Kondukteur SBB

Der ZVV verlangt, dass alle S-Bahnen nach 21:00 Uhr durch Zugpersonal begleitet sind. Der SBB jedoch fehlt das Personal dazu. Grund: Die S-Bahn-Zugbegleiter haben keine Aufstiegschancen, verdienen deutlich weniger als wir vom Fernverkehr und ihre Arbeit ist gefährlich. Nicht selten kommt es zu Übergriffen seitens der Fahrgäste.

Inzwischen sucht die SBB verzweifelt auch im Ausland nach geeignetem Personal. Trotzdem sind erst 80% der benötigten Stellen besetzt. Und bei diesen 80% ist die Fluktuation riesig. Viele geben nach einigen Wochen auf, weil sie mit dem Job und den Bedingungen nicht klar kommen.

Mehr Lohn wird es wohl auch in Zukunft nicht geben. Zu gross ist die Angst der SBB, dass ansonsten auch die Zugbegleiter im Fernverkehr einen höheren Zahltag verlangen würden. Die S-Bahn-Begleiter sind eine Funktionsstufe tiefer als das Fernverkehrs-Personal eingestuft. Es ist kaum vorstellbar, dass die FV-Kollegen es akzeptieren würden, auf gleicher Stufe wie die S-Bahn-Zugbegleiter eingestuft zu sein, jedoch mehr (fahrdienstliche) Aufgaben wahrnehmen zu müssen.

Was die SBB den Zugbegleitern der S-Bahnen jedoch anbieten kann: Mehr Abwechslung. So sollen sie zukünftig nicht nur in der Nacht arbeiten, sondern auch tagsüber Stichkontrollen machen. Ausserdem könnten sie bei Grossanlässen als Kundenlenker eingesetzt werden oder Funktionen ausüben, welche ein pünktlicheres Verkehren der S-Bahnen bewirken.

Trotz dem momentanen Personalmangel verspricht die SBB, während der Euro08 selbst im 24-Stunden-Betrieb der S-Bahnen die gesamte Zugbegleitung gewährleisten zu können. Wie sie dies macht, wird die SBB in einer kommenden Medienkonferenz darlegen.

Ich bin gespannt, denn so richtig vorstellen kann ich mir dies nicht. Meine Vermutung: Es wird sowohl bei den S-Bahnen als auch im Fernverkehr zu Engpässen kommen. Wir werden sehen, wer am Schluss Recht behält. :)

© Foto SBB