Vorletzte Woche habe ich über Dopplr geschrieben. Dort kann man seine Reisepläne mit anderen teilen. Damals bemängelte ich, dass es nichts ähnliches für Bahnreisen gibt, ohne zu wissen, dass dieses von mir gewünschte Angebot bereits existiert (Danke an Fabi für den Tipp). Es nennt sich zusammenzuspaet.de und sieht folgendermassen aus:
Wer steckt hinter Zusammenzuspaet?
“Herausgeber” der Website ist die Krautkremer Schwarz Lise Ldt mit Sitz in London und Zweigniederlassung in Köln. Verwaltet wird die Internetseite von Daniel Schwarz, welcher auf deinstartup.com erzählt, wie die Idee zur Website entstand:
Als Gründer und kreative Köpfe sind wir natürlich geschäftlich viel unterwegs, vor allem mit der Deutschen Bahn. Nachdem wir im Bordbistro immer nur anstrengende Handelsvertreter kennen gelernt haben, kam uns die Idee eine Community für Bahnreisende aufzubauen, so dass man sich schon vor Antritt einer Bahnreise mit interessanten Leuten verabreden kann.
Zusammenzuspaet bietet dem Benutzer die Möglichkeit, andere Bahnreisende kennen zu lernen, sich mit ihnen zu verabreden, Gesprächspartner zu finden und Kontakte zu knüpfen.
Wie funktioniert Zusammenzuspaet?
Mmh… Schauen wir mal und testen das ganze. Auf der Startseite klicke ich auf “Jetzt einsteigen!”. Danach gelange ich auf die Maske für die Registrierung.

Nachdem ich meine Daten eingegeben, das Bestätigungsmail erhalten und auf den Link im Mail geklickt habe fülle ich mein Profil aus:

Nun steht mir nichts mehr im Wege, Mitfahrer für meine Bahnreisen zu suchen! Ich lege mir eine neue Fahrt an und fülle die dazu benötigten Felder aus.
Hier fällt auf: Dieses Formular ist Usability-mässig äussert schlecht gelöst. Vielleicht sollten die Jungs von Zusammenzuspaet mal den Usability-Guru Peter Hogenkamp um Rat fragen. :)
Wieso ist es zum Beispiel nicht möglich, dass die Felder “Zugtyp”, “Von” und “Nach” nicht automatisch ausgefüllt werden, sobald man die Zugnummer eingibt? Es wäre angenehmer, wenn bei “Von” und “Nach” ein Dropdown-Feld mit den Halteorten des Zuges erscheinen würde, nachdem man die Zugnummer eingegeben hat.
Die Uhrzeit könnte danach, je nach ausgewähltem Abfahrts- und Bestimmungsort automatisch vom System ergänzt werden, ohne dass man dies selbst tun muss.
So wie es jetzt gelöst ist, braucht man für das Formular zu lange, als das man es gerne nutzen würde. Dem Erfolg von Zusammenzuspaet sind damit die Beine gebunden.
Ok, genug gemeckert, jetzt klicke ich auf “Fahrt speichern” und gelange nach einem weiteren Klick auf die Übersicht.

Nun stelle ich fest: Es fährt niemand auf meinem Zug. Schade. Auch als ich es mit zwei anderen Zügen versuche, finde ich leider niemanden. Das Angebot (welches vorerst nur auf Deutschland beschränkt ist) scheint noch zu wenig bekannt zu sein.
Vielleicht sollten die Jungs es mal in der Schweiz versuchen. Hier in der Bahnfahrernation schlechthin würden sie mit ihrem Service eher auf Begeisterung stossen als im Anti-Bahn-Land Deutschland.
Danach vielleicht noch ein paar Verbesserungen an Design und Usability und die Website wäre beinahe perfekt. :)
Ich wünsche zusammenzuspaet.de viel Erfolg und möglichst viele Benutzer!


{ 12 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
Ich weiss nicht ob das funktionieren würde:
Bei Nicht-Pendlern ist doch das Problem dass sie sich genau nicht auf einen Zug festlegen wollen (und drum auch nicht reservieren wollen). Wenn, dann müsste man das auch via Natel oder so machen können, damit es spontaner geht.
Ausserdem schätze ich es, dass ich im Zug auch zufällig Leute kennenlerne, ohne diese vorher irgendwie nach Kriterien auszuwählen… Zudem weiss man ja mit diesen Profilangaben doch zu wenig um entscheiden zu können, ob die Fahrt mit dieser Person angenehm oder eben eine Qual wird…
Bezüglich deiner Anmerkung wegen der Zugnummer: wer, ausser dem Zugspersonal, kennt schon die Zugnummer?
Nebenbei finde ich zusammenzuspaet einen ungünstigen Namen, bevor ich deren Slogan anschaute, interpretierte ich das so dass man dann im sowieso verspäteten Zug einfach zusammen mit anderen zu spät am Ziel ankommt. Also da müsste man es in der Schweiz doch eher zusammenpuentklich.ch nennen ;-)
Das mit den Usability wird sich auch nicht so schnell ändern, da ja die DB Zugriff auf Ihren elektronischen Fahrplan gewähren müsste. Und da landet man ganz schnell in den Untiefen des Urheberrechts.
Preisbeispiel: Netzwerklizenz für >50 Benutzer = 265 €. Diese Lizenz gilt nicht für das Internet!
@ Dominik:
Wenn man es nicht versucht, klappt es sowieso nicht. :)
Die Zugnummer kennt wohl niemand aus dem Stegreif, aber bei Zusammenzuspät ist sie ein Pflichtfeld. Deshalb hatte ich die Idee, sie auch gleich mit den Halteorten und den Zeiten zu verbinden.
Via Natel? Absolut! Super Idee! Ich denke das würde die Sache bedeutend erleichtern. Über den Namen müsste man natürlich noch diskutieren; habe heute Nachmittag bereits mit Florin von flog.in darüber gesprochen, dass “zu spät” ein irreführender Begriff ist.
Zusammenmobil? Zusammenauftour? Keine Ahnung, wenn es um solch Sachen geht bin ich nicht wirklich kreativ. Aber es gibt bestimmt eine Menge kluger Köpfe da draussen welche einen originiellen Namen finden würden. :)
@ Ralf:
Damit schreckt die DB schlussendlich doch nur die Kundschaft ab, oder? Meiner Meinung nach müssten die Fahrplandaten kostenlos sein (Open Source) und jeder sollte sie verwenden dürfen, auch um selber Programme dafür zu schreiben.
Ich meine, was kann schon passieren, wenn jemand mit den DB-Fahrplandaten ein spezielles Programm schreibt und dieses verkauft? Die DB wird dadurch doch nicht geschädigt, denn ihr Geschäft ist der Transport und nicht der Verkauf von Fahrplänen.
Oder habe ich da etwas falsch verstanden? :)
Ich weiss nicht… wozu muss ich da zig persönliche Daten preisgeben? Der Zweck wäre auch mit zwei Feldern erfüllt: Username, Passwort. Was die Fahrplandaten angeht: Die Zugnummer kennt normalerweise wirklich niemand. Die ist schlicht überflüssig. – Ich hatte vor zig Jahren mal ne ähnliche Idee, die aber meine technischen Partner nicht überzeugt hatte. Nun machen das halt andere: Leute wiederfinden, die man sich nicht anzusprechen getraut hat :)
Gruss aus Zug 579 kurz vor Chur – sag Deinem Kollegen mit dem Bündner Namen mal, er solle einige Stunden französische und englische Durchsagen büffeln :) Er hat aber sonst eine echt sonore Stimme… und entschuldigt sich grad charmant dafür, dass es etwas wenig Platz hatte.
Hm, die DB macht gutes Geld mit Fahrplänen, ich kann mich z.B. noch gut an die Diskussion zum internen RIS (dt. Prosurf) erinnern. D.h. wer die Daten haben will, muss bezahlen.
Die Zugnummer weiss man in Deutschland meist eigentlich schon, da ja auch viel mit Zugbindung gearbeitet wird und es einfach nicht soviele (meist stündlich) Züge gibt.
Oder anders: Ich konnte gestern abend per sms mitteilen, wie ich heute nach Duisburg (Stuttgart) zum Fußball fahre, da man sich bei einem Stundentakt relativ schnell entscheiden kann. Das sieht morgen in Aarau (GC) mit Kollegen aus Olten/Solothurn ganz anders aus. :-)
Also, in Deutschland weiss man, wenn man reservieren muss (Sparpreis, Nachtzug, …) in der Regel sehr früh, wann man fährt.
Fabi
Naja, ich bin mir nicht sicher, ob es eine kluge Idee ist, Geld zu verlangen für Informationen, welche zum eigenen Angebot führen.
Eigentlich sollte es den Bahnfahrern doch so einfach wie nur irgendwie möglich gemacht werden, zu den Zugverbindungen zu kommen, oder? Demnach müssten die Bahnen ja auch froh sein um jede Person / Firma, welche andere Leute auf das Bahnangebot hinweisen.
Der nächste Schritt wäre dann wohl, dass die DB für jeden im Bahnhof abgegebenen Städte-Fahrplan oder Fahrplan-Ausdruck Geld verlangt; dann würde ich definitiv an der Intelligenz der DB-Manager zweifeln. :)
(Für die grossen & dicken Kursbücher soll selbstverständlich ein gewisser Betrag verlangt werden. Die sind auch aufwendig in der Produktion.)
Ich fand es zum Beispiel auch nie toll, dass die SBB für ihren CD-Rom-Fahrplan einen solch hohen Betrag verlangte. Meiner Meinung nach hätte es gereicht, die Herstellungskosten mit einem Unkostenbeitrag von einigen CHF pro Exemplar zu decken…
Die Bahnunternehmen sollten ihre Fahrpläne (& Fahrplandaten) vermehrt als “Werbeplattform” für ihr Produkt “Bahnfahrt” ansehen und weniger als eigenes Produkt, mit dem es möglichst viel Geld zu verdienen gilt.
Beispiel: Pünktlich zum Fahrplanwechsel landet hier in Chur jeweils der “Graubünden Fahrplan” im Briefkasten. Als Werbesendung. Darin enthalten sind alle Verbindungen von SBB, Rhätische Bahn, Postauto, Stadtbus Chur, Engadin Bus, Verkehrsbetriebe Davos. Umfang: 352 Seiten. Kosten: Gratis.
Vielleicht ist dies einer der Gründe, weshalb der ÖV im Bündnerland so beliebt ist…?
Während meinen Zugsreisen habe ich immer nette Leute kennengelernt. Ehrlich gesagt weiss ich nicht, was mir diese neue Community im Feld der Web 2.0-Pilze, die aus dem Boden schiessen, bringt. :-)
Erstens garantiert mir die Seite ja auch nicht, dass es nette Leute sind und wieso ich da meine Daten öffentlich machen muss ist mir ebenfalls schleierhaft…
Ok, ich sehe schon, die Begeisterung hält sich bei nahezu allen in Grenzen. :)
Na ja, das Problem ist, dass die DB keine Volksbahn sein will und es genug Menschen (das Land ist gross und man hat ja auch noch Touristen) gibt, die ICE fahren möchten. Da kommt es auf den Einzelmenschen nicht an.
Und bei 19,00 Euro für das Gesamtkursbuch kann man auch nicht mehr nur von Unkosten sprechen. Aber, das wird ja wohl eh bald eingestellt, da man ja auch in Deutschland entdeckt hat, dass man es ins Internet (http://www.bahn.de/p/view/planen/reiseplanung/kursbuch/kubu_updates_index.shtml) stellen könnte.
Eine Gebühr für die Fahrplanauskunft ist gar nicht so abwegig, siehe: http://drehscheibe-online.ist-im-web.de/forum/read.php?2,3639495,page=1,phorum_session_v5=70cf81e494c1779057f4a79a5f987bfe
Fabi
Mmh… Schade.
Ich denke, eine Gebühr für Fahrplanauskünfte macht nur dann Sinn, wenn die Mitarbeiter durch eine enorme Masse an Auskünften an ihrer eigentlichen Tätigkeit gehindert werden. Mal angenommen, am Schalter stehen 90 Personen in der Schlange und davon wollen 60 Personen eine Auskunft, während die restlichen 30 gerne ein Billett lösen würden… Ja dann würde ich vermutlich auch einen kleinen Betrag verlangen, wenn ich könnte. (0.50 CHF würden vermutlich schon reichen, um die Schlange zu verkleinern.)
Aber solange die Auskünfte nicht überhand nehmen, sollten sie gratis sein. Dies ist in meinen Augen für das Bahnunternehmen mittel- bis langfristig besser.
Allenfalls könnte die DB ja auch eine Zwischenlösung suchen:
- Gratis für Stammkunden (Bahncard etc.)
- Gratis, wenn man gleichzeitig ein Billett löst
- Kostenpflichtig, wenn man nur eine Auskunft will
Oder man macht es wie in diversen CH-Bahnöfen (unter anderem Chur): Man stellt einen Computer in den “Self-Info-Corner”, wo man sich die Auskünfte gleich selber holen kann. :)
Hm, Auskünfte selbst holen geht ja an den Fernverkehrsautomaten (NTA), die man auch an vielen Nahverkehrshaltepunkten findet.
=> http://www.bahn.de/p/view/planen/vertriebswege/nta/nta_03_auskunft.shtml
Mir ist das allerdings zu wenig, daher reise ich eigentlich immer mit Ausdruck (vom PC) mit Zwischenhalten, …
Generell kann man Kunden ja an Automaten lenken und wenn dort etwas billiger ist, dann ist das auch prima. Nur geht die DB den umgekehrten Weg, es wird mit Automatenpreisen geworben (z.B. beim Schönes Wochenende-Ticket oder beim Dauerspezial), wo man am Schalter zwischen zwei und fünf Euro Aufpreis bezahlt.
Ich weiss zwar nicht mehr was es war, aber ich habe mal irgendwo ein SBB-Angebot gesehen, bei welchem mit “am Automat günstiger” geworben wurde. Im Prinzip hat man die gleiche Situation, aber so kommt es doch viel netter daher.
Hm und generell bin ich der Meinung, dass Auskünfte zu Produkten, die verkauft werden, nichts anderes sind Bahnfahrten, eigentlich zum Kundendienst gehören. Ansonsten müsste man für eine Hose im Hosengeschäft, wenn man eine Beratung genutzt hat, auch einen Zuschlag bezahlen bzw. wenn man die Hose ohne Beratung kauft günstiger bekommen.
Es gibt ja massenweise Menschen, die nicht geübt sind im Bahnfahren und wenn man dann noch, wie die DB, eisenbahnunübliche Dinge (wie z.B. Zugbindung, …) einführt, reicht es auch nicht mehr Ahnung vom Eisenbahnverkehr zu haben. Ich z.B. kenne mich bei der Eisenbahn ja durchaus aus, aber kann auch nicht immer genau sagen, welche Bedingungen jetzt für das oder jenes Angebot gelten.
Und generell ist das in der Schweiz prima, dass Kunden nicht selektiert werden und man mit einem Angebot am gleichen Schalter Fragen stellen kann wie ein Kunde mit einem erste Klasse GA. Ich kann zwar in Deutschland wegen der Bahncard 100 die bahn.comfort-/Erste Klasse-Schalter nutzen, aber generell wäre ich dafür das Bahnfahren wieder normaler zu gestalten und die Menschen (bis auf die Wagen im Zug) beim normalen Service gleichzubehandeln.
Wenn man am Ticketcorner Tickets kauft, wird man ja auch, bis auf den Platz (bequemerer Sitz, bessere Sicht, …) bei der Veranstaltung gleichbehandelt. Da gibts auch keine Extra-Schalter für Kategoerie eins oder Haupttribüne. :-)
Fabi