10vor10-Reportage über Cisalpino-Pannen rund um den Lötschbergbasistunnel

von Andreas Hobi am 22. Februar 2008 · 8 Kommentare

Liebes Schweizer Fernsehen, es freut mich sehr, dass ihr immer mal wieder über die SBB berichtet. Beinahe immer beruhen diese Beiträge auf ausgezeichneter Recherche. (Kassensturz mal ausgenommen.)

Was ich nun aber in der 10vor10-Ausgabe vom Mittwoch, 20. Februar hören durfte, erstaunte mich dann doch sehr. Ich zitiere, was die Moderatorin Susanne Wille zu der zweiten Cisalpino-Panne sagte:

Jetzt zeigen Recherchen von 10vor10 Beunruhigendes: Offenbar sind die Probleme so gross, dass das SBB-Personal vor jeder Fahrt am Morgen die Cisalpino-Züge überprüfen, ob mit der Sicherheit auch wirklich alles in Ordnung ist.

Nun, es ist richtig, dass die Cisalpino-Züge jeden Morgen auf ihre Sicherheit geprüft werden. Das habt ihr ganz richtig gesagt. Was ihr jedoch verschweigt: Nicht nur die Cisalpinos, sondern auch alle anderen Züge werden vor ihrer ersten Fahrt (und teilweise auch während des Tages) auf ihre Sicherheit überprüft. Dabei achten wir vom Zugpersonal (Zugbegleiter, Lokführer) bzw. die Visiteure unter anderem darauf, ob die Bremsen in Ordnung und die Wagen korrekt gekuppelt und miteinander verbunden sind. (Luftschläuche, Strom- und Datenkabel etc.)

Euer Cisalpino-Beitrag suggeriert dem Zuschauer leider, dass wir diese Kontrollen machen, weil die SBB-Züge unsicher, ja fast schon gefährlich sind. Dies ist nicht der Fall; man kann die SBB-Züge mit gutem Gewissen als sicher bezeichnen. Dies gilt im Übrigen auch für die Cisalpino-Züge. Zwar lässt ihre Zuverlässigkeit zu wünschen übrig und sie fallen (im Vergleich zu anderen Zügen) überdurchschnittlich oft aus, doch dies heisst nicht automatisch, dass sie deswegen ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Bild © (cc) afritzse (flickr.com). Bearbeitung durch Andreas Hobi / schweizweit.net

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Peter Februar 23, 2008 um 01:35

Der Vorbereitungsdienst eines Cisalpinos dauert tatsächlich sehr lange – vor allem weil die Prüfung des Gleitschutzes (ABS des Zuges) äusserst mühsam ist. Die geht aber nicht so lange wegen mangelnder Sicherheit, sondern weil das technische Design nicht gerade bedienfreundlich ist.

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Andreas Hobi | schweizweit.net Februar 23, 2008 um 04:34

Hoffen wir mal, beim “Cisalpino Due” ETR610 gestaltet sich die Vorbereitung des Zuges und Prüfung des Gleitschutzes einfacher…

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John Februar 23, 2008 um 20:59

Zur Zeit steht ein solcher ETR610, mit Messeinrichtungen aussenrum verkabelt in der Abstellgruppe Bern Wankdorf, und gibt nicht unbedingt ein überzeugendes Wohlgefühl für baldigen Einsatz!

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Peter Februar 23, 2008 um 21:35

Halt! Wir dürfen nicht über etwas urteilen nur weil wir ein Messkabel dran sehen. Die Hollywoodfilme deuten viel Kabeln immer als besonders wissenschaftlich und provisorisch, muss aber nicht so sein.

Ich schätze dass die Kabel für die Gleiskraftmessfahrten sind. Bei diesen Messungen werden die Querkräfte ermittelt, die das Fahrzeug bei der Kurvenfahrt auf das Gleis ausübt – dient der Sicherheit und wird heute routinenmässig bei allen Neukonstruktionen durchgeführt.

Wenn der Zug jetzt bei diesen Messungen ist, könnte es ihm gerade noch auf den Fahrplanwechsel reichen in den Planeinsatz zu gehen.

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Martin Februar 24, 2008 um 02:23

Hab ich etwas verpasst? Seit wann prüfen wir den Gleitschutz. Beim Cis wird zusätzlich zur normalen Bremsprobe noch eine MG Prüfung gemacht. Es hat bei jedem Führerstand am Wagenkasten ein Kästchen dafür. Es ist wenn man weiss wo gut zu erreichen.
Der Gleitschutz wird nicht durch das Zugpersonal geprüft und auch nicht duch den Lokführer. Eine Störung des Gleitschutes wird durch eine Störungslampe an der S1 (Sicherungskasten) angezeigt. Danach kann am Gleitschutzrechner einen code ablesen der einem sagt um was für eine Störung es sich handelt. Der Gleitschutz ist nicht nur das ABS sondern hat auch mit der Türblockierung etc. zu tun.

Falls ich falsch liege und der Gleitschutz wird geprüft. Könnte mir dann jemand sagen wo und wie?

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Andreas Hobi | schweizweit.net Februar 24, 2008 um 02:48

Da kann ich Dir leider nicht weiterhelfen, da ich weder Cis, noch TGV oder ICE fahre. (Wie die restlichen Churer Zugbegleiter auch nicht.)

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Peter Februar 24, 2008 um 08:39

@Martin: Ich weiss nicht ob du Zugbegleiter oder Lokführer bist. Meine Infos stammen von Lokführern, die in der Anfangsphase des Zuges dabei waren. Sie hatten sich damals beschwert, dass die Vorbereitung des Zuges sehr lange dauern würde, weil z.B. jeder Gleitschutzrechner einzeln geprüft werden müsse. Vielleicht ist das nun tatsächlich nicht mehr so. Wäre ja schwer zu hoffen.

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Martin Februar 24, 2008 um 09:19

@andreas Auch beim ICE muss keine Gleitschutzprüfung vorgenommen werden. Das einzige das du als Zugbegleiter machst ist eine Innenrevision und eingabe der Zugdaten am FIS (FahrgastInformationsSystem) Rechner. Bei Lokbespannten Zügen der SBB und Pendelzüge wie EW4 und Dosto wird auch keine Gleitschutzprüfung durchgeführt

@Peter ich bin Zugbegleiter Soweit ich weiss wird die heutzutage auch nicht mehr gemacht. Es kann sein das der Gleitschutz am anfang Störungen anzeigte die keine waren. Den der effektive Gleitschutz kann im Stillstand nur duch Techniker geprüft werden. Da der Gleitschutz erst ab einer Geschwindigkeit von 5 km/h bzw. 60 km/h aktiv ist.
Ich gehe mal davon aus das die LF prüfen musste ob auf dem Rechner Code 99 angezeigt wird und die angaben mit denen auf dem Führerstand übereinstimmen.

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