Gestern brachte die Nachrichtensendung 10vor10 einen Beitrag über die SBB-Kondukteure und Billettfälschungen, welche wir immer wieder aufdecken. Über 1,000 gefälschte Fahrausweise wurden alleine in den letzten zwei Jahren eingezogen. Die Dunkelziffer wird entsprechend höher sein.

Aktuellster Fall: Im Thurgau hat ein 22jähriger Schweizer rund 50 Monatsabos gefälscht. Hierfür benutzte er gestohlenes Original-Billettpapier der SBB. Nun steht er wegen Urkundenfälschung vor Gericht, muss mit 5 Jahren Gefängnis rechnen und darf der SBB 16,500 Franken Schadenersatz zahlen. So kann man sich das Leben auf gut deutsch “versauen”.

Ich finde es toll, dass die SBB via Medien den (potentiellen) Fälschern zeigen will: “Hey, das hat keinen Wert! Früher oder später erwischen wir euch und dann seid ihr dran!” Weniger toll finde ich, dass die SBB gleichzeitig (wie im 10vor10-Beitrag gesehen) aufzeigt, auf welche Art man Fahrausweise fälschen kann. Ein SBB-Kondukteur erklärt das im Beitrag sehr genau. Zu genau, wenn man mich fragt. Es hätte gereicht, wenn er einfach sagen würde: “Die Billette werden mit speziellen Materialien behandelt.” Punkt. Und nicht auch gleich noch: Und dann braucht man dazu Wachs, und Klebestreifen…

Ich hatte auch schon gefälschte Fahrausweise in den Händen (vorallem in Schulungen) und staune immer wieder, welche Qualität dabei erreicht wird. Viele Fälschungen erkennt man erst, wenn man sie aus den Plastikhüllen nimmt oder mit der UV-Lampe untersucht.

Viele Abonnenten (insbesondere GA-Kunden) ärgern sich zwar jeweils, wenn ich sie bitte, die Abos aus den Hüllen oder aus dem Portemonnaie zu nehmen, doch uns bleibt nichts anderes übrig. Nur so können wir echte Abos von gefälschten unterscheiden. Solange sich das Abo hinter einer Plastikfolie oder einem feinen Netzchen (wie in Portemonnaies häufig der Fall) befinden, ist für uns kein Unterschied erkennbar.

Am Schluss des 10vor10-Berichts gibt’s für die Zuschauer noch einen “Blick in die Zukunft”. Gezeigt wird die neue, durchsichtige “Hightech-Version” der zukünftigen Abos. Viele SBB-Mitarbeiter fahren bereits heute damit herum, bald werden vermutlich auch die ersten Kunden solche Abos erhalten. Dann wird das Katz-und-Maus-Spiel von vorne beginnen und es wird nicht lange dauern, bis auch diese Abos gefälscht werden.

Übrigens: Folgende Worte habe ich letztes Jahr im Artikel “Haben gefälschte Billette bald ein Ende?” gesagt:

Persönlich gehe ich davon aus, dass die SBB noch im 2008 oder spätestens 2009 eine neue Generation von Fahrausweisen (im Papierformat) und Abos (im Kreditkartenformat) in Umlauf bringen wird.

Mit solch hellseherischen Fähigkeiten müsste man doch direkt bei Uri Geller auftreten! ;o) Nein, Spass beiseite, es war abzusehen, dass eine neue Generation von Abos kommen wird. Und ich bin nach wie vor überzeugt, dass auch bei den Papier-Billetten demnächst ein Wechsel stattfindet. Diese werden aber wohl kaum durchsichtig sein. :)

Bilder © Schweizer Fernsehen SF / 10vor10