“Wir wollen nicht unser Leben riskieren, während wir unseren Lebensunterhalt verdienen.”

Dies steht in einem Flugblatt, welches die Gewerkschaft SEV derzeit an die Zugbegleiter verteilt. Stefan Büsser, Journalist bei der Abendzeitung “heute“, griff diese Thematik auf und verfasste in der Ausgabe vom 31. Januar einen Artikel darüber. (Link…)

Kondukteur SBB

Das SBB-Zugpersonal wird beschimpft, bespuckt und geschlagen. “Und das jeden Tag.”, zitiert Büsser einen Gewerkschaftssprecher.

Letztes Jahr gab es 300 Übergriffe, welche zu einer Anzeige führten. Die Dunkelziffer - sprich: diejenigen “kleineren” Tätlichkeiten, welche nicht zu einer Anzeige führten - wird deutlich höher sein.

Besonders kritische Zeiten sind die Abende, insbesondere am Freitag und Samstag. Die meisten Übergriffe werden von Jugendlichen (oft mit Migrationshintergrund) verübt. Die Gründe mögen vielfältig sein. Oftmals sind Drogen im Spiel. Damit meine ich insbesonders die legale Droge Alkohol, aber auch in zunehmendem Masse das verschreibungspflichtige Medikament Valoron N (Tilidin). Ich werde später in diesem Artikel darauf zurück kommen.

Der SEV verlangt nun von der SBB, dass sie ihre Zugbegleiter in schwierigen Zeiten nur noch in Doppelbegleitung auf Kontrolle schickt. Ein Schritt, den ich absolut begrüsse. Wer jetzt denkt, dies werde zu höheren Personalausgaben seitens der SBB führen, irrt unter Umständen. Viele Zugbegleiter können nach einem Übergriff eine gewisse Zeit nicht mehr arbeiten, weil sie das Erlebte zuerst verarbeiten müssen. Diese Ausfalltage gehen enorm ins Geld. Wenn die Zahl der Fehltage nun durch Doppelbegleitungen gesenkt werden kann, spart die SBB schlussendlich vielleicht sogar Geld.

Zurück zu Tilidin: Anfangs Woche wollte ich bereits über diesen Wirkstoff, welcher in Schmerzmitteln vorkommt, schreiben, als er in Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den U-Bahn-Schläger von München erwähnt wurde.

Da ich genügend andere Themen hatte, über welche ich diese Woche schreiben konnte, verschwand die Idee im Archiv. In Zusammenhang mit Büssers Artikel habe ich sie nun wieder hervorgenommen und will sie hier veröffentlichen.

Was ist Tilidin?

Wie schon gesagt: Eigentlich handelt es sich hierbei um einen Inhaltsstoff eines verschreibungspflichtigen Schmerzmittels. Eigentlich. Denn je länger je mehr entwickelt sich Tilidin zu einer richtigen Trend-Droge für Jugendliche.

Tilidin verdrängt Angst, Moral und Skrupel, macht euphorisch, lässt die Hemmungen fallen und bringt Gewalttäter in Stimmung, bevor sie Leute überfallen oder Einbrüche verüben. Was der Stoff auch noch bewirkt: Man wird immun gegen Pfefferspray. Eine gefährliche Sache.

  • Der Messerstecher des neu eröffneten Berliner Hauptbahnhofs hatte vor seiner Tat Tilidin konsumiert.
  • Robert Steinhäuser, der Amokläufer von Erfurt, soll ebenfalls Tilidin intus gehabt haben.

Man darf den Stoff also nicht unterschätzen. Der illegale Verkauf von Tilidin-Präparaten ist strafbar, der Besitz hingegen nicht. Dies macht es den Behörden auch so schwierig, geeignete Lösungswege für das Problem zu finden.

Viele Tilidin-Konsumenten fälschen ärztliche Verschreibungen, um in Apotheken an ihren Stoff zu gelangen. Meistens mit Erfolg. Vielleicht müsste man hier ansetzen. Vielleicht dürfte das Medikament nicht mehr von Apotheken, sondern nur noch von Ärzten direkt abgegeben werden. Gleichzeitig müsste man eine Datenbank auf die Beine stellen, wo die Abgabe registriert wird. Ansonsten wäre es zu einfach, an einem Tag zu einem bestimmten Arzt zu gehen, am nächsten Tag zu einem anderen.

Doch gegen eine solche Datenbank würden sich Datenschützer und Tilidin-Konsumenten vermutlich vehement wehren.

Dass Handlungsbedarf besteht, merkt man, wenn man folgende Aussage aus einem spiegel.de-Artikel liest:

“In den Jahren 2006 und 2007 haben wir in Berlin jeweils etwa 2000 Fälle von Rezeptfälschungen erfasst, zu 90 Prozent ging es dabei um Tilidin”, sagt Olaf Schremm, Leiter des Berliner LKA-Dezernates für Umweltdelikte, das auch für das Arzneimittelkommissariat zuständig ist. Weil Fälschungsserien mit einem Rezeptblock als einzelner Fall gewertet werden und weil nicht jeder Täter gefasst wird, liegt die tatsächliche Anzahl der gefälschten Rezepte noch deutlich höher.

Tilidin hat für den Täter übrigens auch noch eine äusserst positive Nebenwirkung:

Wer unter Medikamenteneinfluss ein Verbrechen begeht, ist möglicherweise nur vermindert schuldfähig.

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