SBB / ZVV: Personalmangel bei Zugbegleitern

von Andreas Hobi am 1. Februar 2008

Kondukteur SBB

Der ZVV verlangt, dass alle S-Bahnen nach 21:00 Uhr durch Zugpersonal begleitet sind. Der SBB jedoch fehlt das Personal dazu. Grund: Die S-Bahn-Zugbegleiter haben keine Aufstiegschancen, verdienen deutlich weniger als wir vom Fernverkehr und ihre Arbeit ist gefährlich. Nicht selten kommt es zu Übergriffen seitens der Fahrgäste.

Inzwischen sucht die SBB verzweifelt auch im Ausland nach geeignetem Personal. Trotzdem sind erst 80% der benötigten Stellen besetzt. Und bei diesen 80% ist die Fluktuation riesig. Viele geben nach einigen Wochen auf, weil sie mit dem Job und den Bedingungen nicht klar kommen.

Mehr Lohn wird es wohl auch in Zukunft nicht geben. Zu gross ist die Angst der SBB, dass ansonsten auch die Zugbegleiter im Fernverkehr einen höheren Zahltag verlangen würden. Die S-Bahn-Begleiter sind eine Funktionsstufe tiefer als das Fernverkehrs-Personal eingestuft. Es ist kaum vorstellbar, dass die FV-Kollegen es akzeptieren würden, auf gleicher Stufe wie die S-Bahn-Zugbegleiter eingestuft zu sein, jedoch mehr (fahrdienstliche) Aufgaben wahrnehmen zu müssen.

Was die SBB den Zugbegleitern der S-Bahnen jedoch anbieten kann: Mehr Abwechslung. So sollen sie zukünftig nicht nur in der Nacht arbeiten, sondern auch tagsüber Stichkontrollen machen. Ausserdem könnten sie bei Grossanlässen als Kundenlenker eingesetzt werden oder Funktionen ausüben, welche ein pünktlicheres Verkehren der S-Bahnen bewirken.

Trotz dem momentanen Personalmangel verspricht die SBB, während der Euro08 selbst im 24-Stunden-Betrieb der S-Bahnen die gesamte Zugbegleitung gewährleisten zu können. Wie sie dies macht, wird die SBB in einer kommenden Medienkonferenz darlegen.

Ich bin gespannt, denn so richtig vorstellen kann ich mir dies nicht. Meine Vermutung: Es wird sowohl bei den S-Bahnen als auch im Fernverkehr zu Engpässen kommen. Wir werden sehen, wer am Schluss Recht behält. :)

© Foto SBB

{ 9 Kommentare… lies sie gleich hier unten oder schreibe einen }

Federico 1. Februar 2008 um 11:24

Dass S-Bahn Zugbegleiter keine Aufstigeschancen haben glaube ich nicht. Der Weg steht offen zum Fernverkehrszugbegleiter, Büro etc. Ich denke nicht, dass die Löne so schlecht sind wie immer geschrieben wird, denn man muss den kleineren Prozenteinsatz bedenken. Mit Nebenjobs kann man ja auch noch zusätzlich Geld verdienen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg…

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Sandra-Lia 1. Februar 2008 um 13:15

naja, selzam ist nur, das wenn man sich bewirbt, immer nur Absagen kommen, auch von den SBB, ich mein nicht nur mich, sondern auch mein topqualifizierter Mann. Aber eben.. Lieber freie stellen als jemanden zuverlässigen im Betrieb, so scheint mir heutzutag das Motto zu sein.

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Markus 30. März 2008 um 16:33

Ich weiß, das die Gehälter im Gegensatz zur Arbeit sehr gering sind. Nachtfahrten und die Gefahren sind erheblich. Doch bei Bewerbungen bekommt man dennoch nur Absagen…sowie in Dtl. auch. Sie meinen Sie suchen, doch in wirklichkeit wollen Sie doch lieber sparen.

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Hannelore 9. Juli 2009 um 20:58

Die SBB weigert sich kontinuierlich, ehemalige zugbegleiter oder andere wieder einzustellen. Bei einer solchen Personalpolitik ist es nicht verwunderlich, wenn Personal fehlt-

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Andreas Hobi 10. Juli 2009 um 08:33

@ Hannelore:
Naja, mit ehemaligen Angestellten ist es vermutlich so eine Sache… Wenn diese von selbst gekündigt haben, denkt sich die SBB vielleicht: “In guten Zeiten gingen sie, und jetzt in schlechten Zeiten kommen sie wieder. Und sobald die Wirtschaft wieder anzieht, werden sie wieder in die Privatwirtschaft gehen.”

Und bei Angestellten, die “geschickt” wurden bzw. in andere Jobs bei der SBB “umplatziert” wurden, ist der Fall eh klar…

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Sonja 15. Dezember 2009 um 20:47

Also, ich hab mich bei der SBB auch beworben und hab dann auch eine Absage bekommen. Komisch ist nur das Stellen im Internet ausgeschrieben sind, die wollen ganz bestimmt nur sparen. Das ist ja heute schon normal, eigentlich schade, denn, die Reisenden bzw. Fahrgäste fühlen sich eindeutig sicherer, wenn jemand da ist.

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Siggi 7. März 2010 um 12:44

Mit den idiotischen Multicheck-Tests, welche heutzutage durchgezogen werden, wird die SBB bestimmt super Angestellte finden!!

Dreisätze beherrschen, Würfel drehen, usw. garantieren sicherlich ein kundenfreundliches und kompetentes Personal……. leider sieht die Realität ziemlich anders aus. *lach*

Wie dem auch sei, die Personaleinstellung wird immer absurder. (Klar, die Arbeitssuchenden lassen ja eh alles mit sich machen, und es gibt ja leider auch immer mehr davon).

Schade, sehr schade.

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Andreas Hobi 8. März 2010 um 14:06

@ Siggi:
Die Tests sind nur ein Teil der Bewerbungsphase. Da gibt es noch zahlreiche Gespräche und andere Abklärungen. So, wie bei vielen anderen Unternehmen auch.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, empfindest du das Personal nicht unbedingt als kundenfreundlich und kompetent. Wie kommst du auf diesen Gedanken und welche Erfahrungen hast du persönlich gemacht, die dich so denken lassen?

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Siggi 8. März 2010 um 17:35

@Andy

Zu meinem Posting:

Feine Ironie – fein säuberlich verpackt – nicht verstanden, but no problem (smile)

Nochmals zum genaueren Studium:

Dreisätze beherrschen, Würfel drehen, usw. garantieren sicherlich ein kundenfreundliches und kompetentes Personal……. leider sieht die Realität ziemlich anders aus. *lach*

Solche Testaufgaben beziehen sich in keinster Weise auf die berufsspezifischen Anforderungen des Zugpersonals. Die Tests sind somit unbrauchbar – zumal sie auch weder Alter der Prüflinge, Berufserfahrung noch soziale Intelligenz testen.

Direkte Vorstellungsgespräche, evtl. mit anschliessendem berufsspezifischen Tests wären da sicherlich sinnvoller.

Dann ist Kompetenz/Hilfsbereitschaft/Kundenfreundlichkeit grösstenteils auch messbar.

see you !

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