Was tut der Kondukteur mit der jungen Dame im dunklen Nebenraum?

von Andreas Hobi am 8. Februar 2008 · 10 Kommentare

Vor einiger Zeit irgendwo in einem Aufenthaltsraum der SBB:

Wenige Minuten nachdem ich mit meinem Zug im Bahnhof eingetroffen bin, befinde ich mich im Aufenthaltsraum. Nebst mir sind noch ein paar weitere Zugbegleiter und SBB-Mitarbeiter anwesend. Einige kenne ich, andere sehe ich zum ersten Mal.

Aus dem Selecta-Automat lasse ich mir ein Getränk raus, nehme den Blick hervor und beginne zu lesen. (Nein, Valora und Ringier haben mir nichts für diese Schleichwerbung bezahlt! ;o)

Nach ein paar Minuten betritt eine junge, hübsche Dame den Raum. Ich schätze sie mal so ungefähr auf 22 Jahre, sie scheint also rund ein Jahr jünger zu sein als ich. Mmh… Weshalb habe ich sie noch nie gesehen? Ich dachte, ich kenne ziemlich alle Zugbegleiter, die in meinem Alter sind… Sie setzt sich an den Tisch, an welchem ich und ein paar Kollegen bereits sitzen. Mich freut es, dass sie keinen der freien Tische ausgewählt hat. :)

Wir plaudern ein wenig hin und her, mal ich mit einem Kollegen, dann sie mit mir, dann ein Kollege mit ihr etc. Plötzlich meint ein Zugchef vom Depot Zürich: “Du Andreas, gäll übermorgen fahren wir miteinander? Kann das sein?” Ich bin mir nicht sicher: “Mmh… Weiss nicht. Habe meine Einteilung im Moment nicht wirklich im Kopf. Seit ich Ablöser bin, schaue ich meistens erst am Vorabend in die Einteilung. Aber warte rasch, ich schau mal nach!”

Ich stehe auf und gehe in den separaten Raum, in welchem sich die Computer befinden. Dort will ich im Intranet rasch nachschauen. Der Raum kann nur nach Eingabe eines Zahlencodes betreten werden. Ich tippe die Zahlen ein, das Summen ertönt und ich trete ein. Niemand ist im Computerraum. Die Rollläden sind heruntergelassen, weil die Sonne scheint. “Irgendwie noch angenehm, so ein leicht abgedunkelter Raum.”, denke ich mir.

Ich setze mich an einen der beiden Computer und sehe, dass alle Programme heruntergefahren wurden. “Super!”, schiesst es mir durch den Kopf. Nun brauche ich bestimmt 2-3 Minuten, bis das Intranet läuft. Was soll’s, ich habe ja Zeit.

Während ich darauf warte, dass das Intranet läuft, summt es an der Türe. Ich drehe mich neugierig um, und sehe, dass die junge Dame von vorhin eintritt. Ein kurzes Lächeln auf beiden Seiten, dann wende ich mich wieder meinem Computer zu. Kurz bevor sie an mir vorbei läuft, seufze ich vor mich hin: “Warum gibt es immer wieder Mitarbeiter, welche den PC nach der Benützung bis auf die Grundmaske hinunterfahren.”

Daraufhin meint die Dame: “S’git halt Lüüt, diä händ kei Ahnig vo Technik.”

  • “Stimmt.”, bestätige ich. “I hoffe, din PC lauft wenigstens einigermasse.”, sage ich zu ihr und blicke in Richtung des zweiten Computers, da ich davon ausgehe, dass sie an den anderen Computer möchte.
  • Doch sie steht immer noch neben mir: “Jo weisch, eigentli wott i au gar nöd an PC.”
  • “Ach so…” Ich frage mich, weshalb sie denn in den Computerraum kam.
  • “Du bisch doch dä wo bloggt, nid?”, fragt sie mich.
  • “Jo, me seits.”, bestätige ich ihr mit einem Lächeln
  • “Find i cool. Voll engagiert, das merkt me!”, lobt sie mich.

Ich glaube, inzwischen war das Intranet-Fenster offen, doch das war zu diesem Zeitpunkt Nebensache. Wir plauderten ein paar Minuten über Gott und die Welt, über unseren Job, den Blog und was uns sonst noch in den Sinn kam. Danach verliessen wir den Raum und gingen wieder zu den anderen Kollegen.

“Und, arbeiten wir übermorgen nun zusammen?”, fragt mich der Kollege von vorhin.

“Ähm… jo… aaaalso…. Mmh… Habe ganz vergessen, nachzuschauen…”, gestehe ich kleinlaut…

Die Kollegen schauen abwechselnd mich an, dann die hübsche junge Kollegin. Dann kam, was kommen musste! Ein Kollege sagte: “Aha! Jo denn müend ihr üs jetzt nur mal kurz erkläre, was ihr denn über zehn Minute lang mitenand in dem dunkle Rüümli gmacht händ!” Das Gelächter ist gross. ;o)

Im ersten Moment war dies uns (oder zumindest mir) sowas von P-E-I-N-L-I-C-H hoch zehn! Doch schlussendlich mussten wir auch darüber lachen. :)

Ob es eine Fortsetzung gibt und ob ich euch hier im Blog davon erzähle? Nun, das hängt mehrheitlich von ihr ab. :) Immerhin hatte sie nichts dagegen, dass ich euch die Geschichte erzähle. Unter der Bedingung, dass ich weder erzähle, in welchem Depot es sich abgespielt hat, noch ihren Namen nenne.

(Und ich hoffe, die anwesenden Kollegen erzählen auch nichts weiter. Ich wäre euch sehr dankbar! Aber vermutlich kennen die meinen Blog gar nicht. Es waren alles ältere Herrschaften, die mit dem Internet eher wenig am Hut haben…)

Bild 1 © (cc) alex.ch (flickr.com)
Bild 2 © (cc) [phil h] (flickr.com)

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Andreas Hobi arbeitet seit 2001 bei der SBB und dort seit 2004 beim Zugpersonal. In seiner Freizeit schreibt er auf schweizweit.net von seinen Erlebnissen und über andere spannende Stories aus der Welt des öffentlichen Verkehrs.

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{ 10 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }

bd Februar 8, 2008 um 14:50

Also dir müsste die SBB endlich einmal für die Mühen danken: Exzellente Gratiswerbung denn!

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ein lf Februar 8, 2008 um 16:34

Du Glückspilz!;-)

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Ralf Februar 8, 2008 um 22:50

Ich würd sagen: Die will Dich.

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Andreas Hobi | schweizweit.net Februar 8, 2008 um 23:04

Das ist jetzt witzig:

Wenn ich jeweils an meinem Mac sitze / online bin, läuft gleichzeitig immer iTunes mit einer Zufallsauswahl aus 424 Songs quer durch alle Musikstile. Und genau in jenem Moment, als ich eure Kommentare zu diesem Artikel las, kam “Chum gib mir dini Hand” von Florian Ast & Kisha…

Zufall? Ein Zeichen? ;o)

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Andreas Hobi | schweizweit.net Februar 8, 2008 um 23:10

@ bd:
Naja, ganz so undankbar ist die SBB auch nicht. Am 18. Januar 2008 hat mir ein Kader-Mitarbeiter der “SBB Kommunikation” aus Bern angerufen und mir ein interessantes Angebot unterbreitet. :)

Sobald ich mehr dazu sagen kann, hört ihr hier im Blog davon!

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Petar Februar 8, 2008 um 23:58

Andreas, die Dame liest auch mit (nur so als Erinnerung) ;-)

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Andreas Hobi | schweizweit.net Februar 9, 2008 um 08:19

@ bd:
Ich frage mich, was dieser Artikel mit Gratiswerbung zu tun hat… :)

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Robi Februar 11, 2008 um 08:30

Hoi Andreas!

Also, ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir ein riesiges Happy End mit der hübschen Kollegin! :-) Das ist ja richtig zum mitfiebern…

LG Robi

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Gumbo Februar 27, 2008 um 10:34

War das überhaupt eine echte Kollegin? Aufgepasst bei unbekannten Personen!
Gumbo

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Andreas Hobi | schweizweit.net Februar 27, 2008 um 11:38

Naja, ihren Personalausweis habe ich nicht verlangt. :)

Aber inzwischen kenne ich sie schon ein wenig besser… *g* Sie arbeitet wirklich bei der SBB, da kann ich Dich inzwischen beruhigen.

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