
Heute ist ein Freudentag, denn Thierry Lalive d’Epinay, seines Zeichens noch SBB-Verwaltungsratspräsident, tritt per Ende 2008 zurück. Sein Abgang wird weder von der Gewerkschaft SEV noch von einem grossen Teil des Personals bedauert. Im Gegenteil: Das Personal atmet auf.
Lalive d’Epinay war hauptverantwortlich für den kontinuierlichen Personalabbau der SBB, welcher trotz erhöhten Leistungen im Personen- und Güterverkehr, streng durchgezogen wurde.
Das heisst für das Personal: Heute muss pro Mitarbeiter deutlich mehr geleistet werden, als noch vor ein paar Jahren. Ein Teil dieses Mehraufwandes kann durch die Modernisierung aufgefangen werden; vieles bleibt jedoch beim Personal hängen. Von Jahr zu Jahr fahren mehr Züge und werden mehr Passagiere und Güter transportiert. Der Personalbestand nimmt jedoch deutlich ab.
In Gesprächen mit Mitarbeitern, welche schon über 30 Jahre im Unternehmen sind, höre ich immer wieder, dass die Arbeit massiv strenger und stressiger geworden ist.
Dass die SBB heute nicht mehr so sicher unterwegs ist als noch zu früheren Zeiten, ist die logische Folge davon. (Mehr dazu in diesem SEV-Dokument, zu welchem ich in den nächsten Tagen noch meine Meinung sagen werde.)
Aus diesen Gründen ist es auch nicht verwunderlich, wenn man von der Gewerkschaft SEV hört, Lalive d’Epinays Rücktritt sei längst fällig gewesen und die Ankündigung seines Abtretens löse kein Bedauern aus.
Auch die “kleinere” Gewerkschaft transfair wird den Präsidenten nicht vermissen. Sie sagt, das Schweizerische Eisenbahnsystem könne nicht mit amerikanischen Methoden restrukturiert werden, die nur auf Personalabbau zielten. Genau dies hat Lalive d’Epinay jedoch jahrelang gemacht.
In meinen Augen ist das Personal das Kapital jedes Unternehmens. Ohne genügend qualifizierte Leute ist ein Unternehmen zum Scheitern verurteilt. In den letzten Jahren jedoch war das Personal in den Augen der SBB-Führung nur noch ein lästiger Kostenfaktor, der auf das Minimum beseitigt werden musste.
Nicht, dass man mich jetzt falsch versteht: Mir gefällt es nach wie vor bei der SBB und ich gehe an fast jedem Tag gerne zur Arbeit. Aber es braucht nun endlich eine Trendwende und die SBB-Chefetage muss das Personal wieder mehr schätzen lernen und sich bewusst werden, wie wichtig die “Leute an der Front” sind.
PS: Sorry für das Wasserzeichen auf Ihrem Foto, geschätzter Thierry Lalive d’Epinay. Aber wer das Personal jahrelang demütigt und abwertet, muss damit rechnen, dass es irgendwann auch einmal zurück schlägt.

27.02.2008 um 11:52
Man darf in dieser Sache aber nicht vergessen, dass der VR der SBB in erster Linie unter politischem Druck vor allem der bürgerlichen Mehrheit der Bundes- und Kantons-Politiker steht. Ein ÖV, der von unseren autogeilen SVP (und andere) nicht besser gefördert wird, kann auch vom besten VR vorwiegend Spar- und Abbaumassnahmen erwartet werden.
Gumbo
27.02.2008 um 13:19
Gumbo das muss ich dir zustimmen. Die SBB ist eine AG im Besitz des Bundes und so lange der Bürgerlich regiert wird, wird es auch mit dem Abbau nicht besser. Ich erinnere hier nur an die Aussagen von BR (adé) Blocher „ich sehe immer Züge die halb leer herumfahren, da könnte man einiges Einsparen“. Solche Sprüche hört man oft aus Bürgerlichen und vor allem aus SVP munde. Es war die Bürgerliche Mehrheit die die Privatisierung der SBB so durchgebracht hat. Gut die Linken und das Volk (Besitzer der SBB) haben sich nicht gross gewehrt. Es sind die Bürgerlichen die mit der SBB am liebsten an die Börse gingen und sie völlig dem Markt überlassen wollen und wenn das passiert werden sich viele den Lalive wieder zurückwünschen.
Ich möchte ihn hier nicht in Schutz nehmen. Ich finde auch das 10 Jahre genug sind. Nur die frage ist ob es mit einem neuen besser wird. Die vorgaben kommen von oben. Vom Parlament das der SBB den Leistungsauftrag erteilt und die Vorgaben macht wie 5 % mehr Produktivität und die lässt sich nun mal am einfachsten über Personalabbau erreichen. (alte HSG Weissheit)
Wir müssen uns immer bewusst sein wer der SBB den Auftrag gibt und das ist nun mal das Parlament das eine Bürgerliche Mehrheit hat und die wird vom Volk (dem Besitzer) gewählt. Auch Eisenbahner wählen Bürgerlich und vor allem SVP (ÖV abbauer 1ten Grades)
Ich denke egal wer VR Präsi ist. Er ist hat die vorgaben von Bund einzuhalten, dafür wird er auch ernannt.
Das Problem ist also nicht Lalive alleine sonder auch das Parlament. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her.
Grüsse von einem der schon 13 Jahre bei der Bahn ist
27.02.2008 um 13:51
Naja, was das Parlament angeht, wähle ich nun einmal “das kleinere Übel”, sprich: Leute aus FDP und SVP.
Mir ist schon klar, dass die aus der Volkspartei nicht wirklich bahnfreundlich sind (einige Ausnahmen bestätigen die Regel), über das gesamte politische Spektrum gesehen jedoch schaden sie unserem Land weniger als die Leute aus den linken Parteien.
Ich will jetzt hier aber keine Grundsatzdiskussion darüber lostreten, welche Partei nun öfters “Recht hat” und wen man wählen sollte. Deshalb nur noch ein paar wenige Worte ganz kurz zum Abschluss:
Aus ÖV-Sicht wählt man links, wenn einem jedoch das Wohl unseres Landes am Herzen liegt, wählt man besser rechts von der Mitte. :)
27.02.2008 um 14:14
Habe ich Dich richtig verstanden, Andreas? Dein Kommentar stimmt doch überhaupt nicht überein mit dem Beginn des Artikels! Wolltest Du nicht schreiben “Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber”?
27.02.2008 um 14:19
Das kannst Du gerne so sehen, ich habe kein Problem damit. :)
Nur wie gesagt: Ich habe eine eigene Meinung und zu der kann ich mit gutem Gewissen auch stehen.
27.02.2008 um 15:07
ich – seit vielen jahren bei der sbb – atme nicht auf, ich schnappe nach luft!
wer folgt nach? ist besseres zu erwaren von unserem parlament?
wem das wohl des landes am herzen liegt wählt rechts von der mitte. das ich nicht lache! die ahv ist natürlich ein werk der rechten. jawoll – es ist schon im namen enthalten: die rechten machens schon recht und hütet euch vor diesen sozialen.
hoffentlich benötigst du deren werke nie – im ernst!
aber gell, wir alle wählen was wir gut finden. das ist auch gut so.
28.02.2008 um 17:44
John,
eben wollte ich den mit den dümmsten Kälbern erwähnen, nun habe ich gesehen, dass du dies schon gemacht hast.
Ich sage nur: Ich wähle nicht die Parteien, die meine Existenzgrundlage in Frage stellen. Die Bürgerlichen hätten, wenn es immer nach ihnen ginge, einen massiven Abbau des ÖV-Angobotes in der Schweiz durchgesetzt, so im Stil: “den Markt entscheiden lassen, keine Subventionen”, etc. Dann wäre Andreas vielleicht ohne Job.
Aber ich verstehe auch, wenn er der SVP in bestimmten Fragen beistimmt, mir geht es auch so. Aber – wenn ich SVP wähle, heisst das immer, dass ich ihrem ganzen politischen Programm zustimme.
Und: Wenn man also links oder grün wählt, geht es mit der Schweiz bergab. Das lese ich aus den obigen Zeilen. Schweden zum Beispiel war lange Jahre traditionell links regiert, ist aber heute ein wohlhabendes Land, das uns in vielen Belangen voraus ist.
Oder die USA: Vor Bush’s Wahl hatte der Bund kein Defizit, nach 8 Jahren Bush jedoch die grösste Verschuldung “ever” zu verzeichnen. Dazu Tausende toter GIs im Irak. Das war wohl auch im Sinne des Wohls des Landes.
Gumbo
28.02.2008 um 17:44
John,
eben wollte ich den mit den dümmsten Kälbern erwähnen, nun habe ich gesehen, dass du dies schon gemacht hast.
Ich sage nur: Ich wähle nicht die Parteien, die meine Existenzgrundlage in Frage stellen. Die Bürgerlichen hätten, wenn es immer nach ihnen ginge, einen massiven Abbau des ÖV-Angobotes in der Schweiz durchgesetzt, so im Stil: “den Markt entscheiden lassen, keine Subventionen”, etc. Dann wäre Andreas vielleicht ohne Job.
Aber ich verstehe auch, wenn er der SVP in bestimmten Fragen beistimmt, mir geht es auch so. Aber – wenn ich SVP wähle, heisst das immer, dass ich ihrem ganzen politischen Programm zustimme.
Und: Wenn man also links oder grün wählt, geht es mit der Schweiz bergab. Das lese ich aus den obigen Zeilen. Schweden zum Beispiel war lange Jahre traditionell links regiert, ist aber heute ein wohlhabendes Land, das uns in vielen Belangen voraus ist.
Oder die USA: Vor Bush’s Wahl hatte der Bund kein Defizit, nach 8 Jahren Bush jedoch die grösste Verschuldung “ever” zu verzeichnen. Dazu Tausende toter GIs im Irak. Das war wohl auch im Sinne des Wohls des Landes.
Gumbo
20.04.2008 um 21:12
wenn ein Präsident abtritt kommt ein neuer, und ob der es dann besser macht weiss man nicht..aber immer noch besser ein ende mit schrecken als ein schrecken ohne ende!
und politisch gesehen ist zuviel links genau so einschläfernd wie zu viel rechts..die mitte wäre gut..aber wo befindet sich denn die mitte?