Am Samstag vor einer Woche hat Sturm Emma kräftig geblasen. Dies war auch in der Ostschweiz zu spüren und deshalb kam es zu folgendem Ereignis:
Ich war Zugchef auf dem Zug, welcher um 11:22 Uhr von Chur nach St. Gallen fahren sollte. Doch bereits zu Beginn gab es Probleme: In Chur sagte mir der Fahrdienstleiter, dass zwischen Sevelen und Buchs die Fahrleitung heruntergerissen sei. Dort sei im Moment kein Durchkommen möglich. Ausserdem wäre noch ein Extrazug in Richtung Chur unterwegs, und wir müssten zuerst warten, bis der angekommen sei, bevor wir losfahren können.
Nun gut, mit drei Minuten Verspätung konnten wir losfahren. Jedoch blieb die Ungewissheit, dass die Fahrt eventuell in Sargans enden wird. Eigentlich hätten wir zu zweit auf dem Zug sein müssen, aber aus unbekannten Gründen war ich alleine. (Personeller Engpass?)
Ich rechnete damit, dass ich während der Fahrt per SMS oder Telefon Bescheid erhalte, ob wir nun bis St. Gallen oder nur bis Sargans fahren können. Da ich weder ein SMS erhielt, noch angerufen wurde, verliess ich mich auf die Anzeigen im Bahnhof Sargans. Dort stand: “Buchs St. Margrethen St. Gallen”, woraus ich schloss, dass wir die Fahrt fortsetzen können.
Ich stieg aus, und schon kam eine Dame in oranger Warnweste aufgeregt auf mich zu: “Alle aussteigen! Alle aussteigen! Alle auf den Bus!” Ich ging davon aus, dass sie weiss, was sie tut, suchte die nächstbeste Sprechstelle im Zug auf und machte eine Durchsage, bat die Fahrgäste auszusteigen und zum Busbahnhof zu gehen.
100 Personen setzten sich in Bewegung. Darunter auch ältere, gehbehinderte Personen, allein reisende Kinder und ein Blinder, der an der Hand geführt werden musste. Als sie alle beim Busbahnhof waren, ging ich zum Lokführer und fragte ihn, ob er wisse, wie es mit unserem Zug weitergehe. Doch weder er noch ich hatten weitere Informationen.
Da uns bereits in Chur gesagt wurde, wir sollen einfach bei der Komposition bleiben und nirgends hingehen, warteten wir auf weitere Infos.
Ungefähr zwei Minuten später läutete das Telefon: “Die Strecke ist wieder frei, ihr könnt weiterfahren.”
Na toll! Ich erklärte ihm, dass nun alle Fahrgäste beim Busbahnhof seien. “Ja dann müssen sie halt wieder einsteigen.”
Ok, gleiche Prozedur wie vorhin, nur in umgekehrter Reihenfolge. Kinder rein in den Zug, gehbehinderte Personen rein in den Zug, Blinder rein in den Zug. Irgendwann sassen alle wieder auf ihren Plätzen und wir fuhren los.
Die Begeisterung hielt sich bei den Fahrgästen – wie man vermuten könnte – in Grenzen. Auch wenn ich mich in aller Form für die Umstände entschuldigte, so zeigten dann doch ein paar Reisende ihren Unmut. Ausserdem wurde ich von einer Dame freundlich darauf hingewiesen, dass heute der 1. März und nicht der 1. April sei… Naja, immerhin hat sie den Humor nicht verloren. :)
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{ 2 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
*k* das gleiche habe ich im Bahnhof Zürich erlebt.
Sitze im Zug von Bern in Richtung St.Gallen. Kurz vor Zürich kommt die Durchsage das der Zug nicht weiterfahren wird. Es sollen alle bitte in Zürich aussteigen.
In Zürich angekommen alle raus aus dem Zug. Alle draussen warten alle auf eine Durchsage wie es denn mit uns weitergehen soll…
Als nach langen Minuten und diversen anderen Lautsprecherdurchsagen nichts für die Reisenden in Richtung St.Gallen kommt und die Anzeige noch immer St.Gallen als weiteres Reiseziel angibt also alle wieder rein und mal warten was denn nun geschieht…
Dann fährt der Zug langsam los, per Lautsprecher kommt dann auch gleich eine Entschuldigung für die Falschinformation. Der neue Zugbegleiter der den Zug an Zürich übernommen hat musste sich dann auch einiges von einer älteren Dame anhören ;)
In Störungsfällen ist es nun mal nicht immer einfach, innnert weniger Minuten gleich eine Patentlösung auf die Beine zu stellen. Deshalb können solche Dinge einfach ab und zu geschehen. Spass macht es natürlich niemandem; weder den Kunden noch dem Personal. :)