Die Einnahmen des Fürstentum Liechtensteins stammen nicht nur aus dem Finanz-, sondern unter anderem auch aus dem Industrie-Sektor. Eine der bedeutendsten Firmen des Ländles ist der Werkzeughersteller Hilti. (Hier geht es zu einem interessanten Artikel über Hilti…)

Ich kenne diese Firma durch eine Kollegin, welche dort die kaufmännische Lehre machte, mit mir die Berufsschule in Buchs SG besuchte und immer noch bei Hilti arbeitet. Und das aus gutem Grund. Die Firma unternimmt enorm viel, um den Zusammenhalt und den Teamgeist der Mitarbeiter zu stärken, was zu einer sehr tiefen Fluktuation führt. Dies sah man auch vorgestern in einem Beitrag der SF-Sendung “Eco”. Darin porträtiert das Schweizer Fernsehen den Verwaltungsratspräsident der Firma Hilti: Pius Baschera. Innerhalb der rund 9-minütigen Reportage wurde auch gezeigt, wie Hilti mit den Mitarbeitern umgeht und wie die Firma den Zusammenhalt stärkt.
Gleich zu Beginn ein Zitat von Baschera: “Wenn man sieht, wie sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelten, wie sie wachsen konnten, das macht mich glücklich.” Danach fährt der VR-Präsident mit einem Hilti-Vertreter zu einer Baustelle. Hier stellt sich mir schon einmal die erste Frage: Wann hat ein VR-Präsident (Thierry Lalive d’Epinay) oder ein SBB-CEO einen Mitarbeiter einen halben Tag lang an seinem Arbeitsplatz begleitet, ihm über die Schultern geschaut und versucht, die Stimmung an der Basis zu spüren und zu verstehen?
Sollte dies nicht sowieso zu den Aufgaben eines Top-Managers gehören? Ich spreche hier nicht von Stippvisiten und Smalltalk, sondern von einer wirklichen “Begleitung”, einem Auseinandersetzen mit der Arbeit der eigenen Mitarbeiter.
Wie man am Beispiel von Pius Baschera sieht, hilft dies dem Kadermann nicht nur, die Mitarbeiter, sondern auch die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden viel besser zu verstehen. Dies ist für jedes Unternehmen enorm wichtig.
Wie wichtig sind diese Begleitungen für Baschera? Hier seine Antwort im Eco-Bericht: “Das ist sehr wichtig! Hier geschieht unser Geschäft. Hier sieht man, ob die Kunden zufrieden sind, was wir gut machen, was weniger gut ist. Ausserdem sind wir so mit unseren Mitarbeitern unterwegs, sehen wie diese unsere Strategie umsetzen, sehen wo unsere Probleme sind und wo wir uns verbessern können. Das sieht man nur hier, und nicht im Glasturm in unserem Hauptsitz.”
Wow, sowas habe ich von Lalive d’Epinay nun wirklich noch nie gehört. Ähm… Wenn wir doch gleich bei ihm sind: Seine Stelle wird doch frei, oder? Hätte Baschera eventuell noch freie Kapazitäten für ein 60%-Pensum bei der SBB? ;)
Klar, Baschera versteht vermutlich (noch) nicht wirklich viel vom Bahngeschäft. Aber das tun die meisten anderen SBB-Verwaltungsräte auch nicht, wie mir nach dem Cargo-Debakel klar wurde. Von dem her würde es sehr wahrscheinlich gar nicht auffalllen. :)
(Oder will wirklich jemand behaupten, eine Christiane Brunner, ein Mario Fontana, ein Paul E. Otth, ein Paul Reutlinger und andere habe wirklich eine Ahnung vom Geschäft? In ihrem Lebenslauf lässt sich leider keine wirkliche Bahnausbildung finden; ihr Wissen beruht also auf reiner Theorie, ohne jegliche Praxiskenntnisse. Und letzteres finde ich persönlich enorm wichtig! By the way: Fontana und Otth treten demnächst zurück, am 23. April wählt der Bundesrat neue Verwaltungsräte.)
Zurück zum Thema: Pius Baschera mag zwar noch nicht sehr viel vom Eisenbahngeschäft verstehen, aber er weiss, wie man ein Unternehmen erfolgreich führt und die Mitarbeiter langfristig an die Firma bindet. Dieses Wissen müsste der SBB Gold wert sein.
Alle 15 Monate besuchen sämtliche Hilti-Mitarbeiter, vom Lehrling bis zum CEO, sogenannte “Teamcamps” und werden so zu einer verschworenen Gemeinschaft. Diesen Teamgeist vermisse ich manchmal bei der SBB.
Innerhalb des Zugpersonals (Zugbegleiter, Lokführer, Elvetino & Co) ist der Zusammenhalt absolut super! Aber zwischen dem Zugpersonal, den Bahnhöfen und den Zentralen Diensten (Büros) fehlt er oft. (Weshalb haben Zugpersonal, Schalterpersonal und andere eigentlich alle voneinander getrennte Pausenräume..?) Wie ich von älteren Mitarbeitern immer wieder höre, war dies früher noch anders…
An dieser Stelle muss ich jedoch unbedingt noch unsere direkten Vorgesetzten hier in Chur in Schutz nehmen. Sie ermöglichen uns nämlich jedes Jahr, einen halben Tag (oder auch mehr) an einem anderen Arbeitsplatz zu verbringen. Man kann sogar mehrere Arbeitsplätze besuchen. Dies hilft uns enorm, die Arbeit der anderen Bähnler zu verstehen und die Zusammenhänge eher zu sehen. Ich schätze diese Möglichkeit, auch wenn sie nicht ganz als Arbeitszeit gilt und wir dafür ein Stück Freizeit opfern müssen.
Ende des letzten Jahres war ich zum Beispiel an einem Morgen bei der sogenannten “Platzbewirtschaftung” und am Nachmittag im Kundendienst. Bei der Platzbewirtschaftung werden unter anderem Gruppenreservationen bearbeitet und man schaut, welche Züge mit zusätzlichen Wagen verstärkt werden müssen, weil aus irgendwelchen Gründen (Schulreisen, Messe, Konzert etc.) überdurchschnittlich viele Fahrgäste erwartet werden.
Und der Kundendienst ist, denke ich, selbsterklärend: Dort landen die Kundenreaktionen (positiv / negativ) und dort werden diese dann bearbeitet.
Die Arbeit hinter dem Billettschalter kenne ich noch von meiner KVöV-Lehre; deshalb habe ich im Schalter nicht vorbei geschaut.
Nachdem ich schon wieder abgeschweift bin, zurück zu Baschera. Er und auch alle anderen Hilti-Chefs essen selbstverständlich im Personalrestaurant. Dort, wo auch die anderen Mitarbeiter und die Lehrlinge sich verpflegen. Wann war Andreas Meyer das letzte Mal im Personalrestaurant “Oase” in Zürich? Wann hat Thierry Lalive d’Epinay zuletzt in einer Rottenküche (als es sie noch gab) ein Essen zusammen mit einem Gleisbauer-Team eingenommen und bei dieser Gelegenheit auch gleich mit den Bähnlern über ihre Arbeit gesprochen?
Ach übrigens: Letzten Freitag hat die Firma Hilti (zum wiederholten Mal) einen Rekordgewinn präsentiert. Mmh… Woran mag das wohl liegen..? :)
Bild 1 © (cc) Winnie Quan (flickr.com)
Bild 2 © Schweizer Fernsehen SF

{ 9 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Vor ein paar Monaten lief ein «Reporter»-Beitrag auf SF1, der die Arbeitsbedingungen bei Victorinox gezeigt hat (http://www.sf.tv/sf1/reporter/index.php?docid=20071017). War ähnlich wie dus hier bei der Hilti beschreibst. Wirklich sehr sympathisch.
Ja genau, Victorinox ist auch ein gutes Beispiel. Nur kenne ich die Betriebskultur dort zu wenig, um glaubhaft darüber schreiben zu können. :)
Ich hoffe, Du wechselst früher oder später auch in die Privatwirtschaft – ein staatliches Monopolunternehmen wie die SBB hat schlicht kein Interesse, wirtschaftlich zu arbeiten oder sich um ausreichend um Kunden und Mitarbeiter zu kümmern …
MDS:
Ich glaube, wenn man liest, was über die Firmenkultur in den Blättern steht, steht es auch bei Banken oder etwa der Swiss Airlines auch nicht so gut mit der Mitarbeiterzufriedenheit. Hat nicht unbedingt etwas mit Monopol zu tun.
Gumbo
Der Artikel wurde noch ergänzt:
Die beiden Verwaltungsräte Fontana und Otth treten in rund einem Monat zurück. Am 23. April 2008 wählt der Bundesrat neue Verwaltungsräte.
“Monopolunternehmen” würde ich so mal nicht unterstreichen. :)
Die SBB bekommt vom Bundesrat, von den Kantonen und von verschiedenen Organisationen (zum Beispiel: ZVV) Vorgaben, die sie einhalten muss. Tut sie dies nicht, hat es Konsequenzen. (Beim ZVV: Bonus- / Malus-System)
So gesehen hat die SBB schon Interesse, gute Arbeit zu liefern.
Mit meinem Artikel wollte ich auch nicht sagen, dass die SBB schlecht arbeitet oder sich gar nicht um Kunden und Mitarbeiter kümmert. In meinen Augen sind gute Ansätze vorhanden; es könnte einfach noch besser sein. ;)
Verglichen mit anderen Unternehmen, insbesonders aus der Privatwirtschaft, geht es und, so denke ich, recht gut. Die Sozialleistungen sind grösstenteils überdurchschnittlich und der Arbeitsdruck ist nicht ganz so gross, wie in anderen Unternehmen (Bsp: Callcenter).
Betreffend den VR-Wahlen:
Im Tagesanzeiger sagt es FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher ganz richtig: (Hervorhebung durch mich)
@ mds:
Was meinst Du eigentlich mit “Ich hoffe, Du wechselst früher oder später auch in die Privatwirtschaft.”?
Die SBB sind ein Monopolunternehmen, ob Du das nun unterstreichen möchtest oder nicht. Daran ändert auch das lächerliche Bonus-Malus-System des ZVV nichts …
Leider ist von diesem Interesse im Alltag nichts zu spüren. Ich denke beispielsweise an die absurde Idee, «Pünktlichkeit» als «Fahrplanmässige Zeit plus bis zu 6 Minuten» zu definieren … :roll: