
Da soll noch jemand sagen, die SBB sei teuer… ;o)
Preis und Angebot der Schweizer Bahnen können sich im europäischen Vergleich sehen lassen.
(Basler Zeitung; 29. Februar 2008)Die Schweizerinnen und Schweizer sind eine ausgesprochene Bahnfahrer-Nation. Einer der Gründe dürfte sein, dass Angebot und Preise der Schweizer Bahnen im europäischen Vergleich gut bis sehr gut abschneiden.
(St. Galler Tagblatt, 1. März 2008)
Dies sind nur zwei von unzähligen Medien, welche über eine neue Studie des Informationsdienstes für den öffentlichen Verkehr (LITRA) berichteten.
In dieser Studie werden die Preise und das Angebot der SBB mit jenen der französischen SNCF, der deutschen DB, der italienischen FS / Trenitalia und der österreichischen ÖBB verglichen.
Die Preise der SBB liegen dabei kaufkraftbereinigt an dritter Stelle. Eine Bahnfahrt von 200 Kilometern kostet in der Schweiz in der 2. Klasse CHF 53.-. In Österreich bezahlt man dafür CHF 61.- (+15%), in Deutschland CHF 74.- (+40%).
Interessant ist auch der Vergleich des Halbtax-Abos mit ähnlichen Angeboten in den Nachbarländern: Italien kennt kein Halbtax, in Österreich kostet es 168 Franken, in Deutschland 370 und in Frankreich 672 Franken. (Schweiz: CHF 117 – 150)
Dazu auch gleich die Frage “Wie oft muss man eine Strecke von 200 Kilometern fahren, damit das Halbtax rendiert?”:
- Schweiz: 6
- Österreich: 7
- Deutschland: 12
- Frankreich: 32
Schwieriger zu vergleichen ist das GA. Für die zweite Klasse kostet dies in Frankreich CHF 15,396, in Deutschland 5,712 und in der Schweiz 3,100.-. Dabei muss man meiner Meinung nach jedoch auch berücksichtigen, dass Frankreich und Deutschland wesentlich grösser sind als die Schweiz (CH: 5,000 km; F: 30,000 km; D: 35,000 km) und dass diese beiden Länder über Hochgeschwindigkeitsstrecken verfügen.
Ebenfalls gelobt wird in der Studie die Übersichtlichkeit und die Einfachheit des SBB-Tarifsystems. Das bewährte Angebots- und Preissystem werde nur mit Bedacht verändert.
Die oben stehenden Fakten habt ihr alle bestimmt schon in den Medien gelesen. Nun kommen wir zu weiteren interessanten Punkten der Studie, welche in den Medien (meines Wissens nicht erwähnt wurden) und die ihr nur in der Studie selbst oder hier auf schweizweit.net findet:
- Die Differenz der zweiten zur ersten Klasse ist in der Schweiz etwas höher als in den Nachbarländern.
- Die SBB befördert Kinder am längsten gratis. (Bis 5.99 Jahre)
- Die SBB gewährt Kindern und Jugendlichen am längsten einen günstigeren Tarif. (1/2 Preis bis 15.99 Jahre)
- Die SBB liegt beim Preis für die Mitnahme eines Kindes am unteren Ende.
- Für Jugendliche (16+) und Senioren liegt die SBB preislich am oberen Rand.
- Die SBB hat (im Gegensatz zu den Nachbarbahnen) noch keine Treueprämien oder Meilen-Lösung realisiert.
Reservationspflicht
Die Studie kommt zum Schluss, dass sich die “S-Bahn Schweiz”, also das Schweizer Eisenbahnnetz, nicht für eine Reservationspflicht eignet:
Die Schweiz verfügt über ein historisch gewachsenes Angebots- und Preissystem. Gleichzeitig ist das Zugsangebot der SBB und der Transportunternehmungen hoch und entwickelt sich mit kurzen Takten und Knoten immer mehr zu einer S-Bahn Schweiz. Im Unterschied zu den Nachbarländern sind die zurückgelegten Distanzen bescheiden, die Nutzung der Bahn ist jedoch hoch. Mit dem bestehenden Angebots- und Preissystem kann der Kunde frei auf Leistungen zugreifen, ohne Vorkaufsfrist, Reservationspflicht und Zugsbindung oder weitere Einschränkungen. An diesem Prinzip wird festgehalten. Die Popularität des Angebots wird in starkem Masse durch die Einfachheit geprägt. Der Erfolg der Pauschalfahrausweise Halbtaxabonnement und Generalabonnement sind ein Indikator dafür. Auch das Preisniveau der SBB ist unter Berücksichtigung der Kaufkraft marktgerecht. Aus diesen Gründen wird die SBB das nationale Angebots- und Preissystem nur mit Bedacht verändern. Reservationspflicht und systematische zeitliche Preisdifferenzierungen sind auch in Zukunft kein Thema.
Dann bin ich ja froh. ;o)
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{ 8 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Als Exilschweizer, SBB-Fan, und ex-GA-Besitzer, finde ich diese Tatsache extrem interessant. Ein Vorteil, aber auch nur einen hat die DB. Extrem schlechter Fahrplan (im Nahverkehr), altes Material, Bahnhöfe, die schrecklich aussehen, usw. Billig sind aber die Ländertickets. Für 18 kann ich in ganz BW (ausser in ICEs) herum fahren. Für 27 Euro können sogar bis zu 5 Personnen mitfahren. Das Ticket gibt´s auch in Bayern (weiss nicht, wie teuer es dort ist), und glaube ich sonst auch. Ich benütze das BW-Ticket um von Heidenheim, über Ulm bis nach Basel Bd.Bahnhof zu fahren, wenn ich jeweils zurück nach Biel fahre. Sicher billiger als das, was ich nachher in der CH bezahle für mein Ticket Basel-Biel.
Ja, diese Ländertickets sind wirklich erstaunlich günstig. Und die DB hat von Zeit zu Zeit auch andere preiswerte Angebote. Im Regionalverkehr bietet sie sehr gute Preise an, im Fernverkehr schaut es dann wieder ein wenig anders aus. (Meistens…)
Ein weiterer Unterschied: In Deutschland ist es im FV üblich, einen Sitzplatz zu reservieren, in der Schweiz steigt man einfach in den nächstbesten Zug… :)
Hm, die Ländertickets sind zwar günstig, aber oft ohne Komfort. Gut, wenn man gar kein Geld hat ist das die einzige Chance. Kann man aber wählen ist das zu wenig Komfort und der Fernverkehr mit Komfort viel zu teuer.
Da ist die CH-Lösung besser, wer mehrmals pro Jahr Zug fährt, hat mindestens ein Halbtax, dazu gibt es Tageskarten. D.h. das Halbtax (91 Euro) hat man sowieso, die Tageskarten kosten 40 Euro und dann kann man tun, was man will. Die bundesweite DB-Lösung Wochenendticket kostet 35 Euro und gilt auch nur im Nahverkehr. Gut, man kann fünf Menschen mitnehmen, aber für allein Spontanfahrer ist die CH-Lösung klar besser.
In Deutschland scheitert es schon an der teureren Bahncard (220 Euro) und dann gibts dazu eben keine Tageskarten im Fernverkehr zu kaufen.
Bestes Beispiel, eine Kollegin wollte mich am Sonntag besuchen, habe ich von Basel und Schaffhausen Verbindungen im Nahverkehr rausgesucht, aber stundenlange Wartezeiten und Nahverkehr sind einfach Quatsch, d.h. sie nimmt jetzt den ICE ab Schaffhausen. :-)
Fabi
In Berlin kostet ein Ticket 2.40 EUR und ist 2 Stunden gültig (ohne Halbtax oder ähnlich). Ich habe es nicht genau kontrolliert, aber dieser Bereich entspricht sicher 4 Zonen oder mehr in Zürich (Preis 15 CHF, 1 Stunde gültig)
Nachtzuschläge gibt es auch nicht, obwohl die U-Bahnen am Fr. und Sa. die ganze Nacht fahren und es auch unter der Woche Nachtbusse gibt.
Also, dass die Schweiz günstig ist stimmt bei diesem Vergleich überhaubt nicht, sogar wenn man da eine Kaufkraftbereinigung von etwa einem Drittel abzieht.
Ja, in Deutschland sind die Verbünde sehr unterschiedlich teuer. Eine teure Variante ist Stuttgart. Eine einfache Fahrt im Stadtgebiet (Zone 10,20) kostet 2,35 Euro. Ermässigung (Bahncard, …) gibt es nicht.
In Zürich kostet eine einfache Fahrt 3,90 CHF (2,50 Euro) und kann mit Hlabtax ermässigt werden. Dann kostet es 2,70 CHF bzw. 1,73 Euro.
Bei Tageskarten wird es noch deutlicher, Stuttgart 5,60 Euro. Zürich mit Halbtax 5,40 CHF. :-)
Also, es kommt immer auf das wo an, z.B. gibt es in Basel ausnahmsweise ja keine Halbtxermässigung bei Tageskarten. Dort bezahlt man mit 8,00 CHF mehr als in Zürich mit Halbtax.
Und generell, wenn man zusammenrechnet, sollte man mit einem sehr günstigen Halbtax deutlich günstiger wegkommen, wie mit einer eher teuren Bahncard 50, die oft nicht mal benutzt werden kann.
Fabi
@ urs:
4 Zonen und mehr sind im ZVV auch 2h gültig…
Also zu D: Bahncards bringen in vielen Verbünden der Großstädte nichts. Allgemein sind die Tarife hier viel mehr zersplittert. In Schleswig-Holstein zum Beispiel bekommt man im Regionalverkehr auch mit einer Bahncard 50% nur den Rabatt einer Bahncard 25%. Das liegt daran, dass ganz Schleswig-Holstein quasi einen eigenen Verkehrsverbund bildet und man dort die Bahncard 50% nicht voll anerkennen möchte.
FÜr die Großstädte zwei Preisbeispiele:
In Berlin kostet die Einzelfahrt 2,10 EUR! Gilt zwar zwei Stunden, aber nur in eine Richtung. Rückfahrten sind damit unter keinen Umständen möglich. Dieses Ticket gilt nur innerhalb des Stadtgebiets Berlin.
In Hamburg kostet die Einzelfahrt 2,60 EUR. Sie gilt innerhalb des Stadtgebietes von Hamburg und den direkt angrenzenden Gemeinden. Eine Zeitbeschränkung gibt es nicht, man darf die Fahrt aber auch nicht länger unterbrechen. Wenn man nach 9 Uhr fährt, ist die Tageskarte günstiger. Sie gilt für den gleichen Bereich und kostet nur 5,10 Euro für 1 Erwachsenen mit bis zu drei Kindern bis 14 Jahre.
>Die SBB gewährt Kindern und Jugendlichen am längsten einen günstigeren Tarif
. (1/2 Preis bis 15.99 Jahre)
Wobei da zu sagen ist, dass die Vorteilscard der ÖBB für Jugendliche bis 26 mit 19€ pro Jahr schon fast geschenkt ist. :D