Der öffentliche Verkehr in Hongkong


Dieser Artikel ist ein Teil der Serie “ÖV im Ausland” und wurde von Ralf Zimmermann geschrieben.

Da Hongkong sehr dicht besiedelt ist, hat sich die ehemalige Kronkolonie ein leistungsfähiges und zum Teil gewöhnungsbedürftiges Verkehrssystem zugelegt. Da der ÖPNV sehr preisgünstig und die Zulassungsgebühren für PKW bis zu 100% des Neupreises betragen, wird es auch entsprechend genutzt.

Hong Kong besteht im Wesentlichen aus folgenden geographischen Einheiten: Hong Kong und Kwoolon, New Territories und die Outlying Islands (hier die Insel Lantau).

Im Regelfall wird man mit dem Flugzeug in Hong Kong ankommen. Da sich der Airport auf der Insel Lantau befindet, sind die Taxen (alles Toyota Crown) blau oder rot. Sollten alle Taxen schwarz sein, sollte man ein ernstes Wort mit dem Piloten sprechen, da man sich jetzt in Macao befindet. Die verschiedenen Farben der Taxen zeigen an, wo das Taxi zugelassen ist und Passagiere aufnehmen darf. Rot ist Kwoloon und Hong Kong, Lantau hat Blau und die grünen Taxen fahren in den New Territories. Die Preise sind dabei äusserst moderat (Airport – City ca. 350 HK$). Wer das erste Mal mit Taxi fährt, wird sich möglicherweise wundern, dass sich der Fahrpreis auf dem Taxameter erstmal eine Zeitlang nicht ändert. Das liegt daran, dass man generell für zwei Meilen bezahlt, erst danach läuft der Taxameter weiter. Ein Problem sind allerdings die Fahrer bzw. deren Englisch- und Ortskenntnisse. Nicht dass die Fahrer nicht wissen, wo sie entlangfahren sollen, der (westliche) Passagier kann sein Ziel nicht korrekt benennen. Man nennt nämlich nicht die Strasse und Hausnummer, sondern das entsprechende Gebäude in der HK-Bezeichnung (kann vom offiziellen Namen erheblich abweichen). Zum Fahrpreis kommt noch die Tunnelmaut hinzu, Gepäck kostet ebenfalls Zuschlag.

Wesentlich schneller kommt man vom Airport mit dem Airport-Express in die City (100 HK$). Ach ja 1 HK$ sind ca. 0,10 € oder 0,17 CHF).

Das leistungsfähige Verkehrssystem in HK ist die MTR (Mass Transit Railway). Sie verwaltet sieben U-Bahn Linien, sowie East-Rail und West-Rail (fahren beide durch die New Territories bis zur Grenze nach Mainland China). Das Problem bei der MTR: Die Linien besitzen keine Nummern sondern Namen! Machen wir mal einen Test: Wer von der Hong Kong Station (kennt kein Taxifahrer), also von Central (kennt jeder), gelegen auf der Insel Hong Kong, nach Prinz Edward, in Kwoloon gelegen, will, muss man mit der Tsuen Wan Line fahren. Das bitte merken!

Zum Glück für chinesische Analphabeten, also solche wie ich, hat die MTR jeder Linie eine eigene Farbe gegeben (im obigen Falle ist es die rote Linie). Die MTR fährt von 06:00 – 00:30 Uhr, zum Teil im vier-Minuten-Abstand. Die Fahrpreise sind entfernungsabhängig und bewegen sich zwischen 4 HK$ und 28 HK$. Fahrscheine müssen am Automaten gegen Bares oder mittels der Oktopus-Card erworben werden. Zur Oktopus-Card komme ich später. Der Fahrschein wird in die Sperre gesteckt, Sperre geht auf und man begibt sich zum Bahnsteig. Und der ist lang, sehr lang. MTR-Züge sind in der Regel so lang wie ein ICE in Einzeltraktion. Die Stationen werden generell auch in lateinischen Buchstaben angezeigt. Das war der einfache Teil. Ab jetzt spielen wir die chinesische Variante von russisches Roulette: Wir fahren Bus!

Es gibt in HK drei völlig unterschiedliche Bussysteme. Allen gemeinsam ist, das man passend bezahlen muss, Wechselgeld gibt es nicht! Auch erfolgt die Ermittlung des Fahrpreises nach dem gleichem System. Die Busse haben nämlich einen gleitenden Fahrpreis. Die Ermittlung des Fahrpreises muss man sich folgendermassen vorstellen: An der Endhaltestelle A beträgt der Startpreis 10 HK$. Dieser Preis ist unabhängig von der Anzahl der zu fahrenden Stationen. Je näher der Bus der Endhaltestelle B kommt, desto günstiger wird es. Das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Für Anfänger sind die Linienbusse am besten geeignet. Das sind grosse dreiachsige Doppeldeckbusse, sowie (seltener) Eindecker. Die Linienführung und Abfahrtzeiten sind an den Haltestellen auch in lateinischer Schrift angeschlagen. Diese Busse haben Liniennummern. Wenn man also an der Haltestelle für Linienbusse steht und der Bus kommt, sollte man schauen, ob neben der Nummer ein X steht. Steigt man in einem solchen Bus ein, hat man unter Umständen einen längeren Fussmarsch vor sich, da diese Busse nicht an jeder Haltestelle halten. Es gibt noch weitere Buchstaben, aber die sind nicht so wichtig. Der zweite intensivere Blick sollte auf das kleine Kästchen hinter der Windschutzscheibe unten links gerichtet sein, da dort der aktuelle Fahrpreis angezeigt wird. Wir erinnern uns? Es ist passend zu zahlen! Ausser, man hat die Oktopus-Card (nicht auf allen Linien möglich). Bezahlt wird beim Einstieg.

Für abenteuerlustige Zeitgenossen sind die Minibusse zu empfehlen. Die sind beige mit einem roten oder grünen Streifen. Das Fahrziel ist bei diesen Bussen nicht durch Nummern, sondern in chinesischen Schriftzeichen angezeigt. Auch gibt es an den Haltestellen in der Regel keine Linienpläne in lateinischer Schrift. Ein Fahrplan ist sowieso nicht notwendig. Der Fahrpreis wird durch Papptafeln an der Frontscheibe angezeigt. Da die Fahrer ihre Ressourcen maximal ausnutzen wollen, also den Bus, wird er erst losfahren, wenn der Bus voll ist. An Haltestellen ist der Wille zum Mitfahren durch Handzeichen anzugeben, da der Bus sonst vorbeifährt. Der Aussteigewunsch ist dem Fahrer durch Knopfdruck anzuzeigen, er wird dann an der nächsten (roten) Ampel die Tür öffnen. Dass die Fahrer alle verkappte Formel Eins-Fahrer sind, versteht sich von selbst.

Mit der Oktopus-Card kann man in diesen Bussen meistens nichts anfangen.

Der Unterschied zwischen den Bussen mit grünen und roten Streifen ist ganz einfach, die Busse mit den grünen Streifen haben feste Linien und man wirft das Fahrgeld beim Einstieg in den Trichter, während die Busse mit den roten Streifen ihre Linienführung schon mal ändern und das Fahrgeld wird beim Aussteigen beim Fahrer bezahlt.

Zur Erholung das Tram: Es gibt nur eine Linie mit Abzweigung zur Happy Vally Pferderennbahn. Das Tram ist doppelstöckig und beim Aussteigen wirft man 2 HK$ in den Trichter. Allerdings fahren nicht alle Trams die gesamte Strecke.

Zu den Outlying Islands und nach Hong Kong kann man auch mit Fähren fahren, deren bekannteste die Star Ferry ist. Die meisten Fähren kann man mit der Oktopus-Card bezahlen.

Bei der Star Ferry muss man sich allerdings entscheiden ob man Oberdeck (2,20 HK$) oder Unterdeck (1,75 HK$) fahren möchte. Zu den anderen Inseln geht es von der Ferry Pier zwischen Central und Sheung Wan ab, wobei auch hier die Fahrpreise moderat sind.

Wer gerne Stempel im Pass sammelt oder mal schnell über Wasser düsen will, sollte eine Tour nach Macao erwägen. Es gibt sechs Stempel im Pass (wir bewegen uns aber innerhalb Chinas!) und ab Lantau geht es mit gut 100 km/h über Wasser.

Die vielfach erwähnte Oktopus-Card ist eine wiederaufladbare Guthabenkarte, mit der man die meisten Verkehrsmittel bezahlen kann. Beim Bezahlen hält man sie einfach vor das Lesegerät, der Fahrpreis wird berührungslos abgebucht. Sie kostet 150 HK$, wobei 50 HK$ Pfand sind. Eine Überziehung von 35 HK$ ist möglich, dann muss sie wieder mit Bargeld oder Kreditkarte aufgeladen werden.

Und jetzt zum Test: Wie lautet der Name der Linie, mit der man von Central nach Prinz Edward fahren kann?

4 Kommentare zu “Der öffentliche Verkehr in Hongkong”

  1. shibby am 28.02.2008 um 14:49

    cool. da kommen ja grad wieder erinnerungen hoch. lebte vor 2 jahre eine zeit lang in hongkong…
    ich finde die trams besonders lustig… gut festhalten lautet meine devise…

  2. Sandra-Lia am 29.02.2008 um 01:27

    Tsuen Wan Line

    ^^

    Ich glaub, das wär mal was für mich

  3. Ralf am 10.03.2008 um 22:47

    Hast Du das gemerkt oder geschummelt?

  4. Sandra-Lia am 11.03.2008 um 16:07

    würde doch nie im leben schummeln.. neee.. so was weiss man einfach *lol*

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