Zugpersonal zieht Notbremse / Was ist Tilidin?
umwelt February 1st. 2008, 16:11“Wir wollen nicht unser Leben riskieren, während wir unseren Lebensunterhalt verdienen.”
Dies steht in einem Flugblatt, welches die Gewerkschaft SEV derzeit an die Zugbegleiter verteilt. Stefan Büsser, Journalist bei der Abendzeitung “heute“, griff diese Thematik auf und verfasste in der Ausgabe vom 31. Januar einen Artikel darüber. (Link…)

Das SBB-Zugpersonal wird beschimpft, bespuckt und geschlagen. “Und das jeden Tag.”, zitiert Büsser einen Gewerkschaftssprecher.
Letztes Jahr gab es 300 Übergriffe, welche zu einer Anzeige führten. Die Dunkelziffer - sprich: diejenigen “kleineren” Tätlichkeiten, welche nicht zu einer Anzeige führten - wird deutlich höher sein.
Besonders kritische Zeiten sind die Abende, insbesondere am Freitag und Samstag. Die meisten Übergriffe werden von Jugendlichen (oft mit Migrationshintergrund) verübt. Die Gründe mögen vielfältig sein. Oftmals sind Drogen im Spiel. Damit meine ich insbesonders die legale Droge Alkohol, aber auch in zunehmendem Masse das verschreibungspflichtige Medikament Valoron N (Tilidin). Ich werde später in diesem Artikel darauf zurück kommen.
Der SEV verlangt nun von der SBB, dass sie ihre Zugbegleiter in schwierigen Zeiten nur noch in Doppelbegleitung auf Kontrolle schickt. Ein Schritt, den ich absolut begrüsse. Wer jetzt denkt, dies werde zu höheren Personalausgaben seitens der SBB führen, irrt unter Umständen. Viele Zugbegleiter können nach einem Übergriff eine gewisse Zeit nicht mehr arbeiten, weil sie das Erlebte zuerst verarbeiten müssen. Diese Ausfalltage gehen enorm ins Geld. Wenn die Zahl der Fehltage nun durch Doppelbegleitungen gesenkt werden kann, spart die SBB schlussendlich vielleicht sogar Geld.
Zurück zu Tilidin: Anfangs Woche wollte ich bereits über diesen Wirkstoff, welcher in Schmerzmitteln vorkommt, schreiben, als er in Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den U-Bahn-Schläger von München erwähnt wurde.
Da ich genügend andere Themen hatte, über welche ich diese Woche schreiben konnte, verschwand die Idee im Archiv. In Zusammenhang mit Büssers Artikel habe ich sie nun wieder hervorgenommen und will sie hier veröffentlichen.
Was ist Tilidin?
Wie schon gesagt: Eigentlich handelt es sich hierbei um einen Inhaltsstoff eines verschreibungspflichtigen Schmerzmittels. Eigentlich. Denn je länger je mehr entwickelt sich Tilidin zu einer richtigen Trend-Droge für Jugendliche.
Tilidin verdrängt Angst, Moral und Skrupel, macht euphorisch, lässt die Hemmungen fallen und bringt Gewalttäter in Stimmung, bevor sie Leute überfallen oder Einbrüche verüben. Was der Stoff auch noch bewirkt: Man wird immun gegen Pfefferspray. Eine gefährliche Sache.
- Der Messerstecher des neu eröffneten Berliner Hauptbahnhofs hatte vor seiner Tat Tilidin konsumiert.
- Robert Steinhäuser, der Amokläufer von Erfurt, soll ebenfalls Tilidin intus gehabt haben.
Man darf den Stoff also nicht unterschätzen. Der illegale Verkauf von Tilidin-Präparaten ist strafbar, der Besitz hingegen nicht. Dies macht es den Behörden auch so schwierig, geeignete Lösungswege für das Problem zu finden.

Viele Tilidin-Konsumenten fälschen ärztliche Verschreibungen, um in Apotheken an ihren Stoff zu gelangen. Meistens mit Erfolg. Vielleicht müsste man hier ansetzen. Vielleicht dürfte das Medikament nicht mehr von Apotheken, sondern nur noch von Ärzten direkt abgegeben werden. Gleichzeitig müsste man eine Datenbank auf die Beine stellen, wo die Abgabe registriert wird. Ansonsten wäre es zu einfach, an einem Tag zu einem bestimmten Arzt zu gehen, am nächsten Tag zu einem anderen.
Doch gegen eine solche Datenbank würden sich Datenschützer und Tilidin-Konsumenten vermutlich vehement wehren.

Dass Handlungsbedarf besteht, merkt man, wenn man folgende Aussage aus einem spiegel.de-Artikel liest:
“In den Jahren 2006 und 2007 haben wir in Berlin jeweils etwa 2000 Fälle von Rezeptfälschungen erfasst, zu 90 Prozent ging es dabei um Tilidin”, sagt Olaf Schremm, Leiter des Berliner LKA-Dezernates für Umweltdelikte, das auch für das Arzneimittelkommissariat zuständig ist. Weil Fälschungsserien mit einem Rezeptblock als einzelner Fall gewertet werden und weil nicht jeder Täter gefasst wird, liegt die tatsächliche Anzahl der gefälschten Rezepte noch deutlich höher.
Tilidin hat für den Täter übrigens auch noch eine äusserst positive Nebenwirkung:
Wer unter Medikamenteneinfluss ein Verbrechen begeht, ist möglicherweise nur vermindert schuldfähig.
Weitere Informationen zum Thema
- Blogs über Tilidin
- Google-Suchergebnisse für Tilidin & Gewalt
- Der Fall der Münchner U-Bahn-Schläger zeigt die Wirklichkeit
- Trend-Droge lässt Jugendliche durchdrehen
Bild 1 © Foto SBB
Bilder 2 + 3 © (cc) hans* (flickr.com)
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February 4th, 2008 at 14:16
Der Artikel ist wie auch die anderen im Netz kursierenden absolute Schwarzmalerei, dessen Recherche auf Hören-Sagen basiert.
Wie alle anderen Opiate/ Opioide, macht es weder Agressiv noch wird man Immun gegen Pfefferspray (Woher nimmt man diese Aussage?).
Auch der Artikel hier entspricht “Schundblattjournalismus” höchster Güte.
An die Menschen die schmerzbedingt auf Tilidin zählen denkt keiner?
Es ist eine Schande, wie man in den Medien und der Gesellschaft einen Schuldner für chronische soziale Missstände sucht und in einfachen Dingen, wie Drogen/ Medikamenten oder z.B. immer wieder akutell: Killerspielen, findet. Wie Blind, Naiv und Ignorant können die Menschen sein?
Ich verweise auch auf einen Artikel der taz-online:
Man sollte sich, bevor man über Irgendetwas schreibt, auch damit beschäftigen. Manchmal reicht allein schon Wikipedia aus. Am ebsten eignen sich Berichte von Patienten, die mit Tilidin behandelt wurden.
February 4th, 2008 at 22:30
@ Max:
Wie Du sicherlich bemerkt hast, geht es in diesem Artikel nicht um ein Verbot des Wirkstoffs Tilidin. Vielmehr plädiere ich für eine kontrollierte Abgabe an Patienten, welche auf Tilidin-Schmerzmittel angewiesen sind. Diese kontrollierte Abgabe verlange ich, damit Missbräuche verhindert und der Ruf der Tilidin-Medikament nicht “in den Dreck gezogen” wird. Dies hilft schlussendlich auch Dir und den anderen Patienten.
Da ich kein professioneller Journalist bin und die (finanziellen) Mittel nicht habe, im gesamten deutschsprachigen Raum selbständig Recherchen und Interviews zu erstellen, basiert mein Artikel hauptsächlich auf Internetquellen, persönlichen Gesprächen mit Bahnpolizisten und dem verlinkten Spiegel-Artikel.
Den von Dir verlinkten Artikel der taz-Genossenschaft habe ich zur Kenntnis gewonnen. Bei der Lektüre des Artikels muss man sich einfach jederzeit im Hinterkopf merken, dass die TAZ und somit auch deren Autoren nach eigenen Angaben aus dem linken Lager kommen und somit “vorbelastet” sind, sprich: Sie sind nicht unabhängig.
Wie Du bestimmt weisst, stand die TAZ mehrmals vor der Insolvenz. Ein Zeichen dafür, dass die Artikel und Berichte keine Mehrheitsmeinung widergeben.
February 6th, 2008 at 10:13
Hinweis: Heute Abend (22:15 Uhr | RTL) bringt die Sendung “Stern TV” einen Beitrag über Tilidin.
May 4th, 2008 at 22:46
Suche bezug zu valeron tilidin ohne Rezeppt ich habe hier Darüber gelesen war schon beim artzt der Mir kein rezeppt geben wollte
May 5th, 2008 at 04:43
Deinem “Deutsch” nach zu schliessen, scheinst Du bereits schon unter Drogen zu stehen… ;o)