Der Traum vom Gratis-ÖV

von Andreas Hobi am 12. Februar 2008 · 4 Kommentare

Am 24. Februar ist Wahlsonntag. Die Churer stimmen über das (teilweise von der SVP aufgegleiste) neue Polizeigesetz ab, in Genf wird über einen Vorschlag der Kommunisten abgestimmt: Gratis-ÖV für alle!

Was auf den ersten Blick gut tönt, begeistert mich bei genauerem Hinschauen nicht so sehr.

Denn was würde wohl geschehen, wenn die Billettpreise abgeschafft und die Busse und Trams gratis wären? Richtig: Das Passagieraufkommen nimmt zu. Und ich befürchte, dass dann nicht nur Menschen ohne böse Absichten in die Transportmittel steigen werden, sondern auch jene, welche bereits schon heute für Probleme sorgen:

Jugendliche, welche die Einrichtung der Fahrzeuge beschädigen, Schlägertypen, welche nur darauf warten, ein neues Opfer zu finden, Menschen aus gewissen Ländern, welche unsere Gesetze nicht akzeptieren wollen.

Bisher werden einige dieser Menschen durch die Billettpreise davon abgehalten, einen Bus zu besteigen. Diese Hürde würde zusammen mit den Fahrpreisen abgeschafft. Ich habe ein ungutes Gefühl bei diesem Gedanken.

Ich bin ganz klar der Meinung: Wenn wir weiterhin einen einigermassen sicheren ÖV wollen, müssen wir für die Fahrt etwas verlangen. Es muss nicht mal viel sein, die Preise dürfen ohne weiteres gesenkt werden. (Eine Quersubvention durch Abgaben für umweltverschmutzende Autos und auf Flugtickets macht Sinn.) Nur dürfen sie einfach nicht ganz abgeschafft werden.

Vielleicht sind meine Ängste ein wenig weit hergeholt. Vielleicht würde der Gratis-ÖV deutlich besser funktionieren, als ich es mir momentan vorstelle. Vielleicht. Garantieren kann mir dies niemand, und so bleiben die Bedenken.


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Ralf Februar 12, 2008 um 17:32

Die Stadt Templin hat da ganz gute Erfahrungen mit Ihren Stadtbussen.

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flospi Februar 12, 2008 um 18:35

Ich denke du hast da eine gewisse Paranoia… In erster Linie sollte heutzutage mal die Zivilcourage von Leuten wie dir und mir auch mal wieder gefördert werden. Wenn da ein Jugendlicher die dreckigen Schuhe auf den Sitz legt, sollte man ihn freundlich drauf hinweisen und auch bei blöden Pöbeleien nicht zurückstecken. Wenn der ÖV gratis wird, sitzen dann hoffentlich auch mehr zivilcouragierte Leute drin.

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Stefan Gilgen Februar 26, 2008 um 00:14

Schade, ich fing gerade an mich in diesen Blog zu verlieben, dann das… Vielleicht wäre das mit den Benimmregeln doch nicht so schlecht – wenigstens für die Blogosphäre (der mit den Menschen aus gewissen Ländern schrammt ja schon haarscharf am Rassismus vorbei). Erstaunlich, wenn man dann in den «Kommentar-Richtlinien» liest:

Umgangston
Behandle andere Nutzer so, wie Du selbst auch behandelt werden willst.
Denke immer daran, dass Du es hier mit Menschen zu tun hast. Argumentiere ohne weiteres hart in der Sache, aber nie mit persönlichen Angriffen oder Argumenten, die sich auf Personen beziehen.
Beleidigungen, sexuelle Anspielungen und sexistische oder rassistische Äusserungen sind untersagt.

Ganz interessant ist auch folgende Passage:

Es wird empfohlen, die Kommentare unter dem richtigen Namen zu schreiben. Kommentare, welche die Meinungen spalten oder provozieren und unter einem fiktiven Namen geschrieben wurden, können vom Administrator geändert oder gelöscht werden. Der Administrator behält sich das Recht vor, den fiktiven durch den realen Namen zu ersetzen.

Dann frohes Bloggen weiterhin

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Andreas Hobi | schweizweit.net Februar 26, 2008 um 08:11

Naja, wenn man beinahe täglich rund acht Stunden im ÖV unterwegs ist, sieht man halt schon mehr als der Durchschnitts-ÖV-Benutzer. Diese Erfahrungen versuche ich dann auch entsprechend weiterzugeben. Es bringt ja nichts, wenn ich Leute, welche Probleme machen, in Schutz nehme.

Das mein Blog deswegen polarisiert und die Meinungen spaltet, ist mir schon klar. Das war schon immer so und ich vermute mal, dies ist auch der Grund, weshalb die Besucherzahlen und Feedburner-Abonnenten von Woche zu Woche steigen.

Die heutigen Leser wollen keine 0815-Zeitungsmeldung eines “politisch unabhängigen” Tagesanzeigers oder einer NZZ, sondern sie wollen kontroverse Ansichten, sie wollen über diese Ansichten diskutieren, ihre eigenen Meinungen einbringen und uns mitteilen, wieso sie anderer Meinung sind als ich. Für das gibt es diese Kommentarfunktion.

Meine Leser wollen auch mehr über mich erfahren. Unter anderem interessiert es sie, wo ich politisch stehe. Soll ich mich nun als Linker ausgeben, auch wenn ich eher rechts stehe? Das würde keinen Sinn machen. Ich kann zu meiner Meinung stehen.

Zu Schluss noch dies, um allfällige Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe nicht gesagt, dass Menschen aus anderen Ländern grundsätzlich unsere Gesetze missachten. Aber es gibt gewisse Personen, welche sich nicht an unsere Gesetze halten wollen. Interessanterweise sind dies immer in etwa “die Gleichen”. Es sind fast nie Deutsche, Franzosen oder Österreicher, sondern sie kommen aus anderen Ländern. (Die ich hier jetzt bewusst nicht nennen werde, da es sonst wieder heisst, ich würde diese Länder als Ganzes in einen Topf werfen.)

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