SBB: Die Verspätungs-Versicherung


Was kann ein SBB-Fahrgast bei einer Verspätung tun? Ehrlich gesagt nicht viel. Meistens versucht die SBB, die Anschlusszüge warten zu lassen oder die verspäteten Fahrgäste wenigstens mit den wichtigsten Informationen betreffend der Verspätung und den Anschlussmöglichkeiten zu versorgen. Die SBB unternimmt wirklich viel, um Verspätungen “so angenehm wie möglich” zu machen. Sprich: Sie unternimmt viel, damit die Reisenden nicht zu sehr unter den Verspätungen leiden.

Doch es ist nicht zu verhindern, dass es zu Verspätungen kommt. Unser Netz ist dichter ausgelastet als es sich die meisten Kunden vorstellen können. Wenn da mal etwas schief läuft, sind oft gleich mehrere Züge verspätet.

Ob das Zugpersonal nun in Winterthur einen Rollstuhl einladen oder in Aarau auf Anschluss-Reisende eines verspäteten Zuges warten muss: Alle diese Dinge haben nicht nur auf den eigenen Zug, sondern oftmals leider auch auf andere (nachfolgende) Züge einen Einfluss. Klar, wir könnten den Rollstuhl einfach stehen lassen, weil es zu lange dauert, ihn einzuladen. Und wir könnten den Reisenden, welche in Aarau auf unseren Zug umsteigen wollen, einfach mal davon fahren. (Vorausgesetzt, der Fahrdienstleiter stellt das Ausfahrsignal auf Grün.) Why not? Aber besonders kundenfreundlich wäre dies ja nicht und mein Chef hätte bei einer solchen Arbeitsweise wohl auch nicht sonderlich Freude. :)

Nun gibt es aber oftmals Kunden, welche einen sehr wichtigen Termin haben. Dies kann ein Vorstellungsgespräch sein (ist eher ungünstig, wenn man da zu spät kommt…) oder ein Vertragsabschluss mit Geschäftspartnern. Vielleicht aber ist es auch einfach ein Flug nach Miami.

Die SBB kann (wie alle anderen Bahnen auch) niemanden garantieren, pünktlich am Ziel anzukommen. Wirklich nicht?

Ich denke, es gäbe da schon eine Möglichkeit. Wie wäre es mit einer “Verspätungs-Versicherung”?

Die Verspätungs-Versicherung der SBB

Ich stelle mir dies folgendermassen vor: Der Kunde löst zusätzlich zum Billett eine Art Versicherung. Damit garantiert die SBB ihm, dass sie ihn pünktlich an sein Ziel bringen wird. Egal was passiert!

Wie das funktionieren soll? Nun, “viele Wege führen nach Rom”, sprich: Es gibt nicht nur den Schienenweg. Angenommen, in Olten kommt es zu einer Fahrleitungsstörung. Nichts geht mehr. Die Züge können den Bahnhof Olten nicht mehr passieren.

Der Kunde erhält nun einen Anruf auf sein Handy. Eine Mitarbeiterin des SBB-Kundendienstes teilt ihm mit, dass er aussteigen und zum Taxistand gehen soll. Dort warte ein Taxi, welches ihn zum Flughafen Zürich bringen werde, so dass er seinen Flug noch erwischt.

(Normalerweise bezahlt die SBB nur dann Taxis, wenn man den letzten Zug am Abend verpasst hat und die SBB Schuld daran ist.)

Worst Case Scenario

Gehen wir nun einen Schritt weiter: Angenommen es ist Samstag, der 26. Januar 2007. WEF-Demo im bündnerischen Landquart. Die Demonstranten haben sowohl Schienenwege als auch die Autobahn und alle anderen Strassenverbindungen unterbrochen. Nichts geht mehr. Es ist kein Durchkommen mehr möglich nach Chur.

Der Kunde hat jedoch ein wichtiges Vorstellungsgespräch bei einer grossen Churer Firma. Er muss dort unbedingt pünktlich erscheinen. Momentan befindet er sich im Bahnhof Sargans.

Die SBB hat ihm versprochen, ihn pünktlich an sein Ziel zu bringen; egal was passiert. Selbstverständlich hält sie ihr Versprechen.

Innert Kürze wird ein Helikopter organisiert, welcher in Sargans gleich neben dem Bahnhof landet und den Kunden nach Chur fliegt. Verspätungs-Versicherung sei dank.

Ok, nein, das ist jetzt vielleicht ein wenig zu weit hergeholt. ;o) Ein Helikopter wäre dann doch eine Spur zu unrealistisch. Aber irgendwas in Richtung Taxi- oder Bus-Service müsste doch möglich sein.

Utopie? Absoluter Blödsinn? Ich denke nicht! Darüber müsste die SBB echt mal nachdenken. Denn diesen Service kann die grösste SBB-Konkurrenz (sprich: Der Individualverkehr / Das eigene Auto) nicht bieten. Wer im Stau steckt, kommt da so rasch nicht mehr raus. Auf Hilfe kann der noch lange warten.

Indem die SBB ihren Kunden garantiert, sie pünktlich ans Ziel zu bringen, kann sie einige Autofahrer für sich gewinnen. Zumindest für die wichtigen Termine. Und mit einem fairen Preis für diese Versicherung könnte dieses Angebot sogar ein wenig Gewinn erwirtschaften.

(Betreffend zusätzlichen Einnahmen: Siehe auch “VIP-Service in SBB-Zügen”)

Bild © (cc) The Rocketeer (flickr.com)
Bild © (cc) jc/pics (flickr.com)

14 Kommentare zu “SBB: Die Verspätungs-Versicherung”

  1. Thomas Zuberbuehler am 29.01.2008 um 19:40

    Interessanter Ansatz. Gefällt mir. Interessant sind aber sicher auch die Kosten für diese Versicherung. Was stellst Du Dir für Beträge vor?

  2. Ralf am 29.01.2008 um 21:52

    Wenn die Versicherung einen fairen Preis haben soll, wäre die DB pleite. Würde also nur in CH funktionieren.

  3. Andreas Hobi | schweizweit.net am 30.01.2008 um 00:02

    Naja, da ich nur eine KVöV-Ausbildung + Berufsmatura habe, bin ich vermutlich nicht wirklich die richtige Person, wenn es um solche Preiskalkulationen geht. :)

    Aber so “Handgelenk mal Pi” schätze ich mal, es würde rund CHF 4.00 pro 100 Kilometer kosten und pro Umsteigen kommen etwa CHF 1.50 hinzu.

    Vielleicht liege ich mit dieser Kalkulation auch völlig daneben. :) Ein HSG-Absolvent (oder jemand aus einer anderen Uni) könnte dies natürlich genauer berechnen.

  4. Andreas Hobi | schweizweit.net am 30.01.2008 um 00:04

    @ Ralf: Dem stimme ich voll und ganz zu! :) Würde die DB einen Preis festlegen, mit dem sie Gewinn erwirtschaften würde, wäre die Versicherung unbezahlbar. Würde sie jedoch einen zahlbaren Preis verlangen, wäre sie rasch pleite… :)

    Apropos DB: Umfrage zur Zufriedenheit mit der Deutschen Bahn

  5. Federico am 30.01.2008 um 05:03

    …und die Kondukteure müssten bei einer grossen Verspätung keine Gutscheine mehr abgeben. Denn wer die Versicherung nicht hat, der erhält auch nichts. Das wäre was…

  6. Sandra-Lia am 31.01.2008 um 14:44

    Viel wäre damit getan, das man ein Gutschein bekommt, wenn der Zug verspätung hat. Ganz ohne zusätzliche Versicherung. Zusätzlich wärs toll, wenn eben in den Randstunden die Verspätung “übertragen” wird, so das man nicht zuerst in Basel und dann in Olten fast ne Stunde warten muss. (Geschehen, weil der TGV aus Frankreich 1h 30min Verspätung hatte, und so erst weit nach 22 in Basel ankam, genau 10min zu spät, um den Zug nach Olten zu erreichen, und dann in Olten, weil der Letze Zug Nach Solothurn da um ca. 0.50 fährt. (der übrigens eine sehr gute erfindung ist)

    Und vorallem am Abend sollte mehr fahren :)

    Naja, die DB hat auch grössere Strecken, und natürlich keinen Service, aber, wie ich schon mal sagte, Deutschland ist ein Entwicklungsland. JEder, der fliehn kann, geht!

  7. Andreas Hobi | schweizweit.net am 31.01.2008 um 15:05

    Und vorallem am Abend sollte mehr fahren.

    –> Wo eine Nachfrage, da auch ein Angebot. Sprich: Wenn genügend Leute zur späten Stunde noch unterwegs sind, wird die SBB auch entsprechende Züge anbieten. :)

  8. Sandra-Lia am 31.01.2008 um 16:13

    hmm.. ich wär dafür, das es ein 9 Uhr und ein 18 Uhr GA gäbe. Das wären jedenfalls Sachen, die ich cool fände (ick bin ja doch schon was älter als 26)

  9. Andreas Hobi | schweizweit.net am 31.01.2008 um 16:18

    Der Kundendienst der SBB freut sich bestimmt immer über Vorschläge für neue Produkte.

  10. Petar am 31.01.2008 um 17:55

    Kaufst dir dann das 9 Uhr und 18 Uhr GA, und schon hast du ein echtes GA, wenn du dazwischen arbeites.

  11. Sandra-Lia am 01.02.2008 um 13:17

    naja, das 9 Uhr GA wär denn von 9 bis betriebsschluss gültig und das 18 Uhr GA wäre eben von 18 Uhr bis Betreibsschluss gültig.

    Ersteres ist vorallem für Menschen interessannt, die zb. ne Rente beziehn, oder Nachmittags arbeiten. Und letzeres für all jene, die gern in den Ausgang gehen :)

  12. Christian Hauser am 08.10.2008 um 10:50

    Das 9-Uhr-GA fände ich nicht einmal eine schlechte Idee! Aber ein 18-Uhr-GA? Da könnte man doch GLEIS 7 für alle jungen Leute (bis 34 oder soo… =)) verfügbar machen und nicht nur bis 25…

  13. Sandra-Lia am 08.10.2008 um 11:07

    Hm, Gleis 7 für alle wäre sicher nicht schlecht, damit könnte man vllt. auch die Kriminalität eindämmen.

  14. Andreas Hobi am 08.10.2008 um 11:12

    Welche Kriminalität? Und vorallem: Wie soll die SBB in Zukunft Geld verdienen, wenn viele nur noch mit dem Gleis7 durch die Gegend fahren?

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