Brutaler Angriff auf SBB-Zugbegleiter

von Andreas Hobi am 12. Februar 2008

In der gestern Abend erschienenen Ausgabe der Pendlerzeitung “heute” schildert ein Zugbegleiter, wie er von einem äusserst aggressiven Fahrgast angegriffen und zu Boden gestreckt wurde. (“Ich hatte Todesangst!”)

Geschehen ist dies bei der sogenannten “Innenrevision”, als der Zugbegleiter den Zug in der Endstation auf liegen gebliebene Gegenstände und eingeschlafene Fahrgäste überprüfte.

“Du wirst jetzt für all deine Berufskollegen bezahlen! Ihr habt mich lange genug unfair behandelt!”, schreit der Angreifer, bevor er den wehrlosen Zugbegleiter würgt. Kaum auszudenken, was hätte passieren können, wenn nicht zwei SBB-Mitarbeiter von RailClean (Bahnhof- und Zugsreinigung) zu Hilfe geeilt wären.

Bis heute ist unklar, aus welchem Grund der Zugbegleiter attackiert wurde. Ausserdem erschien ein Artikel in der Schweizer Tageszeitung “Blick”. Diesen habe ich bisher noch nicht gelesen, werde es aber noch nachholen.

Zufälligerweise ging ebenfalls gestern eine Meldung der SBB / des SEV an die Medien:

Testweise werden am Wochenende die morgendlichen Züge in der Romandie nur noch in Zweier-Teams kontrolliert. Die SBB will so bis im Herbst 2008 herausfinden, ob dadurch die zahlreichen Angriffe auf das Zugpersonal reduziert werden können.

Bisher ist ein Zweier-Team bei der Kontrolle nur vorgesehen, wenn ein Zug durch den Lötschberg-Basistunnel fährt, über 400 Fahrgäste hat oder wenn er nach 22:00 Uhr verkehrt.

{ 7 Kommentare… lies sie gleich hier unten oder schreibe einen }

Peter 12. Februar 2008 um 11:58

Die Gewaltätigkeiten sind ein echts Problem. Schon in den achziger Jahren war die Wehntalerlinie wegen solchen Vorfällen unbeliebt. Meistens sind es renitente Fahrgäste, die an der Endstation nicht aussteigen wollen, besonders wenn sie versehentlich einen falschen zug erwischt haben und wegen dem ungewollten Abenteuer schon voller Wut sind.

Auch bei der Strassenbahn gibt es für das Depotpersonal den unliebsamen Job bei der Einfahrt der Züge vor Betriebsschluss darauf zu achten, dass keine ungebetenen Gäste im Depot landen.

In Amerika fahren die Zugegleiter im Vorortsverkehr sowieso zu zweit für einen Drei-Wagen-Zug. Auf längeren Zügen habe ich auch schon fünf Zugbegleiter gesehen. Der Personalbestand von Ende der fünfziger Jahre hat sich erhalten und wird in Zukunft sicher nicht abgebaut werden. Das Zugspersonal kann sich nicht vorstellen, wie wir in der Schweiz unbegleitete Züge fahren können. Ich glaube wir können uns das auch bald nicht mehr vorstellen.

Auch bei der Strassenbahn wurden an einigen Orten wieder Schaffner eingeführt, z.B. in Amsterdam.

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Andreas Hobi | schweizweit.net 12. Februar 2008 um 12:49

Ich bin gespannt, ob und wie die SBB nun handelt…

Habe übrigens soeben einen neuen Artikel zum Thema geschrieben: Prügel-Züge bei der SBB: Wie ein Kondukteur darüber denkt

Ausserdem wurde ich von einem Schweizer Printmedium um ein Interview zu ebendiesem angefragt. Zurzeit liegt die Anfrage noch bei der dafür zuständigen Abteilung. Ich hoffe mal, die erlauben mir, das Interview zu geben. :)

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Fredi 17. Februar 2008 um 16:04

Wieso braucht es 2 Kontrolleure, wenn der Zug durch den Lötschberg fährt??

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Andreas Hobi | schweizweit.net 17. Februar 2008 um 17:12

Das sind Sicherheitsvorschriften, die vom Bundesamt für Verkehr erlassen wurden.

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Fredi 17. Februar 2008 um 17:19

Aha, wegen möglichen Terroristen, die den schönen neuen Tunnel sprengen wollen also :)

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Andreas Hobi | schweizweit.net 17. Februar 2008 um 17:44

Ich denke, es geht weniger darum, dass wir solche Gewalttaten besser verhindern können sondern eher, dass die Sicherheit der Fahrgäste so eher gewährleistet ist.

(Falls der eine aus irgendwelchen Gründen nicht mehr “handlungsfähig” wäre…)

Ausserdem hat man zu zweit eine grosse Menschenmenge besser im Griff als alleine. :)

Ich denke, die lieben Kollegen vom Cisalpino, welcher im LBT stecken blieb, waren froh, nicht alleine zu sein: http://www.epochtimes.de/articles/2008/02/17/241177.html

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Gumbo 4. März 2008 um 11:53

Das mit dem Lötschbergtunnel hat mit eventueller Evakuation zu tun.
Gumbo

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