleme, das man ein platz hat und manchmal nicht. der 16.40 Uhr kann ich nicht sagen, da ich diesen zug praktisch nie erwische :-)

  4. Stefan am 17.03.2008 um 17:52

    Nicht überall setzt die SBB Entlastungszüge ein. Am Sonntagabend um 20 Uhr fährt NUR 1 Zug und der ist schon ab Chur fast voll. Natürlich sind immer mindestens 3 Zusatzwagen dran, aber es wäre schön wenn da auch ein IC, und wenn es nur am Sonntag wäre, fahren würde.

  5. Michi am 17.03.2008 um 21:08

    Die Züge der ÖBB sind sowieso immer voll. Ohne Reservierung ist da prakrtisch nichts zu wollen. Die West-Ost Verbindung durch das Tirol hat einen !!!Zweistundentakt!!!. Ich nutze die Verbindung ab und zu und die Züge sind immer voll.
    Die SBB bekommen es wie Stefan schreibt auch nicht überall hin. Z.B auf der Verbindung zwischen Chur und St. Gallen. Am morgen gibt es dort keinen Entlastungszug obwohl der 7 Uhr ab Buchs SG schon in Buchs SG gefüllt ist. Am Abend gibts da unter der Woche immerhin noch den Schülerzug um 17.30 Uhr der ohne Halt bis Heerbrugg fährt. Aber auch die stündlich verkehrenden sind dort immer sehr voll. Aber die Ostschweiz interessiert die SBB sowieso nicht. Die sagen jetzt gross dass bis 2013 ausgebaut wird aber die durchgehende Doppelspur die nötig wäre wird immer noch nicht gebaut.

  6. Martin am 17.03.2008 um 21:46

    Überfüllte Züge gibt es auch bei der SBB. Nach einem ausverkaufen Eishockeymatch im Klotener Schluefweg wollten mehrere Hundert Fans in eine S-Bahn mit nur 2 Zugs-Kompositionen. Die Wagen waren derart überfüllt, dass der Zug nicht abfahren konnte. Das gesamte Perron war völlig überfüllt und die Trittbretter waren besetzt und alle wollten rein. Das Gedränge im Zug war eine Zumutung für die normalen Fans und die anderen Zugfahrer. Als der Zugsbegleiter und die Bahnpolizei einige Leute zu überzeugen versuchten wieder aus dem Zug zu steigen, brach eine Schlägerei aus. Ich muss sagen, dass die Bahnpolizisten total überreagiert haben und einige friedliche Fans nicht mit Anstand behandelt haben. Die Bahnpolizei war aber nach kurzer Zeit völlig überfordert und die Polizisten flüchteten wegen einer Schlägerei in den Führerstand der S-Bahn. Der Zug konnte über eine halbe Stunde nicht abfahren, weil das Perron immer noch gefüllt war mit Leuten. Als die Polizei eintraf wurde der gesamte Bahnhof geräumt und einige Leute zwangsweise aus der S-Bahn entfernt. Für mich war es eine Katastrophe. Die SBB hatte völlig falsch geplant. Nach einem Hockeymatch sollten genügend S-Bahn-Wagen vorhanden sein.

  7. Andreas Hobi | schweizweit.net am 18.03.2008 um 02:59

    @ Martin:
    Ich nehme mal an, Du meinst die S7 nach Zürich HB. Diese S-Bahn verkehrt im Viertelstundentakt. Ich denke da wäre es schon fast zu viel erwartet, noch mehr Züge in einer Stunde unterbringen zu wollen, insbesonders weil die Schienen, auf welchen die S-Bahnen verkehren, doch schon sehr an der Belastungsgrenze stehen.

    Klar ist jedoch: Würde die S-Bahn nur stündlich fahren, wäre ein Verstärkungszug angebracht gewesen oder man hätte zusätzliche Wagen anhängen können.

  8. Andreas Hobi | schweizweit.net am 18.03.2008 um 03:01

    @ Michi:
    Einige Züge sind zurzeit schon eine Zumutung für Kunden und Personal. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich dies ab 2013 teilweise ändert. Lassen wir uns mal überraschen. :)

  9. markus am 18.03.2008 um 19:49

    Nach einem Problem in der Region Basel, wurde zwischen Liestal und Basel ein Ersatzzug eingesetzt. Da waren aber so viele Leute drin, dass es ziemlich komisch unter dem Wagen hervor knurrte. Kann es sein, dass zu viele Leute drin waren und die Räder unten am Wagen oder sonst wo geschliffen haben?

  10. Dani am 18.03.2008 um 20:05

    Die S7 fährt (wie alle Stammlinien) im Halbstundentakt, da wäre es möglich gewesen in Kloten den Gegenzug (Taktkreuzung in Opfikon) abzuwarten und mit einem zweiten Zug bis HB (Halle, nicht DML) zu fahren. Für einen solchen Zug braucht es allerdings einen Besteller, der dies dann auch (mit-)bezahlt, da beschränken sich viele Veranstalter lieber darauf, den Weg Richtung Bahnhof zu weisen und sich dann bildlich aus dem Staub zu machen.

  11. Andreas Hobi | schweizweit.net am 18.03.2008 um 20:06

    Nein, das kann kaum sein. Vermutlich lag es eher daran, dass es ältere Wagen nahmen. (Ist jetzt einfach mal so meine Annahme, ohne die Situation und das dort eingesetzte Wagenmaterial wirklich zu kennen.)

  12. Michi am 18.03.2008 um 20:08

    @Andreas Hobi
    Ja ich denke ich kenne die Züge die du meinst. Das Rollmaterial welches auf der Rheintallinie fährt ist das hinterletzte. Die Linie bekommt wohl immer das Rollmaterial welches sonst nirgendwo mehr eingesetzt werden könnte weil die Kunden sonst reklamieren würden.
    Müsste ich nicht, ich würde die Rheintallienie nicht benützen.
    Ich fuhr auch schon über Zürich-Sargans und von dort mit dem Thurbo nur um dem Rollmaterial zu entgehen auch wenn es ein Umweg von mehr als einer Stunde war.

  13. Andreas Hobi | schweizweit.net am 18.03.2008 um 20:28

    Die Linie bekommt wohl immer das Rollmaterial welches sonst nirgendwo mehr eingesetzt werden könnte weil die Kunden sonst reklamieren würden.

    Im Zug 22:12 ab Zürich nach Chur (und in einigen anderen wenigen Zügen) wird genau dieses Rollmaterial verwendet. Bisher habe ich es noch nie erlebt, dass niemand reklamierte… :-/

  14. Michi am 18.03.2008 um 20:32

    Interessant :)
    Und dann sagt die SBB die Rheintallinie sei zu schwach frequentiert als das sich da besseres Rollmaterial und mehr Züge lohnen würden. Aber wer will schon in alten, immer schmutzigen und stinkenden Wagen rumkurven? Die meisten Leute wohl nicht.
    Das ist dann wohl wieder einmal eine Frage was zuerst war bzw zuerst kommen muss, das Huhn oder das Ei. Das Angebot oder die Nachfrage

  15. Martin am 18.03.2008 um 22:31

    @Andreas Hobi

    Der überfüllte Zug nach dem Eishockeymatch war die S7 von Kloten nach Winterthur. Diese verkehrt, soviel ich weiss alle 30 Minuten.

  16. Gumbo am 19.03.2008 um 16:36

    Auch die SBB-Güterabteilung (vor der Reorganisation) wurde dafür berüchtigt, dass sie gute Kunden praktisch auf die Strasse schickte und ihr Geschäft gar nicht mehr wollte, weil es nicht rentierte. Traurige Geschichte.
    Gumbo

  17. Gumbo am 19.03.2008 um 16:54

    Michi
    Ich kenne diese Züge. Ich fahre (zwar in der 1. Kl.) sehr gerne damit, man muss aber klar festhalten, dass sie gewisse Mängel aufweisen: Sie sind nicht Rollstuhl-gängig, sie haben alte Plumpsklos, die nicht sauber gehalten werden, und sie sind im Fahren träger und langsamer. Der Sitzkomfort ist aber höher, denn Stadler hat den Bahnen, die den neuen Leichttriebwagen kauften, vollkommen lausige 1.-Kl. Sitze verkauft, die gleich klein sind wie diejenigen in der 2. Kl.
    Gumbo

  18. halter heribert am 16.04.2008 um 12:03

    Bei mir wae es bei der OEBB auch schon in einem Nachtzug passiert (wien Feldkirch)hatte Schlafwagen.Nach einem Grossanlass standen die Leute auch im Schlafwagen.Der Betreuer hatte grosse Mühe die Leute raus zu schicken.Er meldete das weiter, dass im nächst grössern Bahnhof noch Wagen beigestellt würden.Nichts passierte und der Zug bekamm ca mit 40 Min in Feldkirch an.

  19. Christoph am 29.07.2008 um 21:02

    Also die ÖBB bringen es manchmal schon zu Stande, Zusatzzüge zu führen. So wurde vergangenes Jahr im Dezember (Fahrplanwechsel verbunden mit Feiertag) ein EC Wien-Zürich bis Feldkirch doppelt geführt.

    Ab Bern nutze ich jeweils, wenn ich abends in Zürich eine Sitzung habe und frühzeitig anreisen kann, auch sehr gerne den Zusatzzug um 17h14 ab Bern. So etwas dürfte es auch um 6h ab Bern und nach 17h ab Zürich geben (was teilweise auch auf den Fahrplanwechsel eingeführt werden soll). Weiter war es an der Zeit, dass um 5h30 ein direkter IC Bern-Zürich fahren wird, denn 4h51 ab Bern mit Umsteigen war nicht so toll (zumal man auch im Flughafen den IC Zürich 6h10-St. Gallen fast mit dem Zugschluss abfahren sieht :()

Schreibe einen Kommentar:

(Beachte bitte die Kommentar-Richtlinien.)
  • About

    schweizweit.net ist DIE Website wenn es um ÖV-Infos aus erster Hand geht! Täglich von Montag bis Freitag finden Sie hier interessante Berichte und Artikel rund um den öffentlichen Verkehr der Schweiz und über die Schweizerische Bundesbahn SBB.

    Alle Artikel können von den Lesern kommentiert und beurteilt werden. So entstand über die Jahre hinweg eine lebendige Community an Personen jeglichen Alters und aus allen Bevölkerungsschichten.

    Täglich werden die Beiträge bis zu 1'600 mal aufgerufen, rund 250 Personen haben die Artikel von schweizweit.net via feedburner.com abonniert. Über 60 Personen haben sich für den kostenlosen täglichen Email-Newsletter eingeschrieben und zu den fast 1'000 bisher geschriebenen Artikeln wurden über 3'900 Kommentare veröffentlicht.

    Nehmen auch Sie teil an den Diskussionen und Gesprächen hier auf schweizweit.net!