Projekt “SBB+X”: Gut oder schlecht für die Schweiz?
BLS, DB, SOB February 11th. 2008, 14:11Der Bundesrat möchte, dass neben der SBB noch zwei weitere konkurrierende Bahnen Personentransporte im Regionalverkehr anbieten können.
Als ich irgendwann im Jahr 2004 oder 2005 zum ersten Mal von dieser Idee hörte, war ich absolut begeistert. “Konkurrenz belebt das Geschäft!”, dachte ich. Nicht nur ist damit den Bahnkunden gedient, welche eine noch bessere Leistung zu einem besseren Preis erhalten würden, nein, auch für das Personal kann es Vorteile haben: Die SBB müsste noch mehr unternehmen, um die guten Mitarbeiter halten zu können. Sie ist gezwungen, weiterhin faire Löhne zu zahlen und ordentliche Sozialleistungen anzubieten.
Ich war begeistert von der Idee “SBB+X”.
Inzwischen hat sich meine Ansicht leicht geändert… Meine Meinung war schon damals: Die SBB darf nur von Schweizer Bahnen konkurriert werden. Keinesfalls darf die DB oder eine andere Bahn der umliegenden Länder Personentransporte in der Schweiz anbieten. Weder im Regional-, noch im Fernverkehr. (Ausser natürlich in Zusammenarbeit mit der SBB.)
Grund dafür: Die Schweiz ist ein kleines Land. Es wäre für die DB kein Problem, in Deutschland stationierte Mitarbeiter in die Schweiz zum Arbeiten zu schicken, die dann ihren Feierabend wieder in Deutschland verbringen. Mitarbeiter, die mit deutschen Löhnen bezahlt werden, wohlgemerkt. Sowas darf nicht geschehen!
Doch auch wenn die DB verpflichtet wäre, Schweizer Löhne zu zahlen, gefällt mir die Idee noch immer nicht. Die Bahnlandschaft Schweiz wird vom Bund finanziell unterstützt. Keine Eisenbahn kann kostendeckend fahren. Subventionen sind also notwendig. Würde die DB nun eigene Personentransporte anbieten, könnten Subventionen ins Ausland fliessen. Wollen wir das?

Zurück zum Projekt SBB+X: Der Bundesrat schlägt vor, dass BLS und SOB die SBB konkurrieren.
Gegen die SOB habe ich nichts. Erst kürzlich fuhr ich wieder mit einem SOB-Kollegen ein Stück auf dem Voralpenexpress mit und wir arbeiteten hervorragend zusammen.
Anders schaut es mit der BLS aus: Ich mag sie nicht. Sie arbeitet (bisher erst im Güterverkehr) mit der DB zusammen und das gefällt mir gar nicht. Die BLS ist das trojanische Pferd, mit welchem die DB die Schweiz erobern will. Neee, auf das habe ich keine Lust, es würde nur zu Dumping-Löhnen und deutschen Verhältnissen beim Rollmaterial führen. Und die Pünktlichkeit würde bestimmt auch flöten gehen. Wir sehen ja, wie es in Deutschland läuft. (Wer mehr über die teilweise katastrophalen Verhältnisse bei der DB erfahren möchte, liest am besten meinen Artikel über die 20 besten Bahnblogs der Welt, beziehungsweise die dort aufgeführten Blogs.)
Wir haben in der Schweiz eine der besten Bahnen der Welt mit einem nach wie vor hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Klar, nicht alles läuft perfekt, manchmal lassen Pünktlichkeit und Platzangebot zu wünschen übrig. Aber im Grossen und Ganzen dürfen wir zufrieden sein.
Wollen wir das nun aufs Spiel setzen, indem wir ausländische Bahnen ins Land lassen?
Vielleicht wäre die andere Idee, die 2004 herumgeisterte doch besser gewesen: Die SBB übernimmt die anderen Normalspurbahnen der Schweiz und ist so stark genug, um gegen ausländische Bahnen bestehen zu können.
Vor vier Jahren dachte ich noch, ein Monopol wäre schlecht für den ÖV der Schweiz. Heute bin ich anderer Meinung. Die SBB dürfte meiner Ansicht nach nur von Unternehmen konkurriert werden, welche sich zu 100% im Besitz des Bundes und der Kantone befinden. Alles andere ist sehr gefährlich und gefährdet den hervorragend funktionierenden öffentlichen Verkehr unseres Landes.
Bild © (cc) mrUllmi (flickr.com)
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February 11th, 2008 at 19:39
Ich bin auch der Meinung das es gut ist wie es momentan ist. Die SBB kann ihren Qualitätsstandard halten und sogar erhöhen während andere Bahnen damit Mühe haben. In vielen Ländern werden Strecken stillgelegt und Bahnhöfe geschlossen. In der Schweiz werden neue Strecken gebaut und Bahnhöfe eröffnet. Der Bahnverkehr in der Schweiz sollte in der Verantwortung des Bundes und der Kantone bleiben, denn wie man sieht funktioniert es so sehr gut. Was die Finanzierung betrifft, denke ich dass es sich die Schweiz leisten kann und will ein gutes Bahnnetz zu haben und sich somit von den anderen Ländern abheben kann.
February 11th, 2008 at 19:48
Hm, generell mag ich keine Dumping-Bahnen und wäre für einheitliche Bahnen. In Deutschland gibt es ja teilweise Bahnen, bei denen keine DB-Fahrscheine gelten. Allerdings funktioniert gerade in der Schweiz das mit den Privatbahnen sehr gut, ist da ja nicht nur die SBB, die gute Leistung bringt, sondern im Prinzip alle Bahnen.
Allerdings gibt es z.B. auch http://www.sbb-deutschland.de und daher könnte man schon auch Bahnen anderer Nationen in der Schweiz fahren lassen. Außerdem werden auch z.B. die ICE-Bordrestaurantler, die in der Schweiz angestellt sind, dort bezahlt, d.h. das könnte man vielleicht so auch machen, wenn das ein Problem sein sollte.
Und ganz generell würde ich mir auch mehr SBB-Züge in Deutschland wünschen, die haben nämlich im Fernverkehr sehr abgenommen.
Fabi
February 11th, 2008 at 20:07
Vor der DB würde ich keine Angst haben. Wenn ich die Wahl zwischen DB und SBB hätte….Und wiso nimmt die SBB nicht an Ausschreibungen in Deutschland teil???
February 11th, 2008 at 20:14
@ Ralf:
Tut sie doch, z.B. eben beim Seehas. :-)
Fabi
February 11th, 2008 at 21:01
@Andreas: Ich nehme an du weisst wo die SBB durch die Kantone subventioniert ist und wo nicht.
Gerade im Fernverkehr ist die SBB auf sich selber gestellt und ich denke es macht keinen Sinn, dass da noch andere mitmischeln, bzw sich die lukrativen Linien raussuchen. Von gewissen Kreisen wird einem gerne eine Privatisierung schmackhaft gemacht, da mit dem Argument Kostenersparnis vieles erschlagen wird. Es gibt aber genauso gut andere Mittel um dies zu erreichen im Interesse aller. Der ZVV macht es eigentlich sehr gut vor. Eine Bahn ist kein Busbetrieb der so schnell mal ausgeschrieben werden kann und dann den Auftragnehmer wechselt. Bei gewissen Regionallinien mag dies funktionieren. Aber es wäre fatal in einem eng vermaschten Bahnnetz dies zu machen. Ansonsten kommt dann bald die Argumentation dass Betreiber A schuld ist, obwohl vielleicht B Mist produziert. Meistens geht auch eine Ausschreibung bzw deren Zuschlag auch mit einer Beschaffung von Rollmaterial ein. Und dieses ist ja nicht plötzlich da. Die BLS hat ja auf dem Lötschberg genau das Problem. Auch vom Ausland gibt es dazu Beispiele. Die SBB hat es selber erwischt, als sie das Seehäsle verloren.
Es fragt sich dann, wo können effektiv Einsparungen gemacht werden, dass ein anderer Anbieter günstiger produzieren kann?
Platz für die Züge braucht dieser genauso. Die Infrastruktur für den Unterhalt braucht es auch. Das Rollmaterial muss in genügender Anzahl und Qualität auch vorhanden sein. Dann kann effektiv nur noch beim Personal gespart werden.
February 11th, 2008 at 21:37
Ich habe keine Angst, wenn ausländische Bahnen (nenne ich mal AB) in die Schweiz kämen. Du schreibst ja selber, Konkurrenz belebt das Geschäft. Das heisst doch konkret, AB könnten sich nur durchsetzen, wenn der Service gleich oder besser als bei der SBB ist.
Ich nehme mal an, dass die Subventionen und Strecken wie in Deutschland ebenfalls ausgeschrieben werden. Wenn eine ausländische Bahn ein besseres Angebot als die SBB vorlegt, weshalb sollen wir dann nicht auf die ausländische Bahn setzen können? Die Lörracher haben das ebenfalls gemacht (Wiesental- und Gartenbahn) und sind heute mit der SBB um einiges zufriedener als vorher mit der DB.
Umgekehrt waren die östlichgelegenen Deutschen mit dem von der SBB betriebenen Seehäsle nicht zufrieden, so dass der Vertrag 2006 mit der SBB aufgelöst wurde. Unpünktliche Bahnen mit altem Rollmaterial wird es wahrscheinlich nicht geben, da sie damit die Auschreibungen gar nicht gewinnen können.
Das die AB ihre ausländischen Mitarbeiter in die Schweiz schicken, um zu arbeiten, meinst du wohl hoffentlich nicht ernst. Es wäre mir neu, das Aldi in grenznahen Regionen seine deutschen Arbeiter zu deutschen Löhnen in die Schweizer Filialen schickt. Ich arbeite in Basel und bin mir die ausländischen Mitarbeiter aus Baden und dem Elsass gewöhnt. Diese arbeiten aber zu den gleichen Löhnen wie wir und hauptsächlich deshalb, weil es im Schweizer Teil der Region an Fachkräften fehlt (Hiermit meine ich exziplit die Chemie- und Pharmabranche, aber auch in den Pflegeberufen sieht man das gleiche Bild). Zudem werden AB werden sicherlich Tochtergesellschaften in der Schweiz gründen, wenn sie wirklich vorhaben, sich in der Schweiz zu etablieren.
Also nochmals ganz kurz: Wenn AB in der Schweiz Erfolg haben wollen, muss ihr Angebot gleich gut oder besser als das von der SBB sein, damit sie überhaupt die Auschreibungen für die Subventionen und Strecken gewinnen können. Das jetzt plötzlich ausländische Mitarbeiter eingestellt werden, halte ich für Humbug.
February 11th, 2008 at 23:19
Wenn ich richtig aufgepasst habe, sind die meisten dafür, dass die SBB ins Ausland expandiert, aber niemand ausser der SBB darf in der Schweiz fahren?
Diese Meinung teile ich nicht.
Im Regionalverkehr mag das ja noch durchgehen. Was den internationalen Zugverkehr anbelangt, so hat weder die SBB noch der Bundesrat wirklich freie Entscheidungsgewalt, denn man ist nur ein kleiner Teil im grossen Europa.
Was den Güterverkehr anbelangt, so finde ich es obertraurig, dass seit Jahren Güsel mit Lastwagen von Neapel nach Hamburg gefahren wird, um dort verbrannt zu werden. Da freue ich mich, wenn Bahnen verschiedener Länder anfangen zusammen zu arbeiten, um endlich konkurrenzfähige Preise anbieten zu können. Jetzt komm mir bitte keiner mit den Dumpingpreisen der Lastwägeler. Diese wären nämlich nie so gross geworden, wenn ihnen die Bahnen nicht durch jahrzehntelange Untätigkeit und Streitereien untereinander in die Hände gearbeitet hätten. Es geht in meinen Kopf nicht rein, dass ein Güterzug teurer sein soll, als die gleiche Masse in Lastwagen.
Und übrigens: Ich mag die BLS und ich finde es toll, dass sie der SBB nicht einfach in den Arsch kriecht, wie das fast aller anderen machen.
February 11th, 2008 at 23:38
Die SBB soll einfach so weitermachen, dann muss sie sich vor der DB ned fürchten. Das die BLS AG mit der DB “zusammenarbeitet”, könnte ja auch bedeuten, das die kleine BLS AG die DB AG aufkauft, und das wäre in der Tat ein sehr guter Schritt, denn damit würde in DE vlt endlich mal Service entstehen.
Ich mag die BLS. (Die bei mir jetzt richtig Bern Lötschberg Solothurn Bahn heisst ^^)
February 12th, 2008 at 00:21
@auch ein Ralf:
Ich stimme dir grösstenteils zu.
@Sandra-Lia:
du bist dir bewusst, dass es sich bei der DB um das zweitgrösste Transportunternehmen der Welt handelt? Ich hoffe mal, das dein Beitrag ironisch gemeint war.
@andreas:$
Nochmals eine kleine Anmerkung: Du schreibst: “…und deutschen Verhältnissen beim Rollmaterial führen.”
Siehe dir den ICE, die S-Bahnen und das andere Rollmaterial der profitablen Linen an, das entspricht in etwa dem Schweizer Standard. Auf den weniger profitablen Strecken (also in der Pampa) ist es tatsächlich lausig. Aber die DB wird ja wohl kaum Zugstrecken in der Schweiz betreiben, welche sich fast nicht rentieren. Zudem kommt ja, wie oben schon geschrieben, noch die Konkurrenz dazu.
P.S. Was wäre so schlimm, wenn Subventionen an eine ausländische Bahn gehen? Damit soll ja die Leistung abgegolten werden.
February 12th, 2008 at 01:23
@ Rudolf:
Irgendwie gefällt mir der Gedanke nicht, dass Geld “auswandert”. Denn so entstünde die Gefahr, dass die DB die Subventionsgelder nicht wieder in ihre Schweizer Züge investiert, sondern damit unprofitable Bahnen / Strecken in Deutschland querfinanziert.
@ Allgemein:
Wenn man sicher stellen könnte, dass die DB (oder andere ausländische Bahnen) in der Schweiz mindestens die Qualität der SBB erreichen, wäre ich evtl auch für eine Konkurrenz-Situation. Da sich die DB inzwischen aber hin zu einer börsennotierten Firma (wenn man dies so nennen kann) entwickelt, befürchte ich, dass es dann vor allem darum geht, soviel Gewinn wie nur möglich zu erwirtschaften. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Ich hoffe, dies führt dann nicht zu einem “zweiten England”, wo sogar auf Kosten der Sicherheit gespart wird.
Es müsste also verbindliche Vorgaben geben bezüglich Sicherheitsstandards, Komfort, Rollmaterial, Zugpersonal, Fahrplangestaltung, Preispolitik etc.
February 12th, 2008 at 01:45
und ein Mindestlohn muss her! Denn die Deutschen sind ja nicht gerade bekannt dafür, anständige Löhne bezahlen zu wollen. Wie wärs mit 30 Fr pro Stunde Mindestlohn?
Naja, ich mein, der Kt. Bern (aka BLS) hat doch genug “Schulden” um die DB zu übernehmen ^^
February 12th, 2008 at 03:29
Technisches: Kannst du entweder das Hiddy Plugin ausschalten oder sagen, dass du keine Trackbacks zulässt? Das Plugin meldet immer Spam bei meinen Trackbacks, die nach meiner Meinung kein Spam sind.
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February 12th, 2008 at 03:30
Hier noch das was ich schreiben wollte:
http://eisenbahn.egghof.com/2008/02/sbbx.html
February 12th, 2008 at 09:13
@ Peter:
Wurde deaktiviert. Ich hoffe, nun klappt es.
February 12th, 2008 at 11:08
Obwohl ich grundsätzlich für eine massvolle De-regulierung bin, möchte auch ich auf keinen Fall ein zweites England.
February 12th, 2008 at 11:47
SBB+X…
Die Wettbewerb soll dazu führen, dass die Angebote möglichst effizient produziert werden. Der Überlebenskampf beginnt. Nicht mehr die Erbringung der eigentlichen Leistung ist wichtig, sondern der Vorsprung gegenüber der Konkurrenten. Dadurch sinkt …
February 12th, 2008 at 11:49
@Andreas
Das Trackback geht nun. Vielen Dank. Ich hoffe nun, dass Du trotzdem keinen Spam einfängst.
February 12th, 2008 at 12:45
Trackback-Spam hatte ich bisher noch nie, ich handelte einzig und allein nach dem Motto “Vorbeugen ist besser als Heilen”, als ich das Plugin installierte.
Danke vielmals für Deinen Hinweis! Alleine hätte ich wohl nie bemerkt, dass durch das Plugin gleich alle (?) Trackbacks unterbunden werden… Ich hoffe, es sind mir jetzt nicht allzu viele Leute böse, dass ihre Trackbacks nicht angezeigt wurden… :)