Der Bundesrat möchte, dass neben der SBB noch zwei weitere konkurrierende Bahnen Personentransporte im Regionalverkehr anbieten können.

Als ich irgendwann im Jahr 2004 oder 2005 zum ersten Mal von dieser Idee hörte, war ich absolut begeistert. “Konkurrenz belebt das Geschäft!”, dachte ich. Nicht nur ist damit den Bahnkunden gedient, welche eine noch bessere Leistung zu einem besseren Preis erhalten würden, nein, auch für das Personal kann es Vorteile haben: Die SBB müsste noch mehr unternehmen, um die guten Mitarbeiter halten zu können. Sie ist gezwungen, weiterhin faire Löhne zu zahlen und ordentliche Sozialleistungen anzubieten.

Ich war begeistert von der Idee “SBB+X”.

Inzwischen hat sich meine Ansicht leicht geändert… Meine Meinung war schon damals: Die SBB darf nur von Schweizer Bahnen konkurriert werden. Keinesfalls darf die DB oder eine andere Bahn der umliegenden Länder Personentransporte in der Schweiz anbieten. Weder im Regional-, noch im Fernverkehr. (Ausser natürlich in Zusammenarbeit mit der SBB.)

Grund dafür: Die Schweiz ist ein kleines Land. Es wäre für die DB kein Problem, in Deutschland stationierte Mitarbeiter in die Schweiz zum Arbeiten zu schicken, die dann ihren Feierabend wieder in Deutschland verbringen. Mitarbeiter, die mit deutschen Löhnen bezahlt werden, wohlgemerkt. Sowas darf nicht geschehen!

Doch auch wenn die DB verpflichtet wäre, Schweizer Löhne zu zahlen, gefällt mir die Idee noch immer nicht. Die Bahnlandschaft Schweiz wird vom Bund finanziell unterstützt. Keine Eisenbahn kann kostendeckend fahren. Subventionen sind also notwendig. Würde die DB nun eigene Personentransporte anbieten, könnten Subventionen ins Ausland fliessen. Wollen wir das?

Zurück zum Projekt SBB+X: Der Bundesrat schlägt vor, dass BLS und SOB die SBB konkurrieren.

Gegen die SOB habe ich nichts. Erst kürzlich fuhr ich wieder mit einem SOB-Kollegen ein Stück auf dem Voralpenexpress mit und wir arbeiteten hervorragend zusammen.

Anders schaut es mit der BLS aus: Ich mag sie nicht. Sie arbeitet (bisher erst im Güterverkehr) mit der DB zusammen und das gefällt mir gar nicht. Die BLS ist das trojanische Pferd, mit welchem die DB die Schweiz erobern will. Neee, auf das habe ich keine Lust, es würde nur zu Dumping-Löhnen und deutschen Verhältnissen beim Rollmaterial führen. Und die Pünktlichkeit würde bestimmt auch flöten gehen. Wir sehen ja, wie es in Deutschland läuft. (Wer mehr über die teilweise katastrophalen Verhältnisse bei der DB erfahren möchte, liest am besten meinen Artikel über die 20 besten Bahnblogs der Welt, beziehungsweise die dort aufgeführten Blogs.)

Wir haben in der Schweiz eine der besten Bahnen der Welt mit einem nach wie vor hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Klar, nicht alles läuft perfekt, manchmal lassen Pünktlichkeit und Platzangebot zu wünschen übrig. Aber im Grossen und Ganzen dürfen wir zufrieden sein.

Wollen wir das nun aufs Spiel setzen, indem wir ausländische Bahnen ins Land lassen?

Vielleicht wäre die andere Idee, die 2004 herumgeisterte doch besser gewesen: Die SBB übernimmt die anderen Normalspurbahnen der Schweiz und ist so stark genug, um gegen ausländische Bahnen bestehen zu können.

Vor vier Jahren dachte ich noch, ein Monopol wäre schlecht für den ÖV der Schweiz. Heute bin ich anderer Meinung. Die SBB dürfte meiner Ansicht nach nur von Unternehmen konkurriert werden, welche sich zu 100% im Besitz des Bundes und der Kantone befinden. Alles andere ist sehr gefährlich und gefährdet den hervorragend funktionierenden öffentlichen Verkehr unseres Landes.

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